Durh Gyburge al diu nôt geschach.
diu stuont ûf, mit zuht si sprach,
ê daz sich schiet der fürsten rât.
‘swer zuht mit triwen hinne hât,
der ruoche hœren mîniu wort.
got weiz wol daz ich jâmers hort
sô vil inz herze hân geleit,
daz in der lîp unsamfte treit.’
Die gein ir ûf begunden stên,
die bat si sitzn und ninder gên.
dô si gesâzen über al,
si sprach ‘der tôtlîche val
der hiest geschehen ze bêder sît
dar umbe ich der getouften nît 10
trag und ouch der heiden,
daz bezzer got in beiden
an mir, und sî ich schuldic dran.
die rœmschen fürsten ich hie man,
daz ir kristenlîch êre mêrt,
ob iuch got sô verre gert,
daz ir mit strîte ûf Alischanz
rechet den jungen Vivîanz
an mînen mâgn und an ir her:
die vindet ir mit grôzer wer. 20
und ob der heiden schumpfentiur ergê,
sô tuot daz sælekeit wol stê:
hœrt eins tumben wîbes rât,
schônt der gotes hantgetât.
Ein heiden was der êrste man
den got machen began.
Nu geloubt daz Eljas unde Enoch
für heiden sint behalten noch.
Nôê ouch ein heiden was,
der in der arken genas.
Iop für wâr ein heiden hiez,
den got dar umbe niht verstiez.
nu nemt ouch drîer künege war, 10
der heizet einer Kaspar,
Melchîor und Balthasân:
die müeze wir für heiden hân,
diene sint zer flüste niht benant:
got selb enpfienc mit sîner hant
die êrsten gâbe an muoter brust
von in. die heiden hin zer flust
sint alle niht benennet.
wir hân für wâr bekennet,
swaz müeter her sît Even zît 20
kint gebâren, âne strît
gar heidenschaft was ir geburt:
etslîchz der touf het umbegurt.
getouft wîp den heiden treit,
swie dez kint der touf hab umbeleit.
der juden touf hât sundersite:
den begênt si mit eime snite.
wir wârn doch alle heidnisch ê.
dem sældehaften tuot vil wê,
ob von dem vater sîniu kint
hin zer flust benennet sint:
er mac sih erbarmen über sie, 10
der rehte erbarmekeit truoc ie.
Nu geloubt ouch daz diu mennescheit
den engelen ir stat ab erstreit,
daz si gesetzet wâren,
die unser künne vâren,
ze himele in den zehenden kôr.
die erzeigeten got alsölhen bôr,
daz sîn werdiu kraft vil stætec
von in wart anrætec.
dieselben nôtgestallen 20
von gedanken muosen vallen:
got enlie si niht zen werken komn,
der gedanc weiz wol unvernomn.
dar umbe des menschen wart erdâht.
sich heten mensch und engel brâht
beidiu in den gotes haz:
wie kumt daz nu daz mennisch haz
dan der engl gedinget?
mîn munt daz mære bringet.
daz mennisch wart durch rât verlorn:
der engel hât sich selb erkorn
zer êwigen flüste
mit sîner âküste, 10
und al die im gestuonden
die selben riwe fuonden.
die varent noch hiute dem mensche bî,
als ob der kôr ir erbe sî,
der den ist ze erbe lâzen
die sich des kunnen mâzen
daz gotes zorn erwirbet,
des sælde niht verdirbet.
Swaz iu die heiden hânt getân,
ir sult si doch geniezen lân 20
daz got selbe ûf die verkôs
von den er den lîp verlôs.
ob iu got sigenunft dort gît,
lâts iu erbarmen ime strît.
sîn werdeclîchez leben bôt
für die schuldehaften an den tôt
unser vater Tetragramatôn.
sus gab er sînen kinden lôn
ir vergezzenlîchen sinne.
sîn erbarmede rîchiu minne
elliu wunder gar besliuzet, 10
des triwe niht verdriuzet,
sine trage die helfeclîche hant
diu bêde wazzer unde lant
vil künsteclîch alrêrst entwarf,
und des al diu crêatiure bedarf
die der himel unbesweifet hât.
diu selbe [hant] die plânêten lât
ir poynder vollen gâhen
bêdiu verre und nâhen.
swie si nimmer ûf gehaldent, 20
si warment unde kaldent:
etswenne’z îs si schaffent:
dar nâch si boume saffent,
sô diu erde ir gevidere rêrt
unde si der meie lêrt
ir mûze alsus volrecken,
nâch den rîfen bluomen stecken.
