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BEIHEFTE
ZUR
ZEITSCHRIFT FÜR ROMANISCHE PHILOLOGIE
BEGRÜNDET VON PROF. DR. GUSTAV GRÖBER [+]
FORTGEFÜHRT UND HERAUSGEGEBEN VON PROF. DR. ERNST HOEPFFNER
HEFT 47
DIE ABENTEUER GAWAINS
YWAINS UND LE MORHOLTS
MIT DEN DREI JUNGFRAUEN
AUS DER
TRILOGIE (DEMANDA) DES PSEUDO-ROBERT DE BORRON
DIE FORTSETZUNG DES HUTH-MERLIN
NACH DER ALLEIN BEKANNTEN HS. NR. 112
DER PARISER NATIONAL BIBLIOTHEK HERAUSGEGEBEN
VON
H. OSKAR SOMMER
HALLE A. S.
VERLAG VON MAX NIEMEYER
1913
BEIHEFTE
ZUR
ZEITSCHRIFT
FÜR
ROMANISCHE PHILOLOGIE
BEGRÜNDET VON PROF. DR. GUSTAV GRÖBER [+]
FORTGEFÜHRT UND HERAUSGEGEBEN
VON
DR. ERNST HOEPFFNER
PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT JENA
XLVII. HEFT
H. OSKAR SOMMER
DIE ABENTEUER GAWAINS, YWAINS UND LE MORHOLTS
MIT DEN DREI JUNGFRAUEN AUS DER TRILOGIE (DEMANDA)
DES PSEUDO-ROBERT DE BORRON
DIE FORTSETZUNG DES HUTH-MERLIN
HALLE A. S.
VERLAG VON MAX NIEMEYER
1913
DIE ABENTEUER GAWAINS
YWAINS UND LE MORHOLTS
MIT DEN DREI JUNGFRAUEN
AUS DER TRILOGIE (DEMANDA) DES PSEUDO-ROBERT DE BORRON
DIE FORTSETZUNG DES HUTH-MERLIN
NACH DER ALLEIN BEKANNTEN HS. NR. 112
DER PARISER NATIONAL BIBLIOTHEK HERAUSGEGEBEN
VON
H. OSKAR SOMMER
Dem Andenken Gustav Gröbers
Inhaltsverzeichnis.
Einleitung.
1. Die Handschrift No. 112 der Pariser National Bibliothek IX
2. Der Text XI
3. Die Trilogie des pseudo-Robert de Borron XIV
4. Der Inhalt der Fols. 17b-58b der Hs. Nr. 112 XXVI
I. Die Abenteuer Gawains XVIII
II. Die Abenteuer des Morholt XLI
III. Die Abenteuer Ywains LV
IV. Die Suche nach Merlin LXV
V. Die Abenteuer Gaheriets LXX
VI. Das Abenteuer des Morholt LXXXVII
Der Text.
Die Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei
Jungfrauen aus der Trilogie (Demanda) des pseudo-Robert
de Borron.
I. Die Abenteuer Gawains 1
II. Die Abenteuer des Morholt 43
III. Die Abenteuer Ywains 66
IV. Die Suche nach Merlin 85
V. Die Abenteuer Gaheriets 94
VI. Das Abenteuer des Morholt 131
Verzeichnis der Personen- und Ortsnamen 135
Einleitung.
I. Die Handschrift No. 112 der Pariser National Bibliothek.
Die Handschrift No. 112[1] der Pariser National Bibliothek, ein
gewaltiger, aus nahe an 800 Blättern bestehender Folioband, ist eine
sorgfältig auf Pergament in vier Kolonnen geschriebene, mit vielen
Miniaturen, Zierbuchstaben und Randverzierungen geschmückte, dem 15.
Jahrhundert angehörige, hier und da gekürzte Abschrift des
Vulgat-Zyklus der Artus-Romane in Prosa, in die, aus dem _Tristan_,
_Guiron le Courtois_ oder _Palamedes_, und aus der Trilogie des
pseudo-Robert de Borron abgeschriebene, aber mit dem Vulgat-Zyklus
weder in Zusammenhang stehende, noch irgendwie in Einklang gebrachte
Stücke eingeschaltet sind.[2] Das ganze Werk muß ursprünglich aus vier
Büchern bestanden haben, das erste Buch aber ist nicht mehr vorhanden,
und muß schon gefehlt haben, als die drei andern zu einem Bande
vereinigt wurden. Um der gewaltigen Kompilation wenigstens äußerlich
den Charakter eines zusammenhängenden, einheitlichen Ganzen zu geben,
hat der Schreiber (oder vielleicht besser: haben die Schreiber)
dieselbe eine auf Befehl König Heinrichs von England von Maistre
Robert de Borron aus dem Lateinischen ins Französische übersetzte
Geschichte Lancelots[3] genannt, und demgemäß die vier Bücher der
Reihe nach als: _Le premier, le segond, le tiers et le derrenier Livre
de Messire Lancelot du Lac_ bezeichnet und jedem der Bücher einen von
ihm selbst verfaßten Prolog vorausgeschickt.
Das erste, fehlende Buch hat, wie aus zahlreichen Hinweisen, auf
dasselbe in den drei anderen Büchern und aus dem Charakter der ganzen
Hs. zu schließen ist, die _Estoire del Saint Graal_, Robert de
Borron's _Merlin_ und dessen Vulgat-Fortsetzung enthalten, entweder
vollständig oder hier und da gekürzt; vielleicht ist auch ein
Bruchstück der Trilogie des pseudo-Robert de Borron darin gewesen;
ebenso wahrscheinlich aber ist es, daß das erste, wie das dritte Buch,
nichts von der Trilogie enthielt.
Das zweite Buch beginnt nach einem Prologe[4] mit dem Anfang des
_Lancelot_ und des _Tristan_ und besteht aus 248 Blättern, von denen
fols. 1c-8a; 61b-68d; 78a-175a; 208a-236a, und 247d-248b den Lancelot
repräsentieren, während fols. 8a-17a; 71c-78a; 175a-208a und 236a-247d
dem _Tristan_ entnommen sind. Fols. 58c-61b und 68d-71c sind aus dem
_Guiron le Courtois_ abgeschrieben und endlich fols. 17b-58b enthalten
den Gegenstand der vorliegenden Ausgabe, die Abenteuer Gawains, Ywains
und Le Morholts mit den drei Jungfrauen aus dem zweiten Buche der
Trilogie des pseudo-Robert de Borron. Wer den _Lancelot_ kennt, kann
sich ein Bild davon machen wie dieses Bruchstück in denselben
hineinpaßt.
Das dritte Buch beginnt, nach einem Prologe, mit Lancelots Heilung und
Rückkehr aus Sorelois und besteht aus 301 Blättern, von denen fols.
1b-11a; 15c-51a; 56c-99b; 128c-214c dem _Lancelot_, fols. 11b-15c;
51a-56b; 99b-128a und 214c-301b dem _Tristan_ entlehnt sind.
