AUS DEM RÜDDEN SCHERTZGEDICHTE.

Ein hübscher junger Kerl gebahren in Westfalen,

Sick vörgenamen had, he wolde Wyssheit halen[1041]:

He hedde wol gehört, dat men in keinem Land,

Als in Franckrick alleen fünd Wyssheit und Verstand.

Vernufft de lege dar, als Dreck licht up der Straten,

Ein jeder kond darvan einn groten Sack vul vaten[1042]:

Dar konde men _discours_ und _Complementen_ lehren,

Dörch welke men nu kömt in ansehn, und tho ehren.

Als he was tho Parys gewesen achtein[1043] Weken,

Kond he so wol Frantzösch als ein Frantzose spreken,

He wüste _cermoni_, he konde _caresse_ driven,

Darmit kam he tho Hus, willkamn van Man und Wyven.

Vnd wyl he altidt hed der Hocheit nagejaget,

Ward he dörch GOttes Gnad up einem Huse Vaget[1044]. 10

Vaget up einem Huse, und Schriver up dem Schlate,

Sehr hoge Ampter sind, van grœt profit und bate[1045]:

Der Buer se früchten[1046] mœt, und dantzn na ere Pipen,

Idt drüppet[1047] all van Geld, wor se man henne gripen.

Se bilden sick vel in, und willen grötter syn,

Als am Frantzöschen Hoff _Cardinal Mazarin_.

In sodanem _respect_ was de darvan ick rede.

Einmals reep[1048] he den Kock, und also tho em sede:

‘_Escoute Cuisinier_, von meinen _Cameraden_

Hab ich zwei oder drei zum _desieuner_ geladen, 20

Mach myr ein gut _potage_, mit alle _appertenance_,

Wie man es _à la Cour dressiren_ pflegt _en France,

à la nouvelle mode_, du solt _incontinent_

Für dieses dein _travail_ haben ein gut _present_.

Ich wil _à la pareille_ dein Freund sein _en effait_,

Mach mir die Suppe nur so wie ich hab geredt.’

De Kock sprack, ‘ja Her Vagt, als gy hebben[1049] gespraken,

So wil ick juw de Supp up goden gloven kaken[1050].’

He lachde bi sick sülvst, und rönde[1051] na der Köken[1052],

Begünd uth allen winkeln de Pötte[1053] uth to stöken[1054], 30

Koel, Arfften[1055], Grütt[1056], Warmbeer[1057], ded he

tosamen schrapen[1058],

Vnd goet idt altohoep[1059] in einen groten Grapen[1060],

Dartho dede he, dat idt schold schmecken desto schmucker,

Eine hand vul stötten Peper, und anderthalff lot Zucker.

Dat muste kaken dick, als Weitenmehlen Brie[1061],

Nümmer heb ick gesehen ein solke _companie_.

Als idt nu was bereit, und ferdig altomahle[1062],

Gaff idt de Meister up in eine sülvern Skale,

He bröcht[1063] idt tho den Heern, de alle darna töffden[1064].

Men[1065] do de goden Lüd de kakeratze[1066] pröffden,

De Ogen würdn en groet, vul runtzeln kam de Stern,

Ein jeder hedd de Supp weddr uth gespiet gern. 10

De ein seed, ‘_fi diabl, par ma foy_ dat schmeckt

brösig[1067],

De Kock de dat gekaeckt, de moet syn dum und dösig[1068].’...

De ander sprack: ‘fi, fi, bö, bö, potz veltes[1069] Wunden,

Man schold mit sülker Supp vergeven[1070] Kattn und Hunden,’

Ein _inventarium_ recht nu ick maken moet,

Van allem wat my waant[1071] im Lyve bös und goet.

Hyrmit so toch he loes: ein Wort twe Ellen lanck,

Bald twischen sine Tene herfloet under de Banck,

Se müsten de dar wern sünt Olrick all anropen.

Mit einem Spanschen Reed[1072] de Vaget quam gelopen, 20

‘_Coqvin_,’ sed he, ‘_Cojon, Vidase_[1073], loser

Tropff,

Itzunder wil ich dir eins langen auff den Kopff,

_Cuisinier de Houdan_[1074]: was ist das für ein fressen?

Hastu noch nicht gelernt _potage_ recht zu _dressen_?

Was _pesle mesle_ ist das? was sinds für dolle sachen

Darmit du uns in sampt darffst solchen eckel machen?

Ich wolt dich setzen lahn auffs newe holtzern Pferd,

Wenn ich dich, _Maqvereau_[1075], achtet meines Zornes

werth.’

‘I Heer Vagt,’ sed de Kock, ‘wil gy mi so betalen?

De Supp is thogericht als gy mi hebt befahlen, 30

Gy seden my, ick schold juw[1076] eine Suppe kaken

Even up sülck maneer als gy hadden gespraken.

