Kleinstadtkinder
Buben und Mädelgeschichten
von
Josephine Siebe
Verlag E. Nister
Nürnberg
Alle Rechte vorbehalten.
Ankunft in Neustadt.
»Neustadt,« schrie der Schaffner und lief den Zug entlang; »Neustadt,
ausstei...gen!«
Einige Passagiere guckten zu den Kupeefenstern heraus. »So'n Nest,«
sagte der eine, und ein anderer gähnte, während ein dritter rief:
»Fenster zu! S'ist ja so kalt!«
»Neustadt, abfahren,« schrie der Schaffner noch einmal. »Es steigt doch
niemand aus, hier steigt nie jemand aus,« dachte er.
Aber da -- schon pfiff die Lokomotive -- da wurde noch hastig eine
Kupeetüre geöffnet, ein Fuß wurde sichtbar, eine braune Ledertasche und
-- platsch lag mit Koffer und Plaid ein nicht zu großer, nicht zu
kleiner, nicht zu dicker und nicht zu dünner Herr, so lang er war, auf
dem Bahnhof.
»Na, der hat's aber eilig, hat wohl geschlafen,« murmelte der Schaffner
und sprang rasch auf, denn der Zug setzte sich pustend in Bewegung.
Zwei Bahnbeamte eilten herbei und halfen dem Herrn wieder auf die Beine,
gebrochen hatte der sich glücklicherweise nichts. Er brummelte etwas von
gefrorenen Stufen, ausgerutscht sein, und braun und blau geschlagen,
dann nahm er seine Sachen, dankte höflich und verließ den Bahnhof.
»Da wäre ich,« dachte er, »eine nette Ankunft in dem Nest, wie konnte
ich auch nur so fest einschlafen, beinahe hätte ich Neustadt
verschlafen, brrrrrr, wird gewiß ein erzlangweiliges Nest sein.«
Er trat aus dem Bahnhofsgebäude heraus, ging über einen kleinen, von
Bäumen umstandenen Platz, und gelangte an eine Straße, die etwas bergab
führte; hier sah er plötzlich das Städtchen mit all seinen Häusern und
Türmen und seinem Hintergrund von bewaldeten Höhen liegen. Der Fremde
vergaß über diesem Anblick seinen Fall auf dem Bahnhof, und sein vorhin
so mißmutiges Gesicht hellte sich auf. Ja, dies war aber auch schon ein
Anblick, der sich lohnte. In der geräuschvollen Großstadt, aus der der
Fremde kam, sah man selten so eine weiße, schimmernde Winterpracht. Dort
fiel der Schnee schon grau vom Himmel, und nach wenigen Stunden war er
eine breiige, schmutzige Masse. Hier aber war das ganze Städtlein in ein
weißes Feierkleid gehüllt. Die Türme von St. Marien ragten steil und
schlank in die Luft, wie Königstöchter sahen sie aus im Schmuck weißer
Hermelinmäntel, und nicht weit davon erhob sich der dicke, runde
Schloßturm mit weißer Kappe, behäbig wie ein biederer Bäckermeister
schaute er drein. Und das Schloß selbst auf der Höhe mit seinen vielen
kleinen Fenstern und seinen altersgrauen Mauern war überzuckert von oben
bis unten, es glich einer guten Gluckhenne, und all die überschneiten
Häuser und Häuschen waren ihre Küchlein. Im Rauhreif standen Büsche und
Bäume, und die Sonne, die gerade noch einen Abschiedsblick auf das
Städtchen warf, ehe sie in ihr Wolkenbett rutschte, überstrahlte alles
mit einem zarten Rosenschimmer. Die fernen Berge verschwanden schon in
blaugrauem Dunst, als wollten sie sagen: »Schau dir nur erst das
Städtchen an, es lohnt sich schon, zu uns kommst du später.«
»Ja, du lieber Himmel, es lohnt sich wirklich,« dachte Doktor Theobald
Fröhlich; er guckte rechts und links und gerade aus und meinte, er
könnte sich nicht satt sehen an dem hübschen Stadtbild. Und dies kleine
Städtchen sollte nun für immer seine Heimat werden, das erschien ihm auf
einmal gar nicht mehr so schrecklich.
Während so der Doktor Theobald Fröhlich oben am Bahnhofsplatz stand und
Neustadt bewunderte, stand unten in der Stadt vor der Türe eines
stattlichen, altmodischen Hauses eine alte Frau. Sie hatte ihre Hände
fest in ihre Schürze eingewickelt und guckte eifrig geradeaus, denn wer
vom Bahnhof kam, mußte die Straße herunterkommen, an deren Ende das Haus
lag. Die Straßen von Neustadt gingen alle bergauf und bergab; die Bürger
behaupteten, ob es stimmt weiß freilich niemand, ihr Nestlein sei gerade
wie das große, gewaltige Rom auf sieben Hügeln erbaut.
»Nun muß er doch bald kommen,« murmelte die Alte, »wo er nur bleibt!«
Sie wartete auf niemand anders als auf den Doktor Theobald Fröhlich, der
von nun an in dem stattlichen Hause wohnen sollte. Das Haus hatte er von
einer alten Tante geerbt, mit der Bedingung, daß er darinnen wohnen
mußte, sonst sollte das Haus an entfernte Verwandte fallen. »Wer mein
Haus besitzt, der soll es auch lieb haben und gern darin wohnen«, hatte
die Tante immer gesagt. Der Doktor Theobald Fröhlich war arm, er hatte
auch noch eine Schwester, die in England als Erzieherin sich ihr Brot
verdiente, da dachte er, eine richtige Heimat haben mit der Schwester
zusammen, und sei es auch in Neustadt, sei schließlich besser, als in
Berlin einsam zu leben.
Zu der alten Frau, die die Dienerin der ehemaligen Herrin des Hauses
gewesen war, gesellte sich die Bäckermeisterin Gutgesell, die gegenüber
an der Ecke der Marienstraße wohnte.
»Wo er nur bleibt, der neue Herr?« sagte sie und schaute ebenso eifrig
wie die alte Dorothee die Straße hinauf.
