Ich weiss nit wer ir syt,
want ir zu keiner zyt
mich selben erkant hat
nach die andern myn hantgedat[240].
des wirdt uch vil unuerdrossen[241]
die hymelthore vor beslossen.
Die dritte dorechte sprichet alsus:
Sint vns got hat verseid[242],
so bidden wir die reinen meid,
muter aller barmehertzekeit,
daz sie sich erbarme uber vnser grosse hertzeleit
vnd bidden iren sone vor vns armen, 10
daz er sich uber vns wulle erbarmen.
Die vierde dorechte sprichet alsus:
Maria muter vnde meit!
vns ist dicke geseit,
du sist aller gnaden vol:
nu bedurffen wir gnaden wol.
diss bidden wir dich sere
durch aller juncfrauwen ere,
daz du biddest dinen sone vor vns armen,
daz er sich uber vns wulle erbarmen. 20
Maria sprichet alsus:
Hettit ir mir ader[243] myme kinde ye keinen dinst getan,
daz muste uch nu zu staden stan.
des entadet ir leider nicht:
des wirdit vnser beider bedde vnuerfenclich.
doch wil ich versuchen an myme lieben kinde,
ob ich keine gnade moge finden.
Maria fellet vff ir knye vor vnsern herren vnde sprichet:
Eya liebes kynt myn,
gedencke an die armen muter din. 30
gedencke an die manicfaldigen not,
die ich leid durch dinen dot.
herre sone, do ich din genas,
do hatte ich wedder hus nach palas,
dan alles armude[244]:
daz leit ich alles durch din gude.
ich hatte mit dir arbeit, daz ist ware,
me wan dru vnde dryssig jare.
siech, liebes kint, des lone mir
vnde erbarme dich uber diese armen hier.
Jhesus zu Marien sprichet:
Mutter, gedencket an die wort, 10
die sie finden geschrieben dort:
wolken unde erden sal zugen,
mine worte sullen ommer stille sten.
du nach[245] alles hymelisch here
mogen einen sunder nit ernern[246].
Die erste dorechte sprichet alsus:
Eya herre, durch dine gude
entwich hude dim gemude
vnde erzorne dich nit so sere!
durch aller juncfrawen ere 20
siech an hude vnser iamerkeit.
was wir gein dir getan han, daz ist vns leit:
wir wullen din gebot me halden stede.
erhore hude diner muter bedde
vnde lass vns armen juncfrauwen
din wirtschafft beschauwen.
Maria, aller sunder drosterin,
hilff vns zu der wirtschafft hien in!
Maria sprichet alsus:
Ich will gerne uwer vorsprecherin sin, 30
weret ir von sunden fry,
so mocht ir desto bass herin kommen.
ich wil aber vor uch bidden myn kint Jhesum.
Maria sprichet alsus:
Liebes kint, la dich myner bede nit verdriessen.
lass hude vnser trehen vor din augen fliessen
vnde gedencke an daz vngemach,
daz von diner martel[247] mir geschach,
do ein swert durch myne sele ging.
so was ich pine durch dich enphing,
der lone mir mit diesen armen
vnde lass sie dich erbarmen.
du bist ir vater vnde sie din kint: 10
gedencke wie sure sie dir worden sint
mit manchem vngemache.
mit so welcher hande sache
der sunder dich erzornet hat,
so ist er doch din hantgedat[248].
drut sone guter,
erhore din muter.
ob ich dir ye keinen dinst getede,
so gewere mich dieser einigen bede
vnde lass diese jemerlichen schare 20
ane vrteil zu hymel varn.
Jhesus sprichet alsus:
Nu swyget, frauwe muter myn:
die redde mag nit gesin.
die wyle sie in der wernde[249] waren,
guder wercke sie verbaren[250],
gereidt[251] was yne alle bosheit:
des versage ich yne mine barmhertzekeit,
want sie ir dort nit geruchten[252].
des beuel ich sie den verfluchten: 30
ir spade ruwe daug zu nichte.
ich wil nu zu rechte richten.
get, ir verfluchten ane sele vnde ane libe,
von mir wil ich uch vertriben:
get in daz fure, daz uch bereidt ist
dem tufel vnde sime genist[253].
sunder, gang von mir:
droist vnde gnade versagen ich dir.
kere von den augen myn,
min antlitz wirdt dir nommer schin.
scheide von myme riche,
daz du vil jemerliche
mit dinen sunden verlorn hast:
drag mit dir der sunden last. 10
gang hien vnde schry ach vnde we;
din wirdt rad[254] nu iach[255] nommer me.
_OSTERSPIEL._
Befindet sich in einer Wiener Handschrift aus dem Jahre 1472.
Herausgegeben von Hoffmann in seinen ‘Fundgruben’ 2, 296.
[_Scherer D._ 247, _E._ 239.]
Hie hebet sich an das spil von der besuchunge des grabes und von
der uferstendunge gotes.
_Precursor._
Hüt und tret mir aus dem wege,
Dass ich meine sache vorlege:
Wer seine sache nicht wol vorlegen kan,
Der nimt ofte schaden daran.
Wer ist gewest nach meinen sitten?
Ich wolte daher haben geritten
Ein pfert, ane pfenninge mochte ichs gekaufen: 20
Darumme muss ich zu fusse laufen.
