Der schmackhafte Trunk.
Auf ein zeit fůr ein mechtig schiff auf dem mer mit grossem gůt und
kaufmanschatz beladen. Es begab sich, das ein grosse fortun oder
torment an sie kam, also das sich menniglich zů sterben und {10}
zů ertrinken verwegen tet. Auf dem schiff was ein grober und gar
ein ungebachner Baier. Als er von menniglich hort, das sie sich zů
versinken und zů ertrinken verwegen hatten, gieng er über seinen
ledernen sack, nam daraus ein gůte grosse schnitten brot, reib ein
gůt teil salz darauf, hůb an und ass das ganz gütiglichen in sich,
liess ander laut beten, gott und seine heiligen anrüfen. Als nun auf
die letzt der torment vergieng und alles volk auf dem schiff wider zů
růwen kamen, fragen sie den Baier, was er mit seiner weis gemeint hat?
der gůt Baier gab auf ire fragen antwort und sagt: ‘Dieweil ich von
euch allen hört, wie wir undergon und gar {20} ertrinken solten, ass
ich salz und brot, damit mir ein solcher grosser trunk auch schmecken
mocht.’ Dieser wort lachten sie genůg.
_DOCTOR FAUST._
[_Scherer D._ 301, _E._ 298.]
Das älteste Volksbuch vom Doctor Faust erschien zuerst zu Frankfurt
1587 bei Johann Spies (herausgegeben von Braune, Halle 1878;
in photolithographischer Nachbildung Berlin, 1884). Eine neue
Originalausgabe zu Frankfurt 1588. Erweiterte Ausgaben zu Berlin
1590; zu Frankfurt 1592. Eine englische Übersetzung (nach einem
Nachdruck der ersten Ausgabe vom Jahre 1588) erschien zu London,
1592, und bald darauf Marlows Tragödie. Das alte Faustbuch wurde in
Deutschland seit 1595 durch Widmanns Bearbeitung verdrängt.
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