»Ja eben, 's dauert so lange,« brummelte Jungfer Dorothee, »vielleicht
kommt er garnicht, nämlich Frau Nachbarin, er ist 'n Dichter, und die
sollen doch was komisch sein.«
»Ih nee, 'n richtiger, leibhaftiger Dichter! So was haben wir doch nie
in Neustadt gehabt!« schrie die Bäckermeisterin und schlug die Hände
zusammen.
Und die alte Dorothee reckte sich stolz und belehrte die Nachbarin, was
ein Dichter sei, und daß ihr neuer Herr vielleicht mal sehr berühmt
würde, hätte die Frau Stadträtin Müller gesagt, noch sei er es freilich
nicht. --
Doktor Theobald Fröhlich hatte sich unterdessen das Städtlein genau
angesehen, dann hatte er einen Mann nach dem Weg gefragt und hatte
erfahren, daß er erst die Straße hinunter gehen müßte, dann links herum,
dann käme die Marienstraße, die ging steil bergab, und am Kirchplatz
stände das Haus, das er suchte. Der Doktor fand denn auch die
Marienstraße und schickte sich an, sie hinab zu gehen. Wie er einige
Schritte gegangen war, hörte er plötzlich ein wildes Geschrei hinter
sich, und eine Schar Buben und Mädels kamen mit ihren Schlitten
angefahren. »Rechts«, schrie ein langer Bengel, »links«, rief ein
anderer, und auf einmal gab es ein Purzeln und Fallen, zwei Schlitten
waren zusammengefahren, ihre Besitzer plumpsten in den Schnee.
»Na, solche Wildfänge,« dachte Doktor Fröhlich gerade, als ein leerer
Schlitten ihm zwischen die Beine fuhr. Er verlor das Gleichgewicht,
rutschte aus und saß auf einmal auf dem Schlitten und heidi ging es
bergab. Sein Plaid fiel rechts herunter, seine Reisetasche links, er sah
nichts und hörte nichts, er hielt sich nur krampfhaft fest, und dann gab
es einen Ruck, ein Zetergeschrei, und der Doktor Theobald Fröhlich lag
im Schnee, und auf der einen Seite saß die alte Dorothee und auf der
anderen die Frau Bäckermeisterin, und beide schalten und lachten
durcheinander, denn der fremde Herr hatte sie beide umgerissen.
»Verzeihung,« murmelte der Doktor, »mein Name ist Dr. Theobald Fröhlich
-- ich«
»Du meine Güte, so was, das ist ja mein neuer Herr!« schrie Jungfer
Dorothee und verbeugte sich so eilig, daß sie mit der Nase beinahe in
den Schnee stippte. Die lustige Frau Bäckermeisterin lachte hell auf,
und nun kamen auch die übrigen Schlittenfahrer und zwei Buben mit
Reisetasche und Plaid herbei. Es gab ein Hin-und-her von Fragen und
Erklärungen. Der Doktor meinte, so schnell ginge es in Berlin beinahe
nicht mit einem Vorortszug wie in Neustadt mit dem Schlitten.
Die alte Dorothee schalt auf die Buben, die verteidigten sich, sie
hätten nichts dafür gekonnt, die Bäckermeisterin lachte, und der Doktor
fand seine Ankunft in Neustadt höchst wunderlich. Er war herzlich froh,
als er endlich in seinem Hause in einem behaglichen Zimmer saß und
Dorothee ihm heißen Kaffee und selbstgebackenen Kuchen brachte.
Heisa das schmeckte, und wie behaglich das Zimmer war mit den
altmodischen, grünen Samtmöbeln und den schönen Bildern an den Wänden!
Später zeigte ihm Dorothee das ganze Haus von oben bis unten. Da gab es
viele uralte Möbel, viel alten, schönen Hausrat; ein Zimmer gab es, das
war ganz mit steifen, weißen Möbeln angefüllt, es führte auf eine breite
Terrasse, vor der sich ein großer Garten ausbreitete. »Der gehört zum
Hause,« sagte die alte Frau stolz, »so schönes Obst hat niemand in
Neustadt wie in dem Garten wächst, 's ist ein Staat!«
Still war es freilich in dem Hause, und still war es auch in dem
Städtchen, das sich der Doktor Fröhlich am nächsten Morgen gründlich
anschaute. Still, ja, aber heimlich und traut. Und als er gerade zur
Mittagsstunde über den Schulplatz ging, und aus einem alten ehemaligen
Klostergebäude rechts Buben und links Mädchen herauskamen, da war es
vorbei mit der Stille, potztausend ja konnte die Gesellschaft schreien
und lachen! Und am Nachmittag sagte die alte Dorothee: »Morgen ist
Nikolaustag.«
»Nikolaustag, was ist denn das?« fragte der Doktor erstaunt.
»Je, du meine Güte, das weiß der Herr nicht?« rief die Alte erstaunt.
»Na, Nikolaustag ist halt Nikolaustag, und die selige gnädige Frau hat
immer am Nikolaustag allen Kindern, die in der Marienstraße und hier auf
dem Kirchplatz wohnen, Pfefferkuchen, Äpfel und Nüsse geschenkt. Der
Herr Doktor kann's mir glauben, die kommen auch in diesem Jahre. Äpfel
und Nüsse sind da, soll ich noch die Pfefferkuchen holen?«
»Freilich, freilich,« sagte der Doktor Fröhlich, beschämt, daß er nichts
vom Nikolaustage wußte. Er ging dann in ein Zimmer, in dem viele Bücher
standen, dort sah er in einem großen Lexikon nach, was es mit dem
Nikolaustag für eine Bewandtnis habe.
Er hatte nie eine rechte Heimat gekannt. Als er fünf Jahre alt war und
seine Schwester nur erst wenige Monate zählte, waren Vater und Mutter
rasch hintereinander gestorben; die beiden Kinder wuchsen bei fremden
Leuten auf. Eins hier, das andere dort. Der Knabe kam bald in eine
Erziehungsanstalt; waren Ferien und seine Kameraden fuhren heim, dann
blieb er allein in der Anstalt. An seine traurige Jugend und an seine
ferne Schwester mußte er denken, als am nächsten Tage Buben und Mädels
angelaufen kamen, um sich ihre Nikolausgaben zu holen. Eine lustige
Gesellschaft war es, die da herantrappelte, wie strahlten die Augen, wie
blitzten die weißen Zähne, wenn jedes seinen Teil bekam. Einmal kamen
fünf zusammen, zwei Mädels und drei Buben.
