Erstes Kapitel

An einem Augustnachmittage schoß die Sonne noch rasch etliche stechende

Strahlenpfeile in das von der munteren Enns durchzogene Talbecken

von Admont, dann verschwand das Weltlicht hinter einer dunklen

Wolkenbank, die dräuend Sturm und Grobwetter ankündigte. Dumpfe

Schwüle brütete in der Niederung; um die grauen hochragenden Kämme

der wuchtigen Bergkolosse, der sogenannten „Haller Mauern“ im Norden

von Admont, wehte ein starker Nordwestwind, der alsbald dem breiten

Felsenhaupte des Großen Pyrgas eine Nebelhaube aufsetzte und auch dem

Scheiblingstein, der gigantischen zweitgrößten Erhebung dieses starren

Steinmeeres, Wolken und Schwaden zujagte, so daß die Zinnen und Grate,

die Schneemulden und wildzerrissenen Rippen und Runsen von einem

weißgrauen Chaos verhüllt wurden.

Bleischwer und glühendheiß war die Luft selbst im Fichtenwalde des

Mittelgebirges, sie trieb den auf einem Jagdsteige bergan schreitenden

Förstern den Schweiß aus allen Poren. Voran stieg elastisch, stetig und

stumm der Oberförster Ambros Hartlieb, ein schlanker, geschmeidiger

Mann von etwa fünfunddreißig Jahren in verwitterter Steierertracht;

dunkel das Auge, energisch und streng der Blick, schwarz das Haar

und der kurzgehaltene Vollbart. Eine sympathische Erscheinung, doch

umweht von einer Strenge, die eine vertrauliche Annäherung verhindern

zu wollen schien. Das Gegenteil solcher Härte im Gesichtsausdruck

offenbarte die Gestalt des Begleiters, des Forstwartes mit dem

drolligen Namen Benjamin Gnugesser; mittelgroß der gleichalterige Mann

mit einem berufswidrigen Bäuchlein, blauäugig, gutmütig, rötlichblond

das lockige Haupthaar und ganz fuchsfarbig der überlange, wallende

Patriarchenbart. Wie ein Gnom, ein Bergmanndl aus der Sagenwelt,

sah der Forstwart Gnugesser aus, die Mensch gewordene Herzensgüte,

Friedensliebe und Einfalt.

In dieser Gewitterschwüle beim Aufstieg schwitzte Gnugesser infolge

seiner Korpulenz für drei, und mancher Seufzer entfloh dem Gehege

seiner etwas schadhaften Zähne. Hartlieb achtete dieser Seufzer

nicht, zu sehr war er in Gedanken vertieft, die sich mit den durch

Besitzwechsel geschaffenen neuen Verhältnissen beschäftigten.

An die Zukunft im Dienst, im Jagdbetrieb und in den Revieren dachte

auch Gnugesser, und viel Gutes glaubte er nicht erhoffen zu dürfen.

Gerne hätte er darüber mit dem Vorgesetzten gesprochen, Hartliebs

Meinung erholt. Da der Oberförster sich bisher ausgeschwiegen hatte,

wagte der Forstwart es nicht, das ihn überstark beschäftigende Thema

anzuschneiden.

Auf einer kleinen Hochfläche in Nähe eines steilwandigen Grabens

blieb Hartlieb stehen, betrachtete hochgegangenes Kleinvieh, die

alte verfallene Heuhütte, modernde Baumriesen und die Hirschfährten,

die zu einer nahen Suhle führten. Dann aber richtete der Oberförster

einen forschenden Blick zum grau überzogenen Firmament und mahnte den

Begleiter zur Eile.

„Wohl, wohl! Wird bald losgehen! Macht aber nix, naß bin ich bereits!“

erwiderte Gnugesser, lächelnd wie immer und nach Atem ringend.

Als die beiden weiterschritten, rollte der Donner aus der Wolkenbank,

die sich auf dem wuchtigen Pyrgas-Kolosse festgesetzt hatte. In

beschleunigtem Tempo strebte Hartlieb zwischen den Randklippen der

Gstattmaier-Hochalpe zu, auf deren Plateau die Pyrgas-Jagdhütte

inmitten der besten Gamsreviere lag. Gnugesser keuchte schweißtriefend

hinterdrein.

Im Felsgewirre staubte es auf, der Bergwind trieb sein Spiel und

bemühte sich, den Förstern die Hüte vom Kopf zu reißen. Die Jagdhütte

kam in Sicht, ein verwittertes Holzhaus, mit einem gelbweiß blinkenden

neuen Anbau, windumtost. Ein Jagdgehilfe in Hemdsärmeln stand vor der

Türe und hielt Ausschau. Und wie er die beiden Förster erblickte,

verschwand er, um rasch darauf in Joppe und mit Hut wieder zu

erscheinen und den Vorgesetzten entgegenzugehen. Ein bildhübscher

blonder Bursch, schlank, ein Kerl zum Verlieben, zart und fein die

Gesichtszüge, etwas melancholische Augen, ein nettes Schnurrbärtchen,

kirschrot die feinen Lippen. Ein schmucker Bursch, den die

Steierertracht sehr gut kleidete. Die Sommersonne hatte Wangen, Hände

und Knie nur wenig zu bräunen vermocht. Höflich, fast demütig begrüßte

er die Vorgesetzten und wollte ihnen Rucksack und Gewehr abnehmen.

