132. Der Morsesche Schreibtelegraph.

Der Telegraph (Fernschreiber) ermöglicht, Zeichen, welche die Bedeutung

von Buchstaben haben, in sehr kurzer Zeit an einen weit entfernten Ort

zu signalisieren.

Schon im Jahre 1809, kurz nachdem Volta seine Säule gebaut hatte,

schlug Sömmering vor, mittels Wasserzersetzung zu telegraphieren; doch

hat diese Einrichtung niemals praktische Verwendung gefunden.

Schilling konstruierte 1832 das Modell eines Telegraphen und Gauß und

Weber stellen 1833 die erste größere Telegraphenleitung in Göttingen

her. Doch kann deren Einrichtung auch erst später erklärt werden.

Steinheil in München verbesserte den Apparat (1838), so daß schon

geschriebene Zeichen übermittelt wurden. Morse, ein Amerikaner,

konstruierte 1837 ein Modell und etwas später den Schreibtelegraphen,

welcher noch gegenwärtig in Verwendung steht.

Der Morsesche Schreibtelegraph.

[Abbildung: Fig. 171.]

Der #Zeichengeber# hat den Zweck, den Strom nach Belieben und bequem

schließen und öffnen zu können. Auf der Aufgabestation ~A~ befindet sich

als Zeichengeber der #Taster# ^oder Drücker, auch Schlüssel genannt^. Er

besteht aus einem Hebel, der mittels eines Elfenbeinknopfes

niedergedrückt werden kann und dann durch eine Feder wieder

zurückschnellt. Beim Niederdrücken berührt er mittels eines

hervorragenden Daumens einen Stift und schließt dadurch den Strom. Man

ist imstande, durch den Zeichengeber den Strom kurze oder längere Zeit

zu schließen.

[Abbildung: Fig. 172.]

Der Zeichenempfänger besteht aus einem #Elektromagnet# ~M~, dessen

Windungen vom Strome durchflossen werden, so daß er beim Schließen des

Stromes magnetisch, beim Öffnen unmagnetisch wird. Etwas oberhalb ist

ein #Hebel# ~AS~ angebracht; dieser trägt am einen Ende ein Stück

weiches Eisen, das als #Anker# ~A~ gerade über den Polen des

Elektromagnetes liegt; wird der Elektromagnet magnetisch, so zieht er

den Anker an, wird er unmagnetisch, so reißt eine #Abreißfeder# ~F~ den

Anker wieder von den Polen weg. Stellschrauben, welche ober- und

unterhalb des Hebels angebracht sind, begrenzen die Bewegung. Das andere

Hebelende trägt einen #Schreibstift# ~S~ (Bleistift oder Stahlstift),

welcher, wenn der Anker angezogen ist, auf einen #Papierstreifen# drückt

und auf ihm Zeichen macht. Der Papierstreifen kommt von einer

Papierrolle ~R~ und läuft zwischen zwei rauhen Walzen durch; die Walzen

werden durch ein Triebwerk (Uhrwerk, das von Zeit zu Zeit aufgezogen

wird) in mäßige Drehung versetzt, ziehen dabei den Papierstreifen heraus

und führen ihn in der Nähe des Schreibstiftes vorbei. Bei kurzem

Stromschlusse macht der Schreibstift nur einen Punkt, bei längerem einen

Strich auf den fortlaufenden Papierstreifen. Morse setzte aus Punkten

und Strichen ein Alphabet zusammen, das von allen Nationen angenommen

wurde und nun ^internationale Gültigkeit^ hat, so daß z. B. der

Buchstabe ~a~ in allen Sprachen durch dasselbe Zeichen telegraphiert

wird. Den Schreibstift hat man durch eine Färbevorrichtung ersetzt und

nennt einen damit versehenen Apparat einen #Farbenschreiber#. An Stelle

des Schreibstiftes ist am Hebelende eine kleine Platte angebracht,

welche, wenn der Anker angezogen wird, das Papier etwas nach aufwärts

drückt. Dadurch kommt das Papier in Berührung mit dem #Schreibrädchen#;

das ist eine Scheibe, die am Rande eine stumpfe Schneide besitzt, durch

das Uhrwerk beständig gedreht wird, dabei eine Farbwalze berührt und von

derselben mit zähflüssiger Farbe versehen wird.

[Abbildung: Fig. 173.]

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 138 / 340 题