DER ENTSCHEIDUNGSKAMPF.

Nû nâhent ez dem strîte. ‖ der helt ûz Sturmlant

begunde ein horn blâsen, ‖ daz manz über sant 10

wol von sînen kreften ‖ hôrte drîzic mîle.

die von Hegelingen ‖ begunden zuo dem Hilden zeichen îlen.

Dô blies er ander stunde. ‖ daz tete er umbe daz,

daz iegelîcher recke ‖ in den satel saz

und daz si ir schar schikten ‖ dar si wolten kêren.

man gevriesch in den strîten ‖ nie alten recken alsô hêren.

Er blies ze dritten stunden ‖ mit einer krefte grôz,

daz im der wert erwagete ‖ und im der wâc erdôz.

Ludewîges eckesteine ‖ ûz der mûre möhten rîsen.

dô hiez er Hôranden ‖ der schœnen Hilden zeichen dannen wîsen. 20

Si vorhten Waten sêre. ‖ dâ wart nieman lût.

man hôrte ein ros ergrînen. ‖ daz Herwîges trût

stuont obene in der zinne. ‖ statelîche rîten

sach man die küenen, ‖ die mit Hartmuoten wolten strîten.

Nû was komen Hartmuot ‖ unde sîne man

ze vlîze wol gewâpent ‖ ûz der porten dan.

von vremeden und von kunden ‖ durch die venstersteine

erglasten in die helme. ‖ jâ was ouch Hartmuot dâ niht eine.

Dô sach man Hartmuoten ‖ rîten vor der schar.

ob er ein keiser wære, ‖ sô kunde er nimmer gar 10

vlîziclîcher werben. ‖ ez lûhte gên der sunnen

allez sîn gewæte. ‖ im was noch hôhes muotes unzerunnen.

Dô hete Ortwînen ‖ Hartmuot erkorn.

swie er sîn niht erkande, ‖ doch houte er mit den sporn

sîn ros, daz spranc vil wîte. ‖ er reit ûf Ortwînen.

ir sper si neigten bêde: ‖ dâ von man sach liehte brünne

erschînen.

Diu ros ûf gesprungen. ‖ dô huop sich michel klanc

von der künege swerten. ‖ man mohte in sagen danc,

daz si den strît erhuoben ‖ sô rehte ritterlîchen.

si wâren beide küene. ‖ si wolten einander niht entwîchen.

Dô sach von Tenen Hôrant ‖ Ortwînen wunt.

dô begunde er vrâgen, ‖ wer hæte ungesunt

gemachet in dem strîte ‖ sînen lieben herren.

Hartmuot der lachte: ‖ jâ wârens von einander vil unverren.

Ortwîn sagete im selbe ‖ ‘daz tete her Hartmuot.’

dô gap daz Hilden zeichen ‖ von im der degen guot, 10

daz er wol kunde bringen ‖ nâch maneger grôzer êre

ze schaden sînen vînden. ‖ des dranc er nâch Hartmuoten sêre.

Hartmuot bî im hôrte ‖ ungevüegen schal.

er sach daz bluot rîlîchen ‖ vliezen hin ze tal

vil manegen ûz den wunden ‖ nider zuo den vüezen.

dô sprach der degen küene ‖ ‘den schaden sol ich mînen helden

büezen.’

Dô kêrte er sich hin umbe ‖ da er Hôranden sach.

von ir beider ellen ‖ balde daz geschach,

daz viur von den ringen ‖ in drâte vür die ougen.

sich bugen swertes ecke ‖ von ir handen ûf den helmbougen.

Er wunte Hôranden, ‖ als ouch ê geschach

dem küenen Ortwînen, ‖ daz im ein rôter bach

vlôz ûz sînen ringen ‖ von Hartmuotes handen.

er was sô rehte biderbe: ‖ wer solte muoten dô nâch sînen landen?

Lûte ruoft dô Herwîc ‖ ‘ist iemen daz erkant,

wer ist jener alte? ‖ der hât mit sîner hant 10

sô vil der tiefen wunden ‖ allez hie gehouwen

von sînem starken ellen, ‖ daz ez beweinen müezen schœne vrouwen.’

Daz erhôrte Ludewîc, ‖ der voget ûz Ormanîn.

‘wer ist der in der herte ‖ hât gevrâget mîn?

ich bin geheizen Ludewîc ‖ von Ormanîerîche.

möhte ich mit den vînden ‖ gestrîten wol, daz tæte ich

sicherlîche.’

