Wenn man Harz, Siegellack, Bernstein, Kautschuk oder Schwefel mit Wolle
reibt, oder wenn man Glas mit Seide oder Leder reibt, so erhalten diese
Körper ^die Kraft, andere Körper anzuziehen^; diese Kraft nennt man
Elektrizität; #manche Körper werden durch Reiben elektrisch und befinden
sich dann in elektrischem Zustande#.
Das ^elektrische Pendel^, ein an einem Seidenfaden aufgehängtes
Korkkügelchen, wird angezogen, wenn man ihm einen elektrischen Körper
nähert.
#Ein elektrischer Körper zieht jeden unelektrischen an#; Stücke von
beliebigen Stoffen, leicht drehbar aufgestellt oder aufgehängt, werden
von elektrischen Körpern gezogen. Der elektrische Körper wird auch vom
unelektrischen angezogen; wenn man eine geriebene Kautschukstange auf
eine Spitze drehbar befestigt, so dreht sie sich, sobald man ihr einen
unelektrischen Körper nähert. #Die elektrische Anziehung ist eine
gegenseitige wie die magnetische.#
Prüft man das Verhalten zweier elektrischen Körper zueinander, indem man
eine Glasstange und eine Kautschukstange, ähnlich wie eine Magnetnadel,
auf einer Spitze drehbar aufstellt, sie durch Reiben elektrisch macht
und ihnen nun ebenfalls geriebene Glas- und Kautschukstangen nähert, so
findet man, daß die ^elektrischen Glasstangen sich abstoßen^, ebenso die
elektrischen Kautschukstangen: zwei elektrische Kräfte derselben Art
stoßen sich ab. ^Die elektrische Glasstange und die elektrische
Kautschukstange ziehen sich an^. Die auf Glas und Kautschuk befindlichen
Elektrizitäten können deshalb nicht von gleicher Art sein. Man erkennt
so: #es gibt zwei Arten von Elektrizität#, die Glaselektrizität und die
Kautschukelektrizität, und spricht ^das erste Grundgesetz der
Elektrizität^ aus: #Gleichartige Elektrizitäten stoßen sich ab,
ungleichartige ziehen sich an.#
Prüft man alle anderen Körper, wie Siegellack, Schwefel u. s. w., indem
man sie der elektrischen Glas- und Kautschukstange nähert, so findet
man, daß jeder elektrische Körper entweder die Glasstange anzieht und
die Kautschukstange abstößt, also so ^elektrisch wird wie Kautschuk^,
oder die Glasstange abstößt und die Kautschukstange anzieht, also ^so
elektrisch wird wie Glas^. #Es gibt nur zwei Arten von Elektrizität#
(1733); man nennt die Glaselektrizität die #positive# (+), die
Kautschukelektrizität die #negative# (-) Elektrizität (Lichtenberg
1777).
Auf Glas und Kautschuk bleibt die Elektrizität an der Stelle sitzen, an
welcher sie durch Reiben hervorgerufen wurde; diese Stoffe können die
Elektrizität ^nicht leiten^, sie sind #Nichtleiter der Elektrizität#.
Zieht man aber die Glasstange etwa durch die feuchte Hand, durch den
feuchten Schwamm, durch Stanniol, so hat sie ihre Elektrizität verloren;
sie ist durch die Hand und den menschlichen Körper in die Erde geleitet
worden. Der menschliche Körper, das Wasser, der Stanniol sind #Leiter
der Elektrizität# (Gray 1729). Zu den Leitern gehören insbesondere alle
Metalle und Wasser, zu den Nichtleitern gehören noch Seide, Harz,
besonders Schellack und (trockene) Luft. Halbleiter sind lufttrockenes
Holz, Papier, Fischbein.
Wenn ein Leiter mit lauter Nichtleitern umgeben ist, so ist er
#isoliert#, z. B. eine Messingkugel auf einem Glasfuße.
Wenn man eine isolierte Messingstange am einen Ende mit einem
elektrischen Glasstabe bestreicht, so tritt von den Berührungsstellen
aus die Elektrizität vom Glase auf die Messingstange und verbreitet sich
gleichmäßig auf derselben, wie man daran sehen kann, daß sie nun mit
jedem, auch dem nicht bestrichenen Teile die elektrische Glasnadel
abstößt.