Hartlieb nickte zum Gruße und wehrte mit einer Handbewegung die

Bemühungen des hübschen Jagdgehilfen Eichkitz ab. Der Forstwart

schnappte nach Luft und lief Galopp, als der erste Regenschauer über

den Hochalpboden rauschend prasselte. In großen Sprüngen erreichten

die drei die schützende Hütte. Und nun ging es los: knatternd schlugen

Graupeln auf das Schindeldach, dann vollführten erbsgroße Schloßen

einen betäubenden Lärm, den ein Wolkenbruch mit eigroßen Hagelstücken

ins Maßlose steigerte.

Viel Schaden konnte der Sturm der Jagdhütte nicht zufügen, denn

Eichkitz hatte die hölzernen Fensterläden auf der Wetterseite

fürsorglich bereits vor dem Losbruch des Gewitters fest geschlossen. An

den Holzläden prallten die Hagelkörner machtlos ab.

Im Spektakel des Orkans war ein Sprechen unmöglich; man hätte brüllen

müssen, um sich einigermaßen verständlich machen zu können.

Angenehm empfand Oberförster Hartlieb, während er Rucksack und Gewehr

ablegte, die warme Temperatur im Kochraume der Diensthütte; der Jäger

Eichkitz als Praktikus hatte im eisernen Herd ein tüchtiges Feuer

entfacht und zum Empfang der schwitzenden Herren stetig unterhalten.

Die Wärme tat wohl nach mühevollem Aufstieg. Befriedigt nickte

Hartlieb, als Eichkitz geschäftig noch weiter Holz in den Herd schob.

Benjamin Gnugesser machte es sich bequem, nahm Platz auf der Bank an

der einen Hüttenseite, aber er lächelte jetzt nicht und hatte auch kein

Verlangen nach der Tabakspfeife. Das schwere Unwetter schien ihn, wenn

auch nicht zu ängstigen, so doch mit einigem Unbehagen zu erfüllen.

Oft genug hatte er den Admonter Fachmann gemahnt, endlich auf der

Pyrgas-Jagdhütte den Blitzableiter anzubringen, doch dem Manne war

bisher der Weg hinauf zur einsamen Höhe zu weit gewesen. So wetterhart

Gnugesser war, vor Blitzschlägen hatte er einen gewaltigen Respekt.

Unbekümmert um den schweren Sturm, der sich vergeblich bemühte, die

Hütte umzureißen, zündete sich Hartlieb eine Zigarre an, und zum

Dank für das wohlige Herdfeuer spendete er dem Jagdgehilfen einen

Glimmstengel, den Eichkitz katzbuckelnd, dankend entgegennahm und

sofort in Brand steckte.

Eine Weile herrschte nächtliche Finsternis um die sturmumtoste Hütte.

Im Herdraume waren nur die roten Punkte der glimmenden Zigarren und

zuweilen aufzuckende Flämmchen im Ofen zu sehen.

Dann ließen Hagel und Regen nach, es wurde lichter. Dafür umwallten

schwere Nebelschwaden die Hütte.

Eichkitz öffnete nun die Fensterläden auf der Wetterseite. Eisigkalte

Luft drang herein, so daß der Jäger die Fenster schleunigst wieder

schloß.

Auf dem Alpboden wogte ein Nebelmeer, weiß wie um Weihnachten war der

Grund, vom Hagel bedeckt. Kalt pfiff der Höhenwind. Doch der Sturm

hatte ausgetobt; ihm folgte ein feiner Regen.

Hartlieb nahm jetzt die Besichtigung des neuen Anbaues vor, gefolgt vom

Forstwart und Jäger. Und auf den ersten Blick gewahrte der Oberförster

den Mangel eines Ofens im Wohnraume des Zuhäusels. Hartlieb wandte sich

an Gnugesser mit der Frage, ob der Ofen rechtzeitig bestellt worden

sei. Mit einem Lächeln des ruhigen Gewissens antwortete der Forstwart:

„Wohl, wohl, Herr Oberförster! Rechtzeitig bestellt, selbstverständlich

sofort, wie ich den Auftrag erhalten habe! Aber die Handwerksleut sind

halt so langsam! Und von selber kommt der Ofen halt nicht herauf zur

Pyrgas-Hütt’n!“

„Der Teufel soll die Kerle holen! Demnach sind vermutlich auch

in den anderen Anbauten die Öfen noch nicht aufgestellt? So eine

verdammte Schlamperei! Und jeden Tag kann die Fürstin ankommen! Wird

ein Aufenthalt auf einer der Jagdhütten befohlen, so haben wir

das höllische G’frett gleich zum Beginn der neuen Herrschaft! Der

Hausmarschall wird zetern, daß uns die Ohren sausen!“

Auf Gnugessers bartumwucherten Lippen erstarb das Lächeln, da er

stotterte: „Wohl, wohl! Sein tuets ein Öllend mit die Handwerksleut!

