89. Elektrizität durch Reibung entwickelt.

Wenn man Harz, Siegellack, Bernstein, Kautschuk oder Schwefel mit Wolle

reibt, oder wenn man Glas mit Seide oder Leder reibt, so erhalten diese

Körper ^die Kraft, andere Körper anzuziehen^; diese Kraft nennt man

Elektrizität; #manche Körper werden durch Reiben elektrisch und befinden

sich dann in elektrischem Zustande#.

Das ^elektrische Pendel^, ein an einem Seidenfaden aufgehängtes

Korkkügelchen, wird angezogen, wenn man ihm einen elektrischen Körper

nähert.

#Ein elektrischer Körper zieht jeden unelektrischen an#; Stücke von

beliebigen Stoffen, leicht drehbar aufgestellt oder aufgehängt, werden

von elektrischen Körpern gezogen. Der elektrische Körper wird auch vom

unelektrischen angezogen; wenn man eine geriebene Kautschukstange auf

eine Spitze drehbar befestigt, so dreht sie sich, sobald man ihr einen

unelektrischen Körper nähert. #Die elektrische Anziehung ist eine

gegenseitige wie die magnetische.#

Prüft man das Verhalten zweier elektrischen Körper zueinander, indem man

eine Glasstange und eine Kautschukstange, ähnlich wie eine Magnetnadel,

auf einer Spitze drehbar aufstellt, sie durch Reiben elektrisch macht

und ihnen nun ebenfalls geriebene Glas- und Kautschukstangen nähert, so

findet man, daß die ^elektrischen Glasstangen sich abstoßen^, ebenso die

elektrischen Kautschukstangen: zwei elektrische Kräfte derselben Art

stoßen sich ab. ^Die elektrische Glasstange und die elektrische

Kautschukstange ziehen sich an^. Die auf Glas und Kautschuk befindlichen

Elektrizitäten können deshalb nicht von gleicher Art sein. Man erkennt

so: #es gibt zwei Arten von Elektrizität#, die Glaselektrizität und die

Kautschukelektrizität, und spricht ^das erste Grundgesetz der

Elektrizität^ aus: #Gleichartige Elektrizitäten stoßen sich ab,

ungleichartige ziehen sich an.#

Prüft man alle anderen Körper, wie Siegellack, Schwefel u. s. w., indem

man sie der elektrischen Glas- und Kautschukstange nähert, so findet

man, daß jeder elektrische Körper entweder die Glasstange anzieht und

die Kautschukstange abstößt, also so ^elektrisch wird wie Kautschuk^,

oder die Glasstange abstößt und die Kautschukstange anzieht, also ^so

elektrisch wird wie Glas^. #Es gibt nur zwei Arten von Elektrizität#

(1733); man nennt die Glaselektrizität die #positive# (+), die

Kautschukelektrizität die #negative# (-) Elektrizität (Lichtenberg

1777).

Auf Glas und Kautschuk bleibt die Elektrizität an der Stelle sitzen, an

welcher sie durch Reiben hervorgerufen wurde; diese Stoffe können die

Elektrizität ^nicht leiten^, sie sind #Nichtleiter der Elektrizität#.

Zieht man aber die Glasstange etwa durch die feuchte Hand, durch den

feuchten Schwamm, durch Stanniol, so hat sie ihre Elektrizität verloren;

sie ist durch die Hand und den menschlichen Körper in die Erde geleitet

worden. Der menschliche Körper, das Wasser, der Stanniol sind #Leiter

der Elektrizität# (Gray 1729). Zu den Leitern gehören insbesondere alle

Metalle und Wasser, zu den Nichtleitern gehören noch Seide, Harz,

besonders Schellack und (trockene) Luft. Halbleiter sind lufttrockenes

Holz, Papier, Fischbein.

Wenn ein Leiter mit lauter Nichtleitern umgeben ist, so ist er

#isoliert#, z. B. eine Messingkugel auf einem Glasfuße.

Wenn man eine isolierte Messingstange am einen Ende mit einem

elektrischen Glasstabe bestreicht, so tritt von den Berührungsstellen

aus die Elektrizität vom Glase auf die Messingstange und verbreitet sich

gleichmäßig auf derselben, wie man daran sehen kann, daß sie nun mit

jedem, auch dem nicht bestrichenen Teile die elektrische Glasnadel

abstößt.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 93 / 340 题