Ihr gehorsamer Sohn

Wilhelm.

Berlin, den 15. Juni 1839.

Bei der unendlich gnädigen Art, mit welcher Sie für meine diesmalige

Badereise gesorgt haben, wird es mir schwer, mit folgendem Vortrage Sie

anzugehen und ich muß es, weil der ~Dr.~ Kuntzmann mir wiederholt

es zur Pflicht gemacht hat. Es ist auch nicht für mich, sondern für

Augusta, daß ich sprechen muß. Sie leidet seit ihrem letzten Wochenbett

wieder so bedeutend an Dérangement des Unterleibes, daß ihr der

Gebrauch Marienbads unerläßlich geworden ist und zwar an der Quelle,

indem der Gebrauch dieses Brunnens hier schon fast gar keine Wirkung

mehr tut. Der Grund, warum ich so spät mit diesem Vortrag komme, liegt

in dem Kampf, den ich mit Augusta und ihrem Arzt gehabt habe, indem

Letzterer auf die Badereise bestand, Erstere jedoch aus Discretion

gegen Sie wegen der zu erbittenden Reisemittel durchaus sich sträubte

auf den Plan einzugehen. Wenn ich nun diese Discretion doppelt in

diesem Jahre teilen müßte, so gebietet es mir doch auf der anderen

Seite die Pflicht für Augustas Gesundheit, Ihre Erlaubnis zu dieser

Badereise nachzusuchen und um die nötigen Reisemittel zu bitten.

Der Schein einer Vergnügungsreise dürfte doch wohl auf diese Reise

nicht zu werfen sein, weil, als solche betrachtet, wohl nichts

natürlicher gewesen wäre, als daß Augusta mich nach meiner schweren

Krankheit nach Ems begleitet hätte, was für sie und mich eine

Beruhigung gewesen wäre. Aber aus obiger Diskretion haben wir diesem

Wunsch nicht nachgegeben und als Ihre gnädige Bestimmung über die

pecuniären Verhältnisse meiner Reise mir bekannt wurden, war nun schon

des ~Dr.~ Kuntzmann dringende Bitte wegen Marienbad geschehen,

sodaß nun eine nachträgliche Bitte um Augustas Mitreise nach Ems auch

nicht mehr zulässig war.

Im Falle Ihrer Genehmigung wird Augusta jedenfalls ihre Reise nicht

vor Mitte Juli antreten, um zu Ihrer Disposition bis zu Ihrer Abreise

nach Teplitz zu bleiben und würde ich sie dann auf meiner Rückreise in

Marienbad abholen können.

Durch Fürst Wittgenstein darf Augusta Ihrer gnädigen Entschließung wohl

entgegen sehen.

Wilhelms I. Briefe an seinen Vater König Friedrich Wilhelm III. (1827-1839) · 第 49 / 54 题