54. Wärmeleitung.

Wenn man einen Körper an einer Stelle erwärmt, so verbreitet sich die

Wärme von dieser Stelle aus nach den kälteren Teilen; diesen Vorgang

nennt man #Wärmeleitung#. Ein Körper ist ein #guter# Wärmeleiter, wenn

er große Mengen Wärme in kurzer Zeit von einer Stelle zu einer

entfernten leitet, oder ein #schlechter# Wärmeleiter, wenn er nur wenig

Wärme und langsam leitet. Man unterscheidet auch noch #Halbleiter#, die

in ihrem Leitungsvermögen zwischen den guten und schlechten Leitern

stehen.

Gute Wärmeleiter sind nur die ^Metalle^; jedoch ist ihre

Leitungsfähigkeit sehr verschieden. Bezeichnet man die Leitungsfähigkeit

von Silber willkürlich mit 100, so hat Kupfer 74, Gold 53, Messing 23,

Zink 19, Zinn 14, Eisen 12, Blei 8, Platin 8, Wismut 2. Von den

billigeren Metallen leitet besonders Kupfer die Wärme sehr gut, 6 mal so

gut als Eisen, weshalb es gern zu Kochgefäßen, Kesseln, Braupfannen und

Wasserheizungsröhren verwendet wird.

Unter die ^Halbleiter^ rechnet man die Steine, Glas, Porzellan, Ton. Sie

leiten die Wärme viel schlechter als die Metalle, so erwärmt sich ein

irdener Ofen viel langsamer als ein eiserner; gibt aber auch seine Wärme

viel langsamer an die Luft ab, erwärmt demnach gleichmäßiger und noch

lange Zeit, nachdem das Feuer ausgegangen ist. Sehr große irdene Öfen

(Kachelöfen, Porzellanöfen) heizen gut; denn die große Masse Ton, aus

der sie bestehen, nimmt sehr viel Wärme auf und gibt sie dann langsam an

das Zimmer ab.

Zu den ^schlechten^ Leitern gehören zunächst Wasser und Luft.

Man erkennt dies, wenn man Wasser ^oben erwärmt^, so daß die erwärmten

und deshalb leichten Wasserteilchen oben bleiben und nicht in

Zirkulation kommen, so daß nur durch Leitung sich die Wärme nach abwärts

fortpflanzen kann.

Zu den schlechten Wärmeleitern gehören dann noch Kautschuk, Schwefel,

Bein, Horn u. s. w.; dann eine große Anzahl ^lockerer Körper^, wie

Sägspäne, Stroh, Laubwerk, Asche, Wolle, Tuch, Haare, Pelz, Federn,

Schnee, Asbest, Glaswolle und ähnliche. Diese leiten die Wärme schlecht,

weil schon ihre Masse schlecht leitet, dann weil zwischen ihren fein

zerteilten Teilen eine große Menge Luft vorhanden ist, die ja die Wärme

an sich schlecht leitet, und noch dazu in so engen Räumen enthalten ist,

daß sie nicht zirkulieren, also auch so die Wärme nicht fortpflanzen

kann.

Will man einen kalten Körper gegen das Eindringen der Wärme, oder einen

warmen Körper gegen das Ausströmen seiner Wärme, also gegen Abkühlung

schützen, so umgibt man ihn mit einer Schichte lockerer Körper,

^Isolatoren^ (isolieren = allein stellen, außer Verbindung mit der

Umgebung setzen). Beispiele: man schützt Mistbeete gegen Frost durch

leichte Strohmatten; Strohdächer halten im Sommer kühl, im Winter warm.

Eis verpackt man in Kisten mit doppelten Wänden, wobei der Zwischenraum

durch Sägspäne ausgefüllt ist. Feuerfeste Geldschränke haben doppelte

Wände, deren Zwischenraum durch Holzasche angefüllt ist.

Die Tiere sind durch Pelz oder Federn hinreichend gegen Kälte geschützt,

wir schützen uns durch die Kleider, bei denen es weniger auf die Schwere

als auf die Feinheit des Stoffes ankommt; auch bei Federn kommt es nicht

auf das Gewicht, sondern darauf an, daß sie leicht und locker (flaumig)

sind, und so eine dicke Luftschicht bilden.

Dampfkessel umhüllt man zum Schutz gegen Abkühlung mit Mauerwerk aus

besonders porösen Steinen (Korksteine) oder mit Filz, Asbest, Glaswolle

u. s. w., ebenso Dampfröhren.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 56 / 340 题