»Wohin reisen Sie, Dada?«
»Ich reise nach Hause.«
»Wann kommen Sie zurück?«
»Ich komme nicht zurück.«
Ratan fragte nicht weiter. Der Postmeister erzählte ihr von selbst, daß
sein Gesuch um Versetzung abschlägig beschieden sei, und daß er nun seinen
Posten aufgegeben habe und nach Hause wolle.
Lange sprach keiner von beiden ein Wort. Die Lampe brannte trübe weiter,
und durch ein Loch in einer Ecke des Daches tropfte das Wasser gleichmäßig
in ein irdenes Gefäß, das darunter auf dem Boden stand.
Nach einer Weile stand Ratan auf und ging in die Küche, um das Abendessen
zu bereiten; aber sie wurde nicht so schnell damit fertig wie sonst. Viele
neue Gedanken stürmten auf ihr kleines Hirn ein. Als der Postmeister sein
Abendessen beendet hatte, fragte das Mädchen ihn plötzlich: »Dada, werden
Sie mich mit nach Hause nehmen?«
Der Postmeister lachte. »Was für ein Einfall!« sagte er; aber es schien ihm
überflüssig, dem Mädchen zu erklären, was denn so Lächerliches dabei sei.
Die ganze Nacht, im Wachen und im Traum, verfolgte sie des Postmeisters
lachende Antwort: »Was für ein Einfall!«
Als der Postmeister am andern Morgen aufstand, fand er sein Bad bereit. Er
hatte an seiner Kalkuttaer Gewohnheit festgehalten, im Hause zu baden,
statt, wie man es sonst im Dorfe tat, sein Bad im Fluß zu nehmen. Das
Mädchen hatte ihn nicht fragen können, um welche Zeit er abreisen wolle,
daher hatte sie schon lange vor Sonnenaufgang das Wasser vom Fluß geholt,
damit er es bereit fände, sobald er es brauchte. Nach dem Bade hörte sie
ihn rufen. Sie trat leise ein und sah ihrem Herrn schweigend ins Gesicht,
seine Befehle erwartend. »Du brauchst dir keine Sorge zu machen wegen
meines Fortgehens, Ratan,« sagte er zu ihr, »ich werde meinem Nachfolger
sagen, daß er sich um dich kümmert.« Diese Worte waren ohne Zweifel
freundlich gemeint, aber ein Frauenherz ist unberechenbar.
Ratan hatte, ohne zu klagen, manche Schelte von ihrem Herrn hingenommen,
aber diese freundlichen Worte konnte sie nicht ertragen. »Nein, nein!« rief
sie, in Tränen ausbrechend, »Sie brauchen niemandem irgend etwas über mich
zu sagen; ich will hier nicht länger bleiben.«