Wol umb, ir herren, und wol umbe,
Die weite und auch die krumme,
Die breite und auch die firre[256],
Dass uns niemant irre.
Nu horet zu alle geleich, 20
Beide arm unde reich;
Horet zu alle gemeine,
Beide gross unde kleine;
Ir jungen und ir alde,
Horet zu also balde,
Und ir alten flattertaschen[257],
Ir kunnet vil smetzen[258] unde waschen,
Und wo man icht wil beginnen,
Da wolt ir euch auch zu dringen.
Wir wellen haben ein osterspil,
Das ist frolich und kost nicht vil,
Wie got ist erstanden
Von des todes banden, 10
Und hat die heiligen veter erlost
Von der bittern hellen rost.
Das welle wir tun in seiner ere,
Dass sich sein gedechteniss mere
In allen guten herzen,
Die da wellen erlost werden von smerzen.
Und wer unser darumme spott,
Es sei Kunze Heinrich oder Ott,
Hensel oder Eckehart,
Oder Nitsche mit dem grossen bart; 20
Auch wirt uns iemant hindern daran,
Es sei frau oder man:
Entstet[259] im darunter icht,
Das welle wir achten gar vor nicht,
Und wünschen im dass er falle
Als eine feder von eime stalle.
Darumb bleibet alle stille sten
Und horet wie sich das wirt ergen.
Ich kan euch nicht mer geschallen[260]:
Ir sulet uf treten alle.
_Pilatus und die juden gen mit im._
* * * * *
_Ein kaufman spricht._
Ich bins nemlich kommen von Paris;
Uf erztei[261] habe ich geleget meinen fleiss
Wol vier und vierzig jar: 10
Was ich euch sage, das ist nicht war.
_Aliud._
Nu horet, ir jungen und ir alten,
Ir rauchen und ir kalten;
Nu horet alle gleich,
Beide arm unde reich.
Ich bin ein meister her kommen:
Ir sollet mein nemen kleinen frommen[262].
Ich habe erztei also vil,
Die ich euch itzunt nennen wil; 20
Ich habe auch gutes geretes vil,
Nuscheln[263] unde deisselseil[264],
Beutel unde teschelein,
Darzu die glesen[265] tepfelein.
Ich bin ein meister gar hoch geborn,
Und habe meinen knecht verlorn:
Und wer ierne[266] einer in dem lande
Der gebrauen[267] hette eine schande,
Und welte meines dienstes pflegen,
Zwar reichen solt wolte ich im geben.
_Rubin kommet._
Herre, wie dunket euch umbe mich?
Ich bin jung und hofelich.
Ich kan den alten weiben
Die beutel abesneiden; 10
Auch kan ich stelen und gar wol verslan[268],
Und bin doch nie zu der staupe[269] gehan[270].
Aber in Beierlant
Da wart ich durch die backen gebrant:
Wer ich nicht entgangen,
Man hette mich vorwar gehangen.
_Der kaufman spricht._
Nu sage mir, liebes knebelein,
Wie ist genant der name dein?
{20} _Rubin antwort._
Rubin bin ich genant,
In Beiern wart ich geschant;
Ich kan keufen und verkeufen
Und die leute wol leichen[271].
_Medicus ad servum._
Rubein, solte ich die warheit jehn,
Ich hette dich vor in eime lande gesehn:
Da was ein kleines knebelein,
Das was genant Rubein;
Das zalte[272] die heuser umb den mittag
Und nam das gemerke[273] in den sack.
_Rubein antwort._
Ja herre, zwar, 10
Ich bins gewest vorwar.
_Medicus dicit._
Nu sage, lieber Rubein,
Was ist das lon dein?
_Rubein respondit._
Herre, mein lon ist gar stark:
Ein pfunt pulze[274] und ein gebraten quark[275].
_Medicus dicit._
Rubein, ich wil dir den quark geben,
Dass du das jar nicht must uberleben, 20
Und auch einen fladen[276] darzu
Den da machet die ku:
Das ist ein grosses lon zwar,
Das ich dir gebe zuvor.
_Rubinus spricht._
Herre, in euerem dienst wil ich leben
Und das stete pflegen.
_Der arzt spricht._
Nu sage, knecht, was das bedeute:
Ich sehe aldort gar vil leute:
Mich dunket in meinem mut
Dass sie suchen salbe gut.
Nu setze aus die buchsen schier,
Zwei, drei, oder vier, 10
Ob wir icht mochten gekeufen[277] gelt.
Nu slag uf unser gezelt,
Und tu das alzuhant.
Dass die erztei werde den leuten bekant.
_Mercator dicit._
Nu ist das die eine:
Die slug ich aus eime steine.
So ist das die ander:
Die brachte ich von Flandern.
So ist das die dritte: 20
Die brachte ich von Egipten.
So ist das die vierte:
Die macht ich zu dem biere.
So ist das die fumfte fein und klar,
Als eine ku die kalben sal:
Wer da hat ein har oder zwe,
Der wirt rauch als ein ganse[278].
_Medicus antwort._
Ich wil dir sagen, Rubein,
Und vernim gar wol die rede mein:
Sich die buchsen gar eben[279] an,
Dass sie niemant mag von hinne getran;
Wirt dir ierne eine genommen,
Du wirst sein nemen kleinen frommen:
Du wirst mir dieselbe teuer gelten,
Oder ich werde dich gar sere schelten ...