Ich diene der künsteclîchen hant
für den heiden got Tervigant:
ir kraft hât mich von Mahumeten
unders toufes zil gebeten.
des trag ich mîner mâge haz;
und der getouften umbe daz:
durch menneschlîcher minne gît
si wænent daz ich fuogte disen strît.
dêswâr ich liez ouch minne dort, 10
und grôzer rîcheit manegen hort,
und schœniu kint, bî einem man,
an dem ich niht geprüeven kan
daz er kein untât ie begienc,
sîd ich krôn von im enpfienc.
Tybalt von Arâbî
ist vor aller untæte vrî:
ich trag al ein die schulde,
durh des hœhsten gotes hulde,
ein teil ouch durh den markîs 20
der bejaget hât sô manegen prîs.
ey Willalm, rehter punjûr,
daz dir mîn minne ie wart sô sûr!
waz werder diet ûz erkorn
in dîme dienste hânt verlorn
ir lîp genendeclîche!
der arme und der rîche,
nu geloubt daz iwerr mâge flust
mir sendet jâmer in die brust:
für wâr mîn vreude ist mit in tôt.’
si weinde vil: des twanc si nôt. 10
_Kyburg, der Quell all dieser Leiden,
stand auf, und nimmt das Wort bescheiden,
bevor der Fürstenrath sich trennt:
‘Wer Zucht und Treue hier bekennt,
geruh zu hören, was ich sage.
Gott weiss, dass solchen Schatz der Klage
ich habe in mein Herz gelegt,
dass ihn mit Müh der Leib nur trägt.’
Die vor ihr begannen aufzustehn,
bat sie zu sitzen und nicht zu gehn.
Als dann sie sassen überall,
hub an die Königin: ‘Den tödlichen Fall,
der beiderseits geschehen ist,
weshalb der Heide wie der Christ 10
mir zürnt, den wende Gottes Huld
zum Bessern Beiden, so wie mir,
bin ich allein auch daran schuld.
Die römischen Fürsten mahn’ ich hier,
dass ihre Christenehr’ es mehrt,
wenn Gott euch dazu nun begehrt,
dass ihr im Kampf auf Alischanz
rächet den jungen Vivianz
an meinen Verwandten und ihrem Heer.
Die findet ihr mit grosser Wehr. 20
Doch werft ihr die Heiden nieder im Streit,
so sorgt, zu wahren die Seligkeit.
Hört an einfält’ges Weibes Rath:
Achtet, was Gott geschaffen hat!
Ein Heide war der erste Mann,
den zu erschaffen Gott begann.
Für Heiden sind Elias und Henoch
gehalten auch, so glaubt ihr doch.
Gleichfalls ein Heide Noah war,
des Arch’ ihn trug aus der Gefahr.
Fürwahr ein Heid’ auch Hiob hiess,
den Gott doch deshalb nicht verstiess.
Auch nehmt die drei Kön’ge wahr, 10
Melchior, Kaspar und Balthasar;
wir müssen sie zwar Heiden nennen,
doch aber auch zugleich bekennen,
dass nimmer sie verdammet sind.
Gott selbst empfieng, das Jesuskind,
an Mutterbrust aus ihrer Hand
die erste Gabe. Nicht alle Heiden
sehn drum wir hin zur Hölle scheiden.
Es ist als wahr von uns erkannt:
Alle Kinder, die seit Evas Zeit 20
die Mütter gebaren, sind ohne Streit
im Heidenthum bei ihrer Geburt;
nur einige schirmt der Taufe Gurt.
Das Christenweib den Heiden trägt,
bis ihm die Taufe ist angelegt.
Der Juden Tauf’ ist eigner Sitte,
die sie vollziehen mit einem Schnitte.
Wie waren all’ drum heidnisch eh:
doch thut’s dem heiltheilhaft’gen weh,
wenn von dem Vater seine Kind
zu den Verdammten gezählet sind;
und es erbarme sich über sie, 10
der sein Erbarmen versagt noch nie.
Auch glaubet ihr, die Menschheit hat
den Engeln abgestritten die Statt,
wohin gesetzt sie ehbevor,
in des Himmels zehnten Chor,
die unser Geschlecht bedrohn mit Wuth.
Gott zeigten sie solchen Übermuth,
und suchten mit beharrlichem Werben
seine Herrlichkeit zu verderben.
