AUS DEM SCHELMUFFSKY.

Flugs an der St. Peters-Kirche war ein gantz enge Gässgen, durch

dasselbe führte mich der Sterngucker, und immer vor biss an den

Marckt. Wie wir nun an den Marckt kamen, so fragte er mich, ob ich Lust

und Belieben hätte mich in eine Dreck-Schüte zu setzen, und ein wenig

mit nach den Härings-Fange spatziren zu fahren? Ich sagte hierzu gleich

Tob. Darauf satzten wir uns beyde in eine Dreck-Schüte, und fuhren da

weil wir guten Wind hatten, immer auff der Tyber übern Marckt weg, und

unten bey dem Härings-Thore zu einem Schlauchloche hindurch, und nach

dem Härings-Fange zu.

Wie wir nun mit unserer Dreck-Schüte an den Härings-Fang {10} kamen, O

sapperment! was war vor ein gelamentire von den Schiffleuten, welche

den Härings-Fang gepachtet hatten. Da ich nun fragte, was es wäre? so

erzehlten sie mir mit weinenden Augen, wie dass ihnen der See-Räuber

Barth mit der stumpichten Nase grossen Abbruch an ihrer Nahrung gethan,

und ihnen nur vor einer halben Viertel Stunde über 40. Tonnen frische

Häringe mit etlichen Capers Schelmische Weise weggenommen hätte. O

sapperment! wie lieff mir die Lauss über die Leber, als ich von Hanss

Barthens stumpichter Nase hörete, da dachte ich gleich dass es derselbe

Kerl seyn müste, welcher mich mit so erschrecklich {20} viel Capers

weyland auff der Spanischen See ohne Raison in Arrest genommen, und

dadurch dasselbe mahl zum armen Manne gemacht hatte. Ich war flugs

hierauff her, und fragte die Schiff-Leute: Wo der Galgenvogel mit den

Härings-Tonnen zu gemarchiret wäre? Da sie mir nun sagten, und zeigten,

dass er noch auff der Tyber mit seinen Caper-Schiffe, worauff er die

40. Donnen frische Häringe gepackt hatte, zu sehen wäre, so setzte ich

ihn geschwind mit etlichen Dreck-Schüten nach, und weil so vortrefflich

guter Wind war, so ergatterte ich ihn noch mit dem Stern-Gucker und

etlichen Schiffleuten eine halbe Meile von den Härings-Fange.