»Na, das sind die rechten Schelme,« sagte die alte Dorothee
lachend, »Schatzgräber ihr, gelt, ihr habt gerade den rechten
Pfefferkuchenhunger?« »Ja,« riefen die fünf, und ein Bube, der braune,
krause Haare hatte und Augen rund und dunkel wie zwei Herzkirschen, aber
so unnütz wie ein paar Spatzenaugen, rief: »Es könnte jede Woche
Nikolaustag sein, das wär mal fein!«
»So fein wie Schatzgraben, gelt?« rief die Alte, da wurden alle fünf rot
wie reife Erdbeeren und lachend liefen sie davon.
»Wer waren die fünf, und warum werden sie Schatzgräber genannt?« fragte
Doktor Fröhlich.
»Die fünf sind dicke Freunde; es sind Nachbarskinder und ihren Namen
haben sie von einem dummen Streich, den sie unlängst ausgeführt haben.
Ich will dem Herrn gern die Geschichte erzählen, wenn es recht ist.«
Am Abend des Nikolaustages schrieb der Doktor Fröhlich an seine
Schwester: »Komm bald zu mir, hier wird es dir gefallen. Komm noch vor
Weihnachten, damit wir das erstemal das Fest im eigenen Heim, in unserer
neuen Heimat, feiern können!«
Und dann, als das Abendessen abgetragen war, erzählte die alte Dorothee
die Geschichte von den fünf Schatzgräbern. Die gefiel dem Doktor
Fröhlich so gut, daß er sie gleich in ein Buch schrieb. Dahinein schrieb
er im Laufe der Zeit noch manche Geschichte von den Neustädter Kindern,
manche, die ihm erzählt wurde, und manche, die er selbst sah und hörte.
Auch zwei Märlein kamen dazu und eine Geschichte aus vergangenen Tagen.
Und so stehen denn die Geschichten in diesem Buch, eine nach der
anderen, so wie sie der Doktor gehört, sie erlebt und niedergeschrieben
hat.
Die fünf Schatzgräber.
In früheren Zeiten, in denen die Städte noch nicht so gewaltig groß wie
heutzutage zu sein brauchten um mächtig zu sein, war auch Neustadt eine
gar angesehene Stadt im deutschen Reiche gewesen. Wohlstand herrschte,
und die Bürger wußten sich gut in mancher Fehde zu verteidigen. Der
dreißigjährige Krieg aber, der so vieles in Deutschland vernichtete, zog
auch verheerend über Neustadt hin, die Stadt wurde zum Teil zerstört,
geplündert, und seitdem gelang es ihr nie wieder, sich zu einstiger
Größe emporzuschwingen. In jener Zeit nun, so berichtete die Sage,
hätten die Bürger einen großen Schatz vergraben, viel Geld, edle Steine
und silberne und goldene Prunkgefäße. Die aber, die den Schatz vergraben
hatten, wurden nachher, als die Feinde die Stadt einnahmen, getötet, und
darum wußte später niemand mehr, wo eigentlich der Schatz vergraben lag.
Von diesem Schatz nun wurde in Neustadt in den Zeiten, die kamen und
gingen, viel gesprochen. Früher hatte wohl mancher in aller Heimlichkeit
sein Gärtlein umgegraben, und wurde ein Grundstein zu einem neuen Hause
gelegt oder ein altes, baufälliges Haus eingerissen, immer gab es
etliche, die hofften, der Schatz sollte sich schon finden. Er fand sich
aber nicht, und zuletzt suchte niemand mehr so recht ernsthaft danach.
Die Geschichte von dem Schatz wurde zu einem Märchen, das den Kindern
erzählt wurde, und mancher Bube dachte wohl, wenn ich groß bin, suche
ich den Schatz; wuchs er heran, dann vergaß er gewöhnlich sein Vorhaben.
Von dem vergrabenen Schatz nun sprachen an einem sonnenhellen Herbsttag
fünf Kinder, die einträchtiglich, wie Schwälbchen auf dem Dachfirst, auf
der alten Stadtmauer saßen. Dieses letzte Stück der einst so trutzigen
Stadtmauer zog sich jetzt als Grenze zwischen einer engen Gasse und
hübschen, schattigen Anlagen hin. Am Ende dieses Mauerrestes stand ein
runder Turm, es war dies der letzte der acht Wachttürme, die Neustadt
einst besessen hatte. In dem Turm, der noch fest und unversehrt dastand,
wohnte nicht mehr wie einst eine Schar eisenbewehrter Wächter, sondern
ein Pantoffelmacher, Klaus Hippel genannt. Und kriegerisch sah der ganze
Turm auch nicht mehr aus, statt der Feuerbüchsen früherer Zeiten hingen
an schönen Tagen zu den kleinen Fenstern des Turmes bunte Pantoffel
heraus, und auf schwankendem Blumenbrettlein blühten Rosen, Geranien und
lichtrote Kapuzinerkresse. Und Klaus Hippel selbst konnte keiner Fliege
etwas zu Leide tun, er hantierte allzeit fröhlich mit seinem
Handwerkszeug herum, fertigte wunderschöne, warme, weiche Pantoffel und
war gut Freund mit allen Kindern, die sich die Anlagen an der Stadtmauer
zum Spielplatz erkoren hatten.
