III

Bis dahin hatte nie etwas jene Inselstille gestört. Nie hatte sich etwas

Neues ereignet. Nie war man über irgendeine Sache verschiedener Meinung

gewesen.

Und nun erschienen plötzlich die drei Gefährten, die das Meer ans Land

geworfen hatte, -- und die große Debatte begann. Da waren drei

Hauptstreitpunkte.

Erstens: zu welcher Kaste sollten diese klassenlosen Fremden gehören?

Sollten sie denselben Rang einnehmen wie die Hofkarten? Oder waren es bloß

Leute einer niederen Kaste, denen man den Platz der Neune und Zehne zuwies?

Es lag kein Präzedenzfall vor, nach dem man diese wichtige Frage hätte

entscheiden können.

Zweitens: Zu welcher Rasse gehörten sie? Hatten sie die hellere und zartere

Hautfarbe der Herzen oder die dunklere der Treffs? Über diese Frage wurde

endlos disputiert. Das ganze Heiratssystem der Insel mit seinen

verwickelten Satzungen hing von ihrer richtigen Entscheidung ab.

Drittens: Was für Nahrung sollten sie erhalten? Bei wem sollten sie wohnen

und schlafen? Und sollten sie mit dem Kopf nach Südwesten hin liegen oder

nach Nordwesten, oder nur nach Nordosten? Im ganzen Kartenkönigreiche war

nie über eine Reihe so wichtiger und höchst kritischer Fragen verhandelt

worden.

Aber inzwischen wurden die drei Gefährten verzweifelt hungrig. Sie mußten

sich irgendwie etwas zu essen verschaffen. Und während die große Beratung

noch vor sich ging mit ihren endlosen Pausen und während die Asse für sich

eine Versammlung einberiefen und einen Ausschuß bildeten, der irgendeinen

alten Fall aufstöbern sollte, nach dem man entscheiden könnte, aßen die

drei Gefährten selbst alles, was sie finden konnten, und tranken aus jedem

Gefäß und brachen alle Regeln.

Selbst die Zweie und Dreie waren über dies unerhörte Betragen entsetzt. Die

Dreie sagten: »Brüder Zwei, diese Leute sind einfach schamlos.« Und die

Zweie sagten: »Brüder Drei, sie gehören augenscheinlich zu einer noch

niedrigeren Kaste als wir.«

Nachdem die drei Gefährten ihr Mahl beendet hatten, machten sie einen

Spaziergang durch die Stadt.

Als sie sahen, wie die Leute gewichtig durch die Straßen schritten, in

düster feierlichem Zuge, mit ängstlich korrekten Mienen, da wandte sich der

Prinz nach dem Sohn des Kaufmanns und dem Sohn des Amtmanns um, warf den

Kopf zurück und brach in unbändiges Gelächter aus.

Die Königsstraße hinab über den Asplatz und am Bubenkai entlang erscholl

dies seltsame, unerhörte Gelächter, bis es wie über sich selbst erschrocken

im großen leeren Raum des Schweigens hinstarb.

Den Sohn des Amtmanns und den Sohn des Kaufmanns überlief es eiskalt bei

dem geisterhaften Schweigen rings um sie her. Sie wandten sich zum Prinzen

und sagten: »Kamerad, laß uns von hier fortgehen. Laß uns keinen Augenblick

länger in diesem unheimlichen Gespensterlande bleiben.«

Aber der Prinz sagte: »Kameraden, diese Leute sehen aus wie Menschen; ich

will sie einmal gehörig durch und durch und um und um schütteln, um zu

sehen, ob denn nicht noch ein einziger Tropfen warmen Lebensblutes in ihren

Adern übrig ist!«

Die Nacht der Erfüllung: Erzählungen · 第 49 / 54 题