‘Ich bin geheizen Herwîc: ‖ dû næme mir mîn wîp.

die muost dû geben widere, ‖ oder unser eines lîp

muoz dar umbe sterben, ‖ dar zuo der recken mêre.’

dô sprach der künic Ludewîc ‖ ‘dû dröust mir in mîm lande gar

ze sêre.

Dû hâst mir dîne bîhte ‖ âne nôt getân.

ir ist hie noch mêre, ‖ den ich genomen hân

ir guot unde ir mâge. ‖ des solt dû mir getrouwen,

ich sol ez alsô schaffen, ‖ daz dû nimmer küssest dîne vrouwen.’

Nâch dem selben worte ‖ liefens einander an,

die zwêne rîche künege. ‖ swerz dâ guot gewan, 10

der holte ez unsanfte. ‖ von ir jungelingen

von ir beider zeichen ‖ sach man manegen guoten zuo in springen.

Herwîc was biderbe ‖ und küene genuoc.

der vater Hartmuotes ‖ den jungen künic sluoc,

daz er begunde strûchen ‖ vor Ludewîges handen.

er wolte in hân gescheiden ‖ von sînem lîbe und von sînen landen.

Wæren niht sô nâhen ‖ die Herwîges man,

die im mit vlîze hulfen, ‖ sô kunde er nimmer dan

âne sîn ende ‖ von im sîn gescheiden.

alsô kunde Ludewîc ‖ der alte den kinden bî im leiden.

Die hulfen Herwîge, ‖ daz er dâ genas.

dô er sînes valles ‖ wider komen was,

dô blikte er harte schiere ‖ ze berge gegen der zinne,

obe er indert sæhe ‖ dar inne stên sîns herzen triutinne.

Er gedâhte in sînem muote ‖ ‘ach wie ist mir geschehen!

ob mîn vrou Kûdrûn ‖ ditze hât gesehen, 10

gelebe wir daz immer ‖ deich si sol umbevâhen,

si tuot mir itewîze, ‖ sô ich bî mîner vrouwen lige nâhen.

Daz mich der alte grîse ‖ hie nider hât geslagen,

des scham ich mich vil sêre.’ ‖ sîn zeichen hiez er tragen

hin nâch Ludewîge ‖ mit den sînen mannen.

si drungen nâch den vînden: ‖ si wolten in lâzen niht von dannen.

Ludewîc der hôrte ‖ hinder im den schal.

dô kêrte er wider umbe ‖ gegen im ze tal.

dô hôrte man ûf den helmen ‖ swerte vil erdiezen.

die dâ bî in wâren, ‖ die mohte ir beider grimmes wol verdriezen.

Der Kûdrûnen vriedel ‖ under helme über rant

erreichte Ludewîgen ‖ mit ellenthafter hant.

er wundet in sô sêre, ‖ daz er niht mohte gestrîten.

dâ von muoste Ludewîc ‖ des grimmen tôdes dâ vor im erbîten.

Er sluoc im ander stunde ‖ einen vesten swanc,

daz des küneges houbet ‖ von der ahsel spranc. 10

er hete im wol vergolten, ‖ daz er was gevallen.

der künic was erstorben: ‖ des muosten schœniu ougen über wallen.

Dô sprach ze sînen mannen ‖ Hartmuot der degen

‘nû wendet mit mir dannen. ‖ ir ist hie vil gelegen,

die uns slahen wolten ‖ in den herten strîten.

nû kêret zuo der bürge, ‖ unz wir bezzerre wîle erbîten.’

Si heten vil der degene ‖ hinder in verlân.

wær daz lant ir eigen, ‖ si enkunden hân getân

niht bezzers in dem strîte. ‖ si wolten zuo der selde.

Wate sûmte starke ‖ si mit tûsent sîner guoten helde.

Er was unz an die porte ‖ mit grôzer kraft gegân,

dâ Hartmuot hine wolte ‖ mit den sînen man.

si kundenz niht verenden: ‖ in zowet es harte kleine,

si sâhen ab der mûre ‖ werfen mit manegem lâzsteine.

Dô sach in her Hartmuot ‖ vor dem bürge tor.

er sprach ‘daz wir verdienet ‖ haben hie bevor, 10

daz wil sich wærlîche ‖ hiute an uns erzeigen,

die gesunden haben sorge. ‖ jâ lît hie harte vil der veigen.

