119. Verteilung der Elektrizität in einem Strome.

Ohmsches Gesetz über das Gefälle.

Durch die elektromotorische Kraft bildet sich auf der Grenzfläche

zwischen Zink und Flüssigkeit einerseits negative, andrerseits positive

Elektrizität; beide fließen durch den Schließungsdraht und gleichen sich

aus. ^Es ist deshalb auf der ganzen Strecke zwischen Zink und der

Ausgleichstelle freie negative Elektrizität, und auf der Strecke vom

Zink durch die Flüssigkeit bis zur Ausgleichstelle freie positive

Elektrizität vorhanden, beidesmal in abnehmender Stärke^. Die Abnahme

des Potenzials der freien Elektrizität von den Polen bis zur

Ausgleichstelle nennt man nach Ohm ^das Gefälle des Stromes^. Man kann

es darstellen durch eine Linie, deren Punkte von einer geraden Linie,

welche den Verbindungsdraht vorstellt, um so weiter entfernt sind, je

größer das Potenzial ist, wie in Fig. 146.

[Abbildung: Fig. 146.]

#Indem jede Stelle von der benachbarten Stelle, welche höheres Potenzial

hat, Elektrizität erhält, andererseits an die benachbarte Stelle

niedrigeren Potenzials Elektrizität abgibt, fließt durch jede Stelle des

Drahtes Elektrizität,# während gleichzeitig das Gefälle sich erhält. An

den Polen wird die abfließende Elektrizität durch die elektromotorische

Kraft wieder ersetzt.

Leicht ist zu sehen, daß an keiner Stelle das Gefälle = 0 (horizontal)

oder gar in entgegengesetztem Sinn vorhanden sein kann, da beidesmal

durch weiteres Fließen der Elektrizität sofort das normale Gefälle

wieder hergestellt werden würde.

Ohm’sches Gesetz über das Gefälle.

^Jede Stelle des Stromkreises erhält so viel Elektrizität von der einen

Seite, als sie nach der andern Seite abgibt^; denn gäbe sie weniger ab,

so würde sie Elektrizität ansammeln, ihr Potenzial müßte steigen, so daß

sie einerseits von links nichts bekommen könnte, andrerseits nach rechts

mehr abgeben würde. Da dieser Satz für jede Stelle gilt, so folgt: #Die

Mengen der durch jeden Querschnitt des Stromkreises fließenden

Elektrizität sind alle einander gleich. Die Menge der in einer Sekunde

durch einen Querschnitt fließenden Elektrizität nennt man die

Stromstärke#; die Stromstärke ist in jedem Teile des Stromquerschnittes

dieselbe. Man vergleiche den galvanischen Strom mit einem Flusse, bei

dem auch trotz Stromschnellen und Stromerweiterungen die Stromstärke in

jedem Querschnitte dieselbe ist, d. h. bei dem auch in jeder Sekunde

durch jeden Querschnitt gleich viel Wasser läuft.

[Abbildung: Fig. 147.]

Besteht der Stromweg aus gleichmäßigem Material, gleich dickem

Kupferdraht, so ist auch das Gefälle gleichmäßig. Besteht der Stromweg

aus verschiedenartigem Material, z. B. verschieden dicken Drähten

verschiedener Metalle, Flüssigkeitsschichten u. s. w., so bieten diese

dem Durchgange der Elektrizität einen verschiedenen ^Widerstand^. Durch

eine Stelle ^größeren^ Widerstandes (dünneren Drahtes) könnte nur

^weniger^ Elektrizität fließen als durch eine Stelle geringeren

Widerstandes (dickeren Drahtes). Da aber in ^demselben^ Stromkreise

durch ^jede^ Stelle ^gleichviel^ Elektrizität fließen muß, so muß das

Gefälle ein ^ungleichmäßiges^ sein: an den Stellen ^größeren^

Widerstandes muß das Gefälle ^größer^ sein und umgekehrt: #das Gefälle

in einem Stromkreis ist proportional den Widerständen#. Siehe Fig. 147.

Die Potenzialdifferenz verteilt sich auf den Stromkreis proportional den

Widerständen.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 124 / 340 题