würde den Bauern ebenso gedient haben, wie dem übrigen arbeitenden
Volke,« versetzte Forest. »Die Bauern hätten einen Nationalverein
bilden und dieser hätte die Produktion regeln sollen nach der
Leistungsfähigkeit der Ackergüter des ganzen Landes. Und wenn es
sich herausstellte, daß die Farmer ungleich mehr Ackerbauerzeugnisse
hervorbringen konnten, als der Bedarf erforderte, dann hätten die Bauern
einen Teil ihres Landes zum Anbau neuer Nutzpflanzen verwenden können,
für welche sich vielleicht ein Markt gefunden hätte; oder sie hätten
einfach Arbeit sparen können, indem sie einen Teil des Bodens brach
liegen ließen.«
»Nach Ihrer Ordnung der Dinge hätte nicht jedermann ein Anrecht an den
Grund und Boden gehabt?« warf ich ein.
»Doch! Jedermann, welcher den Preis zahlen wollte und konnte, den der
Eigentümer dafür forderte,« entgegnete Forest. »Es kann nicht jedermann
ein Landgut besitzen. Besaßen Sie eins?«
»Nein.«
»Nun wohl! Unter der kommunistischen Wirtschaft besitzt niemand auch nur
so viel Land, daß man einen Stock hinein stecken könnte.«
»Wie würden Sie die Thätigkeit der Ärzte und Rechtsanwälte geregelt
haben?«
»Durch gesetzmäßige Feststellung einer Gebührentaxe. Und die Gesetze
selbst würde ich sehr vereinfacht haben durch Beseitigung des
schauderhaften Wirrwarrs, welcher aus einer sogenannten Rechtspflege
entstand, die aus der Entscheidung zahlloser früherer Fälle hergeleitet
wurde. Lange habe ich es nicht glauben wollen, bis ich ganz
unzweifelhafte Angaben darüber fand, daß eine so viel Handel treibende
Nation, wie die amerikanische es gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts
war, weder ein einheitliches Kriminalgesetz, noch ein einheitliches
Handelsgesetz besaß. Diese Thatsache und der Wirrwarr, welcher aus den
einander widersprechenden Entscheidungen ähnlicher Fälle in früheren
Prozessen folgte (Entscheidungen, welche stets von den Rechtsanwälten
beider Parteien in einem Rechtsstreite vorgeführt werden konnten),
müssen die Ver. Staaten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts zu einem
Paradiese für Schwindler und für solche Advokaten gemacht haben, welchen
es weniger um die Feststellung des Rechts zu thun war, als um einen
möglichst hohen »Ehrensold«; oder, besser gesagt, Sündenlohn.«
»Solche Anklagen wurden zu meiner Zeit vielfach gegen die Rechtspflege
und gegen die Rechtsanwälte erhoben,« schaltete ich ein. »Aber nun
sagen Sie mir, was Sie mit den Angestellten der Eisenbahn- und
Telegraphenlinien gethan hätten; mit ....«
»Fragen Sie gefälligst etwas langsamer,« ersuchte mich Herr Forest.
»Ich würde alle Eisenbahn- und Telegraphenlinien des Landes zu einem
angemessenen Preise aufgekauft und Bundesschuldscheine zur Bezahlung
ausgegeben haben. Die Einnahmen der Eisenbahnen- und Telegraphenlinien
würde ich zur Zahlung der laufenden Ausgaben und zur Verzinsung
der ausgegebenen Schuldscheine benutzt haben, die Überschüsse im
Bundesschatzamte aber zur Bezahlung der ausgegebenen Bonds.«
»Mir scheint, als stände dieser Vorschlag im Widerspruche mit dem, was
Sie in Bezug auf die schauderhaften Zustände sagten, die eine Folge der
Ansammlung zu großer Macht in den Händen der Regierung sein sollen,«
fragte ich.
