„Zu dienen: Graf Udo von Lichtenberg!“
Munter rief Martina: „Hab ihn schon! Vor kurzem las ich in der Zeitung,
daß Graf Udo Lichtenberg nach Afrika abgereist sei, um im Sudan zu
jagen! Demnach werden Sie von ihm in den nächsten Tagen kaum Nachricht
erhalten!“
„Was? Nach Afrika? Das kann nicht stimmen, nach Afrika zu Jagdzwecken
reist man gewöhnlich um die Jahreswende! Und dem Grafen Lichtenberg
sieht es nicht gleich, daß er die Hirschbrunft in heimatlichen Bergen
ignoriere!“
„Ist alles egal, Sie bleiben bis auf weiteres, ja?“
„Bis auf weiteres, ja!“
„Sagen wir: auf ein Jahr, ja? Hand darauf!“
Ambros zögerte; es schien ihm bedenklich, sich zu binden.
„Auf Manneswort, mir zuliebe, Herr Hartlieb!“
Bewegt rief Ambros: „Ach Gott, was tät’ ich nicht alles -- Mustela
zuliebe?“
„Hand darauf!“
Hartlieb legte seine sonnengebräunte Hand in das ihm von Martina
gereichte schmale Händchen.
Und nun kicherte das vergnügt gewordene Hoffräulein: „Den mir
aufgebrachten ‚Spitznamen‘ ‚Mustela‘ muß ich mir also gefallen lassen!
Ist übrigens nicht ohne, die neue Situation: Mustela fängt den Jäger!
Ansonsten ist es doch umgekehrt, nicht?“
Ambros gab Martinas Händchen frei. „Darf ich erfahren, warum gnädiges
Fräulein mein Verbleiben wünschen? Sind Sie denn gern im fürstlichen
Dienst?“
„Beide Fragen kann ich nicht beantworten, ganz unmöglich! Und nun zum
Schlusse -- die Zeit drängt und der Dienst ruft: Besorgen Sie gütigst
alles für den festlichen Empfang, auf daß der Prinz recht angenehm
überrascht wird und Sie liebgewinnt! _Addio!_ Herr Oberförster!“
Martina hatte es merkwürdig eilig, aus dem Forsthause zu kommen.
Hartlieb aber hatte ein Gefühl, als sei seinerseits etwas sehr Liebes
und Großes gründlich versäumt und verpatzt worden...
Spät am Abend kritzelte Martina in das Tagebuch: „So ein Zottelbär,
dieser Ambros Hartlieb! Führt seinen Namen zu Recht, denn es geht
‚hart‘ mit seiner ‚Liebe‘! Aber ich hab’ ihn gern, schrecklich gern und
hoffe auf einen guten Ausgang in späterer Zeit! -- Gute Nacht, lieber
Hartlieb!“