Frankfurt und Paris

1848-1849

von

Friedrich von Raumer.

Erster Theil.

Leipzig:

F. A. Brockhaus.

1849.

Vorrede.

Die Schwierigkeit eine Geschichte der Gegenwart unparteiisch und

allseitig zu schreiben, ist mit Recht so oft hervorgehoben worden, daß

auch der Kühnste und durch seine Verhältnisse am meisten Begünstigte,

von solch einem Unternehmen abgeschreckt werden kann. Wer hingegen

Gelegenheit hat, einzelne Steine zu dem künftigen Bau einer allgemeinen

Geschichte darzubieten, ist behufs rascher Förderung der Wahrheit,

hiezu gewissermaßen verpflichtet.

Als einen solchen, wenn auch unwichtigen Beitrag, betrachte ich die

folgenden Briefe. Sehr Vieles ist als unanziehend aus denselben

weggelassen, nichts aber (mit Ausnahme einzelner Ausdrücke) geändert,

oder gar hintennach im Wesentlichen anders dargestellt worden. Denn

diese wohlfeile Weisheit eines vom Rathhause Kommenden hat gar keinen

Werth; wohl aber wird selbst der, unverhohlen mitgetheilte, Irrthum

lehrreich zur Erklärung der jedesmaligen (aber nach Maßgabe der

fortschreitenden Verhältnisse und Ereignisse natürlich wechselnden)

Eindrücke, Stimmungen und Beschlüsse. Wenn ich, dieser Rücksicht

halber, nicht alles scharf oder herbe Ausgedrückte milderte, oder

ganz abschwächte, so hoffe ich (sofern sich Jemand dadurch irgendwie

verletzt fühlen sollte) Entschuldigung zu finden.

Den Vorschlag: diese Briefsammlung erst nach vielen Jahren dem Publikum

vorzulegen, wies ich zurück. Sie würde bis dahin wesentlich an

Interesse verlieren und eine Berichtigung derselben, mit dem Ablaufe

der Zeit immer schwieriger werden.

Trotz aller Aufmerksamkeit sind manche Wiederholungen stehen geblieben;

eine Folge des Umstandes, daß alle diese Mittheilungen eigentlich nur

Variationen über dasselbe Thema sind.

Endlich hoffe ich, man werde es nicht als Eitelkeit bezeichnen, daß ein

Briefschreiber seine (in anderer Beziehung unbedeutende) Person oft

erwähnt und erwähnen muß.

=Berlin=, 15. August 1849.

Inhalt des ersten Theils.

