Der Strom wird vom Zeichengeber der einen Station zum Zeichenempfänger
der anderen Station geleitet durch die bekannten Telegraphendrähte,
verzinkte Eisendrähte. Sie werden von hohen Stangen getragen und, damit
sie von der Erde #isoliert# sind, auf Glas- oder Porzellanglocken
befestigt. Es sollte eine ebensolche Leitung vom Zeichenempfänger zum
andern Pole der Batterie zurückführen. Aber bald nach Erfindung der
Telegraphen fand Steinheil (1837), daß man diese #Rückleitung# sparen
und an ihrer Stelle mit Vorteil die #Erde# benützen könne (Erdleitung).
Man führt von dem einen, etwa dem - Pole der Batterie einen Draht in die
feuchte Erde und läßt ihn dort in eine Platte (Bodenplatte) endigen.
Dadurch ist dieser Pol abgeleitet. Man führt nun vom andern, dem + Pole
der Batterie, den Draht zum Drücker, dann zur Telegraphenleitung
(Linie), zum Elektromagnet des Zeichenempfängers und dann auch sofort
zur Erde in eine Bodenplatte; dadurch ist auch der positive Pol
abgeleitet. Wenn nun durch den Drücker der Strom geschlossen wird, so
läuft einerseits die - ~E~ direkt zur Erde, anderseits läuft die + ~E~
durch Leitung und Empfänger zur Erde. Von beiden Bodenplatten aus
fließen die Elektrizitäten zur Erde ab, verbreiten sich auf ihr und sind
dadurch verschwunden. Die Erdleitung ist nicht bloß praktisch wichtig,
sondern auch theoretisch interessant, weil man erkennt, daß zum
Zustandekommen des galvanischen Stromes nicht der wirkliche Ausgleich
von ± ~E~ notwendig ist, sondern daß etwa die positive Elektrizität
allein schon dadurch, daß sie durch den Draht fließt, alle Wirkungen des
galvanischen Stromes hervorbringen kann; denn auf dem ganzen Drahte vom
+ Pole bis zur weit entfernten Erdplatte ist nur positive Elektrizität
vorhanden, am Pole von hoher Spannung, an der Erdplatte von sehr
geringer Spannung (= 0). Diese ungleiche Verteilung der Elektrizität
bringt den Strom hervor, wenn durch Ableitung des - Poles dafür gesorgt
ist, daß auch der - Pol keine hohe Spannung bekommen kann.
Telegraphenleitungen, welche durch das #Meer# gelegt werden, werden
durch eine Hülle aus #Guttapercha isoliert#. Um dieser Leitung
Festigkeit zu verleihen, wird sie mit Hanf und dann mit einem Kranze
dicker Eisendrähte umgeben, nochmal mit Hanf umsponnen (worauf beim
Küstenkabel noch ein Kranz von Eisenstäben folgt) und geteert. Auf
ähnliche Art werden #Erdleitungen# eingerichtet.
[Abbildung: Fig. 177.]