FABEL.

{20} DER KRÄMER MIT DEM AFFEN.

Ein Krämer sein Krämerey trug

Darmit er hin vnd wider zug

Auff alle Kirchwey in dem Land,

Auff den Dörffern, wo er die fand,

Darmit er sich gar kaum ernehrt,

Mit müh vnd arbeit streng vnd hert[942],

Lid darbey hitz, frost, hunger vnd kommer

Nun begab sich im heissen Sommer,

Dass diser armer Krämer alt

Sein krämerskorb trug durch ein Wald, 30

Nun schien die Sonn so vberheiss,

Das vber sein Leib loff der schweiss,

Gieng daher helig[943], müd vnd schwach,

In dem ein Brünnlein er ersach,

Das in eim gelben sand auffqwül[944],

Gantz silberfarb, klar frisch vnd kül,

Zu dem der Krämer nider sass

In schatten in das grüne Grass,

Vnd sein Krämerskorb von jm setzt,

Vnd seines vnmuts sich ergetzt,

Thet sich mit disem Brünnlein laben,

Vnd gedacht jhm allda zu haben 10

Ein halbe stund ein stille rhu,

Vnd höret den Waldvögeln zu,

Wie sie sungen mit freyer stim,

In dem giengen die augen jm

Zu, vnd bey dem Brünnlein entschlieff,

In süssem schlaff gar hart[945] vnd tieff,

Vnter eim hohen Kistenbaum[946].

Im schlaff gedaucht jn in dem Traum

Wie er auff einr Dorff-Kirchwey wer,

Darauff sehr vil Gelds löset er, 20

Von Bawersvolck alten vnd jungen,

Die sich vmb seinen Kram vast drungen[947].

Dess wurd der Krämer frewden vol

Im schlaf, das es im gieng so wol,

In dem ein Aff ersehen was[948]

Den Krämer ligen in dem Gras.

Der lof, vnd bracht im Wald daher

Bey zweintzig Affen, oder mehr.

Die Affen alle vmb jn stuhnden,

Bleckten jr Zän, sein spotten kunden, 30

Aus fürwitz bald der Affen hauff

Brachen jm sein Krämers-Korb auff,

Vnd schütten jm herausser gar

All seine elende Krämers Wahr,

Als Brüch[949], Pfeiffen vnd Schlötterlein[950],

Niesswurtz, Zucker vnd Brentenwein,

Leckuchen[951] süssholtz, dergleich gneschlein[952]

Gürtel, Nestel vnd Kindstäschlein

Spiegel, Schelln, Kämb[953] vnd Harpand,

Fingerlein[954], Nadel, das alles sand[955]

Hieng der fürwitzen Affen Hauff

Im Walde in dem Baumen auff,

An den Esten hin vnde her,

Samb im Wald ein Dorfkirchwey wer.

Nach dem die Affn aneinander hiengen, 10

Ein Tantz vmb den Krämer anfiengen ...

Die Schu jm von sein Füssen zugen,

Vnd sie jhm in den Wald vertrugen ...

Von disem so ist munter worn

Der Krämer, vnd schnell aufferwacht,

Fuhr auff, vnd gar vngeschlacht[956],

Die Affen aber flohen bald,

Hin vnd her zerstrewt in dem Wald,

Vnd dem Krämer alle entloffen;

Der fund seinen Krämerskorb offen, 20

Der war von aller Wahr gantz ler,

Die hieng in Baumen hin vnd her,

Vnd dazu in Hecken vnd Stauden,

Die samlet er mit schweiss vnd schnauden[957].

Ein theil war jhm zu hoch gehangen,

Dieselben kund er nit erlangen.

Was er erlanget, packt er ein

Widerumb in den Kramkorb sein,

Vnd zog also barfuss darvon;

Must spot vnd schmach zum schaden hon. 30

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 184 / 276 题