Klara wurde erregt. Das sah die Wärterin und mahnte mit der
bevormundenden Familiarität solcher Frauen in solcher Lage. »Sie wissen
so viel mehr als die jungen Mütter, die ihre Schülerinnen werden, und
das neue kleine Leben ist ihnen anbefohlen -- da werden sie naiv
überheblich,« dachte Klara oft.
Die alte Doktorin Lamprecht, die sich dem Wahn hingab, sie pflege Klara
mit, und sich nur wichtig in allen Räumen des Hauses zeigte, kam herein.
Wynfried meine, nach sieben Uhr werde er hier wohl nicht vorgelassen ...
Die gute Alte trug das in einem neckischen, zärtlichen Ton vor, der
Klara wehtat, als sei er voll verborgener Taktlosigkeiten. -- Klara sah
an ihr: greise Menschen haben, wohl aus Bedürfnis zum Frieden, so leicht
rosige Phantasien und ein so kurzes Gedächtnis ... Und die alte Frau tat
längst schäker- und schäferhaft, wenn sie von Klaras Ehe sprach -- deren
Grund sie doch kannte ...
Die geraden Brauen über den dunklen Augen rückten näher zusammen --
Klara sah nervös aus -- als schmerze sie etwas --
»Ich möchte meinen Mann sofort sehen,« sprach sie etwas kurz.
Und dann trat er ein. Niemand war zugegen. Die Vorhänge hatte man
zurückgezogen, da die Sonne schon zu tief im Westen stand und ihre
Strahlen diese Fenster nicht mehr erreichten. Es war hell.
Und wie durch eine Eingebung erriet die junge Frau, daß der Mann mehr
unsicher, mehr verlegen war als gerührt und erhoben ...
Er kam mit raschen Schritten auf das Bett zu -- neigte sich herab und
küßte Klara --
Sie sah ihn an -- tief -- tief. -- Er lächelte dem Blick zu, der ihm
doch fast unbehaglich war ...
Er fragte alles, was sich nur bei diesem Wiedersehen aus dem Ereignis
ergeben konnte. Und er küßte Klara zwischendurch wohl viermal die Hand
und streichelte leise ihre Wangen --
Seine Herzlichkeit, seine Freundlichkeit war voller Rücksicht -- wie sie
es immer gewesen war, und nicht anders ...
Nein -- nicht anders ...