Ich mac niht gevliegen: ‖ veder hân ich niht.

ich enmac ouch under die erde, ‖ swaz anders mir geschiht.

wir mugen ouch vor den vînden ‖ niht zuo den ünden.

den besten mînen willen ‖ wil ich iu bescheidenlîchen künden.

Sîn mac niht anders werden, ‖ ir edele ritter guot.

erbeizet zuo der erden ‖ und houwet heizez bluot

ûz den liehten ringen: ‖ des lât iuch niht verdriezen.’

si stuonden von den satelen: ‖ diu ros si hinder sich ze rugge

stiezen.

‘Nû zuo, ir mæren helde!’ ‖ sprach dô Hartmuot.

‘gêt nâher zuo der selde. ‖ ez sî übel oder guot,

ich muoz ze Waten dem alten. ‖ swie mir dâ gelinge,

ich wil doch versuochen, ‖ ob ich in hôher von der porten bringe.’

Mit ûf geworfen swerten ‖ begunden si dô gân

Hartmuot der küene ‖ unde ouch sîne man. 10

do bestuont er Waten den grimmen: ‖ daz was dem helde ein êre.

dô hôrte man swert erklingen. ‖ dô starp guoter ritter dester

mêre.

Schiere kam Ortrûn ‖ von Ormanîelant

diu junge küniginne ‖ mit windender hant

ze vroun Kûdrûnen. ‖ diu junge maget hêre

viel ir vür die vüeze. ‖ si klagete ir vater Ludewîgen sêre.

Si sprach ‘lâ dich erbarmen, ‖ edelez vürsten kint,

sô vil mîner mâge, ‖ die hie erstorben sint,

und gedenke, wie dir wære, ‖ dô man sluoc den vater dînen.

edele küniginne, ‖ nû hân ich hiute vloren hie den mînen.

Nû sich, maget edele: ‖ diz ist ein grôziu nôt.

mîn vater und mîne mâge ‖ sint aller meiste tôt.

nû stêt der recke Hartmuot ‖ vor Waten in grôzer vreise.

verliuse ich den bruoder, ‖ sô muoz ich immer mêre sîn ein weise.

Und lâz mich des geniezen’ ‖ sprach daz edele kint:

‘so dich nieman klagete ‖ der aller, die hie sint, 10

dû hetest niht vriunde mêre ‖ danne mich vil eine.

swaz dir ieman tæte, ‖ sô muoste ich ze allen zîten umb dich

weinen.’

Dô sprach diu Hilden tohter ‖ ‘des hâst dû vil getân.

ich weiz niht, wie ich möhte ‖ den strît understân,

ich enwære danne ein recke, ‖ daz ich wâpen trüege:

sô schiede ich ez gerne, ‖ daz dir dînen bruoder nieman slüege.’

Si weinte angestlîche. ‖ wie tiure si si bat,

unze daz vrou Kûdrûn ‖ in daz venster trat.

si winkte mit der hende ‖ und vrâgte si der mære,

ob von ir vater lande ‖ ieman guoter dar komen wære.

Des antwurte Herwîc, ‖ ein edel ritter guot

‘wer sît ir, juncvrouwe, ‖ diu uns vrâgen tuot?’

si sprach ‘ich heize Kûdrûn ‖ und bin daz Hagenen künne.

swie rîche ich hie vor wære, ‖ sô sihe ich hie vil wênec

dehein wünne.’

Er sprach ‘sît ir ez Kûdrûn, ‖ diu liebe vrouwe mîn,

sô sol ich iu gerne ‖ immer diende sîn: 10

sô bin ich ez Herwîc ‖ und kôs iuch mir ze trôste,

und lâze iuch daz wol schouwen, ‖ deich iuch von allen sorgen

gerne lôste?’

Si sprach ‘welt ir mir dienen, ‖ ritter ûz erkorn,

sô sult ir uns vervâhen ‖ daz vür deheinen zorn.

mich bitent vlîziclîche ‖ hie die schœnen meide,

daz man Hartmuoten ‖ von Waten dem alten ûz dem strîte scheide.’

‘Daz sol ich gerne leisten, ‖ vil liebiu vrouwe mîn.’

lûte ruoft dô Herwîc ‖ zuo den recken sîn

‘nû sult ir mîniu zeichen ‖ ze Waten vanen bringen.’

dô sach man Herwîgen ‖ unde al die sîne sêre dringen.

