121. Messung von Widerständen.

Rheostat und Rheochord dienen auch dazu, um Widerstände zu messen.

Einfaches Verfahren: Man schaltet in einen Stromkreis zuerst den zu

messenden Widerstand, und dann so viel Rheostatwiderstand ein, bis die

Galvanometernadel wieder dieselbe Stellung hat, wie zuerst, dann ist der

eingeschaltete Rheostatwiderstand gleich dem zu messenden Widerstand.

Dies Verfahren ist nicht genau, weil schon während der kurzen Dauer des

Versuches sich die elektromotorische Kraft des Elements geändert haben

kann.

[Abbildung: Fig. 150.]

Die #Wheatstone’sche Brücke#. Sie beruht auf dem Gesetz der

#Stromverzweigung#. Findet der Strom zwei Wege, so verteilt er sich auf

beide und zwar so, daß durch den Zweig mit kleinerem Widerstande ein

Zweigstrom von größerer Stärke fließt: #Die Stromstärken der Zweige

verhalten sich umgekehrt wie die Widerstände der Zweige.# Sind die

Widerstände der Zweige gleich, so sind auch die Ströme in beiden Zweigen

gleich stark.

Die Wheatstone’sche Brücke ist folgendermaßen eingerichtet: Der Strom

führt zum Stifte ~A~ und verzweigt sich dort: der eine Zweig führt zum

Stifte ~B~ und von da zum Stifte ~C~, wobei die Drähte ~AB~ und ~BC~

^genau gleichen Widerstand^ haben. Der andere Zweig führt von ~A~ nach

dem Stifte ~D~, dieser Teil ist der zu messende Widerstand ~w~, dann von

~D~ nach ~C~, dieser Teil ist ein Rheostat mit Rheochord. Schließlich

sind ~B~ und ~D~ durch die ^Brücke^, ein empfindliches Galvanometer,

verbunden.

Dem Strom bieten sich zwischen ~A~ und ~C~ vier Wege:

1) . . . . ~A~, ~B~, ~C~ . . . .

2) . . . . ~A~ (~w~) ~D~ (~Rh~) ~C~ . . . . .

3) . . . . ~A~ ~B~ (~g~) ~D~ (~Rh~) ~C~ . . . .

4) . . . . ~A~ (~w~) ~D~ (~g~) ~B~ ~C~ . . . .

Die beiden letzten Ströme, welche das Galvanometer (~G~) in

^entgegengesetzter Richtung durchfließen, lenken die Nadel gar nicht ab,

wenn sie gleich stark sind^. Ihre Widerstände sind:

3) Draht ~AB~, Galvanometerwiderstand ~g~, Rheostatwiderstand ~Rh~,

also: ~AB + g + Rh~.

4) Eingeschalteter Widerstand ~W~, Galvanometerwiderstand ~G~, Draht

~BC~, also: ~W + G + BC~. Da ~G = G~, ~BC = AB~, so sind die beiden

Zweigwiderstände einander gleich, wenn ~W = Rh~; dann sind aber auch die

Zweigströme einander gleich und die Nadel steht auf 0. ^Schaltet man am

Rheostat so viele Widerstände ein, daß die Nadel auf 0 steht, so ist der

zu messende Widerstand ~W~ gleich dem Widerstande des Rheostaten und

Rheochordes^.

Dabei ist zu bemerken, daß, wenn die Nadel auf 0 steht, nicht wirklich

zwei Ströme von entgegengesetzter Richtung durch das Galvanometer

fließen, sondern daß in diesem Falle gar kein Strom das Galvanometer

durchfließt; es ist das ebenso, wie wenn ein Wasserstrom sich in die

Zweige ~ABC~ und ~ADC~ teilt und diese Zweige unterwegs durch den

Kanal ~BD~ verbunden werden; in ihm ist das Wasser dann ruhig, wenn

der Punkt ~D~ das Gefälle des Zweiges ~ADC~ ebenso halbiert, wie ~B~

das Gefälle des ~ABC~ halbiert.