{30} O sapperment! wie fiel dem Hanss Barthe das Hertze in die Hosen,

da er mich nur von ferne kommen sahe, er wurde wie ein Stück Käse so

roth im Angesichte, und mochte sich wohl flugs erinnern, dass ich der

und der wäre, welcher seiner Nase vormals so einen erschrecklichen

Schand-Flecken angehänget hätte. Als wir nun auff unsern Dreck-Schüten

Hanss Barthen mit den 40. gestohlenen Härings-Donnen einholeten, so

fieng ich gleich zu ihn an: Höre doch du Kerl, wilst du die Häringe

wieder hergeben, welche du den armen Schiffleuten abgenommen hast,

oder wilstu haben, dass ich dir deine krumme stumffichte Habichts-Nase

vollends herunter sebeln soll? Der Hanss Barth gab mir hierauff zur

Antwort und sagte: Er wolte eher sein Leben nehmen lassen, ehe er

in Güte einen Schwantz nur von einem Härig wieder geben. Hierauff

so rückte ich mit meiner Dreck-Schüte an sein Caper-Schiff hinan,

und kriegte meinem langen Stoss-Degen heraus, nun da hätte man schön

fuchteln gesehen, wie ich den Hanss Barth auff sein Caper-Schiffe

exercirte, Er wehrete sich zwar auch mit seinen {10} Capers, allein

sie kunten mir nichts anhaben. Denn wenn sie gleich nach mir hieben

oder stachen, so war ich wie ein Blitz mit meiner Dreck-Schüte auf der

Seite, den Hans Barth aber jagte ich der Tebel hohl mer immer um die

40. Härings-Donnen welche er auff sein Schiff geladen hatte, herum,

und hieb wie Kraut und Rüben auff ihn hinein. Endlich war ich so sehr

auff den Galgenvogel erbittert, dass ich mich gantz nahe mit meiner

Dreck-Schüte an sein Caper-Schiff machte, und ehe er sichs versahe, bey

seinen diebischen Federn zu fassen kriegte, aus den Caperschiffe heraus

zoge, und plump in die Tyber hinein tauchte. O sapperment! da {20}

hätte man schön schreyen gesehen, wie der Hans Barth schrie, er bat

mich fast ums Himmels willen, ich solte ihn wieder heraus helffen, dass

er nicht ersoffe, er wolte den Schiffleuten ihre 40. Härings-Donnen

hertzlich gerne wieder geben. Als ich dieses von Hanss Barthen

hörete, so gab ich gleich den Schiffleuten Befehl das Caper-Schiff zu

plündern, und hielt ihn so lange im Wasser bey den Ohren, biss sie die

Härings-Donnen wieder hatten, hernach liess ich ihn mit seinen leeren

Caper-Schiffe hinfahren wo er wolte, O Sapperment! was war da vor ein

Jubel-Geschrey unter den Schiffleuten, welche den Häringsfang gepachtet

hatten, dass sie {30} durch mich zu ihren Tonnen-Heringen wieder

gekommen waren. Sie baten mich auch alle miteinander, ich solte ihr

Härings-Verwahrer werden, sie wolten mir jährlich zehen tausend Pfund

Sterlings geben, allein ich hatte keine Lust darzu.

Fußnoten:

[1011] schleicht hervor ans Licht.

[1012] rauschen sie.

[1013] Geplärr.

[1014] auf marmorglatten Strassen.

[1015] alle Jünglinge.

[1016] Äste.

[1017] bereichern.

[1018] lässt.

[1019] als ob er.

[1020] spatzieren gehn.

[1021] immerwährend.

[1022] so lange bis.

[1023] wahrlich.

[1024] berieselt.

[1025] Pönitenz.

[1026] Punkt.

[1027] sieht es.

[1028] genannt.

[1029] gespickte.

[1030] das sie das Volk barbieren.

[1031] Getreide.

[1032] Zwiebeln, und Jemand zwiebeln.

[1033] den Wein färben.

[1034] rädern.

[1035] was kehr ich mich.

[1036] heut Nacht.

[1037] gerade.

[1038] voraussehn.

[1039] teigig.

[1040] Weichlichkeit.

[1041] hohlen.

[1042] voll fassen.

[1043] achtzehn.

[1044] Vogt.

[1045] Nutzen.

[1046] fürchten.

[1047] tropft.

[1048] rief.

[1049] ihr habt.

[1050] kochen.

[1051] rannte.

[1052] Küche.

[1053] Töpfe.

[1054] stochern.

[1055] Erbsen.

[1056] Grütze.

[1057] Warmbier.

[1058] kratzen.

[1059] zu Haufen, zusammen.

[1060] eisernen bez. irdenen Topf.

[1061] Brei.

[1062] allzumahl.

[1063] brachte.

[1064] darauf warteten.

[1065] aber.

[1066] Kocherei.

[1067] angebrannt, widerlich.

[1068] stumpfsinnig.

[1069] entstellt aus Valentins, eines oft komisch verwendeten Heiligen.

[1070] vergiften.

[1071] wohnt.

[1072] Rohr.

[1073] frz. viédase, Taugenichts.

[1074] kleine Stadt bei Paris.

[1075] Kuppler.

[1076] euch.

[1077] vermischt.

[1078] Schwanz.

[1079] ihr rührt.

[1080] nachsinnen.