Ein herter vrouwen dienest ‖ wart von im getân.

Herwîc ruoft dô lûte ‖ den alten Waten an.

er sprach ‘Wate, lieber vriunt, ‖ gunnet daz man scheide

disen strît vil swinden: ‖ des bitent iuch die minniclîche meide.’

Wate sprach mit zorne ‖ ‘her Herwîc, nu gêt hin!

solt ich vrouwen volgen, ‖ war tæte ich mînen sin? 10

solte ich sparn die vînde? ‖ daz tæte ich ûf mich selben.

des volge ich iu nimmer. ‖ Hartmuot muoz sîner vrevele engelden.’

Durch Kûdrûnen liebe ‖ zuo in beiden spranc

Herwîc der küene. ‖ der swerte vil erklanc.

Wate was erzürnet: ‖ er kunde daz wol leiden,

daz in strîte nieman ‖ in von sînen vînden torste scheiden.

Dô sluoc er Herwîgen ‖ einen tiuren slac,

der dâ wolte scheiden, ‖ daz er vor im lac.

dô sprungen sîne recken ‖ und hulfen im von dannen.

genomen wart dô Hartmuot ‖ vor Herwîge und vor allen sînen mannen.

_Es nahte nun zum Streite: ‖ der Held von Sturmland

Begann ein Horn zu blasen, ‖ dass man es von dem Strand

Durch seine starken Kräfte ‖ wohl hörte dreissig Meilen.

Die von Hegelingen ‖ sah man zu Frau Hildens Banner eilen._

_Er blies zum andern Male: ‖ das that er deswegen,

Dass sich in die Sättel ‖ schwängen all die Degen,

Und die Scharen richteten, ‖ wohin sie sollten reiten;

Solchen greisen Recken ‖ sah man nie so herrlich in den

Streiten._

_Er blies zum dritten Male ‖ mit einer Kraft so voll,

Dass ihm die Flut erbebte ‖ und rings der Strand erscholl; 30

Die Ecksteine wollten ‖ aus der Mauer fallen.

Er gebot Horanden, ‖ dass er Hildens Banner liesse wallen._

_Sie bangten all vor Waten: ‖ da wurde Niemand laut;

Man hört’ ein Ross wohl wiehern. ‖ König Herwigs Braut

Stand oben in den Zinnen. ‖ Stolz von dannen reiten

Sah man die Kühnen, ‖ die mit König Hartmuth wollten

streiten._ 20

_Nun zog auch König Hartmuth ‖ und Die in seinem Bann

Mit allem Fleiss gewappnet ‖ aus dem Thor heran.

Man sah die Helme glänzen ‖ durch die Fenstersteine

Den Heimischen und Fremden; ‖ wohl war auch König Hartmuth

nicht alleine._

_Da sah man Hartmuthen ‖ reiten vor dem Heer;

Wenn er ein Kaiser wäre, ‖ er könnte nimmermehr

Sich stattlicher gehaben; ‖ ihm glänzten in der Sonnen

Die lichten Eisenkleider; ‖ hoher Muth war ihm noch unzerronnen._

_Da hatte sich Ortweinen ‖ Hartmuth auserkorn;

Obwohl er ihn nicht kannte, ‖ doch trieb er mit den Sporen 30

Sein Ross in weiten Sprüngen ‖ heran zu Ortweinen.

Die Speere neigten Beide: ‖ da sah man bald die lichten Panzer

scheinen._

_Aufsprangen ihre Rosse: ‖ da hub sich lauter Klang

Von der Könge Schwertern; ‖ sie verdienten beide Dank,

Dass sie den Kampf erhuben ‖ mit so scharfen Streichen.

Es waren kühne Helden: ‖ Keiner wollte vor dem andern

weichen._ 20

_Da sah Horand der Däne ‖ Ortweinen wund;

Da hub er an zu fragen: ‖ ‘Wer mir ungesund

Den lieben Herren machte ‖ im Streit, das wüsst ich gerne.’

Hartmuth der lachte; sie waren ‖ sich einander nicht zu ferne._

_Da sagt ihm Ortwein selber: ‖ ‘Das that Herr Hartmuth.’