Auf der alten Stadtmauer zu sitzen war eigentlich von Rats wegen
verboten, aber von Pantoffelmachers wegen durften die Kinder darauf
sitzen so viel sie wollten, sie taten es auch, und niemand kümmerte sich
weiter darum. Vom Turmtor aus führte ein eisernes Wendeltreppchen auf
die Stadtmauer hinauf, und Klaus Hippel lachte nur gutmütig, wenn er die
Kinder das Treppchen hinaufklettern sah. Er selbst saß in seinem
Stübchen hinter dem Blumenbrett bei seiner Arbeit, und seine ebenso
fröhliche, wie gutmütige Frau Pauline wirtschaftete eifrig in ihrem
kleinen Reich herum, und wenn die beiden alten Leutchen lachten, dann
pfiff Mausel, der Dompfaff, vergnügt: »O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie
grün sind deine Blätter!«
Oben im Turm war ein kleines Museum, da hingen allerlei Waffen und
Rüstungen, auch ein paar alte Möbel gab es zu sehen; das Schönste aber
war die Aussicht von oben, über das weite Land hin bis zum fernen
Gebirge. Paulinchen Pantoffelmacher, wie die lustige kleine Frau im
Städtchen genannt wurde, brauchte zwar selten das Turmgemach
aufzuschließen, weil selten genug Fremde sich nach Neustadt verirrten.
Kam wirklich mal jemand, dann rief Klaus Hippel: »Aufgepaßt, ein weißer
Spatz fliegt in den Turm.«
Die fünf Kinder nun, die an diesem hellen Herbsttag auf der Stadtmauer
saßen und von dem Schatz sprachen, waren Pantoffelmachers besondere
Freunde. Im zierlichen, weißen Kleidchen saß in der Mitte Brigittchen
Schön; so ganz unrecht trug die Kleine ihren Namen nicht, sie war
wirklich sehr lieblich, hatte lockiges, dunkelblondes Haar, ein zartes,
feines Gesicht und Augen so blau wie zwei Veilchen. Brigittchen war das
einzige Kind eines wohlhabenden Kaufmannes. Reich war der Herr Schön,
dabei aber doch arm, ihm waren vor wenigen Jahren sein liebes Weib und
sein kleiner Sohn gestorben, und nur Brigittchen war übrig geblieben.
Eine ältere Verwandte, Fräulein Mathilde, hütete das Haus; sie meinte,
es sei genug wenn sie dafür sorgte, daß die Kleine immer weiß wie ein
Maiglöckchen angezogen sei. Daß ein Kind recht viel Liebe braucht,
gerade so wie eine Blume den Sonnenschein, daran dachte sie nicht, und
wenn der Vater verreist war, was oft geschah, dann wäre Brigittchen
recht verlassen gewesen, wenn es nicht so gute Freunde gehabt hätte.
Freunde hatte nun freilich die Kleine, wie man sie sich nicht besser
wünschen kann, Freunde, die, wenn es darauf angekommen wäre, für sie
durch Feuer und Wasser gegangen wären. Auch heute saßen ihre Freunde mit
ihr zusammen auf der Stadtmauer. Da war zuerst ihre allerallerbeste
Freundin Anne-Marte Fabian und deren Bruder Jörgel. Der Vater der Kinder
war ein tüchtiger und beliebter Arzt im Städtchen, und das Doktorhaus
lag am Kirchplatz, dicht neben Brigittchens Vaterhaus. Dann waren auch
noch die beiden Bäckerbuben Wendelin und Severin Gutgesell da, die in
der Marienstraße wohnten, und die dem Brigittchen so treu ergeben waren,
daß sie mit Vergnügen die schönsten Prügel eingeheimst hätten, wenn sie
damit der Kleinen einen Gefallen getan hätten. Das verlangte Brigittchen
nun freilich nicht, ja, wenn ihren Freunden nur ein geringes Leid
geschah, so weinte sie so bitterlich, daß es beinahe eine Überschwemmung
gab. Und dem Weinen nahe war die Kleine auch an diesem Herbsttage;
überhaupt sahen alle fünf Freunde so aus, als sei ihnen die Petersilie
verhagelt, und trotzdem war es doch der erste Tag der Herbstferien und
acht schulfreie wundervolle Tage lagen vor ihnen. Sie waren auch am
Morgen in seliger Lust ausgezogen, um allerlei Vergnügliches zu
unternehmen; der erste Besuch sollte Pantoffelmachers gelten, Frau
Paulinchen hatte versprochen, ihnen wieder mal das kleine Museum recht
gründlich zu zeigen, und Klaus Hippel wollte ihnen eine Geschichte aus
seinem Lieblingsbuch vorlesen; dies war eine alte Chronik der Stadt
Neustadt. Aber ach, die erhofften Freuden wurden bald zu Wasser. Statt
sie wie sonst mit Singen, Pfeifen und schalkhaften Worten zu begrüßen,
murmelte der Pantoffelmacher an diesem hellen Morgen nur verdrießlich:
»Na, seid ihr da?« Und tief seufzend nähte er so emsig an seinem
Pantoffel weiter, als stände jemand barfuß neben ihm und schrie: »Eil
dich doch, ich friere ja an meine Füße!«
An dem Kachelofen aber saß Frau Paulinchen und weinte herzbrechend, und
weil Brigittchen nun mal niemand weinen sehen konnte, ohne mit zu
weinen, flossen auch gleich ihre Tränen, und wenn die Freundin weinte,
mußte Anne-Marte auch weinen, und so schluchzten denn die Mädels
jämmerlich los. Den Buben wurde es ungemütlich, Tränen waren ihnen ein
Greuel, Severin, der blonde Bäckerbube, riß krampfhaft die Augen auf,
und Wendelin, der Schwarzkopf, knipste sie fest zu. Nur nicht etwa
mitheulen! Jörgel zupfte seine Schwester und brummte: »Heul' man nicht
so, es ist ja schrecklich!«
Die Ermahnung half nicht viel, und so trat Jörgel dicht an den alten
Klaus heran und fragte: »Was ist denn los?«
»Was nicht angebunden ist,« brummte der Pantoffelmacher, »potzwetter ja,
hört doch auf mit dem Geflenne!«
Dabei aber rollten dem alten Mann selbst langsam zwei schwere Tränen
über das runzelige Gesicht, er sah so traurig aus, daß die Kinder
fühlten, hier war ein rechtes Leid eingekehrt.