Und die neue Ära fangt schief an!“

„Veranlassen Sie morgen früh in Admont alles Nötige wegen der

Ofenlieferung! Treten Sie die Kerle, bis sie quietschen! Es muß alles

zusammen helfen, auf daß der Befehl vollzogen ist, bevor die neue

Gebieterin erstmals heraufkommt! Sie sind mir verantwortlich, Herr

Forstwart! Verstanden?“

„Wohl, wohl!“ stammelte Gnugesser in sichtlichem Unbehagen.

Hartlieb wandte sich zum Jagdgehilfen und rügte mit scharfen Worten

die ungenügende Revierkontrolle wegen des hochgegangenen Kleinviehes.

„Dieser Unfug darf nicht geduldet werden! Sie müssen doch als Jäger

wissen, daß die Gams die Witterung von Ziegen und Schafen absolut nicht

vertragen! Ausgebrochenes und hochgegangenes Kleinvieh muß entweder

gepfändet oder erschossen werden, auf daß die Eigentümer für bessere

Beaufsichtigung sorgen! Erstmals pfänden gegen Auslösung im Jagdamt

zu Hall! Nützt das nichts, so machen Sie von der Waffe Gebrauch und

schießen das hochgegangene Kleinvieh kurzerhand ab! Die Jagdgehilfen

sind für die Reinhaltung der Reviere verantwortlich!“

„Zu Befehl!“ erwiderte Eichkitz.

„Sie sind jetzt ein für allemal gewarnt! Ich dulde keine Schlamperei im

Dienst und Revier!“

„Zu Befehl! An mir wird’s nicht fehlen! Je schärfer wir aber vorgehen,

desto rabiater und aufsässiger werden die Almbauern werden! Wo uns

Jaagern von den Leuten eh bereits nichts mehr an Milch und Butter

abgegeben wird! Ich bitt g’horsamst: Dürfen wir es zunächst nicht im

Guten, mit Verwarnungen versuchen?“

Scharf klang Hartliebs Antwort: „Wie Sie es machen, das ist mir egal!

Ordnung muß herrschen! Denken Sie gefälligst mehr an Ihren Dienst!

Sehe ich noch mal hochgegangenes Kleinzeug im Revier, so haben Sie die

Kündigung zu gewärtigen!“

Von dieser Androhung erschreckt, bat der schmucke Jäger um Verzeihung,

und eifrig gelobte er schneidiges Vorgehen.

„Wird gut sein in Ihrem eigenen Interesse! -- Wie haben sich die

Zimmerleute beim Bau des Zuhäusels verhalten?“

„Zu dienen, Herr Oberförster! Ich bin fleißig um die Weg g’wesen, ist

niemand weiter als höchstens zur Schneemulde am Großen Pyrgas gekommen!

Ich glaub nicht, daß die Gams besonders beunruhigt worden sind!

Touristen hab ich nach Möglichkeit abgewiesen!“

„Bis auf weiteres bleibt jeder Durchgang in den Hochrevieren gesperrt!

Will die Fürstin den Jochbummlern das -- Gamsversprengen erlauben, so

ist das Sache der Gebieterin! Die Jägerei wird hierüber verständigt

werden! Einstweilen ist jeder Tourist ausnahmslos aus den Revieren

auszuweisen! Bei Aufstellung des Ofens in der Pyrgas-Hütte haben Sie

die Aufsicht zu führen, jede Revierbeunruhigung nach Möglichkeit zu

verhindern! -- So, nun begleiten Sie uns in die Steinschütt!“

Die Herren kehrten in die alte Hütte zurück, indes Eichkitz das

Zuhäusel sorgfältig versperrte.

Säuerlich lächelnd meinte Gnugesser: „Mit Verlaub, Herr Oberförster!

Ich hab g’meint, wir bleiben über Nacht in der Pyrgas-Hütte...! Wo es

doch regnet!“

„Das wäre sinnlose Zeitvergeudung! Wir gehen noch am Abend über

Schottenboden und Assangeralp zur Million-Hütte, wo wir den

Hausmarschall treffen werden. Der Regen kann uns nicht abhalten!

Und Ihnen kann fleißige Bewegung nur nützlich sein; je eher Sie

tannenschlank werden, desto besser für Sie! Ich fürchte sehr, daß die

neue Gebieterin wegen Ihres Bäuchleins Schlüsse auf -- Bequemlichkeit

und üppiges Leben ziehen wird!“

„Ach, du lieber Himmel! Bei dem mageren Gehalt und strengen Dienst ein

-- üppiges Leben! Und wo meine Frau zudem keine -- Kochkünstlerin ist!“

Ein sarkastisches Lächeln huschte über Hartliebs Gesicht, und ein

ironischer Blick streifte Gnugessers Wanst.