Dieselben Jammerbrüder alle 20
kamen durch Gedanken zu Falle.
Gott, der die Gedanken unausgesprochen
doch weiss, hat ihr Sündenwerk gebrochen.
Drauf ward der Mensch von ihm erdacht.
Mensch und Engel haben gebracht
sich beide um die Gotteshuld.
Wie kommt’s nun, dass des Menschen Schuld
soll leichter als die der Engel wiegen;
Das sei euch nicht von mir verschwiegen.
Durch Verführung gieng der Mensch verloren;
die Engel haben sich selbst erkoren
durch ihren Verrath und Treuebruch
der ewigen Verdammniss Fluch, 10
wie gleiches Elend alle fanden,
die zu ihnen gleichfalls standen.
Sie umstricken den Menschen wie zuvor
noch heute, als sei ihr Erbe der Chor,
der doch als Erbe nur denen gelassen,
die vermeiden, was Gott muss hassen,
dass seinen Zorn sie nicht erwerben.
Ihr Heil entgehet dem Verderben.
Was auch die Heiden euch gethan,
so sollt ihr denken doch daran, 20
dass denen auch Gott selbst verzieh,
die seinen Leib getödtet hie.
Wenn Gott euch dort den Sieg verleiht,
so übt Erbarmen in dem Streit.
Sein würdereiches Leben bot
für die Schuldigen dem Tod
unser Vater Tetragrammaton[22].
So gab er seinen Kindern Lohn,
wie wohl sie seiner schwer vergassen.
Seiner reichen erbarmenden Lieb’ entfliessen
alle Wunder sonder Massen. 10
Nie kann es seine Treu verdriessen,
zu helfen mit hülfreicher Hand,
die beides, Wasser so wie Land
zuerst mit weiser Kunst entwarf,
des alle Kreatur bedarf,
die der Himmel umkreiset.
Dieselbe Hand den Planeten weiset
die Bahnen an in Fernen und Nähen,
den vorgeschriebnen Lauf zu gehen.
Wie unaufhaltsam ihren Kreis 20
sie vollenden, giebt ihre Kraft
Wärm’ und Kälte; sie schaffen das Eis,
sie giessen in den Baum den Saft,
wenn die Erd’ erneuert ihr Gefieder
und sie der Mai belehret, wieder,
um ihre Mause zu vollenden,
Blumen nach dem Reif zu spenden.
Ich diene der Einen, der kunstreichen Hand,
anstatt dem Gotte Tervigant.
Ihre Kraft hiess durch der Taufe Segen
mich ab den Glauben Mahoms legen;
deshalb trag’ ich den Hass der Meinen.
Doch den Getauften will es scheinen,
als ob durch menschlicher Minne Begier
ich diesen Streit entflammet hier.
Wahr ist’s, ich liess auch Minne dort, 10
und grosses Reichthums manchen Hort,
und schöne Kinder bei einem Mann,
dem niemals ich nachweisen kann,
dass irgend Unthat er begieng,
seit ich von ihm die Kron’ empfieng.
Tybald von Arabien sei
von allem Frevel gesprochen frei.
Ich trag allein die Schuld
durch des höchsten Gottes Huld
und theils durch den Marquis gezwungen, 20
der sich so manchen Preis errungen.
Weh, Wilhelm, rechter Pongneor, weh mir,
dass so meine Liebe verderblich dir!
Wie werthe Männer auserkoren
haben ihr edles Leben verloren
in deinem Dienst! Ihr Reich’ und Arme,
o glaubt es, dass mit tiefstem Harme
eurer lieben Verwandten Verlust
mir jammervoll beschwert die Brust.
Meine Freud’ ist wahrlich mit ihnen todt.’
Sie weinte sehr im Zwang der Noth._ 10
_RUDOLF VON EMS._
[_Scherer D._ 189, _E._ 180.]
Ein Schweizer, Dienstmann zu Montfort. Ein gelehrter Dichter, der
viel geschrieben hat und zwischen 1251 und 1254 starb. Erhalten
sind von seinen Werken: ‘der gute Gerhard’ (ed. Haupt, Leipzig
1840); ‘Barlaam und Josaphat’ (ed. Pfeiffer, Leipzig 1843); und
‘Wilhelm von Orlens’, ‘Alexander’, ‘Weltchronik’ (unvollendet und
Konrad IV. gewidmet), sieh Vilmar ‘Die zwei Recensionen und die
Handschriftenfamilien der Weltchronik Rudolfs von Ems’ (Marburg
1839).