Holder. Sezzen Sie sich, meine Herrn.
Duur. In einer Viertelstunde reise ich mit Ihnen, belieben Sie indessen
einige Erfrischungen anzunehmen.
Ein Offizier. Wir danken Ihnen unterthänigst.
Ein Andrer. Sie verzeihn es uns, daß wir Sie, Herr Kammerherr, so schnell
und so früh aus den Armen Ihrer Freunde entführen.
Holder. (kalt) In vier Wochen wird uns der Herr Graf wieder besuchen
können.
Die _Offiziere_ tranken, _Holder_ und _Duur_ schwazten mit ihnen von
Neuigkeiten aus der Residenz. -- Die Viertelstunde war bald verflogen und
dem _Grafen_ immer weher ums Herz. _Badner_ trat endlich reisefertig herein
und bedeutete daß alles zum Abmarsch bereit wäre.
»Nun denn, meine Herrn!« sagte _Duur_ zu den _Offizieren_ und stand auf:
»wenn es Ihnen gefällt: so lassen Sie uns aufbrechen!« die Offiziere
entfernten sich.
Bebend wandte er sich zu _Holdern_, der vergebens seine Bestürzung
verbergen wollte.
Florentin. Nun _Holder_?
Holder. (gerührt) Mein _Florentin_.
Florentin. Weißt Du, wohin ich gehe?
Holder. Wohin, Bruder?
Florentin. Zum Tode.
Holder. (erstarrend) Bruder!
Florentin. Zum Tode!
Holder. Ists gewis?
Florentin. Unvermeidlich gewis. -- Jezt ist dem Herzog alles offenbar, und
ich bin seiner Rache Gegenstand.
Holder. Das ist schreklich!
Florentin. Kannst Du -- kannst Du mich noch retten?
Holder. Ich -- kann es nicht.
Florentin. Kannst Du mich noch retten.
Holder. Ich kann es nicht. Allein wir werden uns wiedersehn!
Florentin. Nach dem Tode?
Holder. Ja, in Deutschland über zweihundert Jahren! -- verlangst Dus noch
daß ich meinen Eid Dir halte? verlangst Du noch einmal ein Erdenleben zu
leben?
Florentin. Wunderbarer! Schwärmer!
Holder. Bei Gott, ich schwärme nicht!