=Erster Brief.= Seite

Berlin, im März 1848. 1

Den 14. Mai. 14

Den 17. Mai. 19

Den 20. Mai. 20

Den 21. Mai. 21

=Zweiter Brief.=

Frankfurt a. M., den 25. Mai. 22

Den 26. Mai. --

Den 27. Mai. 24

Den 28. Mai. --

=Dritter Brief.=

Frankfurt a. M., den 30. Mai. 28

=Vierter Brief.=

Frankfurt a. M., den 31. Mai. 33

Den 1. Junius. 35

=Fünfter Brief.=

Frankfurt a. M., den 2. Junius. 40

Den 3. Junius. 48

Den 4. Junius. 53

=Sechster Brief.=

Frankfurt a. M., den 5. Junius. 57

Den 6. Junius. 60

=Siebenter Brief.=

Frankfurt a. M., den 7. Junius. 62

Den 8. Junius. 65

=Achter Brief.=

Frankfurt a. M., den 9. Junius. 67

Den 10. Junius. 70

=Neunter Brief.=

Frankfurt a. M., den 11. Junius. 72

Den 12. Junius. 76

=Zehnter Brief.=

Frankfurt a. M., den 12. Junius. 77

Den 13. Junius. 79

Den 14. Junius. 83

=Eilfter Brief.=

Frankfurt a. M., den 14. Junius. 84

Den 15. Junius. 85

=Zwölfter Brief.=

Frankfurt a. M., den 15. Junius. 91

Den 16. Junius. 92

=Dreizehnter Brief.=

Frankfurt a. M., den 18. Junius. 96

=Vierzehnter Brief.=

Frankfurt a. M., den 18. Junius. 101

Den 19. Junius. 102

=Funfzehnter Brief.=

Frankfurt a. M., den 22. Junius. 110

=Sechzehnter Brief.=

Frankfurt a. M., den 23. Junius. 113

=Siebzehnter Brief.=

Frankfurt a. M., den 24. Junius. 118

=Achtzehnter Brief.=

Frankfurt a. M., den 25. Junius. 121

Den 26. Junius. 124

Den 27. Junius. 132

Den 28. Junius. 138

=Neunzehnter Brief.=

Frankfurt a. M., den 29. Junius. 144

Den 29. Junius Nachmittags. 148

=Zwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 30. Junius. 151

Den 1. Julius. 153

=Einundzwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 2. Julius. 156

=Zweiundzwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 4. Julius. 163

=Dreiundzwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 5. Julius. 168

Den 6. Julius. 170

=Vierundzwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 6. Julius. 173

Den 7. Julius. 175

Den 8. Julius. 177

=Fünfundzwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 8. Julius. 179

Den 9. Julius. 181

=Sechsundzwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 10. Julius. 184

Den 11. Julius. 188

=Siebenundzwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 12. Julius. 191

=Achtundzwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 13. Julius. 197

Den 14. Julius. 202

=Neunundzwanzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 15. Julius. 203

=Dreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 15. Julius. 209

Den 16. Julius. 211

=Einunddreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 17. Julius. 215

=Zweiunddreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 20. Julius. 222

=Dreiunddreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 21. Julius. 228

Den 22. Julius. 231

=Vierunddreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 22. Julius. 233

=Fünfunddreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 24. Julius. 235

=Sechsunddreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 26. Julius. 239

Den 27. Julius. 242

=Siebenunddreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 28. Julius. 246

Den 29. Julius. 247

=Achtunddreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 30. Julius. 251

=Neununddreißigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 31. Julius. 252

=Vierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 1. August. 254

=Einundvierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 1. August. 256

Den 2. August. 257

=Zweiundvierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 4. August. 260

Den 5. August. 261

=Dreiundvierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 5. August. 264

Den 6. August. 265

=Vierundvierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 7. August. 266

Den 8. August. 269

=Fünfundvierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 9. August. 273

=Sechsundvierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 10. August. 275

=Siebenundvierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 11. August. 279

Den 12. August. 280

=Achtundvierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 13. August. 282

