Wenn man den Strom in einem Leiter schließt, so wirkt jeder vom Strome
schon durchflossene Teil des Leiters auf jeden folgenden Teil
induzierend, bringt also darin einen Schließungsstrom hervor. Besonders
kräftig ist diese Wirkung, wenn im Schließungsdrahte parallele Windungen
vorhanden sind. #Da der Schließungsstrom dem primären Strom
entgegengesetzt gerichtet ist, so schwächt er ihn#; der Batteriestrom
fließt deshalb nicht sofort in seiner ganzen (den Ohmschen Gesetzen
entsprechenden) Stärke, sondern wächst allmählich auf diese Höhe an.
Dieser beim Stromschluß in der eigenen Leitung induzierte Strom heißt
#Gegenstrom#.
Ähnliches findet statt, wenn der Strom geöffnet wird; dadurch daß der
Strom in der ersten Windung aufhört, induziert er in den folgenden einen
Strom von gleicher Richtung, der also den noch vorhandenen Strom stärkt
und dadurch auch dessen Aufhören verzögert. Dasselbe findet in jeder
folgenden Windung statt. Diese beim Öffnen entstehende Induktion auf die
eigene Leitung bewirkt also, daß, ^nachdem der Hauptstrom schon
unterbrochen ist, in der Leitung noch ein Strom läuft, der^
#Öffnungsextrastrom#, auch bloß #Extrastrom# oder #Extrakurrent#
genannt, der dem Hauptstrom gleichgerichtet ist, und sogar #mit noch
höherer elektromotorischer Kraft# verläuft.
Der Öffnungsstrom zeichnet sich durch besondere Wirkungen aus. Wenn man
einen Strom dadurch unterbricht, daß man zwei Drahtenden trennt, so
springt ein ^Funke^ über, hervorgebracht durch die hohe
elektromotorische Kraft des Extrastromes, welche Elektrizitäten von
hoher Spannung an die Drahtenden bringt. Der Funke reißt dabei Teilchen
der Leiter weg, die dann in der Luft verbrennen.
Bei der elektrischen Uhr, bei der elektrischen Klingel, beim Telegraphen
entsteht bei jedem Öffnen des Stromes der Extrastrom, bringt einen
Funken hervor und ^beschädigt dadurch den Kontakt^. Man macht die
Kontaktteile deshalb meist aus ^Platin^, da dies stets blank bleibt.
[Abbildung: Fig. 191.]
Man beseitigt diese Funkenbildung durch Einschaltung eines
#Kondensators.# Der Kondensator besteht aus mehreren über einander
geschichteten Stanniolblättern, die durch Wachstuchblätter isoliert
sind. Alle in der Ordnungszahl ^ungeraden^ Stanniolblätter werden unter
sich und mit dem einen Teile des Kontaktes, die ^geraden^
Stanniolblätter mit dem andern Teile des Kontaktes verbunden. Wenn nun
in ~a~ der Strom geöffnet wird und der Öffnungsstrom entsteht, so daß
etwa von rechts +, von links - ~E~ zur Kontaktstelle hinläuft, so laufen
die Elektrizitäten auch in die Stanniolblätter und werden an deren
großen Flächen kondensiert. Deshalb bekommt die freie Elektrizität an
der Trennungsstelle keine hohe Spannung, und es entsteht kein Funke.
Später kann der Funke auch nicht mehr entstehen, da die Entfernung der
Kontaktstücke bald zu groß geworden ist. Die in den Stanniolblättern
aufgespeicherte Elektrizität gleicht sich dann, rückwärts fließend,
durch die Batterie aus.
Auf diesen Extraströmen beruht der #Selbstinduktionsapparat#. Er besteht
aus einem #Elektromagnet# von sehr vielen Windungen, vor dessen Polen
sich ein #Wagner’scher Hammer# befindet, der den Strom in rascher Folge
unterbricht. Jeder Öffnungsstrom bewirkt nun einen Funken am Kontakte;
leitet man aber von den zwei Kontaktstücken wie in Fig. 192 Drähte fort,
zwischen welche eine Leiter von großem Widerstande, also etwa der
menschliche Körper, ein Wasserzersetzer oder ähnliches, eingeschaltet
ist, so geht der Öffnungsstrom durch diesen Leiter und nicht durch die
Luftschichte am geöffneten Kontakt. Schon in dieser einfachen Form,
gespeist von nur einem Elemente, wird dieser Induktionsapparat vielfach
von Ärzten benützt. Durch diesen Apparat gelingt auch die
Wasserzersetzung, wenn sie auch mit einem Elemente allein wegen dessen
geringer elektromotorischen Kraft nicht eintreten könnte; denn der durch
den Wasserzersetzer fließende Extrakurrent hat eine hohe
elektromotorische Kraft.
[Abbildung: Fig. 192.]