_Nu gen die person und singen._
Almechtiger got, vater der hochste,
Der engel trost der uns erloste 10
Von grossen noten unde troste.
_Die ander persone._
Vater, almechtiger got,
Dem die engel sten zu gebot,
Wie sol uns armen nu geschehn,
Dass wir dich nicht me sullen sehn?
_und spricht._
Wir han verlorn
Der uns zu troste wart geborn,
Jesum Christum 20
Der reinen juncfrauen sun
So er was der werlde hoffenunge ...
Owe wie gross ist unser smertze!
Wir haben verlorn Jesum Christ,
Der aller werlde ein troster ist,
Marien son den reinen:
Darum müsse wir beweinen
Swerlichen seinen tot:
Wenn er half uns aus grosser not.
_Die dritte persone._
Wir sullen gan ‖ da Jesus wart geleit[280]
Und trauer han ‖ durch unser selikeit
Und salben im die grossen wunden sein.
Owe wie gross ist unser herzepein!
Vil lieben swestern beide, 10
Wie sulle wir uns haben[281] zu unserem leide,
Wenne wir Jesu des süssen
Leider entberen müssen.
Des gehe wir und kaufen salben
Damite wir in allenthalben
Bestreichen seine wunden
Nu zu disen stunden.
_Der kaufman ruft dem knechte._
Rubein, Rubein, Rubein!
{20} _Rubinus komt gelaufen._
Was welt ir, herre meister mein?
_Mercator._
Rubein, wo bist du so lange gewest?
Du tust meinem dienste nicht recht:
Du soltest hie keufen und verkeufen
Und die leute wol teuschen unde leichen ...
Rubein, es mag wol schiere tagen.
Ich hore jemmerliche klagen
Drei frauen unde singen:
Uns mag noch gar wol gelingen
An dem kaufe den wir da han.
Gehe und heiss sie her gan.
_Rubinus._
Herre, welche meinestu? 10
Sol ich sie alle rufen herzu?
_Mercator._
Nein, rufe mir die alleine,
Die da an dem wege klagen und weinen.
_Rubinus get zu den swestern._
Got grüsse euch, ir frauen, zu aller zeit:
Ich sehe wol dass ir betrübet seit;
Was euch auch werre,
Ir holet das seufzen ferre[282];
Das ist mir leit, das gleubet mir, 20
Dass ir also betrübet stet alhier.
_Die personen sagen._
Gut kint, got lone dir:
Wir haben swer gemüte alhier.
_Rubinus._
Das besser euch got durch seine güte
Und euch von allem leiden behüte!
Dürft ir nicht hülfe oder trost,
Get zu meinem hern: ir wert erlost.
_Die ander persone._
Got ere dich, guter jüngeling;
Dass got gebesser deine ding!
Unser leit ist verborgen.
Wir wellen dir gerne volgen;
Nicht lenger welle wir alhie stehn:
Wir wellen gerne mit dir gehn. 10
_Mercator canit._
Ir frauen, nu seit mir wilkommen:
Ich hoffe, ich neme euer guten frommen.
Ist hier icht das ir begert,
Des wert ir von mir ganz gewert.
Ich habe die besten salben
Die da allenthalben
In dem lande mag gesein,
In Ysmodia und in Neptaleim[283].
Summer[284] mein korp und mein stap, 20
Die brachte ich von Arab;
Summer mein schones weip Anthonie,
Die brachte ich von Babylonie;
So müsse euch die wol gedein:
Wenne ich brachte sie von Allexandrein.
_Die dritte persone._
Gut man, ich habe in meinen henden
Drei gute gulden besanden[285]:
Gip uns darumme deine masse,
Dass dich got leben lasse.
_Mercator._
Ir frauen, ir keuft ane schelten[286]:
Euer gelt wil ich euch abe gelten[287].
Nemet dise buchse darumme:
Wenne sie ist besser wenne ander funfe; 10
Und nemet die buchse dabei:
Die ist besser wenn ander drei;
Auch nemet die darzu:
Sie ist besser wenne ander zwu.
_Tercia persona._
Nu sage uns, guter man:
Sulle wir mit diser salbe gan?
_Mercator._
Ja frau, were ich rot golt,
Ir soltet sie tragen wohin ihr wollt. 20
_Die erztin zornig spricht._
Ir frauen, lat die büchsen stan;
Ir sullet sie nicht von danne tran:
Sie kost mich alzu teuer;
Ich machte sie nechten[288] bei dem feuer;
Und geht gar engelich[289] von meinem kram[290],
Oder ich wil euch mit eime knuttel slan.
_Der kramer spricht zu ir._
Wie, ir rechte übel haut!
Wie tort ir[291] immer werden laut,
Dass ir strafet mein verkeufen?
Darum muss ich euch slan und reufen.
_Mercatrix._
Se[292] wie dunket dich um den flessen[293] bart?
Du bist ein mudig[294] von der art.
Dass dich der geier schende 10
Hie unter meinen henden!
_Mercator._
Sweiget, fraue, und lat euer swantzen[295]
Zu Breslau uf dem tume[296] becket man gute mosanzen[297];
Zu Otmachau[298] gar gute weiche kese;
Ich getraue gar wol vor euch genesen.
_Mercatrix._
Ich sweige noch nicht so schiere.
