136. Telegraphenleitung.

Der Strom wird vom Zeichengeber der einen Station zum Zeichenempfänger

der anderen Station geleitet durch die bekannten Telegraphendrähte,

verzinkte Eisendrähte. Sie werden von hohen Stangen getragen und, damit

sie von der Erde #isoliert# sind, auf Glas- oder Porzellanglocken

befestigt. Es sollte eine ebensolche Leitung vom Zeichenempfänger zum

andern Pole der Batterie zurückführen. Aber bald nach Erfindung der

Telegraphen fand Steinheil (1837), daß man diese #Rückleitung# sparen

und an ihrer Stelle mit Vorteil die #Erde# benützen könne (Erdleitung).

Man führt von dem einen, etwa dem - Pole der Batterie einen Draht in die

feuchte Erde und läßt ihn dort in eine Platte (Bodenplatte) endigen.

Dadurch ist dieser Pol abgeleitet. Man führt nun vom andern, dem + Pole

der Batterie, den Draht zum Drücker, dann zur Telegraphenleitung

(Linie), zum Elektromagnet des Zeichenempfängers und dann auch sofort

zur Erde in eine Bodenplatte; dadurch ist auch der positive Pol

abgeleitet. Wenn nun durch den Drücker der Strom geschlossen wird, so

läuft einerseits die - ~E~ direkt zur Erde, anderseits läuft die + ~E~

durch Leitung und Empfänger zur Erde. Von beiden Bodenplatten aus

fließen die Elektrizitäten zur Erde ab, verbreiten sich auf ihr und sind

dadurch verschwunden. Die Erdleitung ist nicht bloß praktisch wichtig,

sondern auch theoretisch interessant, weil man erkennt, daß zum

Zustandekommen des galvanischen Stromes nicht der wirkliche Ausgleich

von ± ~E~ notwendig ist, sondern daß etwa die positive Elektrizität

allein schon dadurch, daß sie durch den Draht fließt, alle Wirkungen des

galvanischen Stromes hervorbringen kann; denn auf dem ganzen Drahte vom

+ Pole bis zur weit entfernten Erdplatte ist nur positive Elektrizität

vorhanden, am Pole von hoher Spannung, an der Erdplatte von sehr

geringer Spannung (= 0). Diese ungleiche Verteilung der Elektrizität

bringt den Strom hervor, wenn durch Ableitung des - Poles dafür gesorgt

ist, daß auch der - Pol keine hohe Spannung bekommen kann.

Telegraphenleitungen, welche durch das #Meer# gelegt werden, werden

durch eine Hülle aus #Guttapercha isoliert#. Um dieser Leitung

Festigkeit zu verleihen, wird sie mit Hanf und dann mit einem Kranze

dicker Eisendrähte umgeben, nochmal mit Hanf umsponnen (worauf beim

Küstenkabel noch ein Kranz von Eisenstäben folgt) und geteert. Auf

ähnliche Art werden #Erdleitungen# eingerichtet.

[Abbildung: Fig. 177.]

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 142 / 340 题