»Nein,« antwortete Forest. »Zur Herbeiführung solcher Zustände, wie die
jetzigen, wären die Eisenbahn- und Telegraphenämter nicht zahlreich
genug, abgesehen davon, daß #jetzt# alle Arbeiter von der Regierung
ganz abhängig sind, keine Stimme bei der Erwählung der Beamten haben,
und ihre Arbeitgeber nicht wechseln können, weil der Staat der einzige
Arbeitgeber ist; während zu Ihrer Zeit alle Beamten das Wahlrecht
hatten und ihre Stellungen mit andern vertauschen konnten, wenn sie
unzufrieden wurden. Auch erinnere ich mich, daß man zu Ihrer Zeit mit
der Reformierung des Beamtenwesens begonnen hatte. Ich habe darüber
widersprechende Urteile gelesen. In manchen Aufsätzen wurde behauptet,
daß die Sicherheit der republikanischen Einrichtungen einen häufigen
Wechsel der Beamten erfordere; während in andern Schichten diese Ansicht
als lächerlich verspottet wurde. Jeder vernünftige Mensch würde einen
Mann, der ihm treu und umsichtig diene, so lange wie möglich behalten.
Das Volk solle dasselbe thun, und seine Angestellten so lange behalten,
wie sie ihre Schuldigkeit thäten; gleichviel welcher politischen Partei
sie angehörten. Nur dadurch könnte eine gute Verwaltung der öffentlichen
Angelegenheiten erzielt werden. Ich entsinne mich gelesen zu haben,
daß Briefträger und andere im Postdienst Angestellte nicht entlassen
werden durften, wenn man ihnen keine Pflichtverletzung nachweisen
konnte. Wenn diese Grundsätze auf alle Angestellten des Eisenbahn-
und Telegraphenwesens angewendet worden wären, von dem Augenblick an,
da diese Einrichtungen in die Verwaltung der Ver. Staaten übergingen;
wenn alle Angestellten mit denselben Gehältern, die sie früher bezogen,
beibehalten worden wären, so lange sie ihre Schuldigkeit thaten, so
hätte die Übernahme des Eisenbahn- und Telegraphenwesens und die
Vereinigung dieser beiden Verkehrsanstalten mit dem Postdienste
nur geringe Schwierigkeiten veranlaßt. »Uncle Sam« hätte natürlich
ebenso gute, wenn nicht bessere Gehalte zahlen können, als die
Aktiengesellschaften, welche früher den Eisenbahn- und Telegraphendienst
leiteten.«
»Das klingt ganz annehmbar.«
»Und es ist annehmbar. Deutschland hatte mit der Vereinigung des
Post-, Eisenbahn- und Telegraphendienstes unter Staatsleitung bereits
eine erfolgreiche Probe zu der Zeit gemacht, da man 1887 schrieb.
-- Es ist in der That höchst bemerkenswert, daß ein so weltkluges,
thatkräftiges und handeltreibendes Volk, wie das der Ver. Staaten am
Ende des neunzehnten Jahrhunderts, die Hauptverkehrsmittel in den Händen
von Körperschaften ließ, welche dieselben natürlich zu dem Zwecke
verwalteten, möglichst großen Gewinn herauszuwirtschaften; mitunter auch
einen Nebengewinn für einen Direktorenring.«
»In manchen Geschichtswerken Ihrer Zeit,« fuhr Forest fort, »begegnet
man Äußerungen des Erstaunens und des Zorns darüber, daß im vierzehnten
und fünfzehnten Jahrhundert in manchen europäischen Ländern sogenannte
Raubritter ihr Unwesen treiben durften. Diese Biedermänner hielten die
unter ihren Schlössern vorbeiziehenden Kaufleute und Reisenden an,
forderten einen Zoll und lieferten ihnen unter Umständen dafür Schutz
innerhalb gewisser Grenzen. Dies waren die »Geschäftsgrundsätze« der
»anständigen« Raubritter. Die »unanständigen« plünderten die Reisenden
einfach aus, unterschieden sich also in keiner Weise von gewöhnlichen
Straßenräubern. Wir haben es hier nur mit den Rittern zu thun, welche
für die Benutzung der über ihr Gebiet führenden Straßen eigenmächtig
einen Zoll erhoben. Diese Herren wagten ihre gesunden Gliedmaßen, ja ihr
Leben an die Eintreibung eines Wegezolles; denn die Kaufleute wußten
mit Schwert und Lanze umzugehen, hatten oft bewaffnete Knechte mit sich
und leisteten häufig erfolgreichen Widerstand. Mehr als ein Ritter fiel
bei seinem Versuche, Zoll zu erheben, im Kampf auf der Landstraße,
manches »Raubschloß«, dessen Insassen den benachbarten Städten besonders
beschwerlich geworden waren, wurde von den Bürgern gestürmt, und
der Herr Raubritter büßte seine Gelüste nach Zöllen mit dem Tode.