Wenn du kommest von dem biere,
So bistu trunken sam ein swein: 20
Dass es dir nummer müsse gedein!
_Mercator._
Sweiget, frau, oder ich gebe euch einen puf[299].
_Mercatrix._
Dorte get der monde uf.
_Mercator._
Sweiget! ich gebe euch einen slag.
_Mercatrix._
Zolch[300] da er hie lag!
_Mercator._
Ach du altes redefass[301], 10
Ich bin dir nie worden gehass:
Ich wil dich nu slan umb den kop,
Dass du wirst werden top[302];
Nu sehe dir eines uf den rucke[303]
Zu deinem grossen ungelucke.
_Mercatrix._
Ach ach ach leider!
Sein das die neuen kleider
Die du mir zu den ostern hast gesant?
Dass du must werden gebrant! 20
Got gebe dir das korfel[304] in den magen,
Dass du das jar nicht musst überleben!
Werstu zu Wiene nicht entgangen,
Man hette dich an den galgen gehangen.
Du hast auch einen roten bart,
Und bist ein mudig von der art.
_Mercator._
Fraue, liebe fraue mein,
Dass ir immer selig müst sein!
Vergib mir dass ich dich habe geslagen
Gar hertlich an deinen kragen[305].
Du machst deine klage gar manchfalt:
Daran tustu mir gewalt; 10
Und hast ein wunderlich geberde,
Und wilt mich bringen unter die erde.
_Mercatrix._
Nein, ich vergebe dir nicht dise slege,
Ich sehe dich denne in ein grab legen.
_Mercator spricht zu Rubein._
Wol hin mit den pulvern:
Ich kan alhie nicht me bleiben.
Hebe uf korb unde stab,
Und laufe wir gein Arab, 20
Und mache wir uns aus dem lande:
Anders wir mochten werden zu schanden.
_Rubinus dicit._
Herre, ich lege ein alzuhant,
Und laufe mit euch in fremde lant.
_Die personen sagen._
Owe uns drei armen frauen!
Mag man schauen
Jammers not?
Nu ist er tot,
Den die Juden han ermort
Ane sache[306] und ane schulde,
Als ir dicke hat gehort.
Owe uns armen drei frauen!
Was jammers mag man schauen 10
Den wir tragen in unserm herzen!
Awe des jemmerlichen smerzen
Den wir umb unseren herren tragen,
Den uns die Juden haben erslagen!
_Prima persona._
Wenn der meister und der hirte
Jemmerlich geslagen wirt,
So verirren sich die schefelein
Und die lieben junger sein.
Von seiner verlust so leiden wir 20
An dem herzen jammers vil.
_Die ander persone._
Nu schaut wie das stet,
Wo das vie ane hirten get,
Und die schüler ane meister sein:
Das ist uns wol worden schein,
Sint wir haben verlorn
Den der uns zu troste wart geborn.
Darumb beweine wir seinen tot:
Wenne er half uns aus aller not. 30
_Die dritte persone._
Swestern, wir sullen hie nicht lenger stan:
Wir sullen zu dem grabe gan:
Wenne ich habe ein alt sprichwort
Gar dicke unde ofte gehort,
Dass man die treue lobet allermeist
Die man nach dem tode leist.
Darumme, lieben swestern mein,
Was uns liep das leben sein,
Das tu wir nach dem tode schein. 10
Zu dem grabe wolle wir eilen,
Ob wir finden Jesum Christ
Der uns ie der liebeste ist,
Und alle seine wunden gross
Die er empfangen hatte bloss
Bestreichen allenthalben
Mit diser teuern salben.
_Persone sil. euntes ad sepulcrum canunt._
Wer hilft uns welzen abe 20
Den stein von dem grabe
Der dar uf gelegit ist,
Dass wir unserm herren Jesu Christ
Salben seine wunden?
Die sten noch im unverbunden.
_Die engel antworten._
Wen sucht ir, frauen gut,
Mit so traurigem mut,
Also frü vor tage
Mit so jemmerlicher klage?
_Die ander persone._
Gottes kint, das sage wir dir:
Jesum von Nazareth suche wir,
Den wir hatten vor einen waren got,
Und taten gerne seine gebot.
_Die engel singen._
Er ist nicht hie, den ir sucht:
Sunder get, ob irs gerucht[307],
Und saget seinen jungern 10
Und Petro besunder
Dass er ist erstanden
Und gein Galilea gegangen.
_Die dritte persone._
Weist uns, vil stolzen jungelinge,
Die stat da er hat gelegen inne.
_Die engel singen._
Get her und schauet die stat
Da Jesus inne gelegen hat.
Hie ist nicht me denne ein tuchelein, 20
Da Jesus was gewunden ein.
_Die personen alle singen._
Owe, wir armen swestern waren komen mit leide zu unsers hern grabe:
Der stein was abe,
Die engel sageten uns mere
Wie Christus erstanden were.
_Die ander persone._
So wir zu dem grabe quamen,
Der engel stimme wir vernamen:
Sie sageten uns liebe mere,
Dass Jesus erstanden were
Von dem tode wol gesunt
Und het zubrochen der hellen grunt.
_Der erste engel._
Vil lieben frauen, wir sagen euch vor war
Dass Jesus alhie hat gelegen zwar:
Sunder[308] er ist nu erstanden
Und vorbass gegangen. 10
Darumb wolt ir in han,
So suchet in zu Galilean.