Sie hätten es aber wohl so bald nicht erfahren, was geschehen war, wenn
nicht urplötzlich der Schneidermeister Langbein, der trotz seines Namens
so kurz war wie der kürzeste Tag im Jahre, in die Stube geflitzt wäre:
»Nachbar, Nachbar,« schrie er aufgeregt, »ist's wahr, daß euer
Schwiegersohn so viel Geld verloren hat?«
Ja, es war so. Mutter Paulinchen rang jammernd die Hände, und ihr Mann
erzählte dem Schneidermeister die ganze traurige Geschichte. Der
Schwiegersohn der alten Leute, Friedrich Lange, war ein braver,
rechtlicher Mann, er war als Kassenbote in dem größten Bankgeschäft
angestellt. Am vergangenen Tag hatte er Geld austragen sollen, er war
schon seit einigen Tagen krank gewesen, hatte aber seinen Dienst nicht
versäumen wollen. An diesem Nachmittag nun wurde ihm auf einmal
schwindelig, gerade als er durch den Stadtwald ging, da hatte er sich
zum Ausruhen ein Weilchen auf eine Bank gesetzt, dann war er weiter
gegangen. Plötzlich aber hatte er seine Geldtasche vermißt. Hatte er sie
verloren, war sie ihm gestohlen worden? Er wußte es nicht, er war gleich
umgekehrt und hatte gesucht, vergeblich, nirgends war die Tasche zu
finden gewesen. Stundenlang hatte er noch gesucht, war auf die Polizei
gelaufen, den Verlust zu melden, alles vergeblich. Der Direktor der Bank
war, als ihm die Sache erzählt wurde, so zornig gewesen, daß er den
armen Mann gleich entlassen und ihm gedroht hatte, er würde ihn
anzeigen, wenn er nicht binnen drei Tagen das Geld herbeischaffte. »Und
wenn wir zusammen alle unsere ersparten Groschen hergeben,« klagte der
alte Klaus, »dann reicht es noch nicht einmal, und die gute Stellung hat
mein Schwiegersohn auch verloren, wo wird er nun Arbeit finden.«
Es war wirklich sehr trübselig in dem alten Turm gewesen, bedrückt waren
die Kinder von dannen geschlichen, und niedergeschlagen saßen sie nun
auf der Stadtmauer und überlegten, wie dem Pantoffelmacher zu helfen
sei. Ach, in ihren Sparbüchsen war auch nicht viel Geld. Jörgel sagte
verächtlich, als Brigittchen davon sprach: »Das nutzt gar nichts, viel
mehr Geld müssen wir haben.«
»Wenn wir den Schatz fänden,« sagte Wendelin plötzlich sinnend.
»Ja wenn, wo liegt er denn, wenn wir das nur wüßten?« brummte Severin.
»Im ehemaligen Klostergarten, Heine hat's gesagt,« murmelte Wendelin
halblaut, als fürchtete er, jemand könnte das große Geheimnis hören.
Heine war ein Bäckergeselle, der für die beiden Bäckerbuben ein Orakel
war. Sie fragten Heine nach allen möglichen Dingen, und wenn Heine etwas
sagte, stimmte es sicher.
»Im Klostergarten?« rief Jörgel, »das könnte schon sein, Klaus hat auch
einmal gesagt, das Kloster sei einst reich und mächtig gewesen?«
»Wir wollen den Schatz suchen,« sagte Brigittchen eifrig. »Paßt auf, wir
werden ihn finden, dann helfen wir Klaus und schenken allen Leuten was
zu Weihnachten!«
»Fein,« schrie Anne-Marte und baumelte vor Vergnügen so mit ihren
Beinchen, daß der Mörtel von der alten Stadtmauer herabrieselte.
»Fein wär's schon,« meinte auch Wendelin, und Severin und Jörgel riefen
wie aus einem Munde: »Wir können ja mal suchen!«
»Einen Schatz graben soll aber gefährlich sein,« flüsterte Wendelin;
Brigittchen und Anne-Marte quiekten graulich: »Nein, nein, wir fürchten
uns!«
»Vor was denn, ihr Mauerschwalben?« fragte eine Männerstimme. Unten auf
dem Promenadenweg stand ein Herr, der lachend die fünf auf der Mauer
betrachtete. Jörgel erkannte seinen Onkel, Stadtrat Weber, in dem
Spaziergänger und dachte, nun würde es Schelte geben, weil er auf der
Mauer saß, doch der Onkel nickte ihm nur freundlich zu und ging weiter.
Die fünf aber steckten die Köpfe zusammen und tuschelten und wisperten,
große Pläne waren es, die sie schmiedeten, sie bekamen leuchtende Augen
und heiße Wangen und beinahe wären sie zu spät zum Essen gekommen, so
eifrig hatten sie miteinander beraten.
An diesem Nachmittag suchten Wendelin und Severin den Bäckergesellen
Heine in der Backstube auf. Der war gerade aufgestanden, denn so ein
armer Bäcker muß die Nacht zum Tage machen und umgekehrt. Ein bißchen
knurrig und verschlafen sah Heine daher den Buben entgegen, kaum hatte
er aber gehört, was sie wollten, da wurde er gleich putzmunter. An den
vergrabenen Schatz hatte er nämlich schon lange gedacht, er meinte,
etwas Wahres würde schon an der Geschichte sein, weil er sich aber nicht
auslachen lassen mochte, hatte er noch mit niemand ernstlich darüber
geredet. Auch war er recht furchtsam und meinte, ohne ein Gespenst
könnte es beim Schatzgraben sicher nicht abgehen. »Heisa,« dachte er
nun, »vielleicht finden die Kinder wirklich den Schatz, dann bekommst du
auch deinen Teil, und finden sie ihn nicht, na, dann bist du wenigstens
nicht der Ausgelachte und geschehen kann dir auch nichts.« Er gab also
den beiden bereitwilligst Auskunft. »Der Schatz liegt sicher unter dem
sogenannten Schwedenstein auf dem alten Klosterhof,« sagte er, »dort
grabt ihr einfach morgen, wenn es dunkel ist, ihr müßt halt so lange
graben, bis ihr den Schatz findet!«
Wendelin und Severin nickten. Ja, das war schon recht einfach, wenn nur
die Dunkelheit nicht gewesen wäre. Das Graben selbst beunruhigte sie
nicht weiter, denn das Stück vom Klosterhof, auf dem sich der
Schwedenstein befand -- ein altes Steindenkmal, dessen Inschrift niemand
mehr lesen konnte -- war den Buben recht gut bekannt. Es war der
Grasgarten, der an die Bäckerei stieß, ein stiller, verlorener Winkel,
der auf der einen Seite vom Kreuzgang der Marienkirche begrenzt wurde.