Das vierte Buch, das gleichfalls einen Prolog hat, besteht aus 233
Blättern. Fols. 1c-182a enthalten die Vulgat-Queste mit folgenden
Einschaltungen: Fols. 6a-6b; 28b-84d und 138d-140d aus dem _Tristan_;
fols. 84d[5]-128b; 146d-152c und 179d-180c aus dem dritten Buche der
Trilogie des pseudo-Robert de Borron; fols. 160a-163a aus dem _Guiron
Le Courtois_. Fols. 182a-233a enthalten die Vulgat-Version der _Mort
Artus_.
Der _Lancelot_ und der _Tristan_ sind nicht ganz ungekürzt, und das
gilt von dem letzteren noch mehr als von dem ersteren, in die
Kompilation aufgenommen worden, dagegen sind Vulgat-Queste und
Mort-Artus vollständig vorhanden. Was aus dem zweiten Buche der
Trilogie Aufnahme fand, ist augenscheinlich wie die Huth-Hs.
ungekürzt, aber die Abschnitte aus dem dritten Buche sind nicht alle
vollständig, so z. B. der Kampf zwischen Gawain und Baudemagus,[6] der
mit dem Tode des letzteren endet, und das Zusammentreffen der drei
Graalhelden und Percevals Schwester mit Kaiphas auf dem Felsen usw.[7]
2. Der Text
In seiner _Introduction_ zu dem Huth-_Merlin_[8] schreibt Gaston Paris
auf S. XLIX: "Le troisième conte du même genre nous montre Ivain et
Gauvain, partis ensemble de la cour d'Arthur, et auxquels s'est
adjoint le Morhout d'Irlande, engagés dans une triple aventure:
chascun d'eux emmène une des trois demoiselles qu'ils ont rencontrées
près d'une fontaine dans la forêt, et ils doivent se retrouver au bout
d'un an. La fin de cette histoire n'est pas dans notre manuscrit, qui
s'arrête presque aussitôt; mais on la connaît par la traduction
anglaise dont nous parlerons tout à l'heure, et nous en donnons le
résumé en note.[9] Elle est aussi aventureuse que l'autre,
[c'est-à-dire la triple aventure de Gauvain, Tor et Pellinor H. O.S.]
mais peut-être un peu plus intéressante. Il est possible quelle ait
formé un conte à part, annexé par notre auteur à son oeuvre." Die
Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei Jungfrauen, die
ich hier, mit einigen anderen unzertrennlich damit verknüpften, deren
Held Gaheriet, der jüngere Bruder Gawains ist, zum ersten Male
veröffentliche, bilden jenen von Gaston Paris erwähnten "troisième
conte". Obgleich er diesen "conte" nur aus Sir Thomas Malorys,[10]
etwa auf ein Achtel gekürzte, unvollständige, willkürlich geänderte
und in einigen Punkten ungenaue Wiedergabe in dem vierten[11] Buche
der _Le Morte Darthur_ kennt, erschien G. Paris derselbe doch ein
wenig interessanter als andere Teile des Huth-_Merlin_. Ist es nicht
wahrscheinlich, daß ihm das Original, wenn er es gekannt hätte, noch
viel interessanter erschienen wäre? Seltsam, weder Paulin Paris, noch
sein berühmter Sohn, noch irgend ein anderer auf diesem Gebiete
arbeitender Gelehrter, hatte bis zum Jahre 1895, in welchem E.
Wechssler[12] seine Entdeckung in der Hs. No. 112 bekannt machte, eine
Ahnung von dem Inhalte derselben, ja ich glaube, daß keiner die Hs.
eines Blickes gewürdigt hat, weil dieselbe aus dem 15. Jahrhundert
stammte, und weil man vor 30 Jahren noch nicht erkannt hatte, daß bei
der Forschung auf dem Gebiete der mittelalterlichen Literatur auch
späte Hss. nicht zu verachten sind.
Als im Jahre 1893-94 E. Wechssler die Hss. der National-Bibliothek
einer Durchsicht unterzog, wie er sich ausdrückt, fiel ihm auch die
Hs. No. 112 in die Hände. Da er von Gaston Paris' "grundlegender
Arbeit", der Einleitung zum Huth-_Merlin_ ausging und mit der
Abschrift der portugiesischen Hs. No. 2594 der K. k. Hofbibliothek zu
Wien des verstorbenen Karl von Reinhardstöttner[13] ausgerüstet war,
so war nichts natürlicher als daß er die Fortsetzung des Huth-_Merlin_
und die anderen Bruchstücke der Trilogie des pseudo-Robert de Borron
fand, aber gelesen kann Wechssler diese Bruchstücke nicht haben.
Hätte übrigens Wechssler die Hs. No. 112 nicht im Jahre 1894 entdeckt,
so würde ich dieselbe im Jahre 1895 gefunden haben, denn ich widmete
den Hss. des 15. Jahrhunderts besondere Aufmerksamkeit, weil ich
hoffte, das "frensshe boke" zu finden, welches Sir Thomas Malory
benutzt hatte, mit andern Worten eine Hs., die schon viele der von ihm
zusammengefügten Versionen vereinigte. Die Hs. No. 112 ist tatsächlich
eine solche Kompilation, wie aus dem, was ich über dieselbe und über
die Methode ihres Schreibers gesagt habe, klar zu ersehen ist.
So geringwertig aber die Arbeit dieses Schreibers als ein konfuses,
zusammenhangsloses Ganzes ist, so verdanken wir ihm doch die
Überlieferung von Material, das wir ohne ihn vielleicht nie gekannt
hätten.
