G.

Eben erhalt ich deinen Brief vom 30. 7br. Für die Schöne und dich ist

mir's leid daß ihr euch nicht gesehen habt. Es ist eine schöne Sache ums

sehn. Wollte Gott ich wäre dir die Hälfte näher und könnte alle Jahr

dich einmal acht Tage haben.

Daß du über mich _glauben_ magst ohne zu sehn ist mir sehr lieb. Du

wirst auch wenig sehn. Gewiß auch hast du recht daß der Gedanke im

Menschen das Beste ist von dem Capital, das er doch hat und wie mit

wuchern möchte, um es aufs tausendfältige zu treiben, es entstehe draus

Gewinnst oder Verlust.

Den guten Lands und Hausvater würdest du _näher_, _mehr_ bedauern. Was

da auszustehen ist spricht keine Zunge aus. _Herrschaft_ wird niemand

angebohren, und der sie ererbte, muß sie so bitter gewinnen als der

Eroberer, wenn er sie haben will, und bitterer.

Es versteht dieß kein Mensch der seinen Würkungskreis aus sich

geschaffen und ausgetrieben hat.

Danke für die SilhouettenAuslegung, hier ist wieder eine. Du thust mir

eine Wohlthat, ich schicke dir wenn du mir antwortest manchmal solch ein

Gesicht. Ich hab ohne Bestimmtheit unendlich ähnlich Gefühl zu dem

deinen.

30.

Auch wieder lieber Bruder einige Worte nach dem A. B. C.

a) Die Kupfer die noch hier sind, wäre mir lieb wenn du sie dem Herzog

überliesest, er sammlet iezt und hat schöne Freude und Sinn dran. Für

dich sind unter der ganzen Menge höchstens ein halb Duzzend Lukas von

Leyden schäzbaar. Dagegen will ich dir die Albrecht Dürer was mir in die

Hände kommt ausantworten.

b) Gott seegne dich für deine Freude an meiner Künsteley. Ich kanns

nicht lassen ich muß immer bildeln.

c) Deine Waserische Geschichte gehört eben recht dir, weil sie so aus

Noth dem innersten entrissen ist.

d) Lies doch wo du Zeit findest das Diarium der Revolution in Neapel

durch Masaniello; wenn du es noch nicht kennst. Dir gewiß wie mir

unschäzbar.

e) Das von Herdern kenn ich nicht.

f) Hast du denn selbst eine Iphigenie?

g) Laß mir wo möglich durch Bäben ein näher Wort sagen wie dir ist. L.

Br. laß uns immer näher zusammenrücken. Die Zeit kommt doch bald wo wir

zerstreut werden, in die Elemente zurückkehren aus denen wir genommen

sind.

h) Täglich wächst der Herzog und ist mein bester Trost.

i) Was thust du für _Gera_? Du Treiber.

k) Ich sammle neuerdings zur Mineralogie, will mir dein Bruder Docktor

etwas von seinem Ueberfluß zukommen lassen, so macht mirs viel

Vergnügen. Kannst du mir sonst so was ohne viel Umstände verschaffen, so

thus. Es müßte wohl eingepackt nach Frankfurt an meine Mutter mit einem

_Fuhrmann_ geschickt werden, daß das Porto nicht so hoch käme.

l) Dank für die Worte über die Silhouette. Es ist eine edle Seele und

liebt dich wie man lieben kann. Schick mir doch dein Bild für sie, ich

hab ihr meins geborgt.

m) Grüße Frau und Kinder und alles.

n) Schreib mir immer es sey was es wolle.

o) Gieb meine Sachen der Bäben, die weiß womit hin.

Adieu!

_Goethe_.

d. 3. Nov. 80.

31.

1781.

Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783 · 第 36 / 54 题