Anders war es zu Ihrer Zeit. Die Herren, welche damals Zölle von den
Reisenden und von den Waren erhoben, die über die Hauptverkehrsstraßen
befördert wurden, konnten das ohne alle Gefahr thun. Sie durften diese
Zölle auch fast nach Belieben steigern. Alles, was sie zu diesem
Zweck zu thun hatten, war die Veranstaltung einer Zusammenkunft der
Eisenbahnpräsidenten da oder dort und die Annahme des Beschlusses,
daß sie die Preise für die Beförderung von Reisenden und Frachtgütern
erhöhen wollten. Solche Zusammenkünfte hatten nur dann üble Folgen, wenn
der Champagner schlecht war, welcher bei diesen Gelegenheiten getrunken
wurde. Es war ein fast lächerlicher Zustand, daß ein handeltreibendes
Volk den gesamten riesigen Personen- und Frachtverkehr des Landes der
Willkür von Dividenden machenden Gesellschaften preisgab, und es legt
ein gutes Zeugnis für das Billigkeitsgefühl der Eisenbahnbeherrscher
im Jahre 1887 ab, daß dieselben das Volk so gut behandelten, wie
es geschah; da sie ja eigentlich thun und lassen konnte, was ihnen
beliebte.«
»Die Gas- und Wasserwerke, sowie die Straßenbahnlinien hätten Sie
vermutlich unter die Leitung der Stadtverwaltungen gestellt,« fragte
ich.
»Allerdings,« antwortete Forest. »Aber ehe ich mich mit städtischen
Angelegenheiten befaßt hätte, würde ich unter die Bundesverwaltung
auch noch diejenigen Wald- und Bergwerksländereien gestellt haben,
welche damals den Ver. Staaten noch gehörten, d. h. ich würde eine
geordnete Forst- und Bergwerkswirtschaft eingeführt haben. Wenn das Volk
der Ver. Staaten einigermaßen vernünftig mit den ungeheuren Wäldern
gewirtschaftet hätte, welche früher weite Gebiete dieses großen Landes
bedeckten, so würden wir jetzt, im Jahre 2000, nicht an Holzmangel
leiden.«
»Was würden Sie mit den Bankiers und mit den Kaufleuten angefangen
haben?«
»Nichts,« entgegnete Forest. »Die zahlreichen Produktivgenossenschaften
hätten nicht nur Männer gebraucht, welche den Betrieb der Fabrik leiten
konnten, sondern auch Geschäftsführer und Buchhalter. Denn die Arbeiter
würden sehr bald die Entdeckung gemacht haben, daß die Handarbeit allein
nicht genügt, um ein großes Unternehmen mit Erfolg und zum Nutzen aller
Beteiligten zu betreiben. Als Geschäftsleiter und Buchhalter hätten
viele Bankiers und Buchführer wieder Anstellung gefunden. Die Eigentümer
von Läden aller Art hätten, falls von den Produktivgenossenschaften
Verbrauchsvereine begründet worden wären, die alle Waren hielten, wie
zu Ihrer Zeit die sogenannten »Country Stores«, sehr leicht Anstellung
finden können, nachdem sie ihren Warenvorrat verkauft hatten.«
»Ich glaube, daß unter Ihrem System alle Läden gezwungen worden wären,
ihre Thüren zu schließen,« bemerkte ich. »Denn die verschiedenen
Gewerkschaften hätten ganz sicher eigne Läden eingerichtet, alle Waren
im großen gekauft und den Mitgliedern der Genossenschaften mit kleinem
Gewinn wieder verkauft. Mit solchen Geschäften hätten die Kaufleute
natürlich nicht konkurrieren können. Diejenigen Ladenbesitzer, welche
nicht imstande gewesen wären, Anstellungen in den Geschäften der
Genossenschaften zu erlangen, hätten sich nach anderer Arbeit umsehen