_Die dritte persone geseinende[309]._
Got geseine euch, liebe swestern mein!
Seht, noch heute komt mir swere pein:
Ich mag weder gerasten noch gerun
Bis ich meinen herren finde nu;
Ich wil auch meine hende winden
Bis ich meinen herren vinde.
{20} _Die erste persone._
Jesu, du bist der milde trost
Der uns von sunden hat erlost,
Von sunden und von sorgen
Den abent und den morgen.
_Die ander persone._
Er hat dem teufel angesiget,
Der noch[310] vil feste gebunden liget;
Er hat vil manche sele erlost:
O Jesu, du bist der werlde trost.
_Die dritte persone._
Nu schauet alle dise stat
Da Jesus inne gelegen hat.
Ich habe das tuch in meiner hant
Das im seine mutter umbbant.
Ich bin genant Maria von Magdala:
Ich werde nimmer fro; 10
Trauren mag mich nicht vorgan,
Ich sehe in denne mit den augen an.
Der mir meine sunde vergap,
Der wart geleget in ein grap:
Des muss ich aber klagen mer
Und grossen[311] meines herzen swer.
Owe der mere!
Owe der jemmerlichen klage!
Das grap ist lere:
Owe meiner tage! 20
Wo ist nu hin mein trost,
Der mich von sunden hat erlost?
Der mir die sunde vergap,
Den sach ich legen in ein grap.
_Tercia persona._
Ich quam gegangen salben
Den herren in ein grab allenthalben:
Da vant ich das grap wan[312],
Und da erkante ich an
Dass er was erstanden
Von des todes banden[313].
_Silete, canitur._
Der stein ist abe,
Des meret sich mein ungemach,
Von unsers herren grabe,
Also mir der engel sprach.
Ich suchte den engel nicht: 10
Ja suchte ich Jesum, der engel licht.
Ich sterbe durch das licht:
Vil süsser got, nu tröste mich!
_Tercia persona dicit._
Der stein ist werlich geleget von der stat
Darinne unser herre gelegen hat;
Mit rittern was das grap besatzet wol:
Nu weiss ich nicht wo ich in suchen sol.
_MARIEN KLAGE._
[_Scherer D._ p. 247, _E._ 241.]
Aus einer dem 15. Jahrhundert angehörigen Handschrift der Trierer
Stadtbibliothek herausgegeben von Hoffmann in seinen ‘Fundgruben’
2, 259.
Deinde Maria ut sequitur:
Owê owê hiute! waz sol ich
Oder wer wil nû trœsten mich?
Sint ich den süezen hân verlorn 10
Der mich ze muoter hete erkorn.
Owê owê! nû gên ich wider unde vür;
Nieman tritet vür die tür,
Der dise nôt welle enden!
Des ringe ich arme muoter mîne hende.
Owê owê der jæmerlîchen nôt!
Owê, mich dunket er sî tôt.
Johannes neve, nû vüere mich
Zuo mîme kinde, des bite ich dich.
_Wehe wehe über den heutigen Tag! was soll ich,
und wer wird mich nun trösten,
da ich den Süssen habe verloren, 10
der mich zur Mutter hatte erkoren?
Wehe wehe! nun geh ich auf und ab;
und niemand tritt vor die Thür,
der diese Noth will enden:
darum ringe ich arme Mutter die Hände.
Oweh, oweh der jammervollen Qual!
Oweh, mich dünkt er sei tod.
Johannes, Neffe, nun führe mich
zu meinem Kinde, darum bitte ich dich._
Tunc vadunt ante crucem et Maria cantat plangendo cum manibus.
Owê owê der jæmerlîchen klage,
Die ich muoter eine trage
Al von des tôdes wâne.
Weinen was mir unbekant,
Sint ich muoter wart genant, 10
Und bin doch mannes âne.
Nû ist ze weinen mir geschehen,
Sint ich sînen tôt muoz sehen
Den ich âne swære gar
Muoter unde meit gebar.
Owê tôt! Dise nôt
Mahtû wol volenden,
Daz du von dir Her zuo mir
Dîne boten wellest senden.
Owê der leide! 20
Der tôt der wil uns scheiden.
Tôt nû nim uns beide,
Daz er niht aleine
Sô jæmerlîche von mir scheide.
Owê! waz hât er iu getân?
Muget ir ime niht sîn leben lân
Und nemt mir mînen lîp?
Owê! waz sol ich armez wîp!
Grôzer klage ist mir nôt.
Owê, læge ich vür in tôt!
Vater schepfer bistû mîn,
Und ich dîn gebererîn:
Dîne wunden tuont mir wê.
Miner klage ist worden mê,
Sint dû herzeliebez kint trût 10
Wider mich niht maht werden lût.
Herzekint, Dîne ougen sint
Dir sô gar verblichen.
Dîne maht Und dîne kraft
Ist dir sô gar entwichen.
Owê owê, vil lieber sun mîn!
Owê der grôzen marteln dîn!
Owê, wie jæmerlîchen dû hengest!
Owê, wie dû mit dem tôde ringest!
Ach wie jæmerlîchen bibet dir dîn lîp! 20
Eiâ, waz sol ich armez wîp,
Sint ich dich, liebez kint mîn,
Sihe lîden alsô grôze pîn!