Es ist leicht erklärlich, daß Wechssler die Bruchstücke der Trilogie des
pseudo-Robert de Borron nicht durchgelesen hat, denn das Durchlesen
einer so schweren und ungefügigen Hs. wie die No. 112, ist eine
unbequeme und zeitraubende Arbeit. Auch ich konnte mich nicht
entschließen, die Zeit zu dieser Arbeit in Paris zu opfern und lernte
das in Frage kommende Material erst aus einer Abschrift kennen, die ich
mir hatte anfertigen lassen, die aber, wie ich zu meiner Enttäuschung
erkennen mußte, nicht genau genug war, obgleich ich einen anständigen
Preis für dieselbe bezahlt hatte. Später, nachdem ich mit der
spanischen[14] und portugiesischen _Demanda_ vertraut geworden und die
in den _Tristan_-Hss.[15] zu findenden Bruchstücke geprüft und den
Entschluß gefaßt hatte, die französischen Fragmente des Originals
herauszugeben, ließ ich die fehlerhafte Abschrift durch eine
zuverlässige photographische Aufnahme ersetzen.[16] Die Photographien
habe ich dann, nach und nach, noch einmal abgeschrieben, die Abschrift
mit denselben kollationiert und zum Drucke vorbereitet. Die Druckbogen
habe ich dreimal mit den Photographien verglichen, um die denkbar
mögliche Genauigkeit zu erzielen. Um meinen Text mit der Ausgabe des
Huth-_Merlin_ in Einklang zu bringen, habe ich moderne Interpunktion
eingeführt und alle Personen- und Ortsnamen mit großen Anfangsbuchstaben
geschrieben. Die Rubriken der Hs., die meistens, doch nicht[17] immer,
über Miniaturen zu finden sind, die aber augenscheinlich zu denselben
gehören und von dem Illuminator geschrieben sind, habe ich in
Kursivschrift wiedergegeben. Von den fols. 17b-58b der Hs. No. 112,
welche den Text enthalten und das einzige, dem zweiten Buche
eingeschaltete Bruchstück der Trilogie bilden, sind fols. 17b-22a dem
Inhalte nach schon veröffentlicht worden, denn auf fols. 220a-230b der
Huth-Hs. oder auf Seite 228-254 des zweiten Bandes des Huth-_Merlin_
werden dieselben Ereignisse erzählt. Ich habe diesen Abschnitt dennoch
hier gedruckt, um zu zeigen, in welchem Verhältnis die Huth-Hs. und die
Hs. No. 112 zueinander stehen und um das Bruchstück vollständig zu
geben, da es, obgleich es durch viele Fäden an vorhergehende Ereignisse
geknüpft ist und ohne dieselben an vielen Punkten unklar sein würde,
doch eine zusammenhängende Episode bildet. Gaston Paris' Vermutung, daß
das dreifache Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei
Jungfrauen einen selbständigen "conte" gebildet habe, den der Verfasser
seiner Trilogie einverleibt habe, scheint mir wenig wahrscheinlich zu
sein. In Noten am Fuße der Seiten habe ich alle wichtigen Unterschiede
zwischen den beiden Texten angegeben und auch hier und da Varianten
zwischen der Huth-Hs. und dem gedruckten Text angezeigt. Die in Klammern
eingefügten Angaben wie z.B. 1. [17c]; [17d]; [18a] usw. weisen auf die
vier Kolonnen jedes Blattes der Hs. No. 112 hin. 2. [_H_ 220c]; [_H_
220d]; [_H_ 221a] usw. zeigen die vier Kolonnen jedes der Blätter der
Huth-Hs. an; und endlich 3. [U 231]; [U 232]; [U 233] usw. geben die
Seitenzahlen des zweiten Bandes des Huth-_Merlin_ an.
3. Die Trilogie des pseudo-Robert de Borron.
Die Huth-Hs.[18] besteht ihrem Inhalte nach aus zwei Teilen: Fols.
1-75 enthalten sehr mittelmäßige _leçons_ der Prosaredaktionen der
allgemein Robert de Borron zugeschriebenen Gedichte _Joseph von
Arimathia_ und _Merlin_, fols. 75-230, d. h. bis zum Schluß der Hs.,
enthalten eine _Suite du Merlin_, die in manchen Punkten mit dem
_Merlin_ im Widerspruch steht und mit dem _Joseph_ nicht das
geringste gemein hat. Jeder unbefangene Leser kann nicht verfehlen
ohne Schwierigkeit zu erkennen, daß Robert de Borron, wenn er der
Verfasser des _Joseph_ und _Merlin_ ist, nicht auch Verfasser der
_Suite du Merlin_ sein kann.
Dem pseudo-Robert -- so muß er bezeichnet werden, obgleich er behauptet
der echte zu sein -- sind an zwei Stellen der Huth-Hs. scheinbar genaue
Angaben über die Ausdehnung und Anordnung seines Materials in den Mund
gelegt, in denen klar darauf hingewiesen wird, daß sein Werk ein aus
drei gleichen Teilen bestehendes, mit andern Worten, eine Trilogie
gewesen sei.
Die erste dieser Angaben steht auf fol. 125c, d (vol. I, S. 280 der
Ausgabe) und lautet folgendermaßen:
"Et sacent tuit cil qui lestoire monsigneur de Borron vau[d]ront oir
comme il devise son livre en trois parties, l'une partie aussi grant
comme lautre, la premiere aussi grande comme la seconde, et la
seconde aussi grant comme la tierche. Et la premiere fenist il au
commenchement de ceste queste et la seconde el commenchement dou
graal et la tierche fenist il apries la mort de Lanscelot, a chelui
point meisme quil devise de la mort le roi March. Et cest[e] chose
amentoit [il] en la fin dou premier livre pour chou que [se]
lestoire dou graal estoit corrompue par auchuns translatours qui
apres lui venissent, tout li sage houme, qui meteroient lour entente
a oir et a escouter, porroient par ceste parole savoir se elle lour
se[r]oit baillie entière ou corrompue, et connisteroient bien
combien il i fau[d]roit. Puis quil a ore ensi devise l'assenement de
son livre, il retorne a sa matiere en tel maniere."
Die zweite Angabe steht auf fol. 230 b (vol. II, S. 254 der Ausgabe)
und lautet:
"Si laisse ore atant li contes a parler de l[a] dame et del roi. Et
de toute la vie Merlin. Et devisera d'une autre matiere qui parlera
dou graal, pour chou que cest li commenchemens de cest liure."
Diese beiden Stellen, von denen ich im folgenden wiederholt zu handeln
haben werde, will ich der Kürze und Deutlichkeit halber fernerhin mit
Angabe I und Angabe II bezeichnen.
Prüft man diese Angaben aber auf den Inhalt der Huth-Hs., so findet
man, daß dieselben auf diese keinen Bezug haben können, denn Angabe I
zerlegt die Hs. nicht in zwei gleiche Teile; nur wenn man den _Joseph_
wegließe, würde dies etwa der Fall sein.
Aus verschiedenen Bemerkungen und Hinweisen geht hervor, daß das
dritte Buch der Trilogie eine _Galahad-Queste_ und _Mort Artus_
enthielt, die mit dem Tode Lancelots und des Königs Mark endete.
So bezeugt denn die Huth-Hs. selbst schon die Existenz einer Trilogie
eines pseudo-Robert de Borron, aber sie läßt uns nicht erkennen, wie
dieselbe in ihrer ursprünglichen Gestalt zusammengesetzt war.
Drei Versuche sind bisher gemacht worden, so viel mir bekannt ist, die
Gestalt dieser Trilogie zu bestimmen. Gaston Paris[19] in seiner
Einleitung zum Huth-_Merlin_ machte den ersten, E. Wechssler[20] in
seiner Habilitationsschrift den zweiten, und ich[21] selber in dem
XXXVI. Bande der _Romania_ den dritten Versuch. Wer mit dem Material
vertraut, die drei Abhandlungen liest, wird nicht verfehlen zu
erkennen, daß das Resultat einer jeden ein anderes ist. G. Paris'
Trilogie ist verschieden von E. Wechssler's und die beider Gelehrten
ist verschieden von der meinigen. Obgleich ich zwar, bis auf einen
Punkt, meine Auseinandersetzung in der _Romania_ aufrecht erhalte,
benutze ich doch die Gelegenheit der Veröffentlichung der Fortsetzung
des Huth-_Merlin_, um noch einmal, wenigstens was die Trilogie
betrifft, meine Ansichten so klar wie möglich kurz darzulegen, und um
zu zeigen, daß ich mit vollem Rechte[22] beanspruchen kann und darf,
von einer Trilogie des pseudo-Robert de Borron zu reden, "which I have
reconstructed and recalled from oblivion".
