101. Die Leydener Flasche.

Die ^Leydener Flasche oder Kleist’sche Flasche^ besteht aus einem

Becherglas, das innen und außen bis einige _cm_ vom Rande mit Stanniol

beklebt ist; sie ist bedeckt mit einem Holzdeckel, durch welchen ein

Metallstift gesteckt ist; dieser trägt oben eine Messingkugel, unten ein

Messingkettchen, das bis auf den Boden reicht.

[Abbildung: Fig. 129.]

Sie wird geladen, indem man die Kugel und somit den inneren

Stanniolbeleg mit dem Konduktor einer Elektrisiermaschine verbindet;

dann ist der innere Beleg die Kollektorplatte, der äußere die

Kondensatorplatte und meist hinreichend abgeleitet dadurch, daß man ihn

auf den Tisch stellt. Sie wird entladen, indem man den äußeren Beleg mit

der Kugel verbindet (Auslader).

Eine kleine Leydener Flasche faßt 30 mal, eine große 5-600 mal so viel

Elektrizität wie eine Kugel von 10 _cm_ Radius.

Ist die Leydener Flasche geladen, so sind die auf den Belegen

vorhandenen Elektrizitäten #gebunden, sie ziehen sich gegenseitig an#,

so daß nicht eine ohne die andere fortfließen kann. Dies erkennt man an

der - ~E~ des äußeren Beleges unmittelbar, ersieht es aber auch am

innern Belege, wenn man die geladene Flasche auf einen ^Isolierschemel^

(Schemel mit Glasfuß) stellt; berührt man nun den Knopf ableitend, so

fließt nur wenig Elektrizität ab (schwacher Funke). Denn die - ~E~ des

äußeren Beleges ist, da sie Influenzelektrizit ist, an sich schon an

Menge geringer als die influenzierende + ~E~ des inneren Beleges, kann

also nur eine Menge influenzierend anziehen, die kleiner ist als sie

selbst; es läuft also so viel von der + ~E~ des inneren Beleges fort,

daß der zurückbleibende Rest gerade noch durch die anziehende Kraft der

- ~E~ gehalten oder gebunden werden kann. Nun hat der äußere Beleg

Überschuß, den man ableiten kann, dann wieder der innere; man kann so

eine Leydener Flasche auch ^ruckweise entladen^. Ist die Leydener

Flasche isoliert aufgestellt, so kann man sie auch durch den äußeren

Beleg laden.

Wenn man eine Leydener Flasche so konstruiert, daß man den ^inneren

Beleg herausnehmen^ kann, ^so zeigt sich der Beleg sehr wenig

elektrisch^. ^Die größte Menge Elektrizität ist auf der inneren

Glasfläche sitzen geblieben^, da sie von der äußeren - ~E~ angezogen

wird und sich vom Beleg leicht trennt. Kann man auch den äußeren Beleg

abheben, so zeigt sich auch dieser sehr wenig elektrisch; fast alle

Elektrizität sitzt auf dem Glase. Entladet man die abgehobenen Belege

und fügt sie wieder an das Glas, so zeigt sich die Flasche wieder

geladen, wenn auch etwas schwächer als zuerst.

#Elektrischer Rückstand.# Eine Leydener Flasche zeigt sich ^kurze Zeit

nach der Entladung wieder geladen^, jedoch schwach; sie gibt einen

kleinen Funken und dann noch mehrere, immer schwächer werdende.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 106 / 340 题