Da gab Frau Hildens Zeichen ‖ hinweg der Degen gut,

Das er wohl tragen konnte ‖ sich selbst zu grosser Ehre

Und dem Feind zum Schaden: ‖ Hartmuthen eilte hinterdrein der

hehre._

_Hartmuth in seiner Nähe ‖ vernahm gar lauten Schall;

Dabei sah er stürzen ‖ des rothen Blutes Schwall 30

Manchem aus den Wunden ‖ nieder zu den Füssen.

Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Meiner Helden Schaden sollt

ihr büssen.’_

_Da wandt er sich hinwieder ‖ wo er Horand sah.

Durch der Helden Stärke ‖ bald geschah es da,

Dass Funken aus den Ringen ‖ vor ihre Augen flogen,

Und auf den Helmspangen ‖ sich die geschwungnen Schwerterspitzen

bogen._ 20

_Wie erst dem kühnen Ortwein, ‖ so schlug er darnach

Nun Horand eine Wunde, ‖ dass ihm ein rother Bach

Von Hartmuthens Händen ‖ entsprang den Panzerringen.

Der Degen war so tapfer: ‖ wer wollt ihm da sein Land noch

aberzwingen?_

_Laut rief da Herwig: ‖ ‘Ist das hier wem bekannt:

Wer ist jener Alte? ‖ der hat mit seiner Hand

So viel der tiefen Wunden ‖ schon allhie gehauen

Mit seinen starken Kräften, ‖ dass es beweinen müssen schöne

Frauen.’_

_Das erhörte Ludwig, ‖ der Vogt der Normandie.

‘Wer ist es, der im Kampfe ‖ nach mir fragte hie? 30

Ich bin geheissen Ludwig ‖ von Normandie dem Reiche:

Wüsst ich mit den Feinden ‖ noch zu streiten, säh man mich

nicht weichen.’_

_‘Herwig bin ich geheissen: ‖ du nahmest mir mein Weib:

Die musst du wieder geben, ‖ sonst büsst es der Leib

Eines von uns beiden ‖ und Manches der Getreuen.’

Da sprach der König Ludwig: ‖ ‘Willst du mir so in meinem Lande

dräuen?’_ 20

_‘Du hast mir deine Beichte ‖ hier ohne Noth gethan.

Hier ist noch mancher Andre, ‖ dem ich abgewann

Sein Gut und seine Freunde: ‖ du darfst mir zugetrauen,

Ich will es also schaffen, ‖ dass du nimmer küssest deine

Fraue.’_

_Nach dieser Rede liefen ‖ sich einander an

Die beiden reichen Könige. ‖ Wer Glück bis jetzt gewann

Dem ergiengs nun übel ‖ durch seines Herrn Misslingen.

Von ihren Bannern sah man ‖ manchen Helden hin zu ihnen

springen._

_Herwig war tapfer ‖ und war auch kühn genug;

Der Vater Hartmuthens ‖ den jungen König schlug, 30

Dass er von Ludwigs Händen ‖ nieder musste fallen;

Er hätt ihn gern geschieden ‖ von seinem Leib und seinen

Landen allen._

_Waren nicht so nahe ‖ Die in Herwigs Heer,

Die ihm zu Hülfe sprangen, ‖ so konnt er nimmermehr

Bis zu seinem Ende ‖ von Ludwigen scheiden:

So wusste der Alte ‖ den Jungen seine Nähe zu verleiden._ 20

_Sie halfen Herwigen, ‖ dass er am Leben blieb.

Als er sich nun erholte ‖ von des Alten Hieb,

Empor sah man ihn blicken ‖ zu des Schlosses Zinnen,

Ob auch seine Traute ‖ von dort herab gesehn auf sein Beginnen._

_Er gedacht in seinem Muthe: ‖ ‘Ach, wie ist mir geschehn!

Wenn Gudrun meine Herrin ‖ Solches hat ersehn,

Erleb ich je die Stunde, ‖ dass ich sie soll umfahen,

So wird sie mirs verweisen, ‖ wenn ich sie zu küssen will

ihr nahen._

_Dass mich der greise Alte ‖ hier nieder hat geschlagen,

Des muss ich sehr mich schämen.’ ‖ Sein Banner liess er tragen 30

Gegen König Ludwig ‖ vor allen seinen Mannen.

