Wenn man einen festen Körper, wie Eis, Blei, Schwefel u. s. w. stark
genug erwärmt, so schmilzt er, d. h. er verwandelt sich in einen
flüssigen Körper, und diese Veränderung des Aggregatszustandes ist eine
der wichtigsten Wirkungen der Wärme.
#Das Schmelzen fester Körper findet stets bei einer bestimmten
Temperatur statt, Schmelztemperatur oder Schmelzpunkt.# In folgender
Tabelle findet man die Schmelzpunkte einiger Körper.
Die leichtschmelzbaren oder leichtflüssigen Metalle:
Zinn 230
Wismut 262
Blei 326
Zink 415
Antimon 432
Die schwerschmelzbaren oder strengflüssigen Metalle:
Aluminium 700
Silber 1000
Kupfer 1050
Gold 1250
Gußeisen 1050-1200
Stahl 1300-1400
Schmiedeeisen 1600
Platin über 1600
Olivenöl 4
Palmöl 26
Butter 33
Schweinefett 41
Talg 43
Stearin 49
Phosphor (weißer) 44
Wachs 61
Asphalt 100
Schwefel 110
Harz 135
Meerwasser -2,5
Terpentinöl -10
Mohnöl -18
Leinöl -20
Alkohol -90
Bei manchen Körpern liegt der Schmelzpunkt so hoch, daß man ihn durch
unsere gewöhnlichen Heizmethoden gar nicht erreichen kann. Solche Körper
heißen #feuerfeste Körper#, wie ^reiner Ton^, aus dem deshalb die
Schmelzöfen, Hochöfen, Herdfütterungen, Tiegel zum Schmelzen des Glases
und der Metalle (Hessische Tiegel) hergestellt werden. Auch ^Kohle^ ist
unschmelzbar, und aus ^Graphit^ stellt man Schmelztiegel für Metalle
(Passauer-Tiegel) her. Man hat Grund anzunehmen, daß auch die scheinbar
unschmelzbaren Körper bei genügend hoher Temperatur schmelzen oder sich
zersetzen, und man hat jetzt schon Mittel, um Tonerde in größeren Mengen
zu schmelzen.
Wird die Temperatur eines geschmolzenen Körpers wieder bis unter die
Schmelztemperatur erniedrigt, so wird er wieder ^fest, er erstarrt oder
gefriert^. #Dabei ist die Erstarrunsgstemperatur gleich der
Schmelztemperatur.#
^Die Schmelztemperatur eines Metalles wird niedriger, wenn ihm leichter
schmelzbare Metalle beigemischt sind^. Eine Legierung von Silber oder
Gold mit Kupfer schmilzt bei niedrigerer Temperatur als reines Silber
oder Gold; Messing schmilzt früher als Kupfer, weil Messing aus Kupfer
und Zink gemischt ist. ^Bei manchen Metallegierungen ist die
Schmelztemperatur der Mischung sogar niedriger als die des
leichtflüssigsten^. Das Lot oder Weichlot der Klempner, 2 Teile Blei und
3 Teile Zinn schmilzt schon bei 169°. Noch ^leichtflüssigeres Lot^
benützen die Uhrmacher und Goldarbeiter; es besteht aus 5 Teilen Wismut,
3 Teilen Zinn, 5 Teilen Blei und schmilzt bei 100°. Eine Legierung aus 2
Tl. Wism., 1 Tl. Blei, 1 Tl. Zinn schmilzt schon bei 94° (Rosesches
Metall).
#Wenn Wasser gefriert, dehnt es sich aus#, und zwar mit sehr großer
Kraft. Es zersprengt eine eiserne Kugel, in der es eingeschlossen ist
(Akademie in Florenz). Gefriert Wasser in den Ritzen der Felsen, so
zersprengt es dieselben und trägt dadurch zum Verwittern und Abbröckeln
der Felsen bei. Starker Winterfrost lockert die Erde.
Wenn Wasser vor jeder Erschütterung bewahrt ist, so kann man es tief
unter 0° abkühlen, ohne daß es gefriert, z. B. wenn es in Form kleiner,
runder Tropfen auf Samt oder einer bestaubten Fläche liegt; Berühren mit
einer Nadelspitze reicht dann hin, um den Tropfen zum Teil erstarren zu
machen (Fahrenheit 1721). Auch sinkt der Gefrierpunkt bei großem Drucke
etwas, nämlich bei jeder Atmosphäre um ¹/₁₃₅° ~C~.
^Sind im Wasser fremde Stoffe aufgelöst, so liegt der Gefrierpunkt unter
0° und zwar um so tiefer, je mehr Stoffe darin sind^. Meerwasser
gefriert erst bei -2,5°, Wasser mit Kochsalz gesättigt erst bei -21°.
Früchte enthalten Wasser, in welchem viel Zucker, Gummi, Essigsäure,
Apfelsäure und ähnliches aufgelöst ist; sie gefrieren erst einige Grade
unter 0°, können also einen leichten ^Frost^ aushalten. Die Bäume,
Knospen, Gräser und Getreidekeime sind im Winter sehr saftarm, d. h. ihr
Saft enthält sehr viele fremde Stoffe aufgelöst, so daß er dickflüssig
ist; er gefriert also auch bei sehr strenger Kälte nicht, weshalb diese
Gewächse auch im Winter ausdauern.