WACH AUF, MEIN HERZ, UND SINGE.

Wach auf, mein Herz, und singe

Dem Schöpfer aller Dinge,

Dem Geber aller Güter,

Dem frommen Menschenhüter.

Heint[1036] als die tunkle Schatten

Mich ganz ümgeben hatten,

Hat Satan mein begehret,

Gott aber hats gewehret.

Ja, Vater, als er suchte,

Dass er mich fressen möchte, 10

War ich in deinem Schosse,

Dein Flügel mich beschlosse.

Du sprachst: Mein Kind, nun liege,

Trotz dem, der dich betriege!

Schlaf wol, lass dir nicht grauen,

Du sollt die Sonne schauen.

Dein Wort, das ist geschehen;

Ich kann das Licht noch sehen;

Für Not bin ich befreiet;

Dein Schutz hat mich verneuet.

Du willt ein Opfer haben:

Hie bring ich meine Gaben;

Mein Weirauch und mein Widder

Sind mein Gebet und Lieder.

Die wirst du nicht verschmähen,

Du kannst ins Herze sehen; 10

Denn du weissst, dass zur Gabe

Ich ja nicht Bessers habe.

So wollst du nun vollenden

dein Werk an mir und senden

Der mich an diesem Tage

auf seinen Händen trage.

Sprich Ja zu meinen Thaten,

Hilf selbst das Beste raten,

Denn Anfang, Mittl und Ende,

Ach Herr, zum Besten wende.

Mich segne, mich behüte,

Mein Herz sei deine Hütte,

Dein Wort sei meine Speise

Bis ich gen Himmel reise.

2.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 224 / 276 题