TITUREL.

Al die minne phlâgen ‖ und minne an sich leiten,

nu hœret magtlîch sorge ‖ unde manheit mit den arbeiten:

dâ von ich wil âventiure künden

den rehten, die ........ ‖ durch herzeliebe ie senende nôt

erfünden.

Der süeze Schîonatulander genante, 10

als sîn gesellekeit ‖ in sorgen manecvalt in kûme gemante:

dô sprach er ‘Sigûne helferîche,

nu hilf mir, süeziu maget, ‖ ûz den sorgen: sô tuostu helflîche.

Ducisse ûz Katelangen, ‖ lâ mich geniezen:

ich hœre sagen, du sîst erboren ‖ von der art, die nie kunde

verdriezen,

sine wæren helfec mit ir lône,

swer durch si kumberlîche nôt ‖ enphienc: dîner sælden an mir

schône.’

‘Bêâs âmîs, nu sprich, ‖ schœner vriunt, waz du meinest.

lâ hœrn, ob du mit zühten ‖ dich des willen gein mir sô vereinest,

daz dîn klagendiu bet iht müge vervâhen.

dune wizzest es vil rehte ‖ die wârheit, sone soltu dich niht

vergâhen.’

‘Swâ genâde wonet, dâ ‖ sol man si suochen.

frouwe, ich ger genâden: ‖ des solt du durh dîne genâde geruochen.

werdiu gesellekeit stêt wol den kinden.

swâ reht genâde nie niht ‖ gewan ze tuonne, wer mac si dâ

vinden?’ 10

Si sprach ‘du solt dîn trûren ‖ durch trœsten dâ künden,

dâ man dir baz gehelfen mac ‖ danne ich: anders du kanst dich

versünden,

ob du gerst daz ich dir kumber wende:

wan ich bin reht ein weise ‖ mîner mâge, lands und liute ellende.’

‘Ich weiz wol, du bist landes ‖ und liute grôziu frouwe.

des enger ich alles niht, ‖ wan daz dîn herze dur dîn ouge schouwe

alsô daz ez den kumber mîn bedenke.

nu hilf mir schiere, ê daz dîn ‖ minn mîn herze und die fröude

verkrenke.’

‘Swer sô minne hât, daz sîn ‖ minne ist gevære

deheime als lieben friunde ‖ als du mir bist, daz wort ungebære

wirt von mir nimer benennet minne.

got weiz wol daz ich nie ‖ bekande minnen flust noch ir gewinne. 10

Minne, ist daz ein er? ‖ maht du minn mir diuten?

ist daz ein sie? kumet mir ‖ minn, wie sol ich minne getriuten?

muoz ich si behalten bî den tocken?

od fliuget minne ungerne ûf hant ‖ durh die wilde? ich kan minn

wol locken.’

‘Frouwe, ich hân vernomen ‖ von wîben und von mannen,

minne kan den alten, ‖ den jungen sô schuzlîchen spannen,

daz si mit gedanken sêre schiuzet:

sie triffet âne wenken ‖ daz loufet, kriuchet, fliuget oder

fliuzet.

Jâ erkande ich, süeziu maget, ‖ ê wol minn von mæren.

minne ist an gedanken: ‖ daz mag ich nu mit mir selbe bewæren:

des betwinget si diu stæte liebe.

minne stilt mir fröude ‖ ûz dem herzen, ez entöhte eim diebe.’ 10

‘Schîonatulander, ‖ mich twingent gedanke,

sô du mir ûz den ougen kumest, ‖ daz ich muoz sîn an fröuden

diu kranke,

unze ich tougenlîche an dich geblicke.

des trûre ich in der wochen ‖ niht zeim mâl, ez ergêt alze dicke.’

‘Sone darft du, süeziu maget, mich ‖ niht frâgen von minne:

dir wirt wol âne frâge ‖ bekant minnen flust und ir gewinne.

nu sich wie minne ûz fröude in sorge werbe:

tuo der minne ir reht, ê ‖ diu minne uns beide in [den] herzen

verderbe.’