Ich wende mich nun ganz kurz zu G. Paris' Arbeit. G. Paris erklärt die
Angaben I und II nicht; er hält alles, was er in der Huth-Hs.
vorfindet, d. h. _Joseph_, _Merlin_ und _Suite du Merlin_ für etwas
weniger als zwei Drittel einer, aus drei gleichen Teilen bestehenden,
Trilogie und ordnet den Stoff, den drei Büchern gemäß, folgendermaßen
an:
I. Buch: fols. 1a-125d, d. h. _Joseph_, _Merlin_ und 50 Blätter
der _Suite du Merlin_.
II. Buch: fols. 126a-230b, _plus_ 16 fehlende Blätter der
_Suite du Merlin_.
III. Buch: _Graal-Queste_ und _Mort Artus_, zusammen 125
Blätter, die fehlen.
G. Paris erkennt nicht, daß der _Joseph_ gar nicht, und der _Merlin_,
wenigstens nicht so wie er in der Huth-Hs. vorliegt, zur Trilogie
gehören kann. Er führt die Widersprüche zwischen _Merlin_ und _Suite du
Merlin_ als Beweisgründe dafür an, daß der Verfasser der letzteren nicht
Robert de Borron sein kann -- eine Tatsache, die hinlänglich durch die
in derselben zu findenden Hinweise und Anspielungen auf den
Vulgat-Zyklus und den _Tristan_ bewiesen ist -- während diese
Widersprüche, an und für sich betrachtet, doch nur beweisen, daß Robert
de Borron's _Merlin_ nicht mit der _Suite du Merlin_ in Einklang
gebracht ist. G. Paris glaubt, daß die _Suite du Merlin_ bestimmt sei,
auf den _Lancelot_ vorzubereiten und den _Merlin_ mit demselben zu
verbinden, ähnlich wie die Fortsetzung des _Merlin_ in dem
Vulgat-Zyklus, aber er macht keinen Versuch, Gründe für seine Vermutung
anzugeben, viel weniger dieselbe zu beweisen. Unbekannt[23] mit den Hss.
No. 112, No. 340 und No. 343 der Pariser National-Bibliothek, mit den
spanischen Drucken,[24] mit den portugiesischen Hss. in Wien und
Lissabon, war G. Paris von Anfang an nicht in der Lage, eine
grundlegende Arbeit zu schreiben, ein endgültiges Resultat zu erlangen.
Ich komme nun zu E. Wechsslers's Arbeit, der das eben genannte
Material mit Ausnahme der spanischen Drucke und der Hs. in Lissabon
(von der er zwar gehört hatte) nicht nur kannte, sondern zur Verfügung
hatte. Wie stellte sich Wechssler die in der Huth-Hs. angedeutete
Trilogie des pseudo-Robert de Borron vor?
Während G. Paris gegen den in der Huth-Hs. dem _Merlin_ vorangehenden
_Joseph_ nichts einzuwenden hat, erkennt Wechssler richtig, daß
manches in der _Suite du Merlin_ darauf hinweist, daß nicht der
_Joseph_, sondern die _Estoire del Saint Graal_ vor derselben am
Platze sei. Es ist ihm auch klar, daß die Einsetzung der langen
_Estoire_ für den kurzen _Joseph_ die Angaben I und II der Huth-Hs.
noch rätselhafter machen würde, als sie schon sind; da hilft er sich
aus aller Verlegenheit damit, daß er einfach den unbequemen _Joseph_
eliminiert und dem Schreiber der Huth-Hs., oder seinem Vorgänger, zur
Last legt, er habe nach dem Muster des ältesten Graal-Zyklus (kannten
die Schreiber den so gut wie Wechssler? H. O.S.), wo ebenfalls der
_Joseph_ dem _Merlin_ vorangeht, aber hier mit Recht, diesen _Joseph_
in seine Hs. aufgenommen. Ohne auch nur mit einem Worte die zwischen
_Merlin_ und _Suite du Merlin_ bestehenden Widersprüche zu erwähnen,
arrangiert dann Wechssler die in der Huth-Hs. angedeutete von ihm
durch die Bezeichnung "jüngere Kürzung C" unterschiedene Trilogie wie
folgt:
I. Buch: fols. 20-125, d. h. _Merlin_ (allem Anschein nach wie
derselbe in der Huth-Hs. zu finden ist H. O.S.), plus 50 Blätter
der _Suite du Merlin_, zusammen 106 Blätter.
II. Buch: fols. 126-230 oder 104 Blätter und ein halbes.
III. Buch: _Graal-Queste_ und _Mort Artus_, zusammen 105 Blätter,
die aber fehlen.
Bezüglich des Inhalts des dritten Buches sagt Wechssler, es sei nicht
erhalten, der Verlust sei aber um so weniger zu bedauern, als die
beiden Branchen, wenn sie in dem engen Raum von etwa 105 Blättern
Platz haben sollten, auf weniger als die Hälfte reduziert werden
müßten. "Könnten wir nicht an der _Suite du Merlin_ beobachten", fährt
Wechssler fort, "wie der Redaktor sich damit hilft, daß er das
Überschüssige ohne weiteres wegläßt, so wären wir berechtigt zu
bezweifeln (ich habe stets bezweifelt, H. O.S.), daß dieses letzte
Drittel überhaupt je ausgeführt wurde".
Kann, was Wechssler vorschlägt, wirklich ernstlich als eine Lösung des
Rätsels angesehen werden? Kann eine solche, mechanisch zugestutzte,
Version, wie er sie beschreibt, die zwar in einer einzelnen Hs., und
vielleicht in einer Abschrift derselben durch einen unwissenden
Schreiber bestehen kann, als literarische Produktion, als Glied in der
Entwicklung eines Graal-Zyklus gelten, ist dieselbe als solches nicht
einfach eine Unmöglichkeit?
Ich bin gerechtfertigt, wenn ich annehme, daß Wechssler, wenn er die
spanischen Drucke gekannt hätte, "eine jüngste Kürzung D" angenommen
haben würde.
Selbst zugegeben, daß Wechssler's Vorschlag die Stellung der Angabe II
erklärlich erscheinen läßt, so kann das doch von der Angabe I durchaus
nicht behauptet werden.
Scheinbar hat Wechssler seine jüngere Kürzung C selbst nicht
befriedigt, denn er sucht sie dadurch zu stützen, daß er sie von einer
zweiten Trilogie des pseudo-Robert de Borron herleitet, die er "ältere
Kürzung B" nennt, und die er folgendermaßen beschreibt:
I. Buch: _Estoire del Saint Graal._
II. Buch: Die Huth-Hs. _minus Joseph plus_ Hs. No. 112,
fols. 22-58.