Rucksäcke und Gewehre wurden umgehangen. Auch Eichkitz hatte sich

marschfertig gemacht; er löschte das Herdfeuer und schloß die Hütte ab,

nachdem die Herren ins Freie getreten waren.

Kalt pfiff der Wind, trostlos in Fäden träufelte der Regen hernieder.

Unter den schweren Bergschuhen knirschten die Hagelkörner auf dem

Alpboden.

Der vorausstapfende Jäger Eichkitz nahm die Richtung zur nebelerfüllten

Felswildnis der Steinschütt, elastisch schreitend, doch arg verdrossen.

Hartlieb erkannte sofort, daß bei dem schlechten Wetter auf einen

„guten Anblick“ nicht zu rechnen, der Marsch in die Schütt ganz

zwecklos war. Deshalb schickte er den Jäger zurück und wanderte mit dem

Forstwart auf steinigen, teils mit Schloßen bedeckten, teils vermurten

oder ausgewaschenen Pfaden durch Regen, Wind und Nebel den Weg zurück

zur Plechauer-Alp und dann hinüber zum Schottenboden. Das Ziel war die

sogenannte Million-Hütte im Bereiche des Stadlgrabens, wo die besten

Hirsche stehen.

Spätabends erreichten die durchnäßten Förster die einsame Hütte, die

gleichfalls einen neuen Anbau für Damen aufwies. Wider Erwarten war die

Million-Hütte verschlossen, der Hausmarschall der Fürstin Sophie von

Schwarzenstein, Graf Thurn-Valsassina von Villalta und Spessa, mit dem

Jäger Xandl noch nicht angekommen.

Dienstwillig suchte Gnugesser den Hüttenschlüssel in der Holzschicht

an der Seitenwand der alten Hütte und schloß auf. Kalte Luft wehte

entgegen. „Wird gleich warm werden!“ rief der Forstwart, der schnell

Gewehr und Rucksack ablegte und im Sparherd Feuer anzündete. Dann holte

er vom nahen Brünnlein Wasser herbei und stellte es in einem Topf

darauf. Hartlieb entnahm seinem Rucksack zwei kleine Konservenbüchsen

mit Gulasch, eine Flasche Bier und Brot.

Als das Wasser zischte und brodelte, wurden die Konservenbüchsen in

den Topf gelegt. Wenige Minuten später war die Kocharbeit beendet. Mit

einer Blechschere öffnete Hartlieb die Büchsen, denen ein würziger Duft

entstieg.

Gnugesser schnupperte wohl wie ein windender Jagdhund, lehnte aber

die Einladung zum Mitessen dankend ab und begnügte sich mit dem

mitgeführten Stück Speck und Schwarzbrot.

„Wie Sie wollen! Mögen Sie Gulasch nicht?“ fragte Hartlieb.

„Schon, aber nur in der Nähe von einem Wirtshaus!“

„Ach so! Von wegen dem Durst, den der Paprika erzeugt? Na, in Konserven

ist nur sehr schwacher Paprika enthalten, und zum Durstlöschen gibt

es ja Wasser genug! Ich werde die zweite Portion für den Grafen

aufbewahren, falls er keinen Proviant bei sich haben sollte!“

An seinem Speck kauend, richtete Gnugesser im Heuboden oberhalb des

Herdraumes ein Lager zur Nachtruhe her. Dann kehrte er in das Wohn- und

Kochstübchen zurück und fragte, ob er, da der Graf wahrscheinlich nicht

kommen werde, heimgehen dürfe.

Ironisch fragte Hartlieb: „Treibt Sie denn sehnsüchtige Liebe nach

Hause?“

„Ich bitt, Herr Oberförster! Wo ich doch schon zwei Jahr verheiratet

bin! Ich hab nur gemeint, Sie benötigen mich nicht für Abend und Nacht!“

„Ich allerdings nicht! Kommt der Graf doch noch, so könnte es sein, daß

er Sie morgen um die Führung bitten will! Kommt er heute nimmer, so

hätte Ihre Anwesenheit allerdings keinen Zweck!“

„Will denn der Graf pirschen auf Hirsche? Bei diesem Wetter wird er

keinen Wedel äugen können! Was will er sonst heroben?“

„Weiß ich nicht! Vielleicht nur ein Inspektionsgang, Kontrolle, ob alle

Jagdhütten den Damen-Anbau vorschriftsmäßig erhalten haben!“

„Ist g’spaßig, daß unser Jagdbetrieb nun -- verweiblicht werden soll!

Ein Frauenzimmer als -- Jagdherr! Ich kann mir nicht denken, wie das

geht! Die Jaager stecken auch die Köpf zusammen und tuscheln darüber!“

Hartlieb trat vor die Hütte, lauschte, kehrte zurück und stellte es

Gnugesser frei, nach Hause zu gehen.