Obstbäume standen jetzt da, wo vor langen Zeiten fromme Mönche gewandelt
waren, und die Frau Bäckermeisterin Gutgesell trocknete ihre Wäsche auf
dem Platz.
Einen richtigen, wohlgepflegten Garten anzulegen, dazu hatte niemand
recht Zeit im Bäckerhause; der Vater meinte, ein Grasgarten sei für die
Buben gerade ein rechter Spielplatz, und an warmen Sommerabenden saß die
Familie gern in der grünen Wildnis, es vermißte niemand gepflegte Wege
und zierliche Blumenbeete.
»Warum nur abends, am Tage können wir doch gerade so gut graben?« murrte
Wendelin.
»Nee, das geht und geht nicht; wer einen Schatz graben will, der muß es
in der Dunkelheit tun, sonst findet er ihn nicht, und der Mond muß
scheinen, und der scheint morgen gerade, also ist's recht,« beharrte
Heine. Der gute Heine war nämlich nicht allein furchtsam, sondern auch
noch schrecklich abergläubisch, »es geht schon über die Hutschnur, wie
sehr,« pflegte der Altgeselle Martin zu sagen.
Wie töricht eigentlich der gute Heine mit all seinem Aberglauben war,
das merkten freilich die Buben nicht, und sie glaubten ihm auf's Wort.
Sie seufzten zwar sehr, und der Gedanke an das nächtliche Schatzgraben
legte sich ihnen wie eine Zentnerlast auf das Herz. »Uff,« ächzte
Wendelin, »das wird graulich,« und Severin stöhnte herzbrechend.
Auch Jörgel, Anne-Marte und Brigittchen fanden die Sache sehr
bedenklich. Zwei Tage lang gingen alle fünf mit sorgenvollen Gesichtern
herum. Als aber am dritten Tage Tante Mathilde erzählte, man habe den
Schwiegersohn vom alten Turmwärter Hippel ins Gefängnis gesteckt, da
schluchzte Brigittchen bitterlich, und weinend sagte sie zu ihren
Freunden: »Wir müssen den Schatz holen!«
Es traf sich, daß am nächsten Tage Doktor Fabian mit seiner Frau über
Land fuhr, Brigittchens Vater war wieder verreist, so konnten die Kinder
noch nach dem Abendessen in das Bäckerhaus eilen, ohne daß es jemand
recht beachtete. »Komm rechtzeitig wieder,« sagte Tante Mathilde zu
Brigittchen, dann vertiefte sie sich in ein Buch und vergaß darüber die
Zeit. Die Köchin Marie bei Doktor Fabian aber saß in der Küche und
strickte, schlief darüber ein und merkte es auch nicht, daß die Kinder
gar nicht heim kamen. Im Bäckerhause war an diesem Abend besonders viel
zu tun; in Neustadt sollte am nächsten Tage ein Turnfest gefeiert
werden, dazu waren viele große Apfel- und Pflaumenkuchen bei Meister
Gutgesell bestellt worden, es hieß also fleißig bei der Arbeit sein.
»Geht zu Bett,« sagte die Meisterin zu ihren Buben, und weil diese, so
viele dumme Streiche sie auch machten, doch folgsam waren, meinte sie,
ihr Befehl sei ausgeführt und die Buben wären ins Bett gegangen.
Die aber saßen mit ihren Freunden zitternd und zagend in ihrer
Schlafkammer, und je später es wurde, je graulicher wurde ihnen zu Mute.
Zur Aufmunterung erzählten sie sich noch allerlei Schauergeschichten,
lauter dummes, unwahres Zeug, und je mehr sie sich erzählten, je
ängstlicher wurden sie.
Auf einmal klopfte es leise an der Türe, Heine erschien mit einer großen
Stallaterne und drei Spaten. »Jetzt laß ich euch zur Hintertüre hinaus,
s'ist gerade Zehn, und der Mond wird gleich zum Vorschein kommen; nun
macht eure Sache gut. Wenn ihr fertig seid, dann klettert ihr die Leiter
hinauf, die am Fenster der zweiten Backstube steht, und pfeift, ich
mache euch dann die Türe wieder auf und laß' euch herein! Laßt euch man
nicht von 'n Gespenst oder so was erwischen, weil's nämlich mit dem
Schatzgraben manchmal bedenklich ist,« ermahnte er noch. Diese Worte
trugen gerade nicht dazu bei, den Mut der Kinder sonderlich zu stärken.
»Es ist schrecklich gruslich!« wimmerte Anne-Marte. Brigittchen
schluckte krampfhaft die Tränen herunter; sie dachte an den alten, guten
Klaus Hippel und daß sie ihm so gern helfen wollte. Ganz mutig tappte
sie also hinter den Buben drein; auch Anne-Marte folgte, als sie die
Freundin so beherzt sah.
Als sich aber die Haustüre hinter den Fünfen schloß und sie so allein in
dem einsamen Grasgarten standen, fing es allen an sehr unheimlich zu
werden. »Pah, s'ist gar nichts, nur los,« rief Jörgel patzig; er guckte
dabei rechts und links, ob sich auch niemand blicken ließ.
»Wir sind doch schon oft so spät draußen gewesen,« prahlten Severin und
Wendelin, und dabei war es, als ob ihnen die Füße am Boden festklebten.
Endlich aber faßten sie sich alle an und marschierten tapfer auf den
alten Stein los, der in einer Ecke des Grasgartens stand.
