Die Moleküle der festen Körper ziehen sich gegenseitig an; will man also
die Moleküle voneinander trennen, d. h. den Körper zerreißen, so setzt
er dem Zerreißen eine gewisse Kraft entgegen. #Die gegenseitige
Anziehungskraft der Moleküle nennt man die Kohäsionskraft.# Die
Kohäsionskraft wirkt aber nur auf sehr kleine Entfernung: wenn man die
Moleküle etwas zu weit voneinander entfernt, so hört die Kohäsionskraft
plötzlich ganz auf, der Körper ist zerrissen. Die Kohäsionskraft ist
zugleich die Ursache der elastischen Kraft, sowie der Festigkeit.
Wenn man die zwei Stücke eines zerbrochenen Körpers mit den Bruchflächen
zusammenbringt, so ist es nicht möglich, die Moleküle einander so zu
nähern, daß die Kohäsionskraft wieder zum Vorschein kommt; man kann also
die Stücke eines zerbrochenen Körpers nicht wieder vereinigen durch
bloßes Aneinanderhalten oder -drücken.
Wenn man jedoch zwei glatt geschliffene Metallplatten aneinander bringt,
so haften sie etwas aneinander. Man schließt, daß wenigstens einige
Moleküle einander so nahe gekommen sind, daß sie sich, wenn auch nicht
mit voller, so doch mit merkbarer Kraft anziehen. Das ist die
#Adhäsionskraft#. Sie wirkt nicht bloß zwischen Molekülen desselben
Stoffes, sondern auch zwischen Molekülen verschiedener Stoffe; es haftet
oder adhäriert eine Glasplatte an einer Messingplatte oder Stahlplatte
u. s. w. #Adhäsion ist die Anziehung zwischen den Molekülen zweier
verschiedenen Körper.# Die Adhäsion kann sehr kräftig werden, wenn die
Moleküle einander sehr stark genähert werden; zwei polierte Glasplatten,
aufeinander gedrückt, haften so stark, daß es nicht mehr möglich ist,
sie zu trennen, außer man zerbricht sie; wenn man zwei blanke
Bleiplatten recht stark zusammendrückt, so nähern sich wegen der
Weichheit des Bleies die Moleküle so sehr, daß die Adhäsion übergeht in
Kohäsion und die Bleiplatten nicht mehr zu trennen sind, ebenso wenn man
eine Kupfer- und eine Silberplatte aufeinanderwalzt.
Zweiter Abschnitt.
Lehre von den flüssigen Körpern.