Freilich ist es für jeden Kenner der Verhältnisse erstaunlich, daß ein
solches Unternehmen zu einer Jahreszeit begonnen wurde, in der seiner
Durchführung von einem Tage zum andern durch die Schneeschmelze
bedenkliche Schwierigkeiten erwachsen konnten. Die Wahl des Zeitpunktes
ist daher wohl weniger dem freien Willen der russischen Führung als dem
Zwang durch einen notleidenden Verbündeten zuzuschreiben.
Wenn nunmehr die gegenwärtige Einstellung der Angriffe von amtlicher
russischer Stelle lediglich mit dem Witterungsumschlag erklärt wird, so
ist das sicherlich nur die halbe Wahrheit. Mindestens ebenso wie der
aufgeweichte Boden sind die Verluste an dem schweren Rückschlage
beteiligt. Sie werden nach vorsichtiger Schätzung auf mindestens
140.000 Mann berechnet. Richtiger würde die feindliche Heeresleitung
daher sagen, daß die große Offensive bisher nicht nur im Sumpf, sondern
in Sumpf und Blut erstickt ist.“
Der Beschreibung dieser Frühjahrskämpfe durch einen deutschen Offizier
entnehme ich zum Schluß folgende Stelle:
„Nicht viel mehr als ein Monat war vergangen, seit der russische Zar an
der Postawyfront die Parade über die Sturmdivisionen abnahm, da fuhr
Generalfeldmarschall von Hindenburg an die Front, um seinen siegreichen
Regimentern zu danken. In Tschernjaty und Komai, Jodowze, Swirany und
Kobylnik, nur wenige Kilometer Luftlinie vom Schauplatz der Zarenparade
entfernt, sprach er zu den Abordnungen der Fronttruppen und verteilte
die Eisernen Kreuze. Hand in Hand standen da für einen Augenblick
Feldherr und Handgranatenwerfer, einer den anderen mit langem,
vertrauensvollem Blicke ermessend. Die Frühlingssonne leuchtete als
Siegessonne über der Hindenburgfront ...“
Das war mein Anteil an der Naroczschlacht.