Es war ein etwas stürmischer, aber warmer Herbsttag. Der Wind spielte
mit dunklen Wetterwolken am Himmel Haschen, und mal flog eine Wolke da,
mal dorthin, und der Mond, der sich gern in seinem vollen Glanz zeigen
wollte, hatte rechtschaffene Mühe, immer wieder hinter den Wolken
hervorzuschauen. Das Häuflein Kinder auf dem alten Klosterhof kam ihm
gewiß recht wunderlich vor.
Unter Seufzen und Ächzen begannen die Buben zu graben. Wendelin hatte
gerade eine kleine Erdscholle ausgehoben, als er flüsterte: »Es hat
geklirrt!«
»Unsinn,« brummte Severin, »ich hab' an die Laterne gestoßen.«
»Ich hab' was,« schrie Jörgel und bückte sich. Er hob etwas Schweres,
Dunkles mühsam auf, und flugs beugten alle fünf ihre Nasen darüber.
»Ein Stein,« murrte Wendelin verächtlich, und Jörgel ließ den Stein mit
einem großen Plumps wieder fallen.
»Ihr müßt besser leuchten,« ermahnte Severin die Mädels, und Anne-Marte
hielt die Laterne so dicht hin, daß es plötzlich einen lauten Krach gab,
Wendelin war mit seinem Spaten in die Laterne gefahren und -- aus war
sie.
Stumm vor Schreck standen die Kinder in der Dunkelheit da. Am liebsten
wären sie alle eins, zwei, drei davon gelaufen, aber sie schämten sich
doch ein bißchen ihrer Zaghaftigkeit.
Just kam der Mond hervor, auch vom Bäckerhause her strahlten Lichter in
die Dunkelheit hinein, und mutig begannen die Buben wieder zu graben.
»Es muß auch ohne Laterne gehen,« trösteten sie sich gegenseitig. »Es
ist ja gar nicht so dunkel, bewahre, ganz hell!«
»Es klirrt,« schrieen auf einmal alle.
»Ich hab' was,« frohlockte Severin bald darauf.
»Ich auch,« rief Jörgel.
Pardauz fuhren die Buben mit ihren Köpfen zusammen, jeder griff nach
etwas.
»Mein Spaten,« schrie Severin.
»Meiner ist's,« knurrte Jörgel.
»Wo habt ihr den Schatz? Ist's eine große Kiste?« fragten die andern.
Aber es war keine Kiste, im Mondlicht konnten die beiden erkennen, daß
einer des anderen Spaten erfaßt hatte. Das war eine rechte Enttäuschung
und sie gruben brummelnd weiter. Ach, war das schwer!
»Dauert das lange, ehe ihr den Schatz findet,« seufzte Anne-Marte.
»Na grab' du doch,« sagte Jörgel unwirsch, aber gleich darauf tröstete
er wieder: »Wir werden ihn schon finden.«
»Es raschelt was,« flüsterte Brigittchen plötzlich, »da bewegt -- sich
-- was!«
Rutsch verschwand der Mond wieder hinter einer Wolke und furchtsam
schauten alle ins Dunkel.
»Es ist der Wind,« sagte Jörgel mutig, »seid nicht so dumm, wer soll uns
denn was tun, losgegraben!«
Etliche Minuten schafften die drei Buben eifrig und die Mädels standen
still dabei, fürchteten sich und wagten es doch nicht zu sagen.
»Potztausend, jetzt ist da was,« schrie Severin, und zu gleicher Zeit
jammerte Brigittchen: »Mein Bein, mein Bein, ach, mich faßt wer an mein
Bein, huhuhu.«
»Dein Bein ist's?« sagte Severin verblüfft und ließ Brigittchens Bein
los, die ein wenig in das gegrabene Loch getreten war.
»Mein Bein ist doch kein Schatz,« klagte die Kleine, denn der Bube hatte
kräftig zugefaßt.
Den andern kam die Sache jetzt spaßhaft vor, sie kicherten laut und
leise und auf einmal war alle Furcht wie weggeblasen. Sie lachten,
schwatzten und gruben, machten Pläne, wie sie den Schatz verwenden
wollten, als plötzlich langsam und dröhnend die Uhr von St. Marien zu
schlagen begann.
»Halb elf ist's schon,« murmelte Wendelin, »so schrecklich spät.« »Ach,
ich bin so müde,« gähnte Severin, ihm war es eingefallen, wie behaglich
es doch sei im Bett zu liegen und zu schlafen.
»Es raschelt wirklich was,« quiekte Anne-Marte. Die anderen horchten
ängstlich und gespannt. Der Wind fuhr sausend durch die Baumwipfel und
der Mond saß wieder hinter der dicken Wolke, sein Licht versilberte nur
fein deren Ränder.
Aber durch das Brausen und Sausen kam noch ein anderer Ton, wie ein
Ächzen klang es, dann wie ein Schnauben und Stampfen.
Die Mädels zitterten wie Espenlaub, Severin und Wendelin hielten ihre
Spaten krampfhaft umfaßt und nur Jörgel wagte zu sprechen: »Es ist
nichts, wenn's windig ist, gibt es oft so komische Töne,« sagte er, aber
seine Stimme schwankte ein wenig.
»Wenn es nur nicht so dunkel wäre,« klagte Brigittchen, und es klang als
zirpte ein verflogenes Vögelchen.
»Es kommt was!« schrie Wendelin und machte einen Satz, länger als er
selbst war.
»Huh!« brüllte Severin, den ganz unvermutet etwas Ungeheuerliches
angerannt hatte.
Ein wildes Zetergeschrei erhob sich, da war ein Gespenst, ein Ungeheuer,
irgend etwas Furchtbares. Der Mond, der gerade wie ein rechter Schelm
hinter seiner Wolke hervorguckte, ließ das unheimliche, schnaubende Ding
im ungewissen Licht riesengroß und grauenerregend erscheinen. Zur Ehre
sei's gesagt, daß die Buben in dieser Not die Mädels nicht im Stich
ließen, Jörgel ergriff Brigittchens Hand, Wendelin riß Anne-Marte mit
fort, Severin purzelte heulend hinterdrein, und so jagten alle fünf in
wilder Hast dem Hause zu.
