Die Schwierigkeiten unserer Kriegslage im Herbste 1916 wurden durch den
Fortgang der Kämpfe an der mazedonischen Front nicht unwesentlich erhöht.
Die Armee Sarrails hätte jeden Anspruch auf Daseinsberechtigung verloren,
wenn sie nicht im Augenblick der rumänischen Kriegserklärung auch
ihrerseits die Offensive ergriffen hätte. Ihr Vorgehen erwarteten wir im
Wardartal. Wäre sie hier bis in die Gegend von Gradsko vorgedrungen, so
hätte sie das Zentrum der wichtigsten bulgarischen Verbindungen in Besitz
genommen und hätte auch das Verbleiben der Bulgaren in der Gegend von
Monastir unmöglich gemacht. Sarrail wählte die unmittelbare
Angriffsrichtung auf Monastir, vielleicht durch besondere politische
Gründe veranlaßt.
Die bulgarische rechte Flügelarmee wurde durch diese Offensive aus ihren
Stellungen, die sie beim Angriff im August südlich Florina gewonnen hatte,
zurückgeworfen. Sie verlor im weiteren Verlauf der Kämpfe Monastir,
behauptete sich aber dann.
Wir waren hierdurch genötigt gewesen, den Bulgaren Unterstützungen aus
unseren Kampffronten zuzuführen, Unterstützungen, die meist für den
rumänischen Feldzug bestimmt gewesen waren. War die Größe dieser Hilfe im
Verhältnis zur gesamten Stärke unseres Heeres auch nicht sehr bedeutend –
es waren gegen 20 Bataillone sowie zahlreiche schwere und Feldbatterien –
so traf uns diese Abgabe doch in einer außerordentlich kritischen Zeit, in
der wir tatsächlich mit jedem Mann und jedem Geschütz geizen mußten.
Wie wir, so leistete auch die Türkei dem verbündeten Bulgarien in diesen
schweren Kämpfen bereitwilligst Hilfe. Enver Pascha stellte über die für
den rumänischen Krieg versprochene Unterstützung hinaus ein ganzes
türkisches Armeekorps zur Ablösung bulgarischer Truppen an der Strumafront
zur Verfügung. Diese Unterstützung wurde von bulgarischer Seite ungern
gesehen, da man befürchtete, es würden sich daraus unangenehme türkische
Ansprüche auf politischem Gebiet geltend machen. Enver Pascha versicherte
uns jedoch ausdrücklich, daß er solches verhindern würde. Es war ja
begreiflich, daß Bulgarien deutsche Unterstützung der osmanischen
vorgezogen hätte, unbegreiflich aber war es, daß man in Sofia nicht
einsehen wollte, wie wenig Deutschland in dieser Zeit imstande war, seine
Kräfte noch weiter anzuspannen.
Der Verlust Monastirs war nach meiner Auffassung ohne militärische
Bedeutung. Die freiwillige Zurücknahme des bulgarischen rechten
Heeresflügels in die außerordentlich starken Stellungen bei Prilep wäre
von großem militärischen Vorteil gewesen, weil alsdann die bulgarische
Heeresversorgung ganz wesentlich erleichtert, diejenige unserer Gegner um
vieles erschwert worden wäre. Gerade die ungeheuren Schwierigkeiten in den
rückwärtigen Verbindungen hatten auf bulgarischer Seite die in den Kämpfen
wiederholt eingetretenen Krisen wesentlich mitverschuldet. Die Truppen
mußten tagelang hungern und litten zeitweise auch Mangel an Schießbedarf.
Wir haben unter Hintansetzung eigener Interessen mit allen Mitteln
versucht, den Bulgaren die Schwierigkeiten in dieser Richtung zu
erleichtern. Die Größe der zurückzulegenden Wegesstrecken, die Wildheit
und Unkultur des Gebirgslandes erschwerten die Lösung dieser Aufgabe
ungemein.
Bei den Kämpfen um Monastir hatten die Bulgaren zum ersten Male in
schweren Verteidigungsschlachten gestanden. Hatten die bisherigen
Nachrichten unserer Offiziere über die Haltung des bulgarischen Heeres den
glänzenden Geist des Soldaten beim Angriff gerühmt, so trat jetzt bei
diesem eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber einem länger andauernden
feindlichen Artilleriefeuer in die Erscheinung. Diese Wahrnehmung mochte
überraschen, man konnte sie aber bei allen Völkern, sowohl auf feindlicher
als auch auf unserer Seite bestätigt finden, die mit sogenannter
unverdorbener Naturkraft in den Krieg traten. Es macht den Eindruck, als
ob die modernen Angriffsmittel in ihren nervenzerstörenden Wirkungen für
durchhaltende Verteidigung eine Zugabe zu dieser Naturkraft verlangen, die
nur durch eine höhere Willenskultur geliefert werden kann. In der
Hauptmasse unseres deutschen Soldatenmaterials scheint die richtige
Mischung von sittlicher und körperlicher Kraft vorhanden zu sein, die
unsere Truppen in Verbindung mit unserer militärischen Willensschulung in
den Stand setzt, den gewaltigen Eindrücken eines modernen Kampfes
erfolgreich Widerstand zu leisten. Der Oberbefehlshaber des bulgarischen
Heeres hatte das richtige Gefühl für die eben erwähnte Empfindlichkeit
seiner Soldaten. Er äußerte darüber in soldatischer Offenheit seine
Sorgen, wenn er auch weit davon entfernt war, eine ängstliche Natur zu
sein.