Des sticht mich ze dirre stunt
Ein swert durch mînes herzen grunt.
Simeonis grimmec swert
Daz hât mich wol bevunden.
Pînen bin ich wol gewert
Ze disen selben stunden.
_Weh weh, welch jammervolle Klage,
die ich, die Mutter, alleine trage
von des Todes Gedanken.
Weinen war mir unbekannt,
seitdem ich Mutter ward genannt, 10
obwohl ich des Mannes ledig bin.
Nun ist mir das Weinen angekommen,
seitdem ich seinen Tod vernommen,
den ich ohne jeden Schmerz
trug unter jungfräulichem Herz.
Oweh Tod! Dieser Noth
machst du leicht ein Ende,
wenn du von dir her zu mir
deine Boten willst senden.
Weh und Leid! 20
Der Tod der will uns scheiden.
Tod, nun nimm uns beide,
dass er nicht alleine
so jämmerlich von mir scheide.
Oweh! was hat er euch gethan?
Könnt ihr ihm nicht seine Leben lassen
und nehmt mir meinen Leib?
Oweh! was soll ich armes Weib!
Grosse Klage thut mir Noth.
Oweh, läg ich statt seiner tod!
Vater Schöpfer bist du mir,
und ich, die dich geboren hat:
deine Wunden thun mir weh.
Meine Klage hat sich vermehrt,
seit du herzliebes trautes Kind 10
zu mir keinen Laut mehr sprechen kannst.
Herzenskind, deine Augen sind
dir so ganz verblichen.
Deine Macht und deine Kraft
ist dir so ganz entwichen.
Oweh, oweh mein viel lieber Sohn!
Weh über deine grosse Marter!
Weh, wie jämmerlich du hängest!
Weh, wie du mit dem Tode ringest!
Ach, wie jämmerlich bebt dir der Leib! 20
Weh, was soll ich armes Weib,
da ich dich, liebes Kind mein,
Sehe leiden solch grosse Pein!
Damit sticht mich zu dieser Stund
ein Schwert durch meines Herzens Grund.
Simeons grimmes Schwert
das hat mich wohl getroffen.
Qualen sind mir reich beschert
zu dieser selben Stunde._
Post hoc Salvator cantat: Mulier ecce filius tuus, et dicit cum hoc
Rhythmo:
Sich, wîp, ditz ist der sun dîn,
Johannes sol nû dîn pfleger sîn
Und sol nû dîn sun wesen,
Wande dû wol sihest daz ich niht mac genesen.
_Sieh, Frau, dies ist dein Sohn,
Johannes soll dein Pfleger sein
und soll nun dein Sohn werden,
da du wohl siehst, dass ich nicht am Leben bleiben kann._
Et deinde dicit ad Johannem: Ecce mater tua, cum hoc Rhythmo:
Johannes, lieber neve mîn, 10
Ich bite dich daz dû mîner muoter pfleger wellest sîn
Und daz dû trœstest ir herzeleit,
Daz si durch mîne martel treit.
_Johannes, mein lieber Neffe, 10
ich bitte dich, du mögest meiner Mutter Pfleger sein
und sie trösten in ihrem Herzeleid,
das sie wegen meiner Marter trägt._
Johannes respondet:
Gerne, Jesus meister mîn,
Ich wil gerne ir huoter sîn
Und si bewarn die wîle ich leben,
Sint dû mich ir ze pfleger hâst gegeben.
_Gerne, Jesus Meister mein,
ich will gerne ihr Hüter sein
und sie bewahren Zeit meines Lebens,
Da du mich ihr zum Pfleger gegeben hast._
Maria dicit R. ad Salvatorem.
Owê Jesus, vil liebez kint mîn, 20
Wie grôz ist dînes lîbes pîn!
Ach owê, wie dîn munt nû bibet!
Owê des urloubes, des er mir nû gibet!
Owê leit vor allen leiden!
Sol ich mich nû von im scheiden
Von deme der ie ist gewesen mîn trôst?
Von jâmer bin ich ungelôst.
Owê, wâ herberge ich die êrste naht?
Mit grôzem jâmer bin ich überdaht.
Ditz ist ein bitterlîcher mort.
Ach liebez kint, nû sprich mir doch zuo ein wort,
Ob ich dîn muoter bin.
Owê! er enmac, er ist dâ hin.
Er ist leider übel gereiset, 10
Wande ich bin ze mâle verweiset:
Des muoz ich schiere vor leide vergân.
Ach dû herter kriuzeboum,
Wie dû dîne arme hâst zetân,
Dâvon ich grôzes jâmers vil hân.
Ach wistest dû an dirre stat,
Waz man an dir gesperret hât,
Dû tætest dîne arme zesamne sint
Und liezest ruowen mîn liebez zartez kint.
Eiâ dû sûre jüdesche diet, 20
Warumbe tœtet ir mich niet?
Wand mînen trôst hât ir mir benomen.
Owê, wâ sol ich hinnen komen?
Nune weiz ich leider war ich vlîe.
Des tôdes wil ich bîten hie.
_Wehe Jesus, mein viel liebes Kind, 20
wie gross ist deines Leibes Pein!
Ach wehe, wie dein Mund jetzt bebt,
weh über den Abschied, den er mir giebt!
Weh Schmerz über alle Schmerzen!