III. Buch: Portugiesische Hs. Wien.
Ich habe keine Ahnung, welcher Art die _Estoire_ sein kann, die
Wechssler's erstes Buch ausfüllen soll, das aber kann ich sagen, die
in der Hs. zu Lissabon befindliche ist es nicht, und kann es nicht
sein. Vielleicht glaubte Wechssler, daß diese _Estoire_ die erweiterte
Hippocrates-Episode[25] und die Abenteuer des Grimaud enthielt?
Aber auch mit der älteren Kürzung B ist Wechssler noch nicht
zufrieden, er postuliert endlich noch eine "vollständige Redaktion A",
einen sechsteiligen Graal-Zyklus, den er, zum Unterschiede von dem
Vulgat- oder pseudo-Map-Zyklus, den Robert-Zyklus nennt und der nach
ihm aus folgenden Branchen zusammengesetzt war: 1. _Estoire_, 2.
_Merlin_, 3. _Suite du Merlin_, 4. _Lancelot_, 5. und 6. was die
portugiesische Hs. in Wien enthält, d. h. anstatt einer einzigen
Version der Trilogie des pseudo-Robert de Borron nimmt Wechssler eine
Aufeinanderfolge von dreien an, deren erste unmöglich, deren zweite
weder richtig noch vollständig und deren dritte auf einer
unbegründeten und unbegründbaren Hypothese beruht.
Was hat Wechssler veranlaßt zu glauben, daß der _Lancelot_ je mit der
_Suite du Merlin_ und dem dritten Buche der Trilogie in einem
Graal-Zyklus zusammen existierte?
In erster Linie, ohne Zweifel, die Hs. No. 112, deren Schreiber aus
beiden und außerdem aus dem _Tristan_ und dem _Guiron Le Courtois_
abschrieb, ohne auch nur den Versuch zu machen, sein heterogenes
Material in Zusammenhang zu bringen. Diese Hs. überschätzte Wechssler
und ließ sich durch dieselbe irre führen. Einen anderen Grund gibt
Wechssler selber an, denn er sagt: "Der _Lancelot_ hat diesem Zyklus
sicher angehört: __denn die Suite [du] Merlin ist, wie G. Paris
bewiesen hat, als Vorgeschichte zu ihm geschrieben worden__
(Huth-_Merlin_, Einleitung XXXVII); und ebenso setzt ihn [d.h. den
_Lancelot_ H. O.S.] die _Queste_ voraus".
Es bedarf keines Beweises, daß der pseudo-Robert de Borron den
_Lancelot_ gekannt hat, daß er aber die _Suite de Merlin_ als
Vorgeschichte zu demselben geschrieben hat, konnte weder G. Paris,
noch kann es Wechssler beweisen, noch würde der Beweis irgend einem
andern Gelehrten gelingen, das muß jedem klar werden, der sich die
Mühe geben will, beide zu lesen.
Die _Galahad_-Queste und _Mort Artus_, die das dritte Buch der Trilogie
des pseudo-Robert de Borron bilden, setzen, wenn man will, Bekanntschaft
mit dem _Lancelot_ voraus, aber sie bedingen seine Gegenwart nicht. Das
einzige, was man erwarten dürfte, wäre ein Bericht über die Geburt
Galahads und über Percevals Ankunft an Artus' Hofe usw., denn beide
werden in der _Queste_ eingeführt, ohne daß je vorher von ihnen die Rede
war. Dagegen aber läßt sich einwenden, daß die Trilogie kein
Graal-Zyklus nach dem Muster des Joseph-Perceval-Lancelot-Zyklus oder
des Vulgat-Zyklus ist, und daß auch andere wichtige _dramatis personae_
wie Lancelot, Tristan, Erec, Palamedes usw. auftreten, ohne daß vorher
von ihrer Herkunft die Rede ist. Der einzige andere Grund für
Wechssler's Handlungsweise, den ich finden kann, ist ein Auszug aus dem
_Lancelot_ und zwar in ungekürzter Form, enthaltend die Stücke, die in
denselben eingefügt wurden, als die _Galahad_-Queste an Stelle des
_Perceval_-Queste trat; dieser Auszug ist in sechs _Tristan_-Hss.[26]
und in Sir Thomas Malory's _Le Morte Darthur_[27] zu finden, in die
letztere ist derselbe durch Vermittlung einer _Tristan_-Hs. gekommen.
Von diesem Auszuge werde ich weiter unten noch zu reden haben.
Ich komme schließlich zu meinem eigenen Beitrage zur Beantwortung der
Frage nach der Gestalt der in der Huth-Hs. angedeuteten Trilogie des
pseudo-Robert de Borron. Wie ich schon auf S. XIII Note 2 mitgeteilt
habe, kenne ich nicht nur das ganze, von Wechssler herangezogene
Material, sondern ich habe den größten Teil[28] desselben
herausgegeben und bin im Begriff den Rest[29] (mit Ausnahme der
spanischen und portugiesischen Texte) herauszugeben. Ferner verfüge
ich über den vollständigen Text des dritten Buches der Trilogie, und
endlich befinde ich mich Wechssler gegenüber dadurch im Vorteil, daß
ich die spanischen Drucke von Toledo 1515 und Sevilla 1535 und die Hs.
No. 643 der Staatsarchive in der Torre do Tombo zu Lissabon benutzen
konnte, von denen er die ersteren gar nicht und die letztere nur von
Hörensagen kannte.
Das Verhältnis der _Suite du Merlin_ zu den spanischen,
portugiesischen und französischen Texten habe ich in der _Romania_
beschrieben und bin zu dem Resultat gekommen, daß alle, ohne Ausnahme,
ebenso wie die in den _Tristan-Hss._ vorhandenen Bruchstücke Teile der
Trilogie eines pseudo-Robert de Borron sind, und zwar derjenigen, die
ich beanspruche rekonstruiert zu haben. Als ein Beispiel führe ich
hier eine Stelle an, die auf die Dreiteilung des Werkes Bezug hat, und
die sich in der Hs. No. 343 auf fol. 101a, in der portugiesischen Hs.
auf fol. 179a und in den spanischen Drucken im 355. Kapitel befindet:
ils sorent erranment que ce estoit Galahaz qui celle auenture auoit
menée a fin et distrent bien que ce nestoit mie par cheualerie. Mes
par miracle de nostre seignor. si firent metre celle auenture en
escrit entre les autres auentures.
E Galahaz quant il se fu partiz del chevalier cheuaucha puis mainte
iornee et maintes auentures mist a fin dont cil de beron ne parle mie.
car trop eust a faire se il voloit a cestui point raconter toutes les
merueilles del Grahal. et la darraine partie de son liure fust trop
grant auers les autres deuspremieres: mes ce sanz faille quil lesse a
deuiser en ceste paitie deuisse es _contes del brait_ car li conte del
brait sanz doute trait dune part, por faire les parties del liure
egalles a nostre pooir.