Sie folgten ihrem Feinde: ‖ der sollte nun mit Nichten mehr

von dannen._

_Ludwig erhörte ‖ hinter sich den Schall,

Da wandt er sich zurücke ‖ wider ihn zumal;

Da hört’ er auf den Helmen ‖ Schwerter viel erschallen

Die da bei ihm waren, ‖ denen mochte wohl der Könge Grimm

missfallen._ 20

_Gudrunens Trauter ‖ unter Helm und Schildesrand

Erreichte Ludwigen ‖ mit kraftreicher Hand:

Er schlug ihm solche Wunde, ‖ er konnte sich nicht rühren:

Da musste König Ludwig ‖ hier den grimmen Tod von ihm erküren._

_Er schlug ihm gleich zur Stunde ‖ so festen Schwertesschwang,

Dass das Haupt dem König ‖ von der Achsel sprang.

Er hatt ihm wohl vergolten, ‖ dass er war gefallen.

Der König war erstorben: ‖ da mussten schöne Augen überwallen._

_Da sprach zu seinen Mannen ‖ Hartmuth der Degen:

‘Nun kehrt mit mir von dannen: ‖ so Mancher ist erlegen, 30

Die uns erschlagen wollten ‖ in diesem harten Streiten:

Wir wollen heim zum Schlosse: ‖ da mögen wir wohl harren

bessrer Zeiten.’_

_Sie hatten viel der Degen ‖ gelassen hinter sich;

Wär das Land ihr eigen, ‖ sie hätten sicherlich

Nicht besser sich gehalten; ‖ nun zogen sie vom Felde.

Da sammelte sich Wate ‖ wohl mit tausend seiner kühnen

Helden._ 20

_Er zog bis an die Pforte ‖ heran mit grosser Kraft,

Wo Hartmuth einziehn wollte ‖ mit seiner Ritterschaft--

Doch könnt ers nicht vollbringen. ‖ Er liess sichs nicht

verdriessen,

Dass sie von der Mauer ‖ manchen Laststein sahen

niederschiessen._

_Da sah ihn Herr Hartmuth ‖ vor der Veste Thor.

Er sprach: ‘Was wir verdienet ‖ haben hiebevor,

Das will sich heute wahrlich ‖ mit Zorn an uns bekunden:

Die Gesunden haben Sorge ‖ und ringsum liegen viel der

Fährlichwunden._

_Ich kann jedoch nicht fliegen; ‖ Federn hab ich nicht.

Noch durch die Erde kriechen, ‖ wär es gleich hier Pflicht. 30

Uns wehren auch die Feinde, ‖ dass wir ans Wasser kämen:

Meinen Rath den besten ‖ lass ich euch bescheidentlich

vernehmen._

_Es kann nicht anders werden, ‖ ihr edeln Ritter gut,

Steigt nieder zu der Erden ‖ und hauet heisses Blut

Aus den lichten Ringen! ‖ das lasst euch nicht verdriessen.’

Sie sprangen aus den Sätteln, ‖ indem sie rasch zurück die

Rosse stiessen._ 20

_‘Nun zu, ihr Ehrenfesten,’ ‖ sprach da Hartmuth:

‘Geht näher zu der Veste! ‖ seis übel oder gut,

Ich muss zum alten Wate: ‖ wie mir da gelinge,

Ich will doch versuchen, ‖ ob ich den nicht von der Pforte

bringe.’_

_Mit aufgehobnen Schwertern ‖ schritten sie heran,

Hartmuth der kühne ‖ und Die in seinem Bann.

Er bestand den grimmen Wate: ‖ des freute sich der Degen.

Man hörte Schwerter klingen: ‖ da sind der Helden desto mehr

erlegen._

_Eilends kam da Ortrun, ‖ die bang die Hände wand,

Die junge Königstochter ‖ von der Normannen Land, 30

Zu Gudrun der schönen: ‖ die junge Maid, die hehre,

Fiel ihr zu Füssen klagend, ‖ dass ihr Vater Ludwig erschlagen

wäre._

_Sie sprach: ‘Lass dich erbarmen, ‖ edles Fürstenkind,

So vieler von den Meinen, ‖ die hier erstorben sind;

Gedenke, wie zu Muthe ‖ dir war, als man dir deinen

Vater hat erschlagen: ‖ nun hab ich hier verloren heut den

meinen._ 20

_Nun sieh, edle Königin, ‖ wie gross ist diese Noth:

Mein Vater, meine Freunde, ‖ schier Alle sind sie todt;

Nun seh ich auch den Bruder ‖ Waten mir gefährden!

