Er öffnete den Pack und sagte laut: „Zwei hundert Husaren herbei!“

Aus dem Pack sprangen sogleich zwei hundert Husaren, auf schönen

Pferden, und der Oberst fragte ehrerbietig:

„Was wünschen Sie, mein Herr?“

„Gehen Sie den Weg entlang. Sie werden bald einem kleinen, alten Mann

begegnen. Er hat einen Tisch, bringen Sie mir denselben,“ erwiderte

Heinrich.

„Gut!“ antwortete der Oberst, und er sprengte mit seinen Husaren davon.

Nach einigen Minuten kamen sie mit dem Tische zurück. Heinrich öffnete

den Pack wieder, und rief laut:

„Zwei hundert Husaren hinein!“ und sogleich sprangen Husaren und Pferde

in den Pack.

Jetzt hatte der Jüngling Tisch und Pack und er war sehr froh. Er ging

getrost seines Weges. Endlich begegnete er einem Bettler mit einem

Sack, der ihn um etwas zu essen bat.

„Ja, das kann ich Ihnen geben,“ sagte der Jüngling. Er stellte seinen

Tisch unter einen Baum, klopfte darauf und rief laut: „Lebensmittel für

einen König!“ und in einer Minute war der Tisch mit reichen Speisen

bedeckt.

Der Jüngling lud den Bettler zum Essen ein. Er aß und trank und sagte

endlich:

„Sie haben da einen gar schönen Tisch. Geben Sie mir den Tisch. Ich

gebe Ihnen meinen Sack dafür. Es ist ein wunderbarer Sack. Öffnen Sie

ihn und sagen Sie laut: ‚Schloß heraus!‘ so wird ein schönes Schloß vor

Ihnen stehen. Dann, wenn Sie ‚Schloß hinein!‘ rufen, verschwindet das

Schloß in dem Sack.“

„Das ist mir Recht!“ sagte Heinrich und er gab seinen Tisch für den

Sack.

Er war nicht sehr weit gegangen, da dachte er: „Ach, ich möchte meinen

schönen Tisch doch wieder haben!“

So öffnete er den Pack, rief laut: „Drei hundert Uhlanen heraus!“ und

als sie alle schnell aus dem Sack krochen, gebot er ihnen, dem Bettler

nach zu gehen, und den Tisch zurückzubringen.

Die Uhlanen gehorchten sogleich. Dann öffnete Heinrich den Pack, rief

laut: „Drei hundert Uhlanen hinein!“ und sie verschwanden alle in dem

Pack. Heinrich ging getrost seines Weges und kam zuletzt in die Stadt,

wo seine Brüder jetzt wohnten. Sie aßen und tranken den ganzen Tag,

da sie jetzt so viel Gold hatten. Die Mutter hatten sie in die Stadt

mitgebracht, aber die arme Frau mußte Tag und Nacht kochen, damit ihre

Söhne genug zu essen hatten.

Heinrich ging in das Haus seiner Brüder, aber er sah so ärmlich aus,

daß sie ihn auslachten, und obwohl sie ihn in dem Stalle schlafen

ließen, gaben sie ihm kein einziges Stück Brot zu essen.

Der Jüngling, der seinen Tisch, seinen Pack und seinen Sack in dem

Garten versteckt hatte, wartete nur bis die Nacht herankam. Dann

öffnete er den Sack und rief laut, „Schloß heraus!“ In einer Minute

wurde er ein schönes Schloß da im Garten gewahr. Dann öffnete er den

Pack und rief laut: „Zwanzig Soldaten heraus!“

Sobald die Soldaten heraus waren, befahl er ihnen, das Schloß zu

bewachen, und ihn morgens um vier Uhr aufzuwecken.

Die Soldaten bewachten das Schloß sogleich, und er ging mit dem Tisch,

dem Sack und dem Pack hinein.

Dann stellte er den Tisch in das prächtige Eßzimmer, klopfte darauf

und rief laut: „Lebensmittel für einen König!“ und als der Tisch mit

den besten Speisen bedeckt war, setzte er sich und aß und trank nach

Belieben.

Dann schlief er auf einem goldenen Bette ein, und früh morgens weckten

ihn die Soldaten auf, wie er befohlen. Er nahm Tisch, Sack und Pack

und ging in den Garten. Dann öffnete er den Pack, rief laut: „Zwanzig

Soldaten hinein!“ und die zwanzig Soldaten verschwanden in dem Pack.

Dann öffnete er den Sack, rief laut: „Schloß hinein!“ und das Schloß

verschwand auch.