Si sprach ‘kan diu minne ‖ in diu herzen sô slîchen,

daz ir man noch wîp ‖ noch diu magt mit ir snelheit entwîchen,

weiz abe iemen waz diu minne richet

an liuten die ir schaden nie ‖ gewurben, daz si den fröude

zebrichet?’

‘Jâ ist si gewaltec ‖ der tumben und der grîsen.

niemen als künstec lebet, ‖ daz er künne ir wunder volprîsen. 10

nu sulen wir bêdiu nâch ir helfe kriegen

mit unverscharter friuntschaft ‖ minn kan mit ir wanke niemen

triegen.’

‘Owê, kund diu minne ‖ ander helfe erzeigen,

danne daz ich gæbe ‖ in dîn gebot mîn frîen lîp für eigen!

mich hât dîn jugent noch niht reht erarnet.

du muost mich under schiltliem ‖ dache ê dienen: des wis vor

gewarnet.’

‘Frouwe, als ich mit krefte ‖ diu wâpen mac leiten,

hie enzwischen unde ouch dan mîn lîp ‖ wirt gesehen in [den]

süezen sûren arbeiten,

sô daz mîn dienst nâch dîner helfe ringe.

ich wart in dîne helfe erboren: ‖ nu hilf sô daz mir an dir

gelinge.’

Diz was der anevanc ‖ ir geselleschefte

mit worten, an den zîten ‖ dô Pompeius für Baldac mit krefte

het ouch sîne hervart gesprochen,

und Ipomidôn der werde: ‖ ûz ir her wart vil niwer sper

zebrochen. 10

* * * * *

_Die je geminnet haben ‖ und Minneleid getragen,

Von magdlichem Kummer ‖ höret nun und Jünglingsschmerzen sagen.

Davon will ich euch Abenteuer künden,

Allen, die der Sehnsucht Pein ‖ je herzliche Liebe liess

ergründen._

_Der süsse Schionatu-- ‖ lander entbrannte, 20

Als seiner Gespielin ‖ Huld sein leidend Herz übermannte.

Da sprach er: ‘Sigune, hülfereiche,

Hilf, süsse Magd, dass deine Hand ‖ mir aus diesen Sorgen

Hülfe reiche._

_Düschess von Katelangen, ‖ lass mich des geniessen,

Man sagt, du seist der Art entstammt, ‖ die es niemals mochte

verdriessen

Mit Minnelohn ihm Hülfe zu gewähren,

Der Minnenoth durch sie empfieng: ‖ die Sitte solltest du an

mir bewähren!’_

_‘Doux Ami, nun sprich, ‖ süsser Freund, was du meinest.

Lass hören, ob du solche ‖ Gesinnung gegen mich mir bescheinest,

Dass ich Gehör der Klage müss ertheilen:

Bist du des Schadens nicht gewiss, ‖ so solltest du dich nicht

übereilen.’_

_‘Gnade soll man suchen, ‖ da wo sie wohnet:

Herrin, ich suche Gnade: ‖ nun sieh, wie deine Güte mir lohnet. 20

Freundschaft halten ziemt verständgen Kindern;

Aber wo sich Gnade ‖ nie gezeigt, da kann sie Schmerz nicht

lindern.’_

_Sie sprach: ‘Du sollst um Linderung ‖ deinen Schmerz da künden,

Wo man dir besser helfen mag ‖ als ich, du möchtest sonst dich

versünden,

Wenn du begehrst, dass ich den Schmerz dir heile.