[1081] man es.

[1082] Meinung.

[1083] beworfen, besudelt.

[1084] frisch.

[1085] Gliedern.

[1086] Grossvater.

[1087] rechtschaffen.

[1088] gewaltig.

[1089] Landesfehde.

[1090] Holsteiner.

[1091] Dänen oder Teufel?

[1092] Ächzen.

[1093] abstreichen, sich davonmachen.

[1094] arten.

[1095] Schafböcken.

[1096] tüchtiger Kerl; man denke an: Daar is kien good Haar an em = er

taugt nichts, oder: streitsüchtig.

[1097] verkriechen.

[1098] trampeln.

[1099] stampfen.

[1100] Abfertigende Interjection.

[1101] Hütte, Haus.

[1102] südwärts.

[1103] Viehstall.

[1104] _knife_.

[1105] Schnauze, Mund.

[1106] Name.

[1107] nur, aber.

[1108] vexieren.

[1109] berathen.

[1110] volksthümliche Spiele.

[1111] Beute durch.

[1112] Löffel.

[1113] Reihe.

[1114] Fastnachtshahn.

[1115] Kirchspiel.

[1116] eigenen Kopf, Willen.

[1117] Vogt.

[1118] widerlegen.

[1119] Sonntagshose.

[1120] Schulmeister.

[1121] wissen.

[1122] fette Erde, _clay_.

[1123] Füssen.

[1124] Bettler, _prog_.

[1125] Dirnen.

[1126] Hauptschwengel vor Wagen und Pflug.

[1127] grosses und kleines Vieh.

[1128] Erdkloss.

[1129] Bettelvögte.

[1130] gucken.

[1131] sich verbergen.

[1132] sich fürchten.

[1133] Hofstätte.

[1134] schütteln, zausen.

[1135] Bezeichnung des Teufels.

[1136] Eingut, Hausgeräthe.

[1137] Zuber.

[1138] Schaffe.

[1139] Name eines Mädchens.

[1140] ironisch: was Kostbares.

[1141] rotzig.

[1142] eigentlich: Hündin.

[1143] Kaldauen, umgedrehte Grützwurst.

[1144] Taschen, _scrip_.

[1145] zum Schlimmen, _quad_.

[1146] aufdecken, auftischen.

[1147] Übergewand.

[1148] Kopfschmuck der Mädchen aus vergoldetem Leder, Goldfell und

vergüldeten Pfennigen, Dreilingen, Sechslingen, die darauf genäht waren.

[1149] Wohnzimmer.

[1150] Bierkrüglein, _cruse_.

[1151] Festtag.

[1152] rudern, treiben? von bak = Boot. oder mit Baken (Leuchtfeuern)

den Weg bezeichnen.

[1153] nöthigen, _crave_.

[1154] Hochzeit.

[1155] Nachbar.

[1156] Schaufel, d. h. einen Korb geben.

[1157] _christen_, taufen.

[1158] Termin.

[1159] ins Auge fassen.

[1160] September, Grimm = ags-Solmonad, Februar, zu syllan = opfern.

[1161] warten.

[1162] Eheverschreibung betreffend den Brautschatz.

[1163] Zügel.

[1164] seufzen.

[1165] so mir.

[1166] für Dank, _gratis_.

[1167] Übervortheilung.

[1168] wodurch man sich in die Zeiten schickt.

[1169] eingeknetet.

[1170] zweimal.

[1171] nützlich.

[1172] gewinnt nichts von mir.

[1173] lallend reden.

[1174] dann.

[1175] hingegen.

[1176] Domherr.

[1177] leiht.

[1178] die Cäsur.

[1179] Italien.

[1180] Horatius de Arte poëtica.

[1181] Prior’s Poems, T. I. p. 12.

[1182] Balzac Liv. 23. Lett. 12.

[1183] Karrenzieher.

[1184] Ahnen.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 275 / 276 题