Heinrich versteckte Tisch, Sack und Pack und ging in den Stall, wo die

bösen Brüder ihn fanden, und ihn wieder auslachten. Sie fragten ihn

auch, warum er kein Gold aus dem Schlosse gebracht.

„Ach,“ erwiderte er stolz, „ich habe etwas Besseres als Gold,“ und er

zeigte ihnen den Tisch. Die Brüder waren erstaunt und sie sprachen von

dem Tisch mit allen ihren Freunden. Endlich hörte der König auch davon.

Er schickte zwei Offiziere und ließ dem Jüngling sagen, er solle ihm

den Tisch leihen.

Heinrich sagte: „Ja, der König kann den Tisch haben, aber wenn er mir

in drei Tagen nicht zurückgegeben ist, so erkläre ich dem König Krieg.“

Der König freute sich sehr über den Tisch. Er wollte ihn behalten. Er

ließ Zimmerleute und Schreiner kommen und sagte streng:

„Zimmerleute und Schreiner, Sie müssen binnen drei Tagen einen anderen

Tisch verfertigen, der diesem so gleich ist wie ein Ei dem anderen!“

Die Zimmerleute und Schreiner arbeiteten Tag und Nacht und binnen drei

Tagen hatten sie einen Tisch verfertigt, der dem anderen glich wie ein

Ei dem anderen.

Als der König diesen Tisch dem Jüngling schickte, klopfte er darauf und

rief laut: „Lebensmittel für einen König!“ aber da der Tisch sich nicht

sogleich deckte, merkte er, daß der König den Wundertisch noch hatte.

„Tragen Sie diesen Tisch zu dem König!“ rief er den Dienern laut zu,

„und sagen Sie ihm, daß wenn er mir meinen Wundertisch nicht sogleich

schickt, ich ihm den Krieg erklären werde.“

Als der König dieses hörte, lachte er laut, denn er dachte: „Der

Jüngling ist arm, er hat weder Soldaten noch Geld, er kann mir keinen

Schaden thun.“ Aber bald lachte der König nicht mehr, denn der Jüngling

kam vor das Schloß, öffnete den Pack, rief laut: „Hundert tausend

Infanterie und hundert tausend Kavallerie heraus!“ und in einem

Augenblick hatte er ein großes Heer (Armee) von zwei hundert tausend

Mann.

Der König fürchtete sich sehr vor diesem großen Heer, und schickte

einen Boten mit einer weißen Fahne, um dem Jüngling zu sagen, daß er

seinen Tisch wieder haben solle, und die Hand der Prinzessin dazu, wenn

er das Heer nur fortbringen wolle.

Der Jüngling sagte: „Nun, das ist mir schon Recht, aber die Hochzeit

muß noch heute stattfinden!“

Dann öffnete er den Pack, rief laut: „Hundert tausend Infanterie und

hundert tausend Kavallerie hinein!“ und das große Heer verschwand

sogleich in dem Pack. Der Jüngling ging allein in den Palast. Da wurde

er mit der schönen Prinzessin getraut und der Wundertisch wurde für

das Hochzeitsfest gebraucht. Alle Gäste aßen und tranken so viel sie

wollten, und nachdem sie lange getanzt hatten, sagte der König:

„Nun, Schwiegersohn, gehen Sie jetzt schlafen!“

„Ich muß zuerst noch einmal in den Garten gehen!“ erwiderte Heinrich.

Er ging in den Garten, machte den Sack auf, rief laut: „Schloß heraus!“

und augenblicklich stand ein schönes Schloß da. Dann ging der Jüngling

wieder in den Palast, nahm seine Braut bei der Hand, und führte sie in

sein Schloß.

Da wohnte er lange Jahre glücklich mit Frau, Mutter und Kindern. Dank

dem Tische, dem Sack und dem Pack, hatte er immer Alles, was er nur

begehren konnte. Er starb in hohem Alter und seine Kinder erbten das

Reich und die drei Wunderdinge. Diese wurden in den Keller gebracht,

da man ihrer nicht mehr bedurfte, aber da wurden sie morsch. Es kam

endlich eine Zeit, wo Krieg im Lande war. Da erinnerte sich der Erbe

des Packes. Er ließ ihn holen, aber er zerfiel in Stücke. So ging es

auch mit dem Tische und mit dem Sacke, und jetzt sind die Nachkommen

Heinrichs wieder sehr arm.

Märchen und Erzählungen für Anfänger. Zweiter Teil · 第 27 / 53 题