E logo todos entenderom que aquele fora Galaaz e disserom que aquelo
nom fora por caualaria mas por grande amor que Ihi avia deus e fezerom
aquela auentura escriuer ante as outras. O que aqui mingua das
auenturas de Galaaz iaz no conto do braado.
Galaaz pois se partiu do caualeiro andou muitas iornadas e para muitos
logares que vos eu nom conto ça sobeio averia eu que fazer se vos
contasse todalas marauilhas de Galaaz e demais a postomeira parte do
meu liuro sseera maior ça es duas primeiras. Mas sen falha o que eu
leixo em esta postumeira parte [que] iaz no conto do braado.
y luego entendieron todos que este cauallero era galaz y dixeron que
aquello no fuera per ingenio: mas por gracia y amor de dios que auia
con el & fizo el escreuir esta auentura con las otras & despues que
Galaz se partio del cauallero anduuo muchas jornadas por do dios le
guiaua de que no vos cuento aqui: ça sabed que muy gran cosa (seria)
si todas las auenturas de galaz contasse y demas la postrimera parte
deste nuestro libro mayor de gran pieça que delas primeras. mas lo
que dexo en esta partida postrimera deste libro esta todo _en el
cuento del baladro_."
Was die Angaben I und II angeht, so halte ich deren Inhalt als die
Trilogie betreffend für wichtig, aber ihre Stellung in der Huth-Hs.
für gleichgültig und von keiner literar-historischen Bedeutung, weil
sich beide auf diese Hs. nicht beziehen können und weil eine Trilogie,
wie sie die Huth-Hs. bietet, nie existiert haben kann. Dennoch aber
halte ich es für die Aufgabe des Forschers zu versuchen, die Stellung
der Angaben zu erklären, obgleich ein solcher Versuch nur
hypothetischen Charakters sein kann.
Mir ist klar, daß die Stellung der Angaben in der Huth-Hs. nicht die
Folge der einzelnen Handlung eines isolierten Schreibers sein kann,
sondern das Resultat einer Verknüpfung von Umständen sein muß, deren
Urheber wenigstens zwei Personen gewesen sind. In der _Romania_ ist es
mir nicht gelungen, zu meiner Zufriedenheit den Sachverhalt
darzustellen, obgleich ich das Richtige gefühlt und gedacht habe, ich
mache daher hier einen neuen Versuch.
Ich halte den Schreiber der Huth-Hs. für die Stellung beider Angaben
in seiner Hs. nicht für verantwortlich, ich glaube, daß er einfach
abgeschrieben hat, was er in seiner Vorlage fand, ohne zu verstehen,
worum es sich handelte; dafür zeugt mir die Gegenwart des _Joseph_ und
des _Merlin_. Die beiden letzteren stammen aus einer Hs. A, wie es deren
noch einige gibt, z. B. die Hs. No. 748 der National-Bibliothek; alles
übrige d. h. fols. 75-230 repräsentieren die Abschrift einer Hs. B.
Die Hs. B enthielt den _Merlin_ in der Form wie die spanischen Drucke
und fols. 75-230 der Huth-Hs., und zwar genau in derselben Form wie
diese. Die Vorlage des Schreibers von B war ein _torso_, d. h. eine
verstümmelte Hs. der Trilogie des pseudo-Robert de Borron, in welcher
am Anfang die _Estoire_ und am Ende ein Teil des zweiten und das ganze
dritte Buch fehlten, und in welcher Angabe I am Ende des _Merlin_ (das
ist wichtig) und Angabe II an der der Huth-Hs. entsprechenden Stelle
stand. Angabe I, die in seiner Vorlage keinen Sinn hatte, rückte der
Schreiber von B bis zur Mitte seiner Abschrift vor. Der Schreiber der
Huth-Hs. wußte nicht, daß der _Merlin_, den er aus A abgeschrieben,
verschieden war von dem der Hs. B. So war der Schreiber der Vorlage
von B für die Stellung der Angabe II, der von B für die der Angabe I,
der Schreiber der Huth-Hs. für die Vereinigung der Hss. A und B
verantwortlich.
Die spanischen Drucke und die Hs. No. 643 zu Lissabon zusammen
ermöglichten mir zu zeigen, daß sowohl Spanier wie Portugiesen
_demanda_ nicht nur im eigentlichen Sinne, d. h. in dem von "Queste",
"Suche" gebrauchten, sondern auch zur Bezeichnung der ganzen Trilogie.
Im spanischen Text wird das erste den _Merlin_ und einen Teil der
_Suite du Merlin_ enthaltende Buch _el primero_, und das zweite, die
_Galahad_-Queste und _Mort Artus_ enthaltende, _el segundo libro de la
demanda del sancto Grial_ genannt. In der Hs. No. 643 wird _Liuro de
Josep abaramatia_, d. h. die _Estoire_ (nicht der _Joseph_), mit
_aprimeira parte da demanda do sancto grial_ bezeichnet.
Die spanischen Drucke gaben mir ferner das Mittel an die Hand zu
beweisen, daß der _Merlin_, wie ihn die Huth-Hs. bietet, ebensowenig
zur Trilogie gehört wie der _Joseph_. Das Kolophon der portugiesischen
Hs. No. 643, die (spät und gekürzt) an sich von geringem Interesse
ist, lautet wie folgt:
E agora se cala a istoria de todas estas linage~s que de Cecidones
sairão e torna aos outros Ramos que chama estoria Demerlim que combem
por toda maneyra jumtar com a estoria do graal por que he dos ramos e
lhe pertence.[30] E saibão todos aqueles que esta Estoria ouuyrem que
esta estoria era jumtada com ademerlim na quai he comemçamento da mesa
redomda E A nacemça de Artur. E comemçamento das avemturas. mas por
noso livro nom ser muy grãde repartimolo cadahu~u Em sua parte por
que cadahu~u por si serão milhores Detrazer Aquy se acaba este
livro. O nome de Deus.
Dieses Kolophon machte es mir möglich, nachzuweisen:
1. daß die _Estoire_ kurz das Buch des _Joseph von Arimathia_ genannt
wurde, ein Umstand, der eine Verwechslung desselben mit Robert de
Borron's _Joseph_ durch den Schreiber der Huth-Hs. nicht für unmöglich
erscheinen läßt. Er mochte gehört haben, daß der _Suite du Merlin_,
_Joseph_ und _Merlin_ vorangingen, aber den Unterschied zwischen
diesen und den Prosaredaktionen der Gedichte Robert de Borron's nicht
gekannt haben,
2. daß das erste Buch der Trilogie die _Estoire_ und den _Merlin_
enthielt, dessen Weglassung der Schreiber motiviert.
