G.

4.

Lieber Bruder, Louisens Portrait das ich für dich in Händen habe, sollst

ehestens erhalten. Ich hab ihr geschrieben. Das Gedicht an sie, ist das

Beste was du je gemacht hast.

Gott segne deinen Buben, dein Weib und alles. Mein Vater macht ihr eine

Galanterie in die Wochen, nehmts freundlich auf.

Schick mir doch auch ehestens was für die Physiogn. Ich sizze in

Ofenbach, wo freilich Lilli ist. Ich hab sie von dir gegrüst. Ich

schicke dir ehestens ihre Silhouette weiblich. Mach ihr etwas in Versen

das sie im Guten stärcke und erhalte. Du kannst Guts thun, und du

willst.

Den 14. August.

Gestern waren wir ausgeritten. Lilli, Dorwille und ich. Du hättest den

Engel im Reitkleide zu Pferde sehen sollen! In Oberrad wartete die

übrige Gesellschaft auf uns, und ein Gewitter trieb die alte Fürstinn

von Waldeck mit ihren Töchtern der Herzogin von Curland, und der

Fürstinn von U. in unser Haus und Saal. Da sie mich erkannten, wurde

gleich viel nach dir gefragt, und die alte Fürstinn hat mit solcher

Wahrheit und Wärme von dir geredt daß mirs wohl wurde. Sie sagte, wenn

ihm heute nicht die Ohren klingeln, so halte ich nicht viel auf seine

Ahnungskrafft, an uns liegt die Schuld nicht. Sie läßt dich herzlich

grüßen.

Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783 · 第 3 / 54 题