Da freuten sich die raisgeferten,
Als sie den Rein da rauschen hörten,
Und wünschten auf ain neues glück,
Das glücklich sie der Rein fortschick,
Und grüssten jn da mit trommeten:
‘Nun han wir deiner hilf von nöten,
O Rein, mit deinem hellen fluss!
Dien du uns nun zur fürdernus[759]!
Lass uns geniessen deiner gunst! 10
Dieweil du doch entspringst bei uns,
Am Vogelberg bei den Luchtmannen[760]
Im Rheinzierland[761], von alten anen,
Und wir dein tal, dadurch du rinnst,
Mit baufeld ziern, dem schönsten dienst.
Schalt diss wagschiflein nach begeren[762],
Wir wöllen dir es doch vereren[763];
Leit es gen Strassburg, deine zierd,
Darfür du gern laufst mit begierd,
Weil es dein[764] strom ziert und ergetzt, 20
Gleich wie ein gstain im ring versetzt[765].’
Der Rein mocht dis kaum hören aus,
Da wund er um das schiff sich kraus,
Macht um die ruder ain weit rad,
Und schlug mit freuden ans gestad,
Und liess ain rauschend stimm da hören,
Draus man mocht dise wort erkleren:
‘Frisch dran, ir liebe eidgenossen!’
Sprach er, ‘frisch dran, seid unverdrossen!
Also folgt eueren vorfaren, 30
Die diss taten vor hundert jaren[766]!
Also muss man hie rum erjagen,
Wann man den alten wil nachschlagen[767].
Von euerer vorfaren wegen
Seid ir mir wilkumm hie zugegen.
Ir sucht die alt gerechtigkeit[768],
Die euer alten han bereit[769];
Dieselbig will ich euch gern gonnen,
Wie es die alten han gewonnen.
Ich waiss, ich werd noch oftmals sehen,
Solchs von euern nachkommen gschehen. 10
Also erhelt man nachbarschaft;
Dann ie der Schweizer aigenschaft
Ist nachbaurliche freuntlichkeit
Und in der not standhaftigkeit.
Ich hab vil erlich leut und schützen,
Die auf mich in schiff teten sitzen,
Gelait gen Strassburg auf das schiessen,
Dafür[770] mit freuden ich tu fliessen;
Aber kaine hab ich gelait,
Noch heut des tags[771] mit solcher freud. 20
Far fort! far fort! lasst euch nichts schrecken
Und tut die lenden daran strecken!
Die arbait tregt darvon den sieg,
Und macht, das man hoch daher flieg
Mit Fama, der rumgöttin herlich;
Dann was gschicht schwerlich, das würd erlich.
Mit solchen leuten solt man schiffen
Durch die mörwürbeln und mördiefen;
Mit solchen forcht man kain merwunder
Und kain wetter, wie sehr es tunder; 30
Mit solchen dörft man sich vermessen,
Das ainen fremde fisch nicht fressen:
Dann dise alles überstreiten,
Durch ir unverdrossen arbaiten.
Mit disen knaben solte ainer
Werden des Jasons schiffartgmainer[772]
In die insul zum gulden widder:
Da wüsst er, das er käm herwider.
Weren dise am meer gesessen,
So lang wer unersucht nicht gwesen
America, die neue welt:
Dann ir lobgier het dahin gstellt.
Lasst euch nicht hindern an dem tun,
Das auf die haut euch sticht die sunn:
Sie will euch manen nur dadurch 10
Das ir schneid dapfer durch die furch,
Dann sie seh gern, das ir die gschicht
Vollbrechten bei irm schein und liecht,
Damit sie auch rum davon drag,
Gleich wie ich mich des rümen mag,
Die blatern[773], die sie euch nun brennt,
Und die ir schaffet in der hend,
Werden euch dienen noch zu rum
Wie zwischen tornen aine blum.
Ir dörft euch nicht nach wind umsehen: 20
Ir seht, der wind will euch nachwehen,
Gleich wie euch nun diss wetter liebt,
Also bin ich auch unbetrübt.
Ihr sehet ja mein wasser klar,
Gleich wie ain spiegel offenbar,
So lang man würd den Rein abfaren,
Würd kainer euer lob nicht sparen,
Sonder wünschen, das sein schiff lief,
Wie von Zürch das glückhafte schiff.
Wolan! frisch dran! ir habt mein glait 30
Um euer standhaft freudigkeit.
Die strass auf Strassburg sei euch offen!
Ir werd erlangen, was ir hoffen;
Was ir euch heut frü namen vor,
Das würt den abent euch noch wor[774].
Heut werd ir die statt Strassburg sehen,
So war ich selbs herzu werd nehen[775].
Heut werd ir als wolkommen gest,
Zu Strassburg noch ankommen resch[776]!
Nun libs wagschifflin, lauf behend!
Heut würst ain glückschiff noch genent,
Und durch dich werd ich auch geprisen,
Weil ich solch treu dir hab bewisen.’
Solch stimm der gsellschaft selzam war
Und schwig drob still erstaunet gar, 10
Es daucht sie, das sie die Stimm fül[777]
Als wann ain wind bliess in ein hül[778]:
Derhalb jagt sie ir ein ain mut[779],
Gleich wie das horn und rüfen tut
Des jegers, wann es weit erschallt
Den hunden in dem finstern wald,
So sie im diefen tal vorlaufen,
Und die berg auf und ab durchschnaufen,
Alsdan in erst die waffel schaumt[780],
Und kommen auf die spur ungsaumt: 20
Also war auch dem schiff die stimm,
Bekam zu rudern erst ain grimm[781];
Teten so stark die ruder zucken,
Als wolten fallen sie an rucken[782],
In gleichem zug, in gleichem flug,
Der steurman stund fest an den pflug[783],
Und schnitt solch furchen in den Rein,
Das das underst zu oberst schein[784].
Die sonn het auch ir freud damit
Das so dapfer das schiff fortschritt, 30
Und schin so hell in druder rinnen[785],
Das sie von fern wie spiegel schinen:
Das gestad scherzt auch mit dem schiff,
Wann das wasser dem land zulief,
Dann es gab ainen widerton,
Gleich wie die ruder teten gon[786]:
Ain flut die ander trib so gschwind,
Das sie aim underm gsicht verschwind:
Ja, der Rein wurf auch auf klain wellen,
Die danzten um das schiff zu gsellen.
In summa: alles freudig war,
Die schiffart zu vollbringen gar.
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