[Abbildung: Fig. 94.]
Der #Dampfcylinder#. Er kann in jeder Lage angebracht werden; in ihm
bewegt sich der luftdicht anschließende Kolben ~K~; an diesem ist die
^Kolbenstange^ ~S~ befestigt, welche die eine ^Verschlußplatte^ ~Z~ des
Cylinders luftdicht durchdringt in einer Stopfbüchse ~B~. Auf dem
Cylinder sitzt der ^Schieberkasten^ ~C~, in welchen der Dampf durch das
^Dampfzuleitungsrohr^ ~L~ geleitet wird; vom Schieberkasten führen zwei
breite Röhren ~G~ zu den Enden des Cylinders. Damit der Dampf nicht
gleichzeitig auf beiden Seiten, sondern abwechselnd erst auf der einen,
dann auf der andern Seite des Cylinders einströmt, ist das
^Schieberventil^ ~V~ vorgelegt. Das ist ein kleines im Schieberkasten
befindliches Kästchen, welches so steht, daß es die eine Röhre verdeckt,
und dann mittels einer nach außen führenden Stange, der
^Schieberstange^ ~M~, so verschoben werden kann, daß es die andere Röhre
verdeckt. #Durch die Stellung des Schieberventils kann der Dampf
gesteuert, das heißt so geleitet werden, daß er bald auf die eine, bald
auf die andere Seite des Kolbens drückt, und ihn so hin- und herbewegt.#
Zwischen den beiden Mündungen der Dampfkanäle ~G~ befindet sich eine
Öffnung ~P~, die nach aufwärts führt. Sie steht durch das Schieberventil
mit der ^Abdampfseite des Cylinders^ in Verbindung, so daß der auf der
Rückseite des Kolbens befindliche Dampf, der Abdampf, durch sie
abströmen kann.
[Abbildung: Fig. 95.]
Dadurch wird erreicht, daß der Kolben abwechselnd vorwärts und rückwärts
bewegt wird. Eine solche Einrichtung genügt z. B. beim #Dampfhammer#.
Auf einem starken Gerüste steht oben der Cylinder vertikal, die
Kolbenstange geht nach abwärts und trägt den als Hammer dienenden
Eisenblock, unter welchem sich der Amboß befindet. Man läßt den Dampf
unter dem Kolben einströmen, so wird der Kolben und somit der Hammer
gehoben; nun läßt man den im Cylinder befindlichen Dampf in die freie
Luft hinausströmen, dann fällt der Hammer durch sein Gewicht herab. Bei
einem Kolbendurchmesser von 40 _cm_ und einem Dampfdruck von 8 Atm. darf
das Gewicht des Hammers nebst Kolbenstange und Kolben 170 Ztr. betragen.
#Der schwere Hammer wird durch die Kraft des Dampfes gehoben und
schwebend erhalten.# Eine ähnliche Einrichtung hat die Dampframme. Bei
den meisten Dampfmaschinen wird ^die hin- und hergehende^,
#oscillierende# Bewegung des Kolbens in eine #rotierende# auf folgende
Weise verwandelt. Die Kolbenstange ist mit ihrem Ende beweglich mit
einer ^Schub-^ oder ^Pleuelstange^ verbunden und diese greift an einer
^Kurbel^ an, welche an der ^Achse, der Hauptachse^ der Maschine,
angebracht ist. Wenn der Kolben hin- und herbewegt wird, so wird die
Achse umgedreht.
[Abbildung: Fig. 96.]
Auf dieser Hauptachse ist meist ein ^Schwungrad^ angebracht, ein sehr
großes und schweres Rad, das den Gang der Maschine gleichmäßig macht und
insbesondere über die ^toten Punkte^ hinweghilft. Wenn der Kolben am
vorderen oder hinteren Ende angelangt ist, so stehen Pleuelstange und
Kurbel in derselben Richtung; es kann also die Kraft des Kolbens nicht
umdrehend wirken, und zudem hat der Dampf in dieser Stellung meistens
keine Kraft, weil hiebei das Schieberventil eben umgestellt oder
verschoben wird. ^Toter Punkt^. Das Schwungrad bewegt sich aber infolge
seines Beharrungsvermögens weiter und hilft der Maschine über den toten
Punkt hinweg. Zudem macht das Schwungrad den Gang der Maschine
gleichmäßig. Vom Schwungrad aus wird die Bewegung durch ^Zahnräder^ oder
durch die ^Treibriemen^ auf eine ^Welle^ geleitet, die ^Hauptwelle^, und
von da aus zur Bewegung der verschiedenen ^Arbeitsmaschinen^ verwendet.
#Der Excenter oder die excentrische Scheibe dient zur Selbststeuerung
des Dampfes.# Auf der Hauptachse ist eine Scheibe so angebracht, daß ihr
Mittelpunkt etwas außerhalb des Mittelpunktes der Hauptachse liegt, also
^excentrisch^. Um die Scheibe ist ein Messingring gelegt, an welchem die
Schieberstange befestigt ist; dreht sich die Hauptachse, so kommt der
weiter herausragende Teil des Excenters bald nach vorn, bald nach
hinten, schiebt also den Ring, und damit auch das Schieberventil vor-
und rückwärts, und es ist leicht, den Excenter so anzubringen, daß das
Schieberventil seine Bewegungen auch zur rechten Zeit macht.
An der Hauptachse ist noch ein Excenter oder eine kleine Kurbel
angebracht, durch welche die Speisepumpe bewegt wird.
[Abbildung: Fig. 97.]
Der #Centrifugalregulator# soll bewirken, daß die Maschine in ihrer
Geschwindigkeit sich nur wenig ändert, wenn der Dampfdruck im Kessel
sich ändert oder auch, wenn zeitweise von der Maschine mehr Arbeit
gefordert wird. Von der Hauptachse aus wird durch Zahnrad oder
Treibriemen eine vertikale Stange ~A~ umgedreht; an ihr sind oben zwei
nach abwärts hängende Stangen beweglich eingelenkt, die an den unteren
Enden zwei schwere Kugeln ~B~ tragen. Je rascher die Maschine geht,
desto weiter fliegen die Kugeln durch die sogenannte ^Centrifugalkraft^
auseinander. Etwa in der Mitte der Stangen sind zwei andere Stangen
beweglich eingelenkt, die mit ihren unteren Enden an einer Hülse ~H~
angreifen, welche die vertikale Stange umgibt; je rascher die Maschine
geht, desto höher steigt die Hülse. Diese hat nun unten zwei
hervorragende ringförmige Wülste, und zwischen diese greift das
gegabelte Ende ~c~ eines Winkelhebels, so daß dies Hebelende um so
höher gehoben wird, je rascher die Maschine geht. Das andere Ende
~k~ des Hebels geht dann nach einwärts und dreht dabei eine im
Dampfzuleitungsrohre angebrachte Scheibe oder Klappe (die
^Drosselklappe^) so, daß sie das Dampfzuleitungsrohr mehr versperrt, so
daß nicht mehr so viel Dampf zum Cylinder kommen kann. Das Umgekehrte
findet statt, d. h. die Drosselklappe öffnet sich und läßt mehr Dampf in
den Cylinder, wenn die Maschine zu langsam geht.