Denn ich bin eine Waise, ‖ Land und Leuten fern, ach, manche

Meile!’_

_‘Ich weiss wohl, dass dir Leut ‖ und Land gehorchen, ihrer

Frauen;

Das begehr ich Alles nicht: ‖ nur lass dein Herz durch deine Augen

schauen,

So dass es meines Kummers Noth bedenke:

Hilf bald, eh deiner Minne Flut ‖ mir das Herz und die Freuden

ertränke.’_

_‘Wer solche Minne hat, dass er ‖ durch Minne gefährde

So lieben Freund, wie du mir bist, ‖ mir der liebste Freund auf

der Erde, 20

Solch gefährlich Ding ist mir nicht Minne.

Gott weiss wohl, ich wusste ‖ nie von der Minne Verlust noch

Gewinne._

_Minne ist das ein Er? ‖ Kannst du Minne beschreiben?

Ist es ein Sie? Und kommt mir ‖ Minne, wo soll ich mit ihr bleiben?

Soll ich sie verwahren bei den Docken?

Fliegt sie uns auf die Hand ‖ oder ist sie wild? Ich kann ihr wohl

locken.’_

_‘Herrin, ich hörte sagen ‖ von Frauen und von Mannen,

Minne kann auf Alt und Jung ‖ den Bogen so meisterlich spannen,

Dass sie mit Gedanken tödlich schiesset:

Sie trifft ohne Fehlen, ‖ was da läuft, kriecht, fliegt oder

fliesset._ 20

_Ich kannte, süsse Magd, bisher ‖ Minne nur aus Mären:

In Gedanken wohnt die Minne, ‖ das kann ich mit mir selber nun

bewähren.

Dazu treibt sie wandellose Liebe.

Minne stiehlt mir Freude ‖ aus dem Herzen gleich einem Diebe.’_

_‘Schionatulander, ‖ mich zwingen Gedanken,

Wenn du mir aus den Augen kommst, ‖ dass ich an den Freuden muss

erkranken,

Bis ich dich heimlich wieder angesehn.

Drum traur ich in der Wochen ‖ nicht Einmal, zu oft ist mirs

geschehen.’_

_‘So darfst du, süsse Magd, mich ‖ nicht fragen nach Minne:

Du erfährst wohl ohne Fragen ‖ von der Minne Verlust und Gewinne.

Sieh, wie die Minne Freude kehrt in Schmerzen;

Thu der Minn ihr Recht, dass ‖ uns die Minne nicht verderbt in den

Herzen.’_

_Sie sprach: ‘Kann die Minne ‖ die Herzen so beschleichen,

Dass ihr nicht Mann, nicht Weib noch Magd ‖ mit Behendigkeit mög

entweichen: 20

Weiss denn Jemand, was die Minne rächen

Will an Leuten, die ihr nie ‖ geschadet, ihre Freuden so zu

brechen?’_

_‘Ja, sie ist gewaltig ‖ der Jungen wie der Greisen:

Kein Meister lebt auf Erden, ‖ der ihre Wunder alle möge preisen.

Lass uns um ihre Hülfe beide werben

Mit wandelloser Freundschaft; ‖ so kann mit Wank uns Minne nicht

verderben.’_

_‘O weh, könnte Minne ‖ doch andre Hülf erzeigen,

Als dass ich meinen freien Leib ‖ in dein Gebot dir gäbe zu eigen!

Deine Jugend war zu Dienst mir nie beflissen:

Du musst mich unter Schildesdach ‖ erst verdienen, das sollst du

wissen!’_

_‘Herrin, wenn ich erstarke ‖ die Waffen zu führen,

In süsser, saurer Arbeit ‖ will ich heut und immer mich rühren,

Dass mein Dienst nach deiner Hülfe ringe;

Deine Hülfe thut mir Noth: ‖ hilf denn, dass mir an dir

gelinge.’_

_So hatt ihre Minne ‖ den Anfang genommen

Mit Worten in den Zeiten, ‖ da Pompejus vor Baldag zu kommen

Sich gerüstet mit gewaltigem Heere,

Und Ipomedon der werthe; ‖ da zerbrachen sie viel neue

Speere._ 20

3.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 101 / 276 题