Die Gelegenheit, über die neuen Verhältnisse mit dem Vorgesetzten zu

sprechen, wollte der Forstwart nun doch nützen. Er steckte die kleine

Petroleumlampe an, schloß die Fensterläden und bat, Gesellschaft

leisten zu dürfen.

„Aber die teure Gattin?“

„Wird nicht sterben, wenn ich über Nacht ausbleibe! Dergleichen

kommt ja öfter vor in unserem Beruf! Mit Verlaub, glauben Sie, Herr

Oberförster, daß wir mit gleichem Gehalt übernommen werden? Hat der

Hausmarschall darüber nichts gesagt?“

„Bis jetzt keine Silbe! Ich denke, die Käuferin des Jagdgutes wird froh

sein, tüchtiges und geschultes Personal übernehmen zu können!“

„Wohl, wohl! Was aber, wenn das Gehalt etwas reduziert würde? Das wär

für uns doch recht bitter! Für die verheirateten Beamten nämlich!

Sie, Herr Oberförster, brauchen als lediger Mann sich da weniger zu

sorgen...“

„Verbürgen kann ich nichts! Beruhigen Sie sich nur! Wegen der Löhne und

Gehälter muß ich ja gefragt werden, und ich werde selbstverständlich

dafür eintreten, daß in dieser Beziehung alles beim alten bleibt!“

Gnugesser lächelte und glättete seinen fuchsigen Patriarchenbart, nun

ihm der größte Stein der Sorge von der Brust fiel. Und zutraulich

meinte er: „Noch schöner tät es sein, wenn Sie, Herr Oberförster,

eine Gehaltsaufbesserung durchsetzen könnten! Für mich gleich nur

zweihundert Kroneln, eine Wohltat wäre das für meine Verhältnisse!“

„Mit einer Aufbesserung darf man der Fürstin bei der Übernahme des

Besitzes nicht kommen! Um so weniger, als sie teuer, zu teuer gekauft

hat!“

„So? Hätt sie doch die Finger davon gelassen! Wenn man denkt: Auf

den Jagdherrn Grafen Lichtenberg, der freilich nur Pächter war,

ein Frauenzimmer als Gebieterin in Jagdangelegenheiten -- -- der

Magen könnt sich umdrehen! Jagdlicher Damenbetrieb! Unmöglich, nicht

auszudenken!“

Hartlieb streifte die Asche von seiner Zigarre und wollte dem Forstwart

eben raten, das Zünglein zu hüten, da wurden Schritte laut, die sich

der Hütte näherten.

Gnugesser stand auf und eilte hinaus.

Auch der Oberförster erhob sich und öffnete die Türe, damit die

Angekommenen etwas Licht zur Orientierung haben sollten.

„Guten Abend!“ grüßte eine hohe schlanke Gestalt in dunklem

Lodengewande. Graf Thurn-Valsassina, der weißhaarige Hausmarschall

und Hofchef, reichte den Beamten die Hand und entschuldigte das arg

verspätete Erscheinen mit dem Hinweise auf das Unwetter, das zu

unfreiwilligem Aufenthalt in der Griesweber-Hochalm gezwungen hatte.

Hartlieb bat den Grafen, in die warme Stube einzutreten und

vorliebzunehmen mit dem Wenigen, was geboten werden könne.

Der Hausmarschall trat in die schwacherleuchtete Stube und rief:

„Oh, wie wohlig warm! Das ist wirklich sehr behaglich! Ich bitte

Sie, meinetwegen keine Umstände zu machen! Proviant habe ich mit im

Rucksack, den mein wackerer Begleiter, der brave Xandl, trägt! Wir

wollen in der Bergeinsamkeit brüderlich teilen! He, Xandl, antreten und

auspacken!“

Mit seinem schönsten Lächeln auf den bebuschten Lippen griff Gnugesser,

der fuchsige Gnom, ein, indem er dem großen Jagdgehilfen Xandl den

Rucksack abnahm und zuflüsterte: „Gschwind den Herrn bedienen! Stiefel

ausziehen!“

Hartlieb legte inzwischen Holz im Herde nach, so daß es alsbald

knisterte.

Flink kniete Xandl, ein Koloß von einem sonnverbrannten Menschen, vor

dem Hausmarschall nieder und bat: „Haben S’ die Gnad, Herr Graf, und

lassen S’ Ihnen die schweren Schuach ausziehen! Einen Haxen nach dem

andern, wenn’s g’fällig ist!“ Und flink löste er die Schuhriemen auf.

„Ei ei, wie geschult doch der Xandl im Kammerdienst ist!“ meinte

schmunzelnd Graf Thurn.

Gnugesser fischte aus dem Inhalt des Rucksackes die Hausschuhe heraus

und überreichte sie dem Hofchef.

