Es war bekanntlich nicht das erste Mal, daß mich mein Kaiserlicher und
Königlicher Herr zur Besprechung über militärische Lagen und Absichten zu
sich berief. Daher vermutete ich auch diesmal, daß Seine Majestät meine
Anschauungen über eine bestimmte Frage persönlich und mündlich hören
wollte. In der Annahme eines nur kurzen Aufenthaltes nahm ich auch nur das
für einen solchen unbedingt nötige Gepäck mit mir. Am 29. August
vormittags traf ich in Begleitung meines Chefs in Pleß ein. Auf dem
Bahnhof empfing mich im Auftrage des Kaisers der Chef des
Militärkabinetts. Aus seinem Munde erfuhr ich zuerst die für mich und
General Ludendorff beabsichtigten Ernennungen.
Vor dem Schlosse in Pleß traf ich meinen Allerhöchsten Kriegsherrn selbst,
der das Eintreffen Ihrer Majestät der Kaiserin, die von Berlin aus kurz
nach mir Pleß erreicht hatte, erwartete. Der Kaiser begrüßte mich sogleich
als Chef des Generalstabes des Feldheeres und General Ludendorff als
meinen Ersten Generalquartiermeister. Auch der Reichskanzler war von
Berlin aus erschienen und augenscheinlich von der Veränderung in der
Besetzung der Chefstelle, die ihm Seine Majestät in meiner Gegenwart
mitteilte, nicht weniger überrascht als ich selbst. Ich erwähne dies, weil
auch hier die Legendenbildung eingesetzt hat.
Die Übernahme der Geschäfte aus den Händen meines Vorgängers vollzog sich
bald nachher. General von Falkenhayn reichte mir zum Abschied die Hand mit
den Worten: „Gott helfe Ihnen und unserem Vaterland!“
Welche Gründe unsere plötzliche Berufung in den neuen Wirkungskreis
veranlaßten, erfuhr ich aus dem Munde meines Kaisers, der meines
Vorgängers stets ehrend gedachte, weder bei der Übernahme meiner neuen
Stellung noch später. Derartige Feststellungen rein historischen Wertes zu
machen, fehlte mir immer die Neigung, damals aber auch die Zeit. Drängten
sich doch die Entscheidungen nicht nach Tagen sondern nach Stunden.