Wenn man einen Körper an einer Stelle erwärmt, so verbreitet sich die
Wärme von dieser Stelle aus nach den kälteren Teilen; diesen Vorgang
nennt man #Wärmeleitung#. Ein Körper ist ein #guter# Wärmeleiter, wenn
er große Mengen Wärme in kurzer Zeit von einer Stelle zu einer
entfernten leitet, oder ein #schlechter# Wärmeleiter, wenn er nur wenig
Wärme und langsam leitet. Man unterscheidet auch noch #Halbleiter#, die
in ihrem Leitungsvermögen zwischen den guten und schlechten Leitern
stehen.
Gute Wärmeleiter sind nur die ^Metalle^; jedoch ist ihre
Leitungsfähigkeit sehr verschieden. Bezeichnet man die Leitungsfähigkeit
von Silber willkürlich mit 100, so hat Kupfer 74, Gold 53, Messing 23,
Zink 19, Zinn 14, Eisen 12, Blei 8, Platin 8, Wismut 2. Von den
billigeren Metallen leitet besonders Kupfer die Wärme sehr gut, 6 mal so
gut als Eisen, weshalb es gern zu Kochgefäßen, Kesseln, Braupfannen und
Wasserheizungsröhren verwendet wird.
Unter die ^Halbleiter^ rechnet man die Steine, Glas, Porzellan, Ton. Sie
leiten die Wärme viel schlechter als die Metalle, so erwärmt sich ein
irdener Ofen viel langsamer als ein eiserner; gibt aber auch seine Wärme
viel langsamer an die Luft ab, erwärmt demnach gleichmäßiger und noch
lange Zeit, nachdem das Feuer ausgegangen ist. Sehr große irdene Öfen
(Kachelöfen, Porzellanöfen) heizen gut; denn die große Masse Ton, aus
der sie bestehen, nimmt sehr viel Wärme auf und gibt sie dann langsam an
das Zimmer ab.
Zu den ^schlechten^ Leitern gehören zunächst Wasser und Luft.
Man erkennt dies, wenn man Wasser ^oben erwärmt^, so daß die erwärmten
und deshalb leichten Wasserteilchen oben bleiben und nicht in
Zirkulation kommen, so daß nur durch Leitung sich die Wärme nach abwärts
fortpflanzen kann.
Zu den schlechten Wärmeleitern gehören dann noch Kautschuk, Schwefel,
Bein, Horn u. s. w.; dann eine große Anzahl ^lockerer Körper^, wie
Sägspäne, Stroh, Laubwerk, Asche, Wolle, Tuch, Haare, Pelz, Federn,
Schnee, Asbest, Glaswolle und ähnliche. Diese leiten die Wärme schlecht,
weil schon ihre Masse schlecht leitet, dann weil zwischen ihren fein
zerteilten Teilen eine große Menge Luft vorhanden ist, die ja die Wärme
an sich schlecht leitet, und noch dazu in so engen Räumen enthalten ist,
daß sie nicht zirkulieren, also auch so die Wärme nicht fortpflanzen
kann.
Will man einen kalten Körper gegen das Eindringen der Wärme, oder einen
warmen Körper gegen das Ausströmen seiner Wärme, also gegen Abkühlung
schützen, so umgibt man ihn mit einer Schichte lockerer Körper,
^Isolatoren^ (isolieren = allein stellen, außer Verbindung mit der
Umgebung setzen). Beispiele: man schützt Mistbeete gegen Frost durch
leichte Strohmatten; Strohdächer halten im Sommer kühl, im Winter warm.
Eis verpackt man in Kisten mit doppelten Wänden, wobei der Zwischenraum
durch Sägspäne ausgefüllt ist. Feuerfeste Geldschränke haben doppelte
Wände, deren Zwischenraum durch Holzasche angefüllt ist.
Die Tiere sind durch Pelz oder Federn hinreichend gegen Kälte geschützt,
wir schützen uns durch die Kleider, bei denen es weniger auf die Schwere
als auf die Feinheit des Stoffes ankommt; auch bei Federn kommt es nicht
auf das Gewicht, sondern darauf an, daß sie leicht und locker (flaumig)
sind, und so eine dicke Luftschicht bilden.
Dampfkessel umhüllt man zum Schutz gegen Abkühlung mit Mauerwerk aus
besonders porösen Steinen (Korksteine) oder mit Filz, Asbest, Glaswolle
u. s. w., ebenso Dampfröhren.