Zu dritt nahmen die Herren am kleinen Tische Platz, indes Xandl

sich bescheiden auf die Bank an der Wand setzte und an einem Stück

Schwarzbrot kaute.

„So ist’s nicht gemeint, Xandl! Auch der brave Führer und Jägersmann

gehört an den Tisch! Vorerst aber bringen Sie uns den Wein und den

kalten Aufschnitt!“

Brüderlich wurde alles geteilt. Der Höflichkeit halber nahmen die

Beamten die Happen Schinken zur Brotschnitte dankend an, ebenso den

Schluck Ungarweines. Hartlieb schenkte die Gulaschportion dem Xandl,

dem das Gesicht vor Freude leuchtete. „Werd ich gleich Kuchelmadel

machen und aufkochen! Vergelt’s Gott, Herr Oberförster!“

Graf Thurn erzählte, daß er nach der Inspektion einiger Hütten zur

Gamsquöhn aufgestiegen sei, vom Gewitter überrascht wurde, in der

Hochalm lange wartete, dann in den Falkennotgraben gestiegen sei, um

dann nach zeitraubender Kraxelei den Stadlgraben zu erreichen. „Es ist

ein wundervolles Gebiet, aber scharf und strapaziös! Der Dienst und

wohl auch die Jagdausübung wird in den Revieren der ‚Haller Mauern‘

nicht leicht sein! -- He, Xandl, die Zigarren!“

Gnugesser blinzelte dem Oberförster zu, als Graf Thurn die Bemerkung

über Dienst und Jagdausübung in den Revieren gemacht hatte. Doch

Hartliebs Antlitz blieb unverändert. Auch enthielt er sich jeder

Äußerung. Die Zigarrenspende Thurns nahm er mit einer leichten

Verbeugung an, während Gnugesser und Xandl laut dankten.

Graf Thurn fragte, ob in allen für die Fürstin bestimmten Anbauten, so

wie in den Kochzimmern gleichfalls eiserne Öfen aufgestellt seien.

„Sie sind längst bestellt, werden nächster Tage zur Aufstellung

gelangen!“ erwiderte Hartlieb.

„Schön! Machen Sie die Sache eilig, denn Durchlaucht werden in

allernächster Zeit ankommen! Und einmal in Hall, ist man keine Stunde

sicher, daß ein Hüttenbesuch befohlen wird! Bei Eintritt groben Wetters

wäre es sehr fatal, wenn Durchlaucht in einer Hütte frieren müßte!“

Gnugesser hatte den Mund angelweit offen, sosehr interessierte ihn

jedes Wort. Und plötzlich rutschte ihm die Frage heraus, ob die Fürstin

von der Jagd etwas verstehe.

„Herr Forstwart, ich bitte Sie, jede indirekte Frage zu unterlassen!“

bemerkte rügend Hartlieb, und ein scharfer Blick flog zu Gnugesser

hinüber.

Begütigend meinte Graf Thurn: „Nicht doch! Das Interesse der

Forstbeamten für die neue Herrin ist ja begreiflich! Und hier unter

uns Männern hat es nichts auf sich, wenn Fragen gestellt werden! Die

Fürstin hat zu Lebzeiten ihres Gemahls den gnädigsten Herrn oft auf

Pirschgängen begleitet und, soviel ich weiß, manchen Hirsch mit gutem

Blattschuß umgelegt!“

Nun wagte auch der hünenhaft gebaute Jagdgehilfe Xandl eine Bemerkung

dahin, daß ein gelegentlicher Pirschgang und ein weidgerechter

Jagdbetrieb zweierlei sei. „Mit Vergunst, Herr Graf, wenn es erlaubt

ist: wird die Duhrlauch selber die Jagdleitung führen, selbständig

dirigieren, oder bleibt unser Herr Oberförster der Chef?“

„Das weiß ich nicht! Ich für meine Person, als Hofchef und

Hausmarschall, werde mich in die Jagdangelegenheiten ganz gewiß

nicht einmischen! Und falls ich gefragt werden sollte, werde ich

befürworten, daß Herr Oberförster Hartlieb der Jagdleiter bleibe! Den

Entschließungen der Fürstin kann natürlich nicht vorgegriffen werden!

Durchlaucht ist die Gebieterin, wir haben ihre Befehle zu vollziehen!“

„Oh, Jessas!“ rief Gnugesser, und sein Bäuchlein zitterte.

„Nur keine Angst! Durchlaucht ist die Güte selbst! -- Nun aber Schluß,

meine Herren! Ich bin müde!“

Zu dritt kletterten die Herren auf der Leiter in den Dachboden, wo

das Nachtlager im Heu bezogen wurde. Wollene Decken schützten vor der

Zugluft, die durch die Balkenritzen trotz der Moosverstopfung kalt und

scharf eindrang.

Xandl räumte unten auf, löschte das Lämplein und legte sich angekleidet

auf die Holzbank zur Nachtruhe nieder.