Idt was jo althomahl verplümpert[1077] wat gy spreken,

Idt was tho samen schrapt uth Düdschland, Franckrick, Greken,

So is de Suppe ock, se is van velen stücken,

Ein jede vör sick sülffst hed sick wol könen schicken,

Men nu is se vermengt, nu is se nicht vel werth,

Schmeckt nicht na Fisch noch Flesch, hefft wedder Kop noch

Stert[1078].

Also wen gy Frantzösch und Düdsch thosamen rören[1079],

So kant kein Düdsch verstahn, schold he idt schon anhören,

Men weet nicht wat idt is, und moet so wat narahmen[1080],

Ehr ment[1081] vernehmen kan, und up de Mening[1082] kahmen. 10

Darüm gnedig Heer Vagt, wen gy wilt Suppe eten,

So spreket Düdisch mit Frantzöschem nicht besmeten[1083].

_JOACHIM RACHEL._

[_Scherer D._ 365, _E._ 369.]

Geboren 1618 zu Lunden im Ditmarschen. Auf der Schule zu Hamburg,

auf der Universität in Rostock und Dorpat. Später Hauslehrer und

Schullehrer. Er starb 1669 als Rector der Schule in Schleswig.

Er dichtete zuerst im Anschluss an Lauremberg niederdeutsch und

schrieb dann hochdeutsche Satiren nach classischen Vorbildern.

Herausgegeben von H. Schröder (Altona 1828); vgl. Sach ‘J. R. Ein

Dichter und Schulmann des 17 Jahrhunderts’ (Schleswig 1869).

JOACHIM RACHELS, EHEMALIGEN RECTORS ZU WESLINGBUREN CARMEN, WORIN

DER ALTEN DITHMARSCHEN PROVERBIA UND RITUS GAR ORDENTLICH WERDEN

ANGEFÜHRT.

Nu, min dochter, segg van harten,

Wat dünkt Di bi Reimers Marten?

is it nicht een karschen[1084] knecht?

lank van leden[1085] rik van goede

un vam allerbesten bloede,

weer he Di nicht even recht?

Jarrens Dulffs, sin oldervader[1086]

was een deftich[1087] landberader,

ja! he was een weldich[1088] mann

van de acht un veertich heeren,

de Ditmarschen to regeeren

plegten, eer’t de fient gewann.

In de groten landesfeide[1089]

schloech he up der grönen heide

mangen schoenen Holsten[1090] doet:

he schloech lustich up de deusen[1091] 10

dat se pepen un mit steusen[1092]

musten laten haer un bloet.

As de havik vör de küken

gung de groete garde striken[1093],

kam der Jarrens Dulffs in’t felt:

Alle fiende musten springen,

alle fründe musten singen:

‘dat’s een kerel! dat’s een helt!’

Schapken schlachten[1094] na de rammen[1095]

und de twige na dem stammen: 20

Marten is ok goeder haer[1096].

Marten schall sik nicht verkrupen[1097],

de mit em up’t best will supen,

de neem em de füste waer.

Karsten Palk leet sik gelüsten

em to kamen in sin füsten:

man dar was neen vordeel bi.

Karsten mochte stan und trampen[1098]

un mit beeden föten stampen[1099]:

‘Schit[1100], see Marten, dat’s vör di!’

Marten gung man ut der katen[1101],

wull mit gunst wat lopen laten

dar bisüden[1102] bi de boes[1103].

he sprak to de andern heeren:

‘leven fründe, stat mit eeren!’

darna schloech de Karsten loes.

Man he kreech sin deel ok wedder, 10

Marten greep em up sin ledder,

neem darna dat knif[1104] herut.

he hat em dat levent namen,

was dar nemant twischen kamen:

Karsten kreech en blaue snut[1105].

Dat was recht, min goede Harke[1106],

solk lohn hört up solke warke!

Sü! ik bin ie mar[1107] een wif,

mar schall ik mi brüen[1108] letten,

dar will ik entgegen setten, 20

hut un haer un’t heele lif.

Ister ichtes wat to braden[1109],

Marten wert darme geladen;

Marten achter, Marten vör.

Wenn se na dem ringe riden[1110],

edder um den Rolant striden,

he geit mit de büte dör[1111].

Tweemal is he konink heten,

do se na den schiven schöten,

dar he eenen leepel[1112] wann.

Tweemal heft he in der reegen[1113]

den faslavents haen[1114] gekreegen

un darto de tinnen kann.

Wenn se vör dat karspel[1115] treden 10

un tosamen sik bereden,

Marten heft de grötste eer;

he heft--schull Di’t nicht gefallen?--

eenen ganzen kop[1116] vör allen,

as wenn he de vaget[1117] weer.

Lat de andern fri wat seggen,

Marten weet it umbtoleggen[1118],

Marten is vörn düvel klok.

All de buer de möt wol swigen

un vör Martens mütz sik nigen 20

edder vör sin sündagsbrok[1119].

Wenn he in der karken singet

un mit siner stimme klinget,

hei! wo röpt he över all!

ja! so röpt he trotz den mester[1120],

trotz heern Peter un sin köster,

dat em eener nadoen schall.

