Die ^Influenzmaschine^ (erfunden von Holz 1865), auch
^Elektrophormaschine^ genannt, hat kein Reibzeug, und hat ihren Namen
davon, daß bei ihr, ähnlich wie beim Elektrophor, die Elektrizität durch
Influenz hervorgebracht wird.
[Abbildung: Fig. 126.]
Zwei gut gefirnißte Glasscheiben sind parallel in geringem Abstand
aufgestellt; die kleinere ist auf einer Achse befestigt und kann mittels
Schnurlaufes gedreht werden; die andere steht fest, hat in der Mitte
einen Ausschnitt, um die erwähnte Achse durchzulassen, und rechts und
links noch je einen Ausschnitt, außerdem hat sie rechts unterhalb und
links oberhalb des Ausschnittes auf ihrer Rückseite ein Stück Papier
aufgeklebt. Von jedem Papierbelege geht auf den Ausschnitt zu ein
Papierstreifen, biegt sich nach vorn durch den Ausschnitt und berührt
wohl auch mit seiner Spitze die drehbare Scheibe. Diese wird so gedreht,
daß ihre Teile immer zuerst zum Ausschnitte und dann zum Papierbelege
kommen; es wird also „gedreht gegen die Papierspitzen“.
Vor der drehbaren Scheibe sind zwei Saugkämme angebracht, so daß sie den
Papierbelegen gegenüberstehen. Von den Saugkämmen führen zwei
Messingarme zu Polhaltern; durch diese führen zwei verschiebbare
Messingstangen, die gegeneinander gerichtet sind und dort zwei Kugeln,
die Pole, tragen; an den anderen Enden sind Kautschukhandgriffe
angebracht.
^Wirkung der Maschine^. Nachdem man dem einen Papierbeleg Elektrizität
mitgeteilt hat, etwa durch Annähern einer geriebenen Kautschukplatte,
dreht man in der angegebenen Weise gegen die Papierspitzen und entfernt
die Pole etwas voneinander; man sieht zwischen ihnen eine erstaunliche
Menge elektrischer Funken überspringen.
Auf welche Weise die Maschine so „erregt“ wird, werden wir nachher
besprechen; jetzt betrachten wir den Vorgang, nachdem die Maschine
erregt ist. Die beiden Belege haben Elektrizität, der rechts liegende
etwa -, der linke +. Der rechts liegende influenziert durch die sich
drehende Scheibe hindurch den Saugkamm, an den Spitzen +, am Pol -, die
+ ~E~ der Spitzen strömt aus und kommt auf die sich drehende
Glasscheibe; diese ist also dort, wo sie sich von dem Saugkamme rechts
entfernt (der Figur gemäß im untern Laufe vorn), + elektrisch. So kommt
sie zum Papierbelege links, der + geladen ist, und auch zum Saugkamme.
Sie selbst und der Papierbeleg influenzieren den Saugkamm, an den
Spitzen -, am Pol +; es strömt die - ~E~ an den Spitzen aus auf die
Scheibe, neutralisiert dort die + ~E~ und ladet sie noch mit - ~E~; es
ist also die Scheibe dort, wo sie den Saugkamm links verläßt (also im
oberen Laufe), - elektrisch. So kommt sie wieder zwischen Papierbeleg
und Saugkamm rechts, wodurch sich derselbe Vorgang wiederholt. Die
Vorgänge sind wegen der Kontinuität der Drehung selbst kontinuierlich.
Es tritt deshalb an den Polen beständig rechts - ~E~, links + ~E~ auf,
und diese gleichen sich im Funkenstrome aus.
[Abbildung: Fig. 127.]
Die drehbare Scheibe ist in ihrem unteren Laufe + elektrisch und kommt
so, bevor sie zwischen Saugkamm und Papierbeleg links kommt, an den
Ausschnitt und die Papierspitze, die sie von hinten berührt. Die + ~E~
der Glasscheibe influenziert nun das Papier [Papier ist hiebei ein
Leiter] und zwar an der Spitze - und auf dem Papierbelege +; so wird die
+ Ladung des Papierbeleges verstärkt. Die - ~E~ der Papierspitze strömt
auf die Rückseite der sich drehenden Scheibe und bleibt dort, ist aber
an Menge gering. Im oberen Laufe hat die drehbare Scheibe vorn - ~E~ und
nun auch hinten - ~E~ (wenig). So kommt sie an den Ausschnitt rechts,
influenziert den berührenden Papierstreifen an der Spitze +, und am
Papierbeleg -; dadurch wird einerseits die - Ladung des Papierbeleges
ergänzt und verstärkt, anderseits strömen aus dem Papierstreifen + ~E~
auf die Rückseite der drehenden Scheibe, neutralisiert die dort
befindliche (geringe) - ~E~ und erteilt ihr noch etwas + ~E~. So geht es
fort.
Der Vorgang auf der Rückseite der Scheibe ist also sehr nahe verwandt
mit dem auf der Vorderseite, tritt jedoch viel schwächer auf, und dient,
die Verluste der Papierbelege an die Luft zu ersetzen. Er schwächt die
Wirkung des Vorganges bei den Saugkämmen; deshalb ist in feuchter Luft,
wenn die Verluste sehr groß sind, der Vorgang an den Saugkämmen schwach,
also der Funkenstrom an den Polen gering.
^Die Erregung^: Man schließt die Pole, teilt dem einen Papierbeleg (etwa
dem linken) + Elektrizität mit, und beginnt zu drehen, so wirkt sofort
diese Elektrizität, ladet die Scheibe vorn -, den anderen Saugkamm +,
und die Scheibe ladet, sobald sie eine halbe Drehung gemacht hat, den
anderen Beleg, -; es beginnt die Verstärkung der Ladungen auf den
Papierbelegen, und nach wenig Drehungen ist die Maschine erregt, so daß
beim Öffnen der Pole der Funkenstrom sich zeigt.
Die Maschine liefert mehr Elektrizität als die
Reibungselektrisiermaschinen. Bei der Reibungselektrisiermaschine wird
keineswegs die ganze Arbeit, welche man beim Umdrehen aufwendet, in
Elektrizität verwandelt, sondern nur ein verhältnismäßig kleiner
Bruchteil, gewiß weniger als ¹/₁₀₀; der größte Teil dieser Arbeit wird
in Wärme verwandelt (Reibungswärme). Bei der Influenzmaschine braucht
man, wenn sie nicht erregt ist, nur wenig Kraft, um die Reibung zu
überwinden; ist sie erregt, so braucht man, wie man leicht fühlt, mehr
Kraft; dieser Mehraufwand an Kraft wird vollständig in Elektrizität
verwandelt; denn er dient dazu, um links die Abstoßung der auf der
unteren Hälfte der drehenden Scheibe ankommenden + ~E~ und der + ~E~ des
Beleges und dann die Anziehung der - ~E~ der oben fortgehenden Scheibe
und der + ~E~ des Beleges zu überwinden (ähnlich rechts). Die Folge
davon, daß diese anziehenden und abstoßenden Kräfte überwunden werden,
ist eben das Freiwerden der Elektrizität, und es tritt hiebei nur ein
kleiner Verlust ein, um die Ladung der Belege zu ergänzen.