Nach Mitternacht entlud sich ein Gewitter über den Stadlgraben, heftig

wütete der Sturm unter schweren Regengüssen, rüttelte an der Hütte, riß

grob die Türe wiederholt auf, die der aus dem Schlafe aufgeschreckte

Jäger Xandl wieder schloß. Doch gegen Tagesanbruch verstummte das

Sturmgeheul, das Wehen erstarb, der Regen hörte auf.

Xandl erwachte, rieb sich den Schlaf aus den Augen, und sachte öffnete

er die Fensterbalken. Helles Morgenlicht und würzige Alpenluft strömten

herein. Reingefegt war das Firmament, das lichtblau sich über den

angeschneiten Haller Mauern wölbte. Ein prachtvoller Pirschmorgen nach

düsterer Sturmesnacht. Des Jägers erster Gedanke war der seiner Führung

anvertraute Graf und die günstige Chance für eine Pirsch. Aber in

Erinnerung der Tatsache, daß Graf Thurn keine Büchse mitführte, wurde

Xandl unschlüssig. Den herrlichen Pirschmorgen ungenützt verstreichen

zu lassen, deuchte ihn eine schwere Unterlassungssünde zu sein. Als

Hofchef und Hausmarschall müßte der Graf ja doch Abschußerlaubnis

haben... Und die Kugelbüchse kann ihm ja der Oberförster oder der

Forstwart leihen. So weckte denn Xandl die Herren mit der Meldung,

daß ein prachtvoller Pirschmorgen angebrochen sei. Und hurtig machte

der Jäger Feuer im Herd, um ein karges Frühstück, eine Brennsuppe zu

bereiten.

Verfroren und steif in den alten Knochen kam Graf Thurn die Leiter

herab, hinter ihm die Förster. Vor der Hütte wurde die Pracht des

alpinen Sommermorgens, das Funkeln und Glitzern der Millionen

Wasserperlen an Blattwerk und Koniferennadeln im Glanz der ersten, in

den Graben blinzelnden Sonnenstrahlen bewundert.

Hartlieb bot sein Dienstgewehr für einen Pirschgang an und stellte sich

als Führer zur Verfügung. Gnugesser sprach von einem guten Zwölfender,

der auf dem Waschenberge stehe.

Da rief Graf Thurn: „Aber, meine Herren! Wo denken Sie hin! Ohne

spezielle Erlaubnis werde ich mich hüten, eine Büchse auch nur in

die Hand zu nehmen, geschweige denn auf irgendwelches Wild Dampf

zu machen! Erst muß die Gebieterin ihren Besitz angetreten, das

Jagdgut übernommen haben! Dann werden wir schon hören, ob uns die

Bejagung eines Revierteiles gestattet wird oder versagt bleibt! Zur

Hütteninspektion bin ich heroben, nicht zum weidwerken! Drum: _hands

off_!“

Diesmal wechselte Hartlieb mit Gnugesser einen vielsagenden Blick.

Xandl aber platzte heraus: „Also wird die Duhrlauch -- schußneidisch

sein! Sell geht grad noch ab!“

Graf Thurn ignorierte diese Bemerkung und fragte, ob ein warmer

Schluck, egal was, zum Frühstück zu haben sei.

Ganz Kuchelmadel, Kammerdiener, Küchenchef in einer Person, offerierte

Xandl: „Haben S’ die Ehr, gnädig Herr Graf, die Brennsupp’n ist

serviert! Aber noch heiß, verbrennen Sie Ihnen nicht die Lefzen! Wär

schad drum! Wo Sie einen so schönen weißen Schnauzer haben!“

Mit Behagen wurde die Brennsuppe, der nur das Salz fehlte, geschlürft.

Da Graf Thurn auf die Fortsetzung der Hüttenbesichtigung verzichtete,

traf Hartlieb seine Dispositionen: Gnugesser erhielt Auftrag, wegen

schleunigster Ofenlieferung nach Admont zu gehen, Xandl solle in der

Hütte aufräumen und hiernach Dienst machen in den oberen Revieren und

im Gebiete des Natterriegel vorwitzige Gamsversprenger wegstampern, für

absolute Ruhe im Gamsrevier sorgen. Wenn nötig, unter Anwendung von

Gewalt.

„Na, schön! Wie disponieren Sie, Herr Oberförster, über sich und mich?“

fragte Graf Thurn.

Lächelnd meinte Hartlieb: „Über den Herrn Hofchef hat wohl der

Jagdleiter am allerwenigsten zu verfügen! Wenn Sie aber, Herr Graf,

erlauben, möchte ich Sie durch unsere schönsten und besten Reviere

geleiten, Ihnen zeigen, daß wir einen gutgehegten Wildstand haben!

Weidmännisch gesprochen: Einen ausgiebigen ‚guten Anblick‘ mit viel

‚roten Fleckerln‘ möchte ich Ihnen verschaffen!“

„Topp, einverstanden! Freilich wird es schmerzlich sein, bei ‚gutem

Anblick‘ den Finger nicht krumm machen zu dürfen! Also gehen wir!“

Vor Gnugessers Abgang fragte Hartlieb noch, wie weit die

Schlägerungsarbeit auf dem Raschanger gediehen sei.