Somit konnte ich den Inhalt des ersten und dritten Buches der Trilogie
des pseudo-Robert de Borron, den die Huth-Hs. andeutet, auf klare und
einfache Weise mit Hilfe des vorhandenen Materials bestimmen, und es
bleibt nur übrig, den Inhalt des zweiten, so weit als möglich, zu
bestimmen. In das zweite Buch gehören: 1. fols. 75-230 der Huth-Hs.,
2. fols. 22-58 der Hs. No. 112, und 3. eine Anzahl von Blättern (wie
viele läßt sich nur annährend [vgl. _infra_, S. XXV] bestimmen), auf
denen, unter anderen Ereignissen der Tod des Königs Pellinor durch die
Hand Gawains erzählt wird, eine Begebenheit, welche im dritten Buche
der Trilogie erwähnt wird, und Abenteuer, die mit Gaheriets Besuch der
_Isle Merlin_ in Zusammenhang stehen (vgl. _infra_ S. XLVIII).
Als ich im Jahre 1907-8 die Artikel in der _Romania_ und _Modern
Philology_ schrieb, glaubte ich auch den auf S. XX erwähnten Auszug
aus dem _Lancelot_ hierher rechnen zu müssen. Über diesen Punkt habe
ich seitdem meine Meinung geändert. Heute glaube ich nicht mehr, daß
dieser Auszug je zur Trilogie oder zu dem zweiten Teil des _Tristan_
gehört hat, selbst wenn er in die eine oder andere Hs. der Trilogie
aufgenommen worden wäre, wie er tatsächlich in sechs _Tristan_-Hss.
und in _Le Morte Darthur_ zu finden ist.
In den zweiten Teil des _Tristan_ wurden ein gutes Stück der
Vulgat-Queste[31] und einige Bruchstücke der Trilogie-Queste[32]
aufgenommen, aber von dem _Lancelot_ selbst nichts, davon kann man
sich durch ein Studium der Hss. oder der Analyse E. Løseth's[33]
überzeugen. Ich glaube, daß der genannte Auszug aus dem _Lancelot_
durch irgend einen Schreiber seiner _Tristan_-Hs. beigefügt worden
ist. Die _Tristan_-Hss., in denen uns derselbe erhalten ist und zu
denen auch die von Sir Thomas Malory benutzte gehörte, stammen von
dieser Hs. ab. Durch eine _Tristan_-Hs. dieser Familie mag der Auszug
auch in einige Hss. der Trilogie des pseudo-Robert de Borron gelangt
sein, so viel wir aber bis jetzt wissen, ist keine der Hss.,[34] weder
mit oder ohne diese Einschaltung, erhalten geblieben.
Ob meine Erklärung der Art und Weise, wie dieser Abschnitt in die
sechs _Tristan_-Hss. und in _Le Morte Darthur_ gelangt ist, richtig
oder nicht, so viel steht fest: es ist nicht der geringste Beweis
vorhanden, daß derselbe etwas anderes ist als ein Auszug aus dem
Vulgat-_Lancelot_, d. h. mit anderen Worten: Wechsslers sechsteiliger
Graal-Zyklus "die vollständige Redaktion A" ist ein Gebilde seiner
Phantasie. Es hat nie einen andern Robert-Zyklus gegeben als die
Trilogie des pseudo-Robert de Borron, deren Existenz die Huth-Hs.
bezeugt, deren Gestalt ich, soweit es möglich ist, d. h. bis auf eine
beschränkte Anzahl von Blättern, festgestellt habe.
Es ist interessant zu ermitteln, um wie viel der Inhalt der
vorliegenden Ausgabe, mit Ausnahme der Seiten 1-18, den zweiten Teil
der Trilogie des pseudo-Robert de Borron verlängern würde, 1.
ausgedrückt in Seiten des Huth-_Merlin_ 2. ausgedrückt in Blättern der
Huth-Hs.
Die ersten 18 Seiten meiner Ausgabe sind, nach Abrechnung des auf S. 1
und in den Fußnoten verbrauchten Raumes, gleich 16 vollen Seiten. 16
volle Seiten entsprechen 26 vollen Seiten des Huth-_Merlin_, d. h. mit
ändern Worten, fügte man den Inhalt der fols. 22a-58b der Hs. No.
112, in derselben Form gedruckt wie der Huth-_Merlin_, demselben
hinzu, so würde er um 185 Seiten verlängert werden.
Auf 26 Seiten des Huth-_Merlin_ sind, so genau sich das bestimmen läßt,
etwa 10 Blätter der Huth-Hs. gedruckt, auf 185 Seiten würden daher
annähernd 70 Blätter gedruckt werden; mit andern Worten, wenn man den
Inhalt der fols. 22-58 der Hs. No. 112, in demselben Stile
geschrieben wie die Huth-Hs., derselben hinzufügte, würde sie um 70
Blätter verlängert werden.
Das Fragment des zweiten Buches der Trilogie, d. h. fols. 75-230 der
Huth-Hs. _plus_ fols. 22-58 der Hs. No. 112 würde demnach in der
erstgenannten Hs. 225, in der letztgenannten 113 Blätter gefüllt
haben. Die Frage ist nun: Wie viele Blätter würde das vollständige
zweite Buch in beiden Hss. enthalten haben? So lange nicht irgendwo
eine Hs. auftaucht, welche die vollständige Trilogie, oder wenigstens
das vollständige zweite Buch derselben bietet, lassen sich diese
Zahlen nur annähernd mit Hilfe der spanischen und portugiesischen
Übersetzungen bestimmen. Wie ich auf S. X angegeben habe, befinden
sich in dem _derrenier livre de Lancelot_ der Hs. No. 112 verschiedene
Bruchstücke des französischen Originals. Vergleicht man diese mit den
denselben in der Wiener Hs. entsprechenden Abschnitten -- man hat dabei
zu berücksichtigen, daß die Blätter dieser abwechselnd von zwei
verschiedenen Personen geschriebenen Hs. inhaltlich von sehr
verschiedener Größe sind, denn die einzelnen Kolonnen bestehen aus
zwischen 28 und 47 Zeilen -- so findet man, daß im Durchschnitt etwa je
11 Blättern des portugiesischen, 8 Blätter des französischen Textes
entsprechen.
Die Wiener Hs. hat 199 Blätter. Nimmt man an, daß die von mir in
derselben, mit Hilfe der spanischen und französischen Texte,
nachgewiesenen Lücken weitere 5 Blätter ausmachen würden, so würde das
dritte Buch der Trilogie in der portugiesischen Version 204 Blätter
enthalten haben. Nach dem was ich gesagt habe, würden diesen 204
Blättern in der Hs. No. 112, 149, in der Huth-Hs. 295 Blätter
entsprechen; mit ändern Worten, in demselben Stile wie die Huth-Hs.
geschrieben, fehlen an dem zweiten Buche der Trilogie noch etwa 70
Blätter, also gerade noch einmal so viel als die fols. 22-58 der Hs.
No. 112 enthalten.
