Zu den allgemeinen Eigenschaften der festen Körper rechnet man auch die
Elastizität. Wird ein Körper durch ^Druck^ auf ein kleineres Volumen
gebracht, so kommt in dem Körper eine Kraft zum Vorschein, vermöge
welcher der Körper sein ursprüngliches Volumen und seine frühere Gestalt
wieder anzunehmen bestrebt ist. Hört der Druck auf, so kehrt der Körper
wirklich in die ursprüngliche Gestalt zurück.
Auch wenn ein Körper durch Zug vergrößert, oder wenn ein stabförmiger
Körper gebogen oder gedreht wird, sucht er in die frühere Form
zurückzukehren.
#Elastizität ist die Eigenschaft eines Körpers, bei erlittener
Formveränderung wieder in die ursprüngliche Form zurückzukehren.# Da die
Richtung der elastischen Kraft stets der von außen einwirkenden Kraft
entgegengesetzt ist, so nennt man sie auch ^elastische Rückwirkung^,
elastische Reaktion.
Die Größe der elastischen Änderung ist für die verschiedenen Körper sehr
ungleich und ist bei kleinen Änderungen der wirksamen Kraft direkt
proportional, wird also doppelt so groß, wenn man eine doppelt so große
Kraft einwirken läßt.
Die Elastizität hat ihren Sitz wohl in den Molekülen selbst und kommt
zum Vorschein, wenn die Moleküle gezwungen werden, ihre gegenseitige
Lage zu ändern.
Elastizitätsgrenze.
Wenn man einen Körper zu stark drückt oder zieht, so hört plötzlich die
elastische Kraft ganz auf; die Moleküle sind so weit voneinander
gekommen, daß sie sich gar nicht mehr anziehen; der Körper ist zerrissen
oder zerdrückt.
Auch bei Biegung, Drehung oder Dehnung kehrt der Körper oft nicht mehr
ganz in die frühere Gestalt zurück, und man bezeichnet deshalb #als
Elastizitätsgrenze diejenige Größe der Formänderung, aus welcher ein
Körper eben noch in die frühere Form zurückkehrt#.
Ein Körper ^ist gut elastisch^, wenn die Elastizitätsgrenze sehr weit
entfernt ist, z. B. Gummielastikum, Stahl (die Uhrfedern, Degenklingen),
dünne Holzstäbe u. s. w. Manche Körper haben eine ziemlich nahe liegende
Elastizitätsgrenze, sind aber innerhalb derselben sehr gut elastisch, z.
B. Glas oder Elfenbein; wird die Biegung aber nur einigermaßen groß, so
bricht er entzwei; solche Körper nennt man auch ^spröde^. Sie werden
scheinbar besser elastisch, wenn sie sehr dünn sind, z. B. Glasfäden.
Sehr spröde sind Gips, Ton, Sandstein, Kolophonium und ähnliche.
Manche Körper haben eine naheliegende Elastizitätsgrenze, brechen aber
bei Überschreitung derselben nicht entzwei, sondern behalten die neue
Form fast vollständig. Solche Körper nennt man ^weich^, auch ^bildsam^
oder ^plastisch^. Solche sind: Blei, Zinn, weiches Eisen, Kupfer,
Silber, Gold, Wachs und andere.
Auch flüssige Körper sind in gewissem Sinne elastisch. Wenn man sie
durch Druck auf ein kleineres Volumen bringt, so kehren sie, wenn der
Druck nachläßt, wieder vollständig in die ursprüngliche Größe zurück,
sind also in diesem Sinne vollständig elastische Körper. Inwiefern auch
Gase elastisch sind, wird später besprochen werden.
Festigkeit.
#Unter Festigkeit versteht man die Kraft, welche ein Körper dem
Zerreißen entgegensetzt.# Zerreißt ein Eisendraht bei einem Zug von 223
_kg_, so sagt man, seine Festigkeit beträgt 223 _kg_.
Man unterscheidet hiebei drei Arten von Festigkeit:
1. Die ^absolute^ Festigkeit, Zugfestigkeit oder der Widerstand gegen
das Zerreißen,