Wenn Wasser im ^offenen^ Gefäß kocht, so steigt seine Temperatur nicht
über 100° (genauer: nicht über die dem jeweiligen Luftdruck
entsprechende Temperatur); alle weiter zugeführte Wärme wird nicht dazu
verwendet, um das Wasser weiter zu erwärmen, sondern bloß dazu, um Dampf
zu bilden; je mehr man Wärme zuführt, desto rascher kocht das Wasser.
Wenn man aber Wasser im ^geschlossenen^ Gefäße erhitzt, so daß die
entstehenden Dämpfe nicht entweichen können, so wächst durch das
Hinzutreten der neu gebildeten Dämpfe die Spannkraft der schon
vorhandenen; es liegt dann auf dem Wasser ein höherer Druck, als seiner
Temperatur entspricht; deshalb hört die Dampfentwicklung etwas auf, und
die hinzukommende Wärme wird nun dazu verwendet, um das Wasser weiter zu
erwärmen, bis die Temperatur des Wassers höher ist, als der Spannkraft
der Dämpfe entspricht; dann entwickelt es wieder Dämpfe, und so geht es
fort. Jedoch treten diese Vorgänge nicht sprungweise, sondern
gleichzeitig ein: ^das Wasser erwärmt sich immer weiter, entwickelt
stets Dämpfe, die zu den schon vorhandenen hinzutreten und deren
Spannkraft stets so erhöhen, daß sie der Temperatur des Wassers
entspricht^. #Man kann das Wasser in einem geschlossenen Gefäße über
100° erhitzen, wobei die Spannkraft der Dämpfe immer höher wird.# Die
Spannkraft wächst sogar sehr stark, und später immer rascher. Man nennt
solches Wasser ^überhitztes Wasser^, solchen Dampf ^gespannten Dampf^.
Siehe Tabelle Seite 105.
Der #Papin’sche Topf# ist ein starkwandiger eiserner Topf, dessen Deckel
luftdicht aufgeschraubt werden kann. Man füllt ihn mit Wasser und
solchen Stoffen, die man weichkochen will, die aber beim gewöhnlichen
Kochen nicht gut weich werden, z. B. zähem Fleisch; in dem überhitzten
Wasser erweicht es leichter. So kann man Knorpeln und Knochen kochen,
daß sie zu Brei zerfallen, und in den ^Papierfabriken^ werden starre
Lumpen, alte Stricke und Säcke, sogar Holz in solchen Papinschen Töpfen,
^Digestoren^, gekocht, so daß sie in die einzelnen Fasern zerfallen, aus
denen man dann das Papier macht. Die Digestoren werden häufig durch
Einleiten gespannten Dampfes erhitzt; hievon kondensiert sich zuerst ein
Teil an den kalten Stoffen, macht sie naß und warm, der folgende erwärmt
sie bis zur Temperatur des Dampfes. Auch Dampfheizungen werden oft mit
gespanntem Dampf gespeist; das Ende der Leitung ist dann verschlossen
oder führt wieder in den Kessel zurück; die Röhren können dann eine
Temperatur annehmen, die über 100° liegt, etwa 152° bei 5 Atmosphären.
^Dampfmaschine^.