99. Elektrische Kondensation.

Ein isolierter Leiter, mit dem Konduktor der Elektrisiermaschine

verbunden, ^kann wie der Konduktor selbst, nur bis zu einem gewissen

Grade mit Elektrizität geladen werden^. Man kann aber auf ihm noch

^größere Mengen Elektrizität ansammeln^, also gleichsam die Elektrizität

verdichten oder ^kondensieren^ auf folgende Weise: Der mit dem Konduktor

verbundene Leiter sei eine Metallplatte (~A~), sie heißt

^Kollektorplatte^; dieser parallel stellt man in mäßigem Abstande eine

zweite Metallplatte (~B~) auf, sie heißt die ^Kondensatorplatte^.

[Abbildung: Fig. 128.]

#Ohne Anwesenheit der Kondensatorplatte kommt auf die Kollektorplatte

eine gewisse Menge Elektrizität#, die dem Potenzial auf dem Konduktor

entspricht: ihre Menge sei ausgedrückt durch + 16, + 8 auf jeder Seite.

#Wird der Kondensator genährt, so wird er influenziert#, und zwar vorn,

d. i. auf der zugewendeten Seite -, hinten, d. i. auf der abgewandten

+; die letztere leiten wir zur Erde ab, weil sie die Wirkung der - ~E~

stören würde. #Die Elektrizität des Kondensators influenziert

rückwärtswirkend den Kollektor#, und zwar vorn +, hinten -, beidesmal

etwa 6; dadurch wird die + Elektrizität auf dem Kollektor vorn

verstärkt, 8 + 6 = 14, hinten geschwächt 8 - 6 = 2. #Durch die Nähe der

Kondensatorplatte wird zunächst nur eine andere Verteilung der auf dem

Kollektor befindlichen Elektrizität erreicht, während ihre Gesamtmenge

dieselbe geblieben ist#, 8 + 8 = 14 + 2.

Stets wenn man einem elektrischen Leiter einen Leiter nähert, wird

dessen Ladung anders verteilt; sie begibt sich mehr auf die Seite,

welche dem genäherten Leiter zugewendet ist.

Bleibt nun die Rückseite des Kollektors mit dem Konduktor einer tätigen

Elektrisiermaschine verbunden, ^so entspricht nun die auf der Rückseite

befindliche Menge + 2 nicht mehr dem Potenzial der Elektrizität auf dem

Konduktor^, sondern ist viel zu klein; #es kann jetzt vom Konduktor neue

Elektrizität auf den Kollektor herüberströmen#. Nehmen wir an, es

fließen wieder + 16 ~E~ herüber, so verteilen sich diese aus denselben

Gründen so, daß auf die Vorderseite 14 ~E~, auf die Rückseite 2 ~E~

hinkommen; es sind nun auf der Rückseite des Kollektors + 4 ~E~. Da

deren Menge noch nicht dem Potenzial des Konduktors entspricht, so kann

noch weitere Elektrizität vom Konduktor zum Kollektor gehen; #jede neu

herüberkommende Menge wird wieder ebenso verteilt wie die schon

vorhandene#. Es strömen noch so oft 16 ~E~ herüber, bis auf der

Rückseite des Kollektors wieder + 8 ist, wie es dem Potenzial des

Konduktors entspricht. Da nun, so oft auf der Rückseite des Kollektors +

2 ~E~ ist, auf der Vorderseite + 14 ~E~ ist, auf der Rückseite aber + 8

~E~ sein können, so können auf der Vorderseite 4 · 14 ~E~ sein; #deshalb

kann sich auf dem Kollektor mehr Elektrizität ansammeln# (4 mal mehr)

#als ohne Anwesenheit des Kondensators#. Auf dem Kondensator ist

natürlich eine entsprechende Menge - Elektrizität, also 4 · 13 ~E~.

Die Zahl 4 heißt die ^Verstärkungszahl^, sie gibt an, wie viel mal die

Menge der Elektrizität auf dem Kollektor größer wird durch die

Anwesenheit des Kondensators. Sie ^wächst, wenn der Abstand der Platten

kleiner wird^; denn dadurch wird die Wirkung der Influenz und

Rückwärtsinfluenz größer.

Es ist jedoch nicht nur der Abstand des influenzierenden Körpers,

sondern -- aus einem uns noch ganz unbekannten Grunde -- in hohem Grade

die Natur des umgebenden dielektrischen Stoffes maßgebend (Faraday). Ist

statt Luft ein anderes Dielektrikum vorhanden, so wird die

Verstärkungszahl und damit die Menge der angesammelten Elektrizität

größer: bei Schwefel 3,84, Ebonit 3,15, Glas 3,01-3,24, Vakuum 0,999,

Wasserstoff 0,995, Kohlensäure 1,0003 mal so groß wie bei Luft.

Bringt man die Platten einander einigermaßen nahe, so wächst infolge der

Elektrizitätsansammlung die Spannung bald so stark, daß beide

Elektrizitäten in Form eines Funkens sich ausgleichen und ^die

beabsichtigte Ansammlung vereiteln^. #Um den Ausgleich zu verhindern,

bringt man zwischen beide Platten einen starren Nichtleiter#, also etwa

eine Ebonitplatte oder eine Glasplatte. Sodann kann man die beiden

Platten einander sehr stark nähern, also auch sehr viel Elektrizität auf

ihnen ansammeln, ohne daß sie das Glas zu durchbrechen im stande wäre.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 104 / 340 题