Aber nun mußten erst die großen Greisenhände die winzigen Fäustchen
nehmen, denn der kleine Regent sollte bald in sein Nachtröckchen
gesteckt werden. Und da erschien auch schon die Amme in ihrer
schwarzbunten Tracht und wollte ihn wieder hinab holen in sein
Kinderstubenreich.
»Schlafe mein Kerlchen. Stör deine Mutter nicht. Sie ist für dich und
mich alles -- sie darf uns nicht krank werden. -- Schlaf fest.«
»Dei -- dei -- dei,« klöhnte das Kind, als wolle es sehr Vernünftiges
versprechen.
Die Amme ging mit ihm davon, hinter ihr schlossen sich die breiten
Türen, durch die der Lichtstrom hereingekommen war.
»Du sitzest im Dunkeln?« fragte Klara.
Sie hockte sich auf den niedrigen Stuhl neben den thronartigen Sitz des
Vaters hin -- da wo so recht eigentlich ihr Platz war.
»Ich habe mich mit 'Severin Lohmann' unterhalten,« sprach der Alte, »es
hatte mir viel zu sagen ...«
Durch die schwarzblanke Glasfüllung der Fenster sah man hinaus in den
Novemberabend, aus dem der Sturm allen Nebel geblasen. Und vor dem
nächtigen Hintergrund erkannte man die hellen Schornsteine, weil von der
Kokerei und den Hochöfen und der frei brennenden Gasflamme her roter und
gelber Schein kam, der die Bauten helldunkel umleuchtete. Von bläulichen
elektrischen Lichtern war das düster-große Bild überfleckt, und all
diese Lichtkerne mit der Strahlenglorie rundherum erinnerten so
merkwürdig an Weihnachten. -- Die plumpen Burgen der Hochöfen waren halb
angestrahlt, halb lösten sich ihre Formen in Dunkelheit auf.
Der Gesang des Sturms nahm mit seinen langgezogenen Heultönen alle
Geräusche vom Werk fort und trug sie auf seinen Fittichen ostwärts, dem
Meere zu.
Drunten der Fluß war an seinem kohlschwarzblanken Gleißen nur zu
erkennen, wo vom Werk her Licht über ihn hinspielte. Außerhalb der
verständlichen und übersehbaren Wirklichkeit krochen ein rotes und ein
grünes Licht in der Dunkelheit heran. Die Augen eines Dampfers, der sich
gegen Strom und Wind flußauf quälte.