FUSSNOTEN:

[1]

Auf Schritt und Tritt sich aufzupassen,

Was soll es frommen?

Wer nicht wagen darf, sich geh'n zu lassen,

Wird nicht weit kommen.

P H.

[2] Kinder der Welt II, 17. Im Paradiese I, 31.

[3] Gesammelte Werke IV. 135.

[4] K. d. W. II. 612.

[5] K. d. W. III, 210, 242, 256.

[6] K. d. W. III, 109.

[7] K. d. W. I, 111; G. W. VI, 206.

[8] G. W. III, 300.

[9] K. d. W. II, 47.

[10] G. W. V, 201. Seite 175 wird das Wort »vornehm« von ihr gebraucht.

[11] K. d. W. II, 333 III, 309 und 335. Dass du das beste, tiefste,

holdeste, =adligste= Menschenbild bist. -- Das arme tapfre, freigeborne

Herz -- es hat seinen Adel bewährt.

[12] Im Paradiese. III, 6 ff.

[13] G. W. V, 197.

[14] G. W. IX, 73 ff.

[15] G. W. VIII, 168.

[16] G. W. VI, 71: »Ich bin einmal in meinem Leben verkauft worden. Wie

wollen die Menschen mich nun schelten, wenn ich mich =verschenke=, um

jene Schmach zu verschmerzen!«

[17] G. W. VI, 40.

[18] G. W. VI, 5.

[19] Heyse und Kurz, Novellenschatz des Auslandes, Bd. VIII.

[20] Heyse und Kurz, Deutscher Novellenschatz. Bd. I. S. XIX.

[21] K. d. W. II, 265.

[22] Hätte ein Kritiker dieses Schlages nicht seiner Zeit eine

»Warnung« vor Goethe's Faust ganz in demselben Stile verfassen können:

»Der Inhalt dieses unsittlichen Werkes Ist folgender: Ein schon

ziemlich bejahrter Arzt (Dr. med.) ist des Studirens müde und sehnt

sich nach fleischlichen Lüsten. Zu dem Ende verschreibt er sich dem

Teufel. Dieser führt ihn nach verschiedenen niedrigen Erlustigungen

(die z. B. darin bestehen, halbbetrunkene Studenten noch betrunkener zu

machen) zu einer jungen Bürgerstochter, die Faust (der Doctor) gleich

zu verführen sucht. Ein Paar Rendezvous bei einer alten Kupplerin

bahnen ihm den Weg dazu. Da die Verführung aber nicht schnell genug

gelingt, gibt der Teufel Faust ein Juwelenkästchen, das er dem Mädchen

schenken soll. Ausser Stande, diesem Geschenke zu widerstehen, also

nicht einmal verführt, sondern erkauft, ergibt sich Gretchen Faust, und

um desto ungestörter mit ihrem Galan zu sein, flösst sie ihrer alten

Mutter einen Schlaftrunk ein, der dieselbe tödtet. Nachdem sie dann

den Tod ihres Bruders verschuldet hat, bringt sie das Kind, die Frucht

ihrer Schande, um. Im Gefängniss singt sie schmutzige Lieder. Dass ihr

Verführer sie im Stiche lässt, kann Einen nicht wundern, wenn man seine

religiösen Grundsätze vernommen hat. Er ist, wie die Scene, wo seine

Donna ihn nach seinem Glauben befragt, deutlich beweist, kein Christ;

ja, er scheint nicht einmal an einen Gott zu glauben, obschon er zu

allerlei leeren Ausflüchten greift, um seinen vollständigen Unglauben

zu verdecken. -- Da dies lästerliche Buch trotzdem, wie wir zu unserer

Verwunderung hören, Leser, ja sogar Leserinnen findet, und in den

Leihbibliotheken unserer Stadt eine eifrige Nachfrage erfährt, so

fordern wir alle Familienväter auf, über das Seelenheil der Ihrigen zu

wachen, das eine so ruchlose Lectüre um so leichter gefährden kann, als

eine glatte, einschmeichelnde Form die unsittlichsten Lehren umhüllt«.

[23] Anatole Leroy-Beaulieu hat später einen wohlgelungenen Versuch

gemacht, ihn auf Grund derselben zu charakterisiren. (Un Empereur.

1879.)

[24] Die Titel sind: Madame Bovary, Salammbô, L'éducation sentimentale,

La Tentation de Saint-Antoine, Le Candidat, Trois Contes, Bouvard et

Pécuchet.

[25] Man sehe Th. de Banville: Odes funambulesques: Villanelle des

pauvres housseurs und zwei Triolette. Die Normalschule ist die höhere

Unterrichtsanstalt für Lehrer, aus der Taine, About und Sarcey

gleichzeitig hervorgingen.

