20. Elastizität, Elastizitätsgrenze, Festigkeit.

Zu den allgemeinen Eigenschaften der festen Körper rechnet man auch die

Elastizität. Wird ein Körper durch ^Druck^ auf ein kleineres Volumen

gebracht, so kommt in dem Körper eine Kraft zum Vorschein, vermöge

welcher der Körper sein ursprüngliches Volumen und seine frühere Gestalt

wieder anzunehmen bestrebt ist. Hört der Druck auf, so kehrt der Körper

wirklich in die ursprüngliche Gestalt zurück.

Auch wenn ein Körper durch Zug vergrößert, oder wenn ein stabförmiger

Körper gebogen oder gedreht wird, sucht er in die frühere Form

zurückzukehren.

#Elastizität ist die Eigenschaft eines Körpers, bei erlittener

Formveränderung wieder in die ursprüngliche Form zurückzukehren.# Da die

Richtung der elastischen Kraft stets der von außen einwirkenden Kraft

entgegengesetzt ist, so nennt man sie auch ^elastische Rückwirkung^,

elastische Reaktion.

Die Größe der elastischen Änderung ist für die verschiedenen Körper sehr

ungleich und ist bei kleinen Änderungen der wirksamen Kraft direkt

proportional, wird also doppelt so groß, wenn man eine doppelt so große

Kraft einwirken läßt.

Die Elastizität hat ihren Sitz wohl in den Molekülen selbst und kommt

zum Vorschein, wenn die Moleküle gezwungen werden, ihre gegenseitige

Lage zu ändern.

Elastizitätsgrenze.

Wenn man einen Körper zu stark drückt oder zieht, so hört plötzlich die

elastische Kraft ganz auf; die Moleküle sind so weit voneinander

gekommen, daß sie sich gar nicht mehr anziehen; der Körper ist zerrissen

oder zerdrückt.

Auch bei Biegung, Drehung oder Dehnung kehrt der Körper oft nicht mehr

ganz in die frühere Gestalt zurück, und man bezeichnet deshalb #als

Elastizitätsgrenze diejenige Größe der Formänderung, aus welcher ein

Körper eben noch in die frühere Form zurückkehrt#.

Ein Körper ^ist gut elastisch^, wenn die Elastizitätsgrenze sehr weit

entfernt ist, z. B. Gummielastikum, Stahl (die Uhrfedern, Degenklingen),

dünne Holzstäbe u. s. w. Manche Körper haben eine ziemlich nahe liegende

Elastizitätsgrenze, sind aber innerhalb derselben sehr gut elastisch, z.

B. Glas oder Elfenbein; wird die Biegung aber nur einigermaßen groß, so

bricht er entzwei; solche Körper nennt man auch ^spröde^. Sie werden

scheinbar besser elastisch, wenn sie sehr dünn sind, z. B. Glasfäden.

Sehr spröde sind Gips, Ton, Sandstein, Kolophonium und ähnliche.

Manche Körper haben eine naheliegende Elastizitätsgrenze, brechen aber

bei Überschreitung derselben nicht entzwei, sondern behalten die neue

Form fast vollständig. Solche Körper nennt man ^weich^, auch ^bildsam^

oder ^plastisch^. Solche sind: Blei, Zinn, weiches Eisen, Kupfer,

Silber, Gold, Wachs und andere.

Auch flüssige Körper sind in gewissem Sinne elastisch. Wenn man sie

durch Druck auf ein kleineres Volumen bringt, so kehren sie, wenn der

Druck nachläßt, wieder vollständig in die ursprüngliche Größe zurück,

sind also in diesem Sinne vollständig elastische Körper. Inwiefern auch

Gase elastisch sind, wird später besprochen werden.

Festigkeit.

#Unter Festigkeit versteht man die Kraft, welche ein Körper dem

Zerreißen entgegensetzt.# Zerreißt ein Eisendraht bei einem Zug von 223

_kg_, so sagt man, seine Festigkeit beträgt 223 _kg_.

Man unterscheidet hiebei drei Arten von Festigkeit:

1. Die ^absolute^ Festigkeit, Zugfestigkeit oder der Widerstand gegen

das Zerreißen,

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 21 / 340 题