Soll ich mich nun von ihm trennen,
von dem, der jeder Zeit mein Trost gewesen?
Mit Jammer bin ich unlöslich verbunden.
Oweh, wo kehre ich die erste Nacht ein?
Mit grossem Jammer bin ich überdacht.
Dies ist ein bitterer Mord.
Ach liebes Kind, nun sprich doch zu mir ein einzig Wort,
wenn ich deine Mutter bin.
Weh, er kann nicht, er ist dahin.
Er ist leider auf einer schlimmen Reise, 10
und ich bin zumal verweiset:
drum muss ich schier vor Leid vergehn.
Ach du harter Kreuzesbaum,
wie hast du deine Arme geöffnet!
Das bereitet mir grossen Schmerz.
Ach wüsstest du nur,
was man an dich gehängt hat,
du schlössest deine Arme
und liessest mein liebes zartes Kind ruhen.
Weh du rauhes Judenvolk, 20
warum tödtet ihr mich nicht?
Habt ihr mir doch meinen Trost benommen.
Weh, wohin soll ich nun von hier mich wenden?
Leider weiss ich nun nicht, wohin fliehen.
Des Todes will ich harren hier._
Et sic residet in terram.
_THEOPHILUS._
[_Scherer D._ 248, _E._ 242.]
Von einem niederdeutschen Dichter verfasst. Aus einer dem 15.
Jahrhundert angehörigen Handschrift der Stadtbibliothek zu Trier
herausgegeben von Hoffmann (Hannover 1853).
_Theophilus._
Ik bin geheiten Theophilus,
Myne klage begint aldus[314].
Ik was geheiten ein kloken man,
An pâpheit[315] kundik my wol verstân
Und ôk noch als ik hoppe.
Ik was gekoren to einem bischoppe
Unde sold ein here[316] syn gewesen, 10
Do verdrôt my singen unde lesen.
Nu hebben sei einen anderen koren,
De hevet my dôr synen toren
Verdreven unde myne provende[317] nomen,
Dei my plach degeliks in to komen
An wyne und ôk an weite[318],
So dat ik nu ein arm man heite.
Seit, dat mojet[319] my also sere:
Wistik ef jenich[320] duvel were
Hyr an dusser êrden, 20
Syn eigen woldik wêrden!
De my helpen wold dâr an,
Dat ik worde so ryken man,
Dat ik dem bischop unde dem stichte[321]
Mochte wederstân mit gichte[322].
Is ôk an dusser stunt
Jenich duvel an hellengrunt
Edder an der hellen dore,
De make drade sik hervore,
Edder wâr hei besloten sy,
De kome drade her to my!
Ik beswere dy, duvel Satanas,
By dem gode, de lôf[323] unde gras 10
Und alle dink geschapen hât,
Des hemels lôp[324], der êrden stât[325];
Ik beswere dy by dem valle,
Den gy duvele vellen alle,
Da unde dyne medegenoten[326],
Do gy worden van dem hemel stoten;
Ik beswere dy by dem jungesten dage,
Wan godes sôn kumt mit syr klage
Over alle sunderlude[327],
Dat du to my komes hude 20
Mit bescheide und antwôrdes my
Allet des ik vrage dy!
Hyr komet nu de duvel springen unde secht to Theophilo mit greseliker
stemme dussen rymen:
_Satanas._
Theophile, wat mênstu hyr mede?
Dit is jo juwer[328] papen sede:
Wan ju is ein vort entgân,
So wil gy uns armen duvele hân,
Wy en blasen ju den weder in: 30
Sus sêrdy[329] uns, eft[330] wy ju eigen syn.
Jo en egen[331] wy es nicht van ju papen,
Wente[332] wêr wy duvele nicht geschapen,
Dat gy de leien mit uns vervêrt[333],
Gy mosten ôk halden den plôchstêrt[334].
Nu twing gy uns mit juwer klôkheit,
It sy uns leif, it sy uns leit,
Dat wy moten to ju komen.
Dû hefst my eine lange reise benomen:
Ik was dâr hento India,
Myne gesellen sochtik da.
Dâr was de konink gestorven,
Ik had syn sele na[335] erworven. 10
Tohant do ik dyn bannen hôrde
Unde dyne greseliken wôrde,
Do mostik rôklose[336] komen to dy.
Nu sech up[337] drade, wat woltu my?
_Theophilus._
Hefstu silver unde golt
So wil ik dy den dûrsten solt
Den ik ye gewan verkopen:
Myne sele, dei in der dopen[338]
Mit godes blode is gereinet 20
Unde na synem bilde is vereinet,
Dei wil ik setten in dyne hant,
Ik en hebbe nein durer pant[339].
Woltu solke pande entfân,
So wil ik met dy einen kôp angân.
Satanas secht weder:
_Satanas._
Nein, nein, dâr mede schaffestu nicht!
Dat is uns ôk wol mêr geschicht[340],
Dat wy gôt den luden geven, 30
Dat sei er wâllust mede dreven
Twintich edder dertich jâr,
So begunden sei dan to lesten dâr
In einen wech to komen,
Dat sei uns worden benomen.
Doch wo em sy, is dy icht leif
Gelt unde gôt, so schryf einen breif!
De breif sal also wesen,
Al dei en sein[341] efte lesen,
Den salstu bekennen unde gein[342]
Openbâr unde dâr nicht entein[343];
Dat Theophilus des duvels sy.
