G.

9.

Deinen Abraham erwart ich freundlich. Weiß zwar kein Wort wie _ich_ ihn

hätte dramatisiren dörfen, doch will ich deiner Poesey gern förderlich

und dienstlich seyn.

Ueber die Platten hab ich nur so was hingeworfen, damit der Band fertig

werde. Wenn du mich nur anbläsest, denn ich sage dir, was du von mir

begehrest, dazu sieh _bald_.

Gestern tief in dem Getreibe der Meßgeleits-Zeremonien, fiel mir

Ariostens Wort vom Pöbel ein: _Werth des Todes vor der Geburt._

Hättest du mir Neuton geschickt -- der wäre gesät und geerndtet worden.

Du mußt mich kennen lernen wenn du mich brauchen willst, du bist zwar

dadrinnen sonst ein feiner Schelm, aber ich will dichs noch weiter

lehren.

Pestaluz hat mir seine Ankunft melden lassen.

* * * * *

Deinen Abraham hab ich nun. Deinet will ihn drucken, und ich will thun

dran wie mirs um's Herz ist, bin ich doch nicht weder in Abrahams Fall

noch Isaacks -- das Stück wird gute weite Wirkung thun. Will auch einen

Würzruch drein dämpfen hier und da meines Fäßleins, denk ich.

Pestaluz war sehr gut. Ich sagt ihm gleich ich wünschte du kenntest

deine Landsleute besser und sie dich besser -- -- Er redete ganz _für_

dich -- ohne _aber_. Gott geb aus einem feinen Herzen.

1776.

Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783 · 第 12 / 54 题