„Wird heute beendet werden! Ich werd nachmittag kontrollieren! Mit

Vergunst, Herr Oberförster, darf ich dem drängelnden Simerlbauern den

erbetenen Schindelstamm anweisen! Ist ein zudringlicher Mensch!“

„Wenn wirtschaftlich kein Hindernis besteht, daß der betreffende

gewünschte Stamm wegkommt und der Stamm zur Taxe bezahlt wird, kann

angewiesen werden! Entspricht der Baum nicht, so geben Sie ihn als

Prügelstamm weg, aber nicht unter der üblichen Taxe!“

„Ist recht! Darf ich mir bei dieser Gelegenheit auch den Zangerlbauern

durch Befriedigung seines Wunsches -- er möchte drei Schnitthölzer zu

einem Schlafzimmerboden erhalten -- vom Halse schaffen? Tanne oder

Fichte?“

„Ist egal, je nachdem Stämme passend stehen! Halten Sie sich aber knapp

und die Bauern kurz! Gott befohlen!“

„Empfehl mich, Herr Oberförster!“ Und zum Hofchef gewendet,

verabschiedete sich der Bäuchleinträger mit österreichisch-höflichem

„Küß d’ Hand, Herr Graf!“

Eine erquickende, zuweilen freilich nasse Wanderung durch triefende

Gräser, durch kühle Wälder war es. Diana zeigte sich gnädig und gönnte

den Herren manchen „guten Anblick“ von eleganten Rehböcken, von einem

guten Zehnender mit hohem, weit ausgelegtem Geweih. Mehr als ein

Dutzend Stück Hochwild ließ die Göttin vorüberwechseln.

Für Berghirsche waren die Geweihträger wirklich gut zu nennen.

Graf Thurn hielt mit anerkennenden Worten für den Heger nicht zurück,

doch bat er den „Anblicks“-Gang abzubrechen. „Es berührt auf die Dauer

doch schmerzlich, wenn -- die Jagderlaubnis fehlt!“

Hartlieb nickte zustimmend. Aber gute Gams wollte er dem Hofchef noch

zeigen. Und dabei erproben, ob Graf Thurn -- steigen könne. Weit

war im Gebiet der Haller Mauern nicht zu wandern, aber steil ist

dieses hochragende Kalkgebirg. Leicht und geräuschlos, für sein Alter

erstaunlich gut und sicher, stieg Graf Thurn, und die Freude an der

großartigen Alpennatur, das Interesse für das Krickelwild leuchtete aus

seinen Augen.

Nach kaum zweistündigem Aufstieg wurde ein prächtiges Plätzchen

erreicht; ein verhältnismäßig breites Latschenfeld, durchzogen von

einzelnen grünen Grasflecken, breitete sich aus und zog zu grauweiß

leuchtenden Wandeln hinauf.

Hartlieb trat vorsichtig hinter einen Fichtenboschen und lud durch eine

leise Kopfbewegung den Begleiter ein, sich an seine Seite zu stellen.

Graf Thurn folgte dem Oberförster und stand wie angemauert, als sich

vorne ein gelbgrauer Fleck aus dem Krummholz emporschob, ein starker

Gams, der ein Weilchen äste, dann aber den Grind hob und mißtrauisch

zu äugen begann. Um den Kapitalen wurde es lebendig, sieben, acht Gams

kamen aus den Latschen, schüttelten sich die Regentropfen aus der

fahlen Sommerdecke, sonnten sich behaglich im warmen Licht und guckten

den sichernden Bock verwundert an. Die Kitze hatten Hunger und ästen

alsbald, zupften eifrig an den Spitzen der saftigen Gräser, treulich

behütet von den Mamas, die immer wieder aufwarfen und auf den kapitalen

Bock äugten.

Der herrliche „gute Anblick“ machte den Grafen zittern vor Jagdlust.

Hartlieb, an derlei gewöhnt, stand starr wie eine Bildsäule. Thurn

verlor die Herrschaft über sich. Eine winzige Bewegung von Kopf und

Hand genügte: der Kapitale empfahl sich und verschwand plötzlich in den

Latschen, deren Äste über ihm zusammenschlugen und einen Sprühstaub von

glitzernden Tropfen in das Sonnenlicht warfen. Eiligst ahmten Geißen

und Kitze das Beispiel nach...

Seufzend verließ Thurn diese Stätte und folgte dem Jagdleiter auf der

Wanderung zu Tale. Stumm, hochbefriedigt, dankbar. Und mit der Hoffnung

in der Brust, daß die Gebieterin vielleicht doch ein Teilchen dieser

Idealreviere zur Bejagung freigeben werde...

Unter den Hohen Tauern: Ein Roman aus der Steiermark · 第 9 / 60 题