4. Der Inhalt der fols. 17b-58b der Hs. No. 112.
Der Inhalt[35] der fols. 17 b-22a der Hs. No. 112, d.h. der ersten 18
Seiten der vorliegenden Ausgabe, ist bekannt durch SS. 228-254 des
zweiten Bandes des Huth-_Merlin_ und durch die in demselben am Rande
des Textes hinzugefügten und am Ende in schematischer Form
wiederholten knappen Noten. In ähnlicher, wenn auch in manchen Punkten
verschiedener, Form ist derselbe auch zugänglich im vierten Buche in
den Kapiteln XV-XVIII irgend einer der vielen Ausgaben der _Le Morte
Darthur_ von Sir Thomas Malory. Eine ausführliche Analyse der den
fols. 17b-22a entsprechenden fols. 220a-230a der Huth-Hs. habe ich in
meinen "_Studies on the Sources_",[36] d. h. im dritten Bande, SS.
135-145 meiner Ausgabe der _Le Morte Darthur_ geliefert. Daselbst habe
ich auch die Erzählung, wie sie die Huth-Hs. bietet, mit der Sir
Thomas Malory's verglichen und die zwischen beiden bestehenden
Unterschiede angedeutet. Es ist daher hier nur nötig, ganz kurz den
Inhalt der fols. 17b-22a zu rekapitulieren, um den Zusammenhang
zwischen dem Schlusse der Huth-Hs. und der in der Hs. No. 112
vorhandenen Fortsetzung herzustellen.
Artus[37] hat Ywain wegen der Verräterei seiner Schwester Morgain, die
nach der Trilogie König Urien's Weib und Ywain's Mutter ist, von
seinem Hofe verbannt. Gawain, der seinem Vetter Ywain sehr zugetan
ist, beschließt ihn zu begleiten. Beide verlassen zusammen Camelot.
Nachdem sie den Wald von Camelot durchzogen, kommen sie eines Tages an
eine schöne Ebene und sehen daselbst zwölf Mädchen um einen Baum
herumtanzen, an welchem ein weißer Schild hängt, den sie verunglimpfen
und dessen Träger sie verhöhnen und beschimpfen, weil er die Mädchen
von Großbritannien haße. Zwei bewaffnete Ritter zu Pferde sehen den
Mädchen zu. Der weiße Schild gehört dem Morholt, dem Bruder[38] der
Königin von Irland, demselben der später von Tristan erschlagen wird.
Bald erscheint der Morholt selbst. Die Mädchen fliehen so schnell sie
können, die beiden Ritter werden von dem Morholt aus den Sätteln
gehoben und tötlich verwundet. Nachdem der Morholt auch mit Ywain und
Gawain gefochten, schließen die drei Ritter Waffenbrüderschaft. Sie
rasten vier Tage auf einem in der Nähe liegenden Schloß des Morholt
und ziehen dann zusammen auf Abenteuer aus. An einer Quelle im Walde
von Aroie treffen sie drei Jungfrauen, eine ist kaum fünfzehn, die
zweite wenigstens dreißig, und endlich die dritte siebzig Jahre alt.
Die drei Gefährten sind bereit sich von den drei Jungfrauen die
Abenteuer des Landes zeigen zu lassen, und zwar folgt Ywain der
Siebzigjährigen, der Morholt der Dreißigjährigen und Gawain der
jüngsten. So weit reicht die Erzählung in der Huth-Hs. auf fol. 227d.
Auf fols. 228-230b wird dann die Episode von der Damoiselle du Lac
und von dem verzauberten Mantel erzählt, und unmittelbar darauf folgt
die den Inhalt des dritten Buches der Trilogie betreffende Angabe II.
In der Hs. No. 112 folgen nun die Abenteuer der drei Gefährten mit den
drei Jungfrauen, die in der Form wie dieselben hier vorliegen,
wahrscheinlich in unseren Tagen vor mir niemand gelesen hat. In der
Analyse dieser Abenteuer, die ich hier gebe, weisen die arabischen
Zahlen in Klammern auf die Seiten meiner vorliegenden Ausgabe hin, und
zwar steht jede Zahl am Beginne der Seite, deren Inhalt erzählt wird.
Der Übersichtlichkeit halber, habe ich die Anfänge der in dem Text
durch große Anfangsbuchstaben markierten Abschnitte in der Analyse
stets durch entsprechende Absätze gekennzeichnet.
I. __Die Abenteuer Gawains__.[39] SS. 19-44. -- (19) Nachdem Gawain
sich von Ywain und dem Morholt verabschiedet hatte, ritt er mit seiner
Jungfrau den ganzen Tag durch den Wald, ohne daß ihm etwas
Bemerkenswertes passiert wäre. Am Abend kehrten beide bei einem alten
_vavasour_ ein, der sie freundlich aufnahm. Als Gawain seinem Wirte
erzählte, daß er Abenteuer suchte, versprach dieser, ihm am nächsten
Tage in dem Walde ein Wunder zu zeigen, welches bisher noch niemand zu
erklären vermochte. Gawain wollte sogleich wissen, welcher Art das
Wunder wäre, aber sein Wirt erklärte, er müßte dasselbe erst sehen. Am
andern Morgen ritten Gawain, seine Jungfrau, sein Knappe und sein Wirt
zusammen in den Wald. Nachdem sie einen Hügel erklommen hatten, kamen
sie auf eine schöne Ebene, in deren Mitte, neben einer einzigen
prächtigen Ulme, ein Kreuz stand. "Hier laßt uns absteigen", sagte der
Wirt, "denn hier werdet ihr das Wunder sehen". Kaum waren alle drei
abgestiegen, so sahen sie zehn wohlbewaffnete Ritter auf die Ebene
kommen und in deren Mitte anhalten. "Bald wird ein einzelner Ritter
kommen", sagte der Wirt, "der wird diese zehn der Reihe nach aus dem
Sattel heben, und dann werdet ihr das Wunder sehen".
Kaum hatte der Wirt geendet, so erschien wirklich ein stattlicher
Ritter ohne alle Begleitung. (20) Im Vorbeireiten grüßte er Gawain und
die mit ihm waren, und Gawain wünschte ihm Ehre und Ruhm. Weinend
antwortete der Ritter: "Gott könnte deinen Wunsch erfüllen, aber er
tut es nicht, denn wie große Ehre ich auch gewinne, nachher habe ich
um so größere Schande; und das ist nicht wunderbar, denn von hier geht
keiner ohne Schande weg." Damit ritt der Ritter auf einen der zehn
los, warf ihn nicht nur aus dem Sattel, sondern brachte auch sein
Pferd zu Falle.
Hierauf tat er jedem der übrigen neun Ritter ein gleiches, ohne auch
nur einen einzigen beim ersten Angriff mit der Lanze zu verfehlen.
Gawain pries die Gewandtheit und Tapferkeit des Ritters und sagte,
einem solchen Manne könnte es nie an Ehre fehlen. Bald kamen die zehn
Ritter, umringten ihren Besieger, töteten sein Pferd, fesselten ihn,
banden ihn an den Schweif eines Pferdes und schleiften ihn mit sich
fort. Gawain war empört, als er dieses sah, und wollte dem
Mißhandelten zu Hilfe eilen, aber sein Wirt hielt ihn zurück und
sagte: "Du setzest dein Leben aufs Spiel ohne jede Möglichkeit, dem
Ritter zu helfen, bleibe hier und erwarte was noch weiter geschehen
wird."