[26] Die gesammelten Werke der beiden Brüder machen, von einigen

kleineren Bänden Biographien abgesehen, 21 Bände aus; Edmond ausserdem

hat nach dem Tode des Bruders eine genau ebenso lange Reihe von Bänden

veröffentlicht.

[27] La Blague -- cette forme nouvelle de l'esprit français, née

dans les ateliers du passé, sortie de la parole imagée de l'artiste,

de l'indépendance de son caractère et de sa langue, de ce que mêle

et brouille en lui, pour la liberté des idées et la couleur des

mots, une nature de peuple et un métier d'idéal; la Blague, jaillie

de là, montée de l'atelier, aux lettres, au théâtre, à la société;

grandie dans la ruine des religions, des politiques, des systêmes,

et dans l'ébranlement des cervelles et des coeurs, devenue le Credo

farce du scepticisme, la révolte parisienne de la désillusion, la

formule légère et gamine du blasphéme, la grande forme moderne,

impie et charivarique du doute universel et du pyrrhonisme national;

la Blague du XIXe siècle, cette grande démolisseuse, cette grande

révolutionnaire, l'empoisonneuse de foi, la tueuse de respect; la

Blague avec son souffle canaille et sa risée salissante, jetée à tout

ce qui est honneur, amour, famille, le drapeau ou la religion du coeur

de l'homme; la Blague u. s. w., im Ganzen 65 Zeilen hindurch, bevor das

Verbum kommt. (Manette Salomon, Cap. VII.) Es gibt kaum eine zugleich

lebhaftere und mehr ermüdende Schreibweise. Die nicht enden wollenden

Appositionen rufen unaufhörliche kleine Erschütterungen in dem

Nervensystem des Lesers hervor. Er wird unterhalten und überwältigt.

Dieser Stil wirkt wie ein ununterbrochen knatterndes Gewehrfeuer, wo

ein kräftiger Kernschuss genügt hätte.

[28] Bei Edmond de Goncourt finden sich Wendungen wie: »La veillée

commençait, avec, aux vitres, un clair de lune«, oder: »Là était

un vieux saule ... avec, dans le creux, des mousses vertes«. Diese

Wendungen sind später von Anderen ins Unendliche wiederholt worden.

[29] Man vergleiche die Schilderung der geistigen Arbeit in »Charles

Demailly«.

[30] Goethe's »Der Gott und die Bajadere«, Hugo's »Marion de Lorme«

und »La dame aux camélias« von Dumas haben denselben Gegenstand, die

Läuterung eines prostituirten Weibes durch die Liebe. Aber welch' ein

Unterschied in der Perspective und dadurch in dem poetischen Werth!

[31] Die beiden Hauptpersonen In »L'Assommoir« sind nach Germinie und

Jupillon gebildet. Wie früh und tief der Roman auf Zola gewirkt hat,

sieht man aus seiner 1864 geschriebenen Kritik des Buches in »Mes

haines«.

[32] Isaac Pavlovsky: Souvenirs de Tourguéneff. S. 112 ff.

[33] Man vergleiche Stellen wie folgende: »Es ist, wie wenn Einer da

sässe und ein Stück übte, das er nicht heraus kriegen kann, immer

dasselbe Stück. '_Ich kriege es doch heraus!_' sagt er wohl, aber er

kriegt's doch nicht heraus, wie lange er auch spielt«. -- »Die grossen

weissen Schnecken, aus denen vornehme Leute in alten Zeiten Fricassée

bereiten liessen und, wenn sie es gegessen hatten, sagten: '_Hm, wie

das schmeckt!_' -- denn sie glaubten nun einmal, dass es vorzüglich gut

schmecke -- lebten von Klettenblättern«.

[34] Uffe der Schüchterne ist nach der Sage der Sohn des Dänenkönigs.

Der Vater war zu seiner Zeit ein gewaltiger Krieger, aber nun ist

er alt und kraftlos geworden. Der Sohn macht dem Vater die grösste

Sorge. Keiner hat ihn je reden hören, er hat nie den Gebrauch der

Waffen erlernen wollen, und er interessirt sich für Nichts, sondern

geht in phlegmatischer Gleichgültigkeit einher. Aber als die Könige

des Sachsenlandes sich weigern, dem alten Vater den gewohnten Tribut

zu bezahlen, ihn verhöhnen und ihn zum Zweikampf fordern, und als der

Vater in Verzweiflung die Hände ringt und ausruft: »Hätte ich doch

einen Sohn!« da spricht Uffe zum ersten Mal und fordert die beiden

fremden Könige zum Holmgang heraus. Jetzt beeilt man sich, ihm Waffen

zu bringen, aber kein Harnisch ist gross genug für seine breite Brust.