Den 14. August. 282

Den 15. August. 283

=Neunundvierzigster Brief.=

Frankfurt a. M., den 16. August. 284

Den 19. August. 285

Den 20. August. 287

=Funfzigster Brief.=

Brüssel, den 23. August. 288

=Einundfunfzigster Brief.=

Paris, den 24. August. 290

Den 25. August. 292

=Zweiundfunfzigster Brief.=

Paris, den 26. August. 292

Den 27. August. 295

Den 27. August Mittags. 296

Den 27. August Abends. 297

Den 28. August. 300

=Dreiundfunfzigster Brief.=

Paris, den 29. August. 300

Den 29. August Nachmittags. 301

Den 30. August. 302

=Vierundfunfzigster Brief.=

Paris, den 31. August. 305

=Fünfundfunfzigster Brief.=

Paris, den 1. September. 310

Den 1. September Nachmittags. 311

Den 1. September Abends. 313

=Sechsundfunfzigster Brief.=

Paris, den 2. September. 314

Den 3. September. 316

=Siebenundfunfzigster Brief.=

Paris, den 4. September. 319

Den 5. September. 320

Den 6. September. 322

Den 7. September. 323

=Achtundfunfzigster Brief.=

Paris, den 8. September. 325

Den 8. September Nachmittags. 327

Den 9. September. 330

=Neunundfunfzigster Brief.=

Paris, den 10. September. 333

Den 11. September. 334

=Sechzigster Brief.=

Paris, den 12. September. 336

Den 13. September. 339

=Einundsechzigster Brief.=

Paris, den 14. September. 342

=Zweiundsechzigster Brief.=

Paris, den 15. September. 345

Den 15. September Mittags. 346

=Dreiundsechzigster Brief.=

Paris, den 16. September. 348

Den 16. September Nachmittags. 353

Den 17. September. 354

=Vierundsechzigster Brief.=

Paris, den 18. September. 356

Den 19. September. 359

=Fünfundsechzigster Brief.=

Paris, den 20. September. 360

Den 21. September. 361

Den 22. September. 363

=Sechsundsechzigster Brief.=

Paris, den 23. September. 367

=Siebenundsechzigster Brief.=

Paris, den 25. September. 373

Den 26. September. 377

Den 26. September Mittags. 379

Den 27. September. 380

=Achtundsechzigster Brief.=

Paris, den 28. September. 385

Den 29. September. 385

Den 30. September. 388

Den 1. October. 389

Den 2. October. 390

Den 3. October. 392

Den 4. October. 396

=Neunundsechzigster Brief.=

Paris, den 5. October. 400

Den 6. October. 401

Den 7. October. 402

Den 8. October. 407

=Siebzigster Brief.=

Paris, den 9. October. 409

Den 10. October. 414

Den 11. October. 418

=Einundsiebzigster Brief.=

Paris, den 12. October. 422

Erster Brief.

Berlin, im März 1848.

Aus den Zeitungen werdet Ihr vollständige Kunde von den furchtbaren

Ereignissen dieser Tage bekommen. Ich will nur einige allgemeine

Andeutungen geben, meist mich aber an Das halten +was ich selbst

sah+, und was sich (Eurer Theilnahme bin ich gewiß) auf +mich

selbst+ bezieht.

Schon vor den pariser und den sich daran reihenden deutschen

Ereignissen hatte sich hier die Mißstimmung sehr gesteigert, und Viele

hegten die Überzeugung: „die Regierung könne mit den bisher wirksamen

Personen und in der bisherigen Weise und Richtung, unmöglich mehr lange

geführt werden. Die Behandlung der auswärtigen Angelegenheiten, die

kirchliche (unter dem Namen neuer größerer Freiheit geübte) Willkür,

die endlose Beaufsichtigung der Schulen und Universitäten, die

Anstellung einseitiger, die Entlassung würdiger Männer u. s. w. u. s.

w. regten täglich mehr auf, und die Berufung des Landtages ward täglich

lauter und dringender gefordert. „Die Ausschüsse (das ergab sich immer

deutlicher) konnten und sollten ihn nicht ersetzen. Wenn sich die

Stadt (in Bezug auf Das, was der König bei Entlassung der Ausschüsse

sagte) dankend ausspreche, so könne man (dies hoffte ich) Wünsche und

Bitten am besten daran anreihen. Ich entwarf zu diesem Zwecke folgende

Erklärung:

„Die königliche Bewilligung einer regelmäßigen Wiederkehr, oder

Wiederberufung des allgemeinen Landtages, und die Bestätigung der sehr

wichtigen Vorschläge zur Vervollkommnung des preußischen Staatsrechtes,

ist ein höchst folgenreiches, beglückendes Ereigniß; -- ein Ereigniß,

welches finstere Besorgnisse verscheucht, Hoffnungen erfüllt, oder

ihre Erfüllung bestimmt in Aussicht stellt, und die Einigkeit zwischen

Herrscher und Volk (ohne welche jeder Staat zu Grunde geht) aufs Neue

bekräftigt.

