Zweiter Abschnitt.
Erstes Kapitel.
Auch Prinzessinnen haben Herzen.
Die Schwester des Herzog _Adolf_, an dessen Hofe sich _Florentin von Duur_
befand, war ein schön gebautes, reizendes Frauenzimmer. Neunzehn Frühlinge
blühten kaum auf ihren Wangen; sie war feurigen, schwärmerischen
Temperaments; liebte gern und sah sich gern wieder geliebt und angebetet.
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_Florentin_ war kaum am Hofe erschienen, als seine vorzügliche empfehlende
Gestalt die Damen aufmerksamer machte. Prinzessin _Louise_, so hieß des
Herzogs Schwester, sah ihn zum erstenmale auf einem Balle, welchen ihr
Bruder gab; der _Herzog_ unterhielt sich oft mit ihm, dies war genug ihm
allenthalben Kredit zu gewinnen, -- auch bei der _Prinzessin_. Durch ein
beabsichtetes Ohngefähr kam sie ihm näher; sie fächelte sich mit einem
seidnen Tuche, lies ihn von ohngefähr fallen, der _junge Graf_ hob ihn auf,
überreichte ihn, und der _Herzog_ nahm Gelegenheit der _Prinzessin_ seinen
_Kammerherrn_ vorzustellen.
_Louise_ erlaubte dem _Grafen_ einen Handkus, und sie war so gnädig, doch
nur wie durch ein Ohngefähr, _Florentins_ Fingerspizzen zu drükken.
_Florentin_ empfand die Allgewalt dieser schönen Ohngefährs; eine liebliche
Röthe ergos sich über sein Gesicht; er blikte der _Prinzessin_ schüchtern
in die Augen, und _sie_ entfernte sich, ohne aber der Röthe des jungen
Mannes, und des Blikkes zu vergessen.
Man ist am Hofe nicht immer so glüklich, als im bürgerlichen Leben, wo man
seinen Mann zu sehen öftere Gelegenheiten findet. Die _Prinzessin_ fühlte
diesen Mangel nur zu sehr, und ihn einigermaaßen zu vergüten, erlaubte sie
ihrer Fantasie jede verliebte Ausschweifung.
Kein Wunder also, wenn der schöne _Florentin_ ihr zuweilen in Träumen vor
die Augen trat, sie da ihres fürstlichen Ranges vergaß, einen blühenden
Jüngling an ihren liebevollen Busen drükte, und eine Wollust ahndete,
welche kein Traum ihr gewähren konnte.
»Nicht wahr, liebe Auguste,« sagte sie an einem Morgen zum _Fräulein von
Gülden_, ihrer Kammerdame und Favorite: »nicht wahr, du hast auch schon
geliebt?«
Frl. v. Gülden. (sanft erröthend) Ich geliebt?
Louise. Warum nicht? -- du unschuldige Seele wirst ja so roth? Gewiß du
hast auch schon geliebt!
Frl. v. Gülden. Ich bitte um Verzeihung, noch nicht!
Louise. Hi, hi, hi! noch nicht? o, Kind, man erräth, daß du noch nicht
lange am Hofe gewesen bist, denn du weißt dich herzlich schlecht zu
verstellen.
Frl. v. Gülden. Warum sollt ich mich verstellen? gegen _Sie_ verstellen?
Louise. Da thust du Recht, liebes Mädchen. Allein offenherzig, hast du --
-- oder -- oder du liebst vielleicht izt.