müssen -- für viele derselben ein hartes Los!«
»Der Übergang von dem Betrieb der Industrie auf Rechnung einzelner Leute
oder Aktiengesellschaften zu dem Betrieb durch Produktivgenossenschaften
wäre sicher kein plötzlicher gewesen, sondern allmählich geschehen,«
erklärte Forest. »Dadurch hätten die Kaufleute vielleicht dreißig oder
fünfzig Jahre Zeit gefunden, sich in die neue Ordnung der Dinge zu
schicken. Ihre Kinder hätten sich, anstatt Kaufleute zu werden, den
Gewerkschaften anschließen können. Außerdem liegt kein Grund zu der
Annahme vor, daß aller kaufmännischen Thätigkeit einzelner durch die
Läden der Verbrauchsgenossenschaften ein Ende gemacht werden müßte. Die
Billigkeit einer Ware allein sichert ihr nicht unter allen Umständen
die Käufer. Der Geschmack beim Einkaufe hat sehr viel damit zu thun und
viele Leute zahlen lieber für einen Gegenstand, der ihnen gefällt, etwas
mehr, als für einen andern, der eben so zweckentsprechend, aber nicht
so hübsch ist. Deshalb hätten Kaufleute, die beim Einkauf ihrer Waren
feinen Geschmack entwickelten, immer auf Kundschaft zählen können, allen
Genossenschaftsläden zum Trotz. -- Auch in vielen Landbezirken hätten
sich Läden einzelner Kaufleute wohl halten können.«
»Sie sagten, Sie würden ein Bundesgesetz erlassen haben, demzufolge
niemand mehr als 40 Äcker Land besitzen sollte,« sagte ich. »Hätten Sie
auch das Recht der Städter auf Besitz von Grundeigentum beschränkt?«
»Der Besitz eines Hauses hätte jeden billig denkenden Menschen
befriedigen sollen,« entgegnete Forest. »Niemand kann in Abrede
stellen, daß die Ansammlung von Reichtümern, die sich in die Millionen
beliefen, in den Händen einzelner, während andererseits viele nicht die
nötigsten Lebensbedürfnisse hatten, diesem verdammenswerten Kommunismus
vorarbeitete, ihn ermöglichte.«
»Wie hätten Sie aber die Ansammlung von großen Reichtümern verhindern
wollen?« fragte ich neugierig.
»Durch Änderung des Steuerwesens,« antwortete Forest. »An Stelle mancher
Steuern, welche Sie erhoben, und welche großenteils den Unbemittelten
mehr belasteten als den Reichen, hätte ich eine Erbschaftssteuer
eingeführt, die zur Aufrechterhaltung der Bundes-, Staats- und
Gemeinderegierungen beigetragen hätte. Ich würde eine Steuer von einem
Prozent auf jede Erbschaft vorgeschlagen haben, welche jemandem zufiel
und sich auf nicht mehr als 10 000 Dollars belief. Eine Erbschaft von
20 000 Dollars würde ich mit zwei Prozent besteuert haben, 30 000
Dollars mit drei Prozent, 100 000 Dollars mit zehn Prozent, 200 000
Dollars mit zwanzig Prozent, 500 000 Dollars mit fünfzig Prozent. Hätte
jemand ein so großes Vermögen hinterlassen, daß auf jeden Erben mehr als
500 000 Dollars (d. h. nach Abzug der Erbschaftssteuer 250 000 Dollars)
entfallen wären, so würde der Überschuß als ein Erbteil der Menschheit
angesehen zur Bestreitung der Bundes-, Staats- und Gemeindeausgaben
verwendet worden sein.«
»Würde ein solches Gesetz nicht als ein Abkühlungsmittel auf den
Unternehmungsgeist gewirkt und den Wettbewerb gelähmt haben, den Sie
stets als den Urquell alles menschlichen Fortschritts preisen?« fragte
ich.