Wird Hartmuth auch erschlagen, ‖ so muss ich ganz zu einer

Waise werden._

_Vergilt nun meine Liebe’ ‖ sprach das edle Kind,

‘Als Niemand dich beklagte ‖ von Allen, die hier sind,

Und du zum Freunde hattest ‖ niemand als mich alleine;

Man that dir viel zu Leide; ‖ zu allen Zeiten musst ich um

dich weinen.’_

_Da sprach die Tochter Hildens: ‖ ‘Das hast du oft gethan;

Doch weiss ich nicht, wie diesem ‖ Streit ich wehren kann: 30

Wär ich nur ein Recke, ‖ dass ich Waffen trüge,

Ich wollt ihn gerne scheiden, ‖ dass den Bruder Niemand dir

erschlüge.’_

_Mit ängstlichen Klagen ‖ flehte sie und bat,

Bis da endlich Gudrun ‖ in das Fenster trat:

Sie winkte mit der weissen Hand ‖ und fragte laut um Märe,

Ob aus ihrer Heimat ‖ nicht hier jemand in der Nähe wäre?_ 20

_Da gab ihr Herwig Antwort, ‖ ein edler Ritter gut:

‘Wer seid ihr, edle Jungfrau, ‖ die solche Frage thut?’

Sie sprach: ‘Ich heisse Gudrun, ‖ die Enkelin des Hagen:

Wie reich ich war vor Zeiten, ‖ hier seh ich anders nichts als

leide Tage.’_

_Er sprach: ‘Seid ihr es, Gudrun, ‖ die liebe Herrin mein?

Euch zu dienen will ich ‖ stets beflissen sein;

Ich aber heisse Herwig, ‖ den eure Huld soll trösten:

Ich lass euch das wohl schauen, ‖ dass ich euch gern aus allem

Leid erlöste.’_

_Sie sprach: ‘Wollt ihr mir dienen, ‖ Ritter auserwählt,

So hoff ich, dass ihr solches ‖ mir nicht zum Unrecht zählt: 30

Mich bitten hier so dringend ‖ diese schönen Maide,

Dass man Hartmuthen ‖ von dem Grimm des alten Wate scheide.’_

_‘Das will ich gerne leisten, ‖ liebe Herrin du.’

Laut rief da Herwig ‖ seinen Recken zu:

‘Nun bringt zu Watens Feinden ‖ mein Banner hin geschwinde.’

Da drängte durch die Scharen ‖ sich Herwig und all sein

Ingesinde._ 20

_Da ward von Herwig Grosses ‖ im Frauendienst gethan;

Mit lauter Stimme rief er ‖ den alten Wate an:

‘Wate,’ sprach er, ‘lieber Freund, ‖ vergönnet uns zu scheiden

Dieses grimme Streiten: ‖ das bitten euch die minniglichen

Maide.’_

_Wate sprach im Zorne: ‖ ‘Herr Herwig geht doch hin!

Soll ich nun Frauen folgen? ‖ wo hätt ich meinen Sinn,

Wenn ich die Feinde sparte? ‖ da wär ich wohl zu schelten;

Darin folg ich euch nimmer: ‖ Hartmuth muss seiner Frevel hier

entgelten.’_

_Gudrun zu Liebe ‖ zu den Kämpfern sprang

Herwig der kühne; ‖ da vernahm man Schwerterklang. 30

Wate war erzürnet, ‖ er mocht es niemals leiden,

Wenn es Jemand wagte, ‖ ihn im Kampf von seinem Feind zu

scheiden._

_Da schlug er Herwigen ‖ einen grimmen Schlag,

Dass Der sie scheiden wollte ‖ vor ihm am Boden lag.

Da sprangen seine Recken ‖ und halfen ihm von dannen.

Gefangen ward da Hartmuth ‖ Herwig zum Trotz und allen seinen

Mannen._

Fußnoten:

[2] heim.

[3] von Bern.

[4] pflegen, sehen.

[5] bald bei Zeiten.

[6] mit Zwölfen.

[7] so wild.

[8] Fechterstreich.

[9] gern.

[10] entbehren.

[11] Wappen.

[12] Hut.

[13] zu Haus.

[14] geritten.

[15] ergrauen.

[16] ordnen.

[17] Lombardei.

[18] Verona.

[19] erwarten.

[20] hören.

[21] beistehn.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 89 / 276 题