Un dat schastu ok wol weten[1121],

dat he klei[1122] het ünner’n föten[1123]

dat he Di neen pracher[1124] is.

he het nümmer not van Gelde,

geit mit seven mann to felde

an sin deerens[1125], dat’s gewis.

He het lammer[1126], ploech und eggen,

he het höner, de em leggen,

he het so veel quik un krup[1127]

as een husmann to mach föden, 10

un dar schastu Di vör höden,

nich een schillink schult darup.

Wat schit ik up hunnert morgen,

wenn ik sit in schult un sorgen

un heb nicht een frien klut[1128].

Wenn mi gripert[1129] na geit schliken,

dörf ut miner dör nicht kiken[1130],

as nu manger schulen[1131] moet.

Da dörf Marten nicht vor schrömen[1132],

em schall van dem düvel drömen, 20

keem he em tor havestee[1133];

wo schall he dat fell em rüken[1134]

un den langen galgen[1135] striken,

dat he heid un weid vul dee.

Schustu weten, wat vör linnen,

wat vör kopper, wat vör tinnen,

wat vör ingoet[1136], dat he het:

Balljen[1137], tönnen, nie scheepels[1138],

veer un twintich holten leepels,

borsten, kann un mangelbret.

Telsche Krei[1139] kann he wol wunnen,

mar so hat he’n daler[1140] funnen!

solk een gröne, snatje[1141] tev[1142]!

is ja först van veertein jahren, 10

dar schall he ie wol me fahren,

nümmermehr, so lank ik lev!

Se weet nicht een kohl to kaken

nicht een kunkelpip[1143] to maken,

nicht een fladen, nicht een ei:

Schöttel mit der tungen waschen

un ut beeden schrappen[1144] naschen,

dat’s een doen vör Telsche Krei.

Darum Harke, lat Di raden,

to Din vordeel, nicht to quaden[1145], 20

kombt eens Marten wedder her,

so mustu den schalk wat deken[1146],

dinen betern pels[1147] antreken

un em doen de grötste eer.

Eerst mustu Di flechten letten

un din ninen peel[1148] upsetten,

denn dorna tor dören stan;

seggen: ‘Marten, west willkamen!

ei, dorch Gott, lat uns tosamen,

lat uns in der dörnse[1149] gan!

Ei, kambt an, min goede Marten,

up een spilken in de karten

um een söslink int gelach,

edder ok na juw bedünken 10

um een krosken[1150] uttodrinken,

is it doch nu hilge dach[1151].’

Dann dorna lat mi man snaken,

ik will Di wol wider baken[1152]!

O! dat is min eerste nit.

Eer he’t waer wart, will’k em krigen,

wenn de moet begunt to stigen

un dat hart im munde sit.

Wenn dar is to diske dragen,

so mustu em flitich kragen[1153]: 20

‘Ei nu, Marten, goede frünt,

ei, dorch Gott, neemt van dem schinken!

dar lüst juw eens up to drinken.

neemt! it is juw vul wol günnt.’

Kombt he up Geert Lümmels köste[1154],

dat he Di eens gröten müste

mit een krosken edder kann,

so sprik: ‘ik heb wol vernamen!

juw drunk is mi sehr willkamen!

Marten, stöt juw nawer[1155] an!’

Wo lank wiltu noch so leven

un de schüfel alltit geven[1156]?

entlik mustu doch darbi!

Dörtich jahr sünt all verflaten, 10

dat ik Di heb kersten[1157] laten,

weer it nicht eens tit mit Di?

Ok heb ik van dinen saken

all mit Hebke Fei gespraken:

eer dünkt, dat wol wesen mach.

Hebke Fei holt veel van Marten:

darum rad ik Di van harten:

set em neenen langen dach[1158]!

‘K weet neen beter tit to ramen[1159]:

umb den Silmaent[1160] lat em kamen,

dat’s noch seven weken lank;

länger deent it nicht to töven[1161],

eer he mocht uns noch bedröven

un gan eenen andern gank.

Man dat segg ik Di to vören:

lat neen jawort van Di hören,

eer Du Dinen Markbref[1162] hest.

dar kannt Du den schalk me dwingen, 10

dat he nicht moet höher springen,

as Du em den tögel[1163] lest.

Harke see: de goede Marten,

de liggt mi so deep in harten,

dat ik alltit süchten[1164] moet.

wor ik bin, dat geit he schnüffeln,

wat schall ik em länger schüfeln?

-- Neen -- ik -- summe[1165] Got -- ik doet!

_FRIEDRICH VON LOGAU._

[_Scherer D._ 365, _E._ 369.]

Geboren 1604 in Schlesien. Er war Rath des Herzogs von Brieg und

Liegnitz und Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft. Er starb

1655 zu Liegnitz. Ein Jahr vor seinem Tode veröffentlichte er seine

‘Sinngedichte,’ eine Sammlung von mehr als 3000 grossentheils

kurzen Gedichten. Herausgegeben von Eitner (Tübingen 1872); Auswahl

von demselben (Leipzig 1870).

1.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 239 / 276 题