»Es hätte nur die Ansammlung ungeheurer Vermögen verhindert und den
Wettbewerb nicht gehindert, sondern im Gegenteile geschützt,« gab Forest
zur Antwort. »Leute, welche zwanzig, oder fünfzig Millionen Dollars
besaßen und diese großen Geldmittel rücksichtslos im »Kampfe um das
Dasein« verwendeten, waren gefährlicher, als Diebe und Einbrecher.
Sie konnten jede Konkurrenz weniger bemittelter Bewerber vernichten
und oft bedienten sie sich erbarmungslos ihrer Macht. Sie traten den
Wettbewerb tot, vermehrten ihre Millionen und bahnten dem fluchwürdigen
Kommunismus den Weg. War es nicht ein großes Unrecht, daß ein Mensch,
welcher durch allerlei Mittel ein großes Vermögen angesammelt hatte,
dieses unverkürzt einem Sohne hinterlassen konnte, letzteren in den
Stand setzend, die Abschlachtung der Konkurrenten und die Vermehrung
der Millionen fortzusetzen? Was konnte der tüchtigste Mensch in vielen
Berufszweigen erzielen, wenn er auf einen anderen Menschen stieß, der
vielleicht geringere Fähigkeiten, aber viel Geld und kein Gewissen besaß
und seine Millionen in der rücksichtslosesten Weise zum Verderben seiner
Konkurrenten benützte. -- Nein! Reiche Eltern mögen immer für ihre
Kinder ein ansehnliches Vermögen hinterlassen, welches ihre Lieblinge
gegen Nahrungssorgen sicher stellt; aber sie sollten ihre Kinder nicht
in den Stand setzen, die Kinder ärmerer Eltern im Kampfe ums Dasein an
die Wand zu drücken und im Wettbewerb töten.«
»Eine solche Erbschaftssteuer würde in meiner Zeit erbitterten
Widerstand gefunden haben,« bemerkte ich.
»Wohl möglich,« entgegnete Forest. »Wahrscheinlich hätten jene
kurzsichtigen Millionäre, welche durch ihr Treiben den Kommunismus
heraufbeschworen, Einwand dagegen erhoben. Ich bin nichts destoweniger
der Meinung, daß solch ein Gesetz nicht nur der Menschheit im
allgemeinen, sondern auch den Kindern der Millionäre genützt haben
würde. Nur ein Gesetz dieser Art, welches die Zertrümmerung der
Riesenvermögen bewirkt haben würde, hätte den Ansturm des Kommunismus
und der Anarchie zurückwerfen können. Jemand, der 250 000 Dollars
erbte, hätte mit dieser Summe wohl zufrieden sein und den Überschuß der
Erbschaft dem Gemeinwesen willig abgeben können. Durch Aufopferung eines
Teiles der Erbschaft hätten die Erben jener Riesenvermögen den Rest
gerettet und den Kommunismus geschwächt. Außerdem erscheint es mir sehr
zweifelhaft, daß der Besitz großer Reichtümer deren Eigentümer gut, oder
glücklich machte.«
»Wenn im Jahre 1887 in den Ver. Staaten ein solches Gesetz erlassen
worden wäre, würden die meisten Millionäre ihren Besitz zu Gelde
gemacht haben und nach Europa ausgewandert sein,« wendete ich den
Auseinandersetzungen Forests gegenüber ein.