„Deshalb erlaube ich mir den Antrag: daß die Stadtbehörden Seiner

königlichen Majestät durch eine Schrift, oder Botschaft, den innigen

Dank darlegen, zu welchem uns gleichmäßig Kopf und Herz antreiben, und

dabei nochmals mit Nachdruck aussprechen mögen: Berlin, die Hauptstadt

des Reiches, werde in Unglück und Gefahr, (wie in Zeiten des Glücks

und der Ruhe) mit unwandelbarer Treue und dem Aufwande aller Kräfte

ihre ehrenvollen Pflichten erfüllen, von der Bahn des gesetzlichen

Rechtes niemals abweichen, und die persönliche Anhänglichkeit an

Seine Majestät den König und das königliche Haus, (ohne welche dem

Staatsrechte einer Monarchie die höchste Verklärung fehlt) wie ein

Heiligthum festhalten und bewahren.

Berlin, den 6. März 1848, Abends.

v. Raumer.“

* * * * *

Diese Erklärung hatte ich dem Vorsteher der Stadtverordneten bereits

zum Vortrage übergeben, als ich mich überzeugte: die Mißstimmung über

das angeblich Ungenügende der Bewilligungen sei bereits so gestiegen,

daß der Antrag, Dank auszusprechen, nur Vorwürfe gegen den König

hervorrufen würde. Ich nahm deshalb jenen Antrag zurück, schrieb jedoch

dem -- (mit Bezug auf frühere Gespräche): es sei zu befürchten, daß die

Versammlung der Stadtverordneten zu +mächtig+ werde; aber noch

ungleich gefährlicher, wenn sie (sehr wahrscheinlich) +ohnmächtig

werde+, und die Entscheidung in schlechtere Hände gerathe.

Die immer dringender werdenden Verhältnisse veranlaßten mich, (nach

Abhaltung der ersten Versammlung in den Zelten) Folgendes an -- zu

schreiben:

„Den Vorschlag, heute in der Stadtverordnetenversammlung ein

Dankschreiben an Se. Maj. den König zu beschließen, hat man

aufgeben müssen, um nicht Widersprüche und unangenehme Erörterungen

hervorzurufen. Nach Dem was sich hier und in andern Städten der

Monarchie vorbereitet und in dem ganzen übrigen Deutschland bereits

geschehen ist, hat es gar keinen Zweifel, daß eine ganze Reihe von

Forderungen an die Stadtverordneten gelangen, und zu einer (vielleicht

einstimmigen) Bitte um +eilige+ Berufung des vereinigten Landtages

führen wird. Dies ist der +mildeste+ Ausweg um jene Forderungen in

den Weg +besonnener, gesetzlicher+ Berathung zu leiten.

„Wenn Se. Maj. der König sich hierüber aus +eigener+ Macht ausspricht

und dem Magistrate und den Stadtverordneten eine beim Anfange

der Sitzung zu eröffnende Kabinetsordre zuschickt, so wird ihm

unermeßlicher Dank zu Theil, es wird die Begeisterung im Innern und

gegen das Ausland aufs Höchste steigen; er ist -- wie es sein soll --

der +Leit-+ und +Polarstern+ für +Alle+. Geschieht das +Unvermeidliche+

auch nur um einige Stunden zu spät, so verwandelt sich der glänzende

Sieg in eine unglückselige Niederlage, und ganz andere Personen

werden die Lorberen für sich in Anspruch nehmen. Möchten nicht kleine,

förmliche, die Wichtigkeit des Augenblicks verkennende Seelen, durch

unentschlossenen Rath, Alles den Händen des Königs entschlüpfen lassen.

„Verzeihen Sie, wenn ich mich in dieser ungewöhnlichen und vielleicht

ungebührlichen Weise ausspreche; meine Liebe zu König und Vaterland

und meine Kenntniß vaterländischer Angelegenheiten, verbot mir da zu

schweigen, wo Kopf und Herz zu reden befehlen.

Briefe aus Frankfurt und Paris 1848-1849 (1/2) · 第 5 / 15 题