GUDRUN ALS WÄSCHERIN.

Nû swîgen wir der degene, ‖ ich wil iuch lân vernemen,

die wol mit vreuden wæren, ‖ wie den daz mac gezemen,

daz si müezen waschen ‖ in den vremeden landen.

Kûdrûn unde Hildeburc ‖ die wuoschen alle zît ûf einem sande.

Ez was in einer vasten ‖ umb einen mitten tach.

ein vogel kam gevlozzen. ‖ Kûdrûn dô sprach

‘owê vogel schœne, ‖ du erbarmest mir sô sêre,

daz dû sô vil gevliuzest ‖ ûf diseme vluote’ sprach diu maget hêre.

Dô sprach der engel hêre ‖ ‘dû maht dich wol versehen,

maget vil ellende: ‖ dir sol grôz liep geschehen. 10

wilt dû mich vrâgen ‖ von dîner mâge lande,

ich bin ein bote der dîne, ‖ wan got ze trôste mich dir here sande.’

Dô sprach diu gotes arme ‖ ‘sît dich Krist hât gesant

uns vil ellenden ‖ ze trôste in ditze lant,

dû solt mich lâzen hœren, ‖ bote dû vil guoter:

lebet noch inder Hilde? ‖ diu was der armen Kûdrûnen muoter.’

Dô sprach der vil hêre ‖ ‘ich wil dir verjehen.

Hilden dîne muoter ‖ hân ich gesunt gesehen,

dô si ein her grœzer ‖ dir vrumte her ze lande,

dan witewe oder künne ‖ durch lieber vriunde willen ie gesande.’

Dô sprach diu maget edele ‖ ‘bote dû vil hêr,

lâ dich des niht verdriezen, ‖ ich wil dich vrâgen mêr. 10

lebet noch indert Ortwîn, ‖ der künec von Ortlande,

und Herwîc mîn vriedel? ‖ diu mære ich harte gerne bekande.’

Dô sprach der engel hêre ‖ ‘daz tuon ich dir wol kunt.

Ortwîn unde Herwîc ‖ die sint wol gesunt.

die sach ich in den ünden ‖ ûf des meres muoder.

die ellenthaften degene ‖ zugen vil gelîche an einem ruoder.’

Si sprach ‘sô hôrte ich gerne, ‖ hâst dû daz vernomen,

sol von Tenemarke ‖ Hôrant here komen

mit den sînen helden, ‖ die mich in sorgen liezen?

den weiz ich alsô biderben, ‖ deich armiu maget sîn möhte wol

geniezen.’

Dir kumt von Tenemarke ‖ Hôrant der neve dîn

ûf urliuge starke ‖ er und die recken sîn.

er sol daz Hilden zeichen ‖ tragen in sînen handen,

sô die Hegelinge ‖ koment zuo den Hartmuotes landen.

Dô sprach aber Kûdrûn ‖ ‘kanst dû mir gesagen,

lebet noch Wate von Stürmen? ‖ sô wolte ich niht klagen. 10

des vreuten wir uns alle, ‖ swenne daz geschæhe,

daz ich ouch Fruoten ‖ den alten bî mînem zeichen gesæhe.’

Dô sprach aber der engel ‖ ‘dir kumt in ditze lant

Wate von den Stürmen. ‖ der hât an sîner hant

ein starkez stierruoder ‖ in einem kiel bî Fruoten.

bezzer vriunde deheiner ‖ darftû niht bî urliuge muoten.’

Dô muoste von in scheiden ‖ der bote vil hêr.

die ellenden vrouwen ‖ vrâgten dô niht mêr.

jâ was in mit gedanken ‖ liep unde swære,

die in dâ helfen solten, ‖ wâ daz vil werde ingesinde wære.

_Schweigen wir der Degen ‖ und vernehmen nun

Wie es denen anstand, ‖ die billig sollten ruhn,

Dass sie waschen mussten ‖ in dem fremden Lande:

Gudrun und Hildeburg, ‖ die wuschen alle Tage bei dem Strande._

_Es war in den Fasten ‖ und um den mitten Tag,

Ein Vogel kam geschwommen: ‖ nun hört wie Gudrun sprach:

‘O weh, schöner Vogel, ‖ du musst mich auch erbarmen,

Dass du einher geschwommen ‖ kommst auf diesen Fluten,’ sprach

die Arme._ 20

_Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Du magst dich Glücks versehn,

Arme Heimatlose, ‖ das soll dir bald geschehn.

Willst du mich fragen ‖ von deinem Heimatlande,

Ich bin der Deinen Bote; ‖ Gott schickt mich dir zum Trost zu

diesem Strande.’_

_Da sprach die Unselige: ‖ ‘Hat Christus dich gesandt

Uns armen Heimatlosen ‖ zum Trost in dieses Land,

Du sollst mich hören lassen, ‖ Bote, du mein guter,

Ist Hilde noch am Leben? ‖ sie war der armen Gudrun

Mutter.’_ 20

_Da sprach der hehre Bote: ‖ ‘Das will ich dir sagen:

Hilde, deine Mutter ‖ sah ich gesund vor Tagen,

Als sie dir ein grösser ‖ Heer zu Hülfe sandte,

Als jemals liebem Kinde ‖ eine Mutter oder Nahverwandte.’_

_Da sprach die edle Jungfrau: ‖ ‘Edler Bote hehr,

Lass dich es nicht verdriessen, ‖ ich frage dich noch mehr:

Ist Ortwein der König ‖ von Ortland noch am Leben?

Und Herwig, mein Geliebter? ‖ der Frage hört ich gerne Antwort

geben.’_

_Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Das mach ich dir wohl kund:

Ortwein und Herwig ‖ sind beide noch gesund. 30

Ich sah sie heute fahren ‖ auf des Meeres Wegen;

An Einem Ruder zogen ‖ mit gleicher Kraft die beiden starken

Degen.’_

_Sie sprach: ‘So hört’ ich gerne, ‖ sofern es dir bekannt,

Soll auch Horand kommen, ‖ der Held von Dänenland?

Mit seinen kühnen Helden, ‖ die mich liessen hier in Sorgen:

Ich weiss ihn so tapfer, ‖ ich armes Mägdlein wäre

wohlgeborgen.’_ 20

_‘Auch Horand dein Neffe ‖ kommt von Dänemark

Zu manchem heissen Treffen ‖ mit seinen Recken stark.

Er soll in seinen Händen ‖ tragen Hildens Zeichen,

Wenn die Hegelingen ‖ kommen zu Hartmuthens Reichen.’_

_Da sprach wieder Gudrun: ‖ ‘Kannst du mir sagen,

Lebt Wate noch von Sturmland? ‖ so wollt ich nicht klagen.

Des freuten wir uns alle, ‖ wenn das geschähe,

Dass ich auch Herrn Frute ‖ den alten bei meinem Banner sähe.’_

_Da sprach der Engel wieder: ‖ ‘Dir kommt in dieses Land

Wate von Sturmland: ‖ der hält in seiner Hand 30

Ein starkes Steuerruder ‖ in Einem Kiel mit Fruten:

Bessre Freunde darfst du ‖ zum Krieg nicht wünschen in deinem

Muthe.’_

_Da musste sie verlassen ‖ der Gottesbote hehr;

Die heimatlosen Frauen ‖ fragten da nicht mehr.

Doch lag auf ihren Herzen ‖ noch grossen Kummers Schwere,

Wo nun ihrer Helfer ‖ werthes Ingesinde wäre._

3.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 88 / 276 题