Pünktlich kam der Nachfolger an, und nachdem der Postmeister ihm das Amt
übergeben hatte, schickte er sich an, abzureisen. Bevor er aufbrach, rief
er Ratan und sagte: »Hier ist etwas für dich; ich hoffe, damit kommst du
eine kleine Zeitlang aus.« Und damit zog er aus seiner Tasche sein ganzes
Monatsgehalt und behielt nur eine geringfügige Summe für seine
Reiseausgaben zurück. Doch Ratan fiel ihm zu Füßen und rief: »Ach nein,
Dada, bitte geben Sie mir nichts, kümmern Sie sich überhaupt gar nicht um
mich!« Dann lief sie hinaus.
Der Postmeister seufzte, nahm seine Reisetasche, hängte seinen Regenschirm
über die Schulter, und begleitet von einem Manne, der seinen bunten, mit
Eisenblech beschlagenen Koffer trug, ging er langsam nach dem Schiff.
Als er einstieg und das Schiff abfuhr und die vom Regen geschwollenen
Wasser des Flusses schweigend seinen Bug umsprudelten wie Tränenströme, die
von der Erde aufstiegen, da wurde ihm eigentümlich weh ums Herz. Das
gramerfüllte Antlitz des Dorfmädchens schien ihm ein Abbild zu sein von dem
großen, unausgesprochenen, unermeßlich tiefen Leid der Mutter Erde selbst.
Schon spürte er den Drang, umzukehren und das einsame, von der Welt
verlassene Geschöpf mitzunehmen. Aber der Wind hatte gerade die Segel
gebläht, das Schiff war mitten in der heftigen Strömung, das Dorf lag schon
hinter ihm, und der weit außerhalb des Dorfes liegende Verbrennungsplatz
wurde bereits sichtbar.
So ließ sich denn der Reisende auf den Wogen des schnell strömenden Flusses
dahintragen und tröstete sich mit philosophischen Betrachtungen über die
zahllosen Trennungen in der Welt und über den Tod, die letzte große
Trennung.
Aber Ratan hatte keine Philosophie. Sie wanderte ruhelos im Postamt umher,
und ihre Tränen flossen unaufhaltsam. Vielleicht hegte sie noch in
irgendeinem Winkel ihres Herzens eine leise Hoffnung, daß ihr Dada
zurückkehren werde, und dies war der Grund, weshalb sie sich nicht
losreißen konnte. Ach, um das törichte Menschenherz!