Dieser erwiderte: »Das glaube ich auch. Aber derjenige, der einen
großen Besitz antritt, den er nicht erworben hat, kann sehr wohl eine
hohe Abgabe an die Gemeinde entrichten und die durch eine derartige
Erbschaftssteuer bewirkte Zerstücklung der großen Vermögen hätte den
kommunistischen Wühlereien die Spitze abgebrochen. Selbstverständlich
hätte eine solche Steuer nach vorangegangenen internationalen
Verhandlungen in allen größeren Kulturstaaten gleichzeitig eingeführt
werden müssen.«
»Die Versuchung, die hohe Abgabe zu vermeiden, würde sehr groß gewesen
sein,« machte ich geltend. »Viele Leute würden es versucht haben, die
Steuer teilweise zu umgehen, indem sie die Erbschaften den Behörden
gegenüber kleiner angaben, als sie wirklich waren; oder indem sie schon
bei Lebzeiten ihren Kindern und Verwandten einen Teil der Erbschaft
schenkten.«
»Der Versuch der Steuerbetrügerei hätte mit Wegnahme des gesamten
Eigentums bestraft werden können,« sagte Forest, »die Geschenke dagegen
hätten ebenso besteuert werden können, wie die Erbschaften. Angesichts
der Gerechtigkeit und der wohlthätigen Wirkungen eines solchen Gesetzes
hätte man einige Beschwerlichkeiten in der Durchführung schon mit in
den Kauf nehmen können; zumal diese Schwierigkeiten sich nur anfangs
schroff geltend gemacht haben würden. Sobald der Betrieb der Eisenbahn-
und Telegraphenlinien an die Ver. Staaten, der Betrieb der Industrie
und der Handel mit Lebensbedürfnissen dagegen an die Genossenschaften
übergegangen wäre, würden Vermögen im Betrage von 50 oder 100 Millionen
Dollars zu den gewesenen Dingen gehört haben; denn alle diese
Einrichtungen hätten ebenso wohl der Verarmung wie der Anhäufung großer
Reichtümer entgegen gewirkt. Die Zahl der Agenten und Zwischenhändler
würde bedeutend vermindert worden sein, jeder Mann wäre zu einer
nutzbringenden Thätigkeit ermutigt worden und würde einen Lohn empfangen
haben, welcher der Güte und Menge seiner Leistungen entsprochen hätte.«
»Würden nicht solche Cliquen und Sippen sich gebildet haben, wie
diejenigen, welche nach Ihrer Behauptung Ihre Regierung beeinflussen?«
fragte ich. »Und würden diese Sippen nicht die Leitung der Fabrikations-
und Verbrauchsgenossenschaften an sich gerissen haben? Hätten nicht
Cliquen den guten Arbeiter zu gering, den begünstigten schlechten
Arbeiter zu hoch bezahlen können?«
»Solche Fälle hätten wohl eintreten können, würden aber zur Folge gehabt
haben, daß die tüchtigen Arbeiter eine Genossenschaft verlassen hätten,
in welcher sie zu Gunsten der Faulenzer und Pfuscher betrogen wurden.
Sie hätten leicht Aufnahme in einer andern Genossenschaft gefunden;
denn gute Arbeiter werden überall da gewürdigt, wo der Wettbewerb
herrscht. Dagegen würde eine Genossenschaft, welche ihre tüchtigsten
Arbeiter vertrieben hätte, in ihren Leistungen zurückgegangen und
unfähig geworden sein, den Wettbewerb ferner auszuhalten. Derartige
Schwierigkeiten würden sich also sehr leicht ausgeglichen haben.«
»Natürlich müssen Sie auf Gegenseitigkeit beruhende
Versicherungsgesellschaften unter den Berufsgenossenschaften
befürworten, Gesellschaften, welche alle Beteiligten gegen Unfälle,
Krankheiten, Arbeitsunfähigkeit jeder Art sicher stellten und in einem
gewissen Alter eine Pension gewährten,« sagte ich. »Und wahrscheinlich
würden diese Versicherungsgesellschaften auch Feuer- und Lebenspolicen
ausgestellt haben.«
»Dies würde allerdings eine Folge des Systems gewesen sein, welches
die wenigen Vorteile, die der Kommunismus bietet, mit den Wohlthaten
vereint, die aus dem Wettbewerbe erwachsen,« antwortete Forest.