Dyn segel[344] sal dâr hangen by, 10
Dat du dregest an dyner hant:
So antwôrd my breif unde pant.
Ik wil dy so vele gudes geven,
Dat du hêrliken moges leven.
_Theophilus._
Wat solen dei breive myn?
Myn wôrt doch recht solen syn!
Ik en wil dy nicht vôrleigen[345],
Wente woldik dy bedreigen,
Wat dochtik dan to einem papen?
_Satanas._
Nicht, nicht! it is al anders schapen. 20
Woltu my wêrden underdân,
Dyne hantveste[346] wil ik êrst entfân,
Dâr inne salstu dat schryven,
Dat du myn willes ewich blyven
Mit lyf, mit sele. Ôk schryf dârby,
Dat nein trôst mêre an dy en sy.
Und ôk we vor dy bede,
Dat hei dy unrecht dede.
Hefstu leive to solken saken,
So wil ik den kôp mit dy maken 30
Unde wil dy so vêl godes geven,
Dat du moges hêrliken leven.
_Theophilus._
Ik bin darum to dy gekomen,
Als du ein deil wol hefst vernomen,
Dat ik gêrne jummermere
Um geldes willen dyn eigen were.
_Satanas._
Dyn wille sal dy wol geschein,
Ân ik wil êrst pant unde breive sein.
_Theophilus._
Nu du my dârto wolt dryven,
Dat ik dy einen breif sal schryven,
Dei my an myne sele geit,
Dârto bin ik gâr bereit. 10
Wat helpet, dat ik dâr weder sage?
Went ik môt doch al myn dage
Eweliken syn verloren.
Nu recket my her ein inkethoren[347],
Eine vederen unde permint[348]!
Dat is my recht so ein wint.
Ik wil schryven ein tractât,
Dat nummer myr[349] sele wêrde rât.
_KAISER UND ABT._
[_Scherer D._ 249, _E._ 243.]
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verfasst. Herausgegeben
von Keller (Tübingen 1850).
Der apt dicit:
Mulner, pis mir gotwilkumm her! 20
Dreier ret ich von dir beger:
du pist ein abenteuerlich man.
Wer mag das geluck am nechsten han?
Der mulner:
Herr, das ist gar guot zuo erraten,
als wurst zuo essen, wenn sie sein gepraten:
vil leicht kan ich euch das gesagen.
Der apt:
Mulner, ich wil dich mer fragen:
was gult ein keiser, solt man in kaufen?
Der mulner dicit:
Müest ich dann ausz der müle laufen,
das wundert mich von herzen ser. 10
Der apt:
Wie vil ist wassers in dem mer?
Der mulner:
Sein das die ratnus alle drei?
Der apt:
Ja, lieber mulner, hab fleisz da bei,
wann mir leit nit ein kleinsz daran.
Der mulner:
Ei herr, was wer ich fur ein man,
kund ich des nit und het es gesehen? 20
Der apt:
Die ret müessen vor dem keiser geschehen.
Wann du sie erretst, so wil ich dir geben
genuoc, die weil du magst iemer leben.
Der mulner:
Herr apt, ir sult mir warlich getrauen,
oder laszt mir den kopf abhauen.
Der apt:
Mein mulner, ich gelaub dir gern!
Du muost dir lassen ein platten schern, 30
und leg auch an ein kutten frei,
das der keiser maint, das ich das sei....
Der mulner kumpt in der kutten und spricht zuo dem apt:
Mein herr der apt, bona dies!
* * * * *
Der apt:
Herr, ir wert nu auf sitzen.
Nu sitzt der mulner auf das wegenlein, so ziehen in die pauren in die
stuben fur den keiser. Der herolt:
Ir durchleuchtiger keiser her,
eur apt ist hie und hat beger,
woll euch die drei rete raten hie.
Der keiser:
Wir wollen in gern horen, wie;
wann groszer weisheit tet im noten, 10
sol er uns die drei sach erroten.
Der keiser:
Herr apt, habt ir die sach nu bracht?
Der neu apt:
Herr keiser, ich habsz kaum erdacht:
kein dink ist mir nie seurer worden,
mir und mein bruodern in dem orden,
pisz wir die sach erfunden han.
Der keiser dicit:
Herr apt, herr apt, nu ratent an, 20
wie vil ist wassers in dem mer?
Der neu apt:
Das sag ich euch, genediger herr,
das solt ir mir gelauben wol:
das mer ist neur drei kuofen vol.
Der keiser dicit:
Herr apt, sagt, wie mag das gesein?
Tet man all kuofen darausz und drein,
So kunt man es umb ein tropfen nit sehen.
Wie tort ir dann ein solches jehen, 30
des meres sei neur drei kuofen vol?
Der neu apt:
Des wil ich euch bescheiden wol.
Wenn grosz genuoc weren die zuber,
so belieb des mers nit ein tropf uber.
Der keiser spricht zuo reten:
Ir herrn, wie gefelt euch die sach?
Was sol ich thuon, dan das ich lach?
Muosz mich dar an benuogen lan.
Das ander muosz er mich auch lassen verstan:
was sei wir keiser an gelt wol wert?
Der neu apt:
Herr, gilt der grosch heur als fert?
Der keiser dicit: