Ein isolierter Leiter, mit dem Konduktor der Elektrisiermaschine
verbunden, ^kann wie der Konduktor selbst, nur bis zu einem gewissen
Grade mit Elektrizität geladen werden^. Man kann aber auf ihm noch
^größere Mengen Elektrizität ansammeln^, also gleichsam die Elektrizität
verdichten oder ^kondensieren^ auf folgende Weise: Der mit dem Konduktor
verbundene Leiter sei eine Metallplatte (~A~), sie heißt
^Kollektorplatte^; dieser parallel stellt man in mäßigem Abstande eine
zweite Metallplatte (~B~) auf, sie heißt die ^Kondensatorplatte^.
[Abbildung: Fig. 128.]
#Ohne Anwesenheit der Kondensatorplatte kommt auf die Kollektorplatte
eine gewisse Menge Elektrizität#, die dem Potenzial auf dem Konduktor
entspricht: ihre Menge sei ausgedrückt durch + 16, + 8 auf jeder Seite.
#Wird der Kondensator genährt, so wird er influenziert#, und zwar vorn,
d. i. auf der zugewendeten Seite -, hinten, d. i. auf der abgewandten
+; die letztere leiten wir zur Erde ab, weil sie die Wirkung der - ~E~
stören würde. #Die Elektrizität des Kondensators influenziert
rückwärtswirkend den Kollektor#, und zwar vorn +, hinten -, beidesmal
etwa 6; dadurch wird die + Elektrizität auf dem Kollektor vorn
verstärkt, 8 + 6 = 14, hinten geschwächt 8 - 6 = 2. #Durch die Nähe der
Kondensatorplatte wird zunächst nur eine andere Verteilung der auf dem
Kollektor befindlichen Elektrizität erreicht, während ihre Gesamtmenge
dieselbe geblieben ist#, 8 + 8 = 14 + 2.
Stets wenn man einem elektrischen Leiter einen Leiter nähert, wird
dessen Ladung anders verteilt; sie begibt sich mehr auf die Seite,
welche dem genäherten Leiter zugewendet ist.
Bleibt nun die Rückseite des Kollektors mit dem Konduktor einer tätigen
Elektrisiermaschine verbunden, ^so entspricht nun die auf der Rückseite
befindliche Menge + 2 nicht mehr dem Potenzial der Elektrizität auf dem
Konduktor^, sondern ist viel zu klein; #es kann jetzt vom Konduktor neue
Elektrizität auf den Kollektor herüberströmen#. Nehmen wir an, es
fließen wieder + 16 ~E~ herüber, so verteilen sich diese aus denselben
Gründen so, daß auf die Vorderseite 14 ~E~, auf die Rückseite 2 ~E~
hinkommen; es sind nun auf der Rückseite des Kollektors + 4 ~E~. Da
deren Menge noch nicht dem Potenzial des Konduktors entspricht, so kann
noch weitere Elektrizität vom Konduktor zum Kollektor gehen; #jede neu
herüberkommende Menge wird wieder ebenso verteilt wie die schon
vorhandene#. Es strömen noch so oft 16 ~E~ herüber, bis auf der
Rückseite des Kollektors wieder + 8 ist, wie es dem Potenzial des
Konduktors entspricht. Da nun, so oft auf der Rückseite des Kollektors +
2 ~E~ ist, auf der Vorderseite + 14 ~E~ ist, auf der Rückseite aber + 8
~E~ sein können, so können auf der Vorderseite 4 · 14 ~E~ sein; #deshalb
kann sich auf dem Kollektor mehr Elektrizität ansammeln# (4 mal mehr)
#als ohne Anwesenheit des Kondensators#. Auf dem Kondensator ist
natürlich eine entsprechende Menge - Elektrizität, also 4 · 13 ~E~.
Die Zahl 4 heißt die ^Verstärkungszahl^, sie gibt an, wie viel mal die
Menge der Elektrizität auf dem Kollektor größer wird durch die
Anwesenheit des Kondensators. Sie ^wächst, wenn der Abstand der Platten
kleiner wird^; denn dadurch wird die Wirkung der Influenz und
Rückwärtsinfluenz größer.
Es ist jedoch nicht nur der Abstand des influenzierenden Körpers,
sondern -- aus einem uns noch ganz unbekannten Grunde -- in hohem Grade
die Natur des umgebenden dielektrischen Stoffes maßgebend (Faraday). Ist
statt Luft ein anderes Dielektrikum vorhanden, so wird die
Verstärkungszahl und damit die Menge der angesammelten Elektrizität
größer: bei Schwefel 3,84, Ebonit 3,15, Glas 3,01-3,24, Vakuum 0,999,
Wasserstoff 0,995, Kohlensäure 1,0003 mal so groß wie bei Luft.
Bringt man die Platten einander einigermaßen nahe, so wächst infolge der
Elektrizitätsansammlung die Spannung bald so stark, daß beide
Elektrizitäten in Form eines Funkens sich ausgleichen und ^die
beabsichtigte Ansammlung vereiteln^. #Um den Ausgleich zu verhindern,
bringt man zwischen beide Platten einen starren Nichtleiter#, also etwa
eine Ebonitplatte oder eine Glasplatte. Sodann kann man die beiden
Platten einander sehr stark nähern, also auch sehr viel Elektrizität auf
ihnen ansammeln, ohne daß sie das Glas zu durchbrechen im stande wäre.