Die ^Leydener Flasche oder Kleist’sche Flasche^ besteht aus einem
Becherglas, das innen und außen bis einige _cm_ vom Rande mit Stanniol
beklebt ist; sie ist bedeckt mit einem Holzdeckel, durch welchen ein
Metallstift gesteckt ist; dieser trägt oben eine Messingkugel, unten ein
Messingkettchen, das bis auf den Boden reicht.
[Abbildung: Fig. 129.]
Sie wird geladen, indem man die Kugel und somit den inneren
Stanniolbeleg mit dem Konduktor einer Elektrisiermaschine verbindet;
dann ist der innere Beleg die Kollektorplatte, der äußere die
Kondensatorplatte und meist hinreichend abgeleitet dadurch, daß man ihn
auf den Tisch stellt. Sie wird entladen, indem man den äußeren Beleg mit
der Kugel verbindet (Auslader).
Eine kleine Leydener Flasche faßt 30 mal, eine große 5-600 mal so viel
Elektrizität wie eine Kugel von 10 _cm_ Radius.
Ist die Leydener Flasche geladen, so sind die auf den Belegen
vorhandenen Elektrizitäten #gebunden, sie ziehen sich gegenseitig an#,
so daß nicht eine ohne die andere fortfließen kann. Dies erkennt man an
der - ~E~ des äußeren Beleges unmittelbar, ersieht es aber auch am
innern Belege, wenn man die geladene Flasche auf einen ^Isolierschemel^
(Schemel mit Glasfuß) stellt; berührt man nun den Knopf ableitend, so
fließt nur wenig Elektrizität ab (schwacher Funke). Denn die - ~E~ des
äußeren Beleges ist, da sie Influenzelektrizit ist, an sich schon an
Menge geringer als die influenzierende + ~E~ des inneren Beleges, kann
also nur eine Menge influenzierend anziehen, die kleiner ist als sie
selbst; es läuft also so viel von der + ~E~ des inneren Beleges fort,
daß der zurückbleibende Rest gerade noch durch die anziehende Kraft der
- ~E~ gehalten oder gebunden werden kann. Nun hat der äußere Beleg
Überschuß, den man ableiten kann, dann wieder der innere; man kann so
eine Leydener Flasche auch ^ruckweise entladen^. Ist die Leydener
Flasche isoliert aufgestellt, so kann man sie auch durch den äußeren
Beleg laden.
Wenn man eine Leydener Flasche so konstruiert, daß man den ^inneren
Beleg herausnehmen^ kann, ^so zeigt sich der Beleg sehr wenig
elektrisch^. ^Die größte Menge Elektrizität ist auf der inneren
Glasfläche sitzen geblieben^, da sie von der äußeren - ~E~ angezogen
wird und sich vom Beleg leicht trennt. Kann man auch den äußeren Beleg
abheben, so zeigt sich auch dieser sehr wenig elektrisch; fast alle
Elektrizität sitzt auf dem Glase. Entladet man die abgehobenen Belege
und fügt sie wieder an das Glas, so zeigt sich die Flasche wieder
geladen, wenn auch etwas schwächer als zuerst.
#Elektrischer Rückstand.# Eine Leydener Flasche zeigt sich ^kurze Zeit
nach der Entladung wieder geladen^, jedoch schwach; sie gibt einen
kleinen Funken und dann noch mehrere, immer schwächer werdende.