Nun verlor sie Vater und Heimat -- --

Sie hob ihr Gesicht aus den Händen. Sie sah den alten Mann an -- sie sah

wohl, welch eine Welt von Liebe ihr aus seinen Blicken entgegenkam.

Aber dennoch, es war sein Sohn, um den es ging -- sein einziger Sohn --

trotz allem.

»Nun muß ich dich verlassen!«

»Klara!«

»Aber das Kind -- es gehört mir. -- Du wirst nicht den Versuch machen,

es mir zu nehmen. Nein -- das nicht -- das weiß ich.«

Sie war außer sich.

Er streckte seinen Arm nach ihr.

»Nein -- besinn dich doch. -- Gehören wir nicht zusammen? -- Das Werk,

das Kind -- du und ich? Er hat sich von uns geschieden, nicht wir von

ihm! Und hier steht einer -- ich hab' sein Wort: er will in die Arbeit

hineinwachsen und dem Werke dienen und -- meines Enkels Freund sein --«

Er brach ab.

»Vater!«

Sie kniete schon neben ihm nieder, und er nahm das schmale, weiße

Gesicht zwischen seine Hände.

»Meine Tochter!« sprach er leise und bedeutungsschwer.

Oft hatte er sie so genannt -- aber sie fühlte, was dieser Name, in

diesem Augenblicke ihr gesagt, alles auf sie legte an großen und

heiligen Pflichten; was er ihr versprach an Glück, das nach still und

stark ertragenem Leid einst ihr Leben zu einem Wunder machen sollte.

Sie hob den Blick -- sie wagte es, den Mann anzusehen, der als stummer

Zeuge hinter dem Stuhl des Vaters stand.

Und das beredte Auge sagte ihr, was der Mund noch verschweigen mußte.

Und in diesem erhebenden Schweigen gelobten ihre Seelen einander, der

Vatergüte des großen alten Mannes immer wert zu sein -- nach seinem

Vorbilde zu wirken und rastlos ihre Pflicht zu erfüllen, im täglich

erneuten, stillen Heldentum der Arbeit, die dem Ganzen dient.

Druck der

Union Deutsche Verlagsgesellschaft

in Stuttgart

Anzeigen des

Cotta'schen Verlages

Ida Boy-Ed:

Stille Helden: Roman · 第 57 / 69 题