Macht er eine Bewegung, so platzt der Harnisch sofort. Endlich muss

er sich mit einem zusammengestückten und geborstenen begnügen. Eben

so geht es mit jedem Schwerte, das man ihm in die Hand gibt. Sie

zerspringen wie Glas, wenn er sie an einem Baume erprobt. Da lässt der

König das alte Schwert Skräpp, welches sein Vater geführt, aus dem

Hünengrabe holen und heisst Uffe dasselbe ergreifen, aber es nicht

vor dem Kampfe erproben. So ausgerüstet stellt Uffe sich den beiden

fremden Königen auf einer Insel in der Eider. Der alte blinde König

sitzt am Ufer des Flusses und horcht mit bangem Herzklopfen auf die

Schwerthiebe. Wenn sein Sohn fällt, will er sich in die Wellen stürzen

und sterben. Da schlug Uffe auf den einen der Sachsenkönige los und

hieb ihn quer mittendurch. »Den Ton kenne ich«, sagte der König, »das

war Skräpp's Klang!« Und Uffe that noch einen Streich und hieb den

andern König der Länge nach mittendurch, so dass er in zwei Hälften zur

Erde fiel. »Da klang Skräpp zum andern Mal«; sagte der blinde König.

-- Und als der alte König starb, bestieg Uffe den Thron und ward ein

mächtiger und gefürchteter Herrscher. -- Es ist übrigens auffallend wie

viel Aehnlichkeit dieser dänische Nationalheld mit dem russischen, Ilia

aus Murom, hat.

[35] Die Fabeln des vorigen Jahrhunderts (z. B. Lessing's Fabeln) sind

blosse Moral.

[36] G. Brandes: S. Kierkegaard. Ein litterarisches Charakterbild.

Leipzig 1879.

[37] Es gibt keinen einzigen dänischen Dichter, der es in solchem Grade

wie Andersen verschmäht hätte, durch die Romantik der Vergangenheit zu

wirken; er ist selbst im Märchen, das von der romantischen Schule in

Deutschland von Anfang an in so mittelalterlichem Stile behandelt ward,

immer voll und ganz in der _Gegenwart_. Er wagt, eben so wie Oersted,

das Interessante in der Schwärmerei für König Hans und seine Zeit

aufzuopfern, und er sagt gerne wie Ovid:

Prisca juvent alios! ego me nunc denique natum

Gratulor. Haec aetas moribus apta meis.

Ars amat. III, 121.

[38] Ihr Leben hat später als historische Grundlage des glänzenden

Romans »Frau Maria Grubbe« von J. P. Jacobsen gedient.

[39] Hier, wie überall, hat der Dichter seinen treuen Verbündeten

in der Sprache, in den Wortspielen, die ihm unter der Feder hervor

tanzen, sobald er sie ansetzt. Man sehe z. B., wie es in »Die alte

Strassenlaterne« oder »Der Schneemann« von Wortspielen wimmelt. Man

sehe, wie er die Lautsprache der Thiere benutzt, z. B.: »'Quak!' sagte

die kleine Kröte, und es war gerade, als wenn wir Menschen 'Ach!'

sagen.«

[40] Man vergleiche des Gegensatzes halber die Art und Weise, wie

Heiberg in »Weihnachtsspässe und Neujahrspossen« den Handschuh, das

Busentuch, die Flasche reden lässt, ferner Alfred de Musset's »Le merle

blanc« und Taine's »Vie et opinions philosophiques d'un chat« in seinem

Werke »Voyage aux Pyrénées«.

[41] »Holde Rose!« ein glühendes Liebeslied, dreht sich um die Qual des

Schmetterlings, in der Nacht von der Rose entfernt zu sein und nur bei

Tage sie liebkosen zu dürfen.

[42] Björn bedeutet Bär, Björnstjerne das Sternbild: der grosse Bär.

[43] Ich erlaube mir auf mein Werk: Sören Kierkegaard (Leipzig 1879)

hinzuweisen.

[44] An meinen Freund, den Revolutionsredner!

Du sagst ich sei »conservativ« geworden.

Ich gehöre noch immer zum selben Orden.

Schachsteine zu rücken kann nicht mich erlaben.

Stürzt _um_ das Spiel, dann sollt Ihr mich haben.

* * * * *

Ihr sorgt für den Wasserschwall einst in der Welt;

Ich lege Torpedo's, dass die Arche zerschellt.

[45]

Doch mich schreckt der Lärm der Massen;

Will mir nicht vom Schmutz der Gassen

Mein Gewand bespritzen lassen;

Will im reinen Hochzeitskleide

Harren auf den Zukunftstag.

Ibsen's »Ballonbrief«.

[46] Schiller ähnlich in Wilhelm Tell:

Der Starke ist am mächtigsten allein.

Moderne Geister: Literarische Bildnisse aus dem neunzehnten Jahrhundert · 第 109 / 110 题