»Würden Sie die Einwanderung ermutigt haben?« fragte ich weiter. »Am
Ende des neunzehnten Jahrhunderts waren viele ehrliche, wohlmeinende,
durchaus nicht engherzige Leute, die niemand des Fremdenhasses
beschuldigen durfte, der Ansicht, daß die Ver. Staaten alle fremden
Elemente aufgenommen hätten, welche sie allenfalls verdauen konnten
und daß der Rest der Bundesländereien für die Kinder der Bewohner
der Ver. Staaten aufgehoben werden sollte. Die Abneigung gegen
weitere Einwanderung war großenteils durch die deutschen und irischen
'Dynamiteriche' verschuldet worden.«
»Ich kann mir vorstellen,« entgegnete Forest, »daß manche Sitten und
Schrullen der Einwanderer Ihrer Zeit den eingeborenen Amerikanern
anstößig erschienen, und daß die Verbrechen der Dynamitwüteriche gegen
die Gesetze des Landes, das sie gastfrei aufgenommen hatte, eine tiefe
Entrüstung bei den Angloamerikanern hervorgerufen haben mußten. Nichts
destoweniger glaube ich, daß Ihre Zeitgenossen alle Ursache hatten, die
Einwanderung zu ermutigen. Strenge Handhabung der Gesetze gegen #alle#
Übertreter derselben, gegen die #eingeborenen# sowohl, wie gegen die
#eingewanderten#, würde dem Lande sehr wohl gethan und alle Versuche
überflüssig gemacht haben, die Einwanderung zu beschränken. Die wirklich
anstößigen Einwanderer hätte man doch nicht aus dem Lande halten können,
wenn sie hinein wollten; denn diese Leute wären, falls man ihnen die
Häfen der Ver. Staaten verschlossen hätte, über Mexico oder Canada
eingewandert.«
»Dieselben Gründe wurden zu meiner Zeit vielfach geltend gemacht,«
bemerkte ich zustimmend.
»Das vergleichsweise geringe Unheil, welches die Einwanderer
anrichteten, wurde ganz in den Schatten gestellt durch den großen
Nutzen, welcher dem Volke der Ver. Staaten aus dem europäischen
Menschenstrom erwuchs,« fuhr Forest fort. »Die einfache Thatsache,
daß Hunderttausende gesunder Menschen, deren Aufzucht und Erziehung
den europäischen Ländern mehrere hundert Millionen Dollars gekostet
hatte, den amerikanischen Boden betraten, war ein großer Gewinn für
die Ver. Staaten. Die bloße Anwesenheit dieser Männer und Frauen
erhöhte den Wert des Landes da, wo sie sich niederließen; so die
Grundeigentümer bereichernd. Viele der Einwanderer waren geschulte
Arbeiter und Handwerker, andere Künstler und Gelehrte. Alle diese
Männer und Frauen waren aber mit den Sitten, den Geschäftsgebräuchen,
den Landesverhältnissen und oft auch mit der englischen Sprache nicht
vertraut. Sie mußten daher fast ausnahmslos beim #Beginn# ihrer
amerikanischen Thätigkeit die untersten Plätze im amerikanischen
Erwerbsleben einnehmen. Dadurch erhoben sie naturgemäß alle diejenigen,
welche schon in den Ver. Staaten wohnten, zu mehr oder weniger höheren
Stellungen im Leben.«
»Viele dieser Leute, welche aus allen Teilen Europas hierher kamen,
waren befähigte und gebildete Menschen, welche mit der Zeit erfolgreiche
Mitbewerber der älteren Ansiedler wurden. Aber der beständige
Menschenstrom, welcher sich aus den europäischen Ländern nach den Ver.
Staaten ergoß, bereicherte und erhob doch beständig das amerikanische
Volk und alle die Schläge, welche gegen die Einwanderung gerichtet
wurden, waren deshalb unklug. Die Gesetzgeber, welche solche Maßregeln
befürworteten, erinnern mich an den Mann, welcher eine Gans schlachten
wollte, die jeden Tag ein goldenes Ei legte.«