#Tabelle der spezifischen Leitungswiderstände.#

Quecksilber = 1

Wismut = 1,33

Antimon = 0,36

Neusilber = 0,21

Blei = 0,20

Zinn = 0,13

Eisen = 0,099

Platin = 0,092

Zink = 0,057

Messing = 0,051

Gold = 0,021

Kupfer = 0,016

Silber = 0,015

Verdünnte Schwefelsäure sp. G. 1,01 131 600

„ 1,05 34 300

„ 1,10 18 400

„ 1,23 12 600

Salpetersäure 16 000

Kupfervitriol 2 Teile in 10 Tl. Wasser gelöst 170 000

Zinkvitriol 3 Tl. in 10 Tl. Wasser gelöst 220 000

Kochsalzlösung gesättigt 57 000

Wasser 14 000 000

Graphit 17,7

Gaskohle 32,6

Bei wachsender Temperatur nimmt der Widerstand bei Metallen zu, bei

Flüssigkeiten ab.

Da unter den billigen Metallen ^Kupfer^ den geringsten Widerstand hat,

so wird es zu kurzen Leitungen, Multiplikatorwindungen etc. stets

verwendet. Bei langen Leitungen (Telegraph) benützt man Eisen, das

jedoch einen 6 mal so großen Widerstand hat. Das Leitungsvermögen der

Metalle für Elektrizität ist annähernd proportional dem für Wärme.

Verunreinigung oder Legieren der Metalle erhöht im allgemeinen ihren

Widerstand beträchtlich (Messing). Flüssigkeiten (außer Quecksilber)

haben alle einen ^viel größeren^, reines Wasser hat einen ^ungemein

hohen^ Widerstand. Löst man im Wasser Salze auf, oder vermischt es mit

Säuren, so wird sein Widerstand ^beträchtlich kleiner^, bei

Schwefelsäure mehr als tausendmal. Doch haben nicht gerade die

konzentrierten Lösungen den kleinsten Widerstand; so hat z. B.

Kochsalzlösung bei 30 _g_ Salz auf 100 _g_ Wasser, Schwefelsäure bei 13

Äquivalenten ~H₂O~ auf ein ~SO₄H₂~ (sp. G. 1,23) den geringsten

Widerstand. Sollen Flüssigkeitsschichten einen geringen Widerstand

haben, so müssen sie ^kurz^ sein und ^großen Querschnitt^ haben. Z. B.

die Schwefelsäureschichte in einem Grove’schen Element bei 1 _cm_ Länge

(Abstand der Zinkplatte vom Diaphragma) und 20 _cm_ Breite (der

Zinkplatte) und 15 _cm_ Tiefe (des Eintauchens) hat einen Widerstand:

c l 18 000 · 0,01

~W = --- = ------------- = 0,006 SE = 0,056 O~.

q (200 · 150)

Die Zinkvitriolschichte beim einfachsten Meidingerelement bei einer

Länge (Höhe) von 10 _cm_ und einem Becherdurchmesser von 10 _cm_ hat

einen Widerstand von ca.

220 000 · 0,1

~W = -------------- = 2,8 SE = 2,64 O~.

50 · 50 · 3,14

Telegraphendraht von 4 _mm_ Durchmesser hat für jedes Kilometer ca. 8

Ohm, der menschliche Körper von Hand zu Hand ca. 1000 Ohm Widerstand.

Aufgaben:

#96.# Welchen elektrischen Widerstand hat ein Draht von 5 _qmm_

Querschnitt und 6,4 _km_ Länge?

#97.# Wie groß ist der Widerstand einer Schwefelsäureschichte zwischen

zwei Platten von 84 _cm_ Länge und 62 _cm_ Breite bei einem Abstand von

1,2 _cm_, wenn der sp. Widerstand 184 000 ist?

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 126 / 340 题