»Die Leiter hinauf in die Backstube«, keuchte Jörgel. Von dort grüßte
kein Licht, wie verabredet war, die Schatzgräber; Heine mußte nicht in
der Backstube sein. Aber dies kümmerte die Kinder herzlich wenig. Eins
nach dem andern hastete zitternd vor Angst die Leiter hinauf und hopste
oben in die Backstube.
Klatsch, war Brigittchen drin, Jörgel folgte. »Uff,« ächzte er, »was ist
denn das!«
»Es ist so weich!« schrie Anne-Marte, die ihm folgte. »Ich bin in -- in
-- den Teig gefallen,« jammerte Wendelin. Plumps, fiel Severin in die
Kammer, es gab einen Krach, ein Angstgeschrei, die Kinder prusteten,
husteten, klagten, heulten, keins wußte, was geschehen war, und sie
meinten nicht anders als das Gespenst sei ihnen gefolgt.
»Potztausend noch mal, was ist denn hier für ein Lärm?« rief eine
dröhnende Stimme. Eine Tür öffnete sich und hell flutete ein breiter
Lichtstrom in die dunkle Backstube.
Meister Gutgesell stand auf der Schwelle, hinter ihm erschien der
Altgeselle, die Meisterin, ein Lehrjunge und ganz im Hintergrunde
tauchte flüchtig Heines verstörtes Gesicht auf, es verschwand aber
rasch.
»Na, Schockschwerenot, was ist denn das für eine Bescherung?« rief der
Meister und sah entsetzt auf fünf krabbelnde, zappelnde Wesen, die sich
auf -- ungebackenen Pflaumenkuchen herumwälzten und die verschleiert
wurden von einer dichten, weißen Mehlwolke; eine große Backmulde lag
umgestürzt am Boden. Beim Anblick der Eltern begannen die beiden
Bäckerbuben Zeter und Mordio zu schreien, Brigittchen und Anne-Marte
halfen ihnen dabei, nur Jörgel schwieg; er war gerade mit dem Gesicht in
einen Pflaumenkuchen gefallen und prustete, leckte und spuckte, um nur
Luft zu bekommen.
»Alle guten Geister, was ist das?« rief die Meisterin. Sie drängte sich
vor und ergriff eins der kleinen, schreienden Wesen, es war Brigittchen,
die sie erfaßt hatte.
»Das Gespenst!« jammerte die Kleine, und klammerte sich an die Frau und
»das Gespenst, das Gespenst!« erklang es heulend im Chor.
»Na, nun schlag's dreizehn!« schrie der Meister zornig, »was soll denn
das nur bedeuten, Wendelin, du Schlingel, was machst denn du auf dem
Pflaumenkuchen?«
»Das ist kurios,« sagte der Altgeselle, der nicht leicht aus seiner Ruhe
herauskam. »So was hab' ich meiner Lebtage noch nicht gesehen«.
»Na, ich auch nicht, ei, ihr heillose Gesellschaft, ihr!« wetterte der
Meister und ergriff Severin rechts und Wendelin links, und spaßhaft sah
die Sache in diesem Augenblick für die beiden Buben wirklich nicht aus.
Trotz ihres eigenen Kummers aber sah Brigittchen, daß es ihren Freunden
schlimm ergehen sollte, und schluchzend rief sie: »Ich -- ich -- bin
dran -- schuld, ich -- ich -- wollte den Schatz -- -- -- --.« Weiter kam
sie nicht, der Teig, der ihr im Gesicht klebte, kam ihr in den Mund und
sie schluckte krampfhaft.
»Kommt erst mal alle vor,« sagte die Meisterin nicht unfreundlich; sie
sah ihren Mann bittend an und der faßte Severin und Wendelin und zog sie
mit fort, die Meisterin mit den anderen drei Kindern folgte.
In der Küche wusch ihnen die gutherzige Frau erst die verweinten, mit
Teig und Mehl beschmierten Gesichter ab, dann sollten die kleinen
Missetäter erzählen. Das ging aber nicht so einfach. Erst schrieen alle
durcheinander, dann kamen die beiden Mädels immer wieder ins Heulen, und
Severin und Wendelin sagten nur: »Wir haben's doch nicht böse gemeint.«
Da nahm sich Jörgel zusammen und tapfer erzählte er die ganze
schreckliche Geschichte.
»Solche Dummköpfe, wie ihr fünf aber auch seid,« brummte der Meister.
»Sechs Dummköpfe,« murmelte der Altgeselle und sah strafend nach der
Türe, hinter der Heine zagend lauschte.
»Ja, sechs, Heine ist der größte,« rief Meister Gutgesell, und husch war
der lange Heine hinter der Türe verschwunden.
Die Meisterin meinte milde und nachsichtig, Strafe hätten die Kinder
eigentlich genug gehabt für ihr heimliches Tun. Daß sie in die
Pflaumenkuchen gefallen waren, dafür konnten sie freilich nichts; weil
es viele Kuchen waren, hatte nämlich der Meister sie, was sonst nicht
geschah, in die zweite Backstube auf die Erde stellen lassen. Heine
hatte, als er dies gesehen, die Kinder auf dem Hof abpassen wollen, über
aller Arbeit aber nicht zur rechten Zeit hinunter gehen können.
»Meine schönen Kuchen, ein Jammer ist's,« brummte Meister Gutgesell
grollend, und Wendelin und Severin senkten ihre Nasen fast bis zur Erde.
»Ach -- und -- und dem alten Klaus -- können wir -- wir -- nichts
geben,« schluchzte Brigittchen, die schon ganz dick verweinte Augen
hatte.
»Die Kinder müssen vor allen Dingen nach Hause gebracht werden,« sagte
die Meisterin, die in ihrem gütigen Herzen inniges Mitleid mit den
kleinen, verunglückten Schatzgräbern empfand.
»'s war unser Esel,« sagte auf einmal Martin, der Altgeselle, der ein
Weilchen das Zimmer verlassen hatte und eben wieder eintrat.
»Was soll denn das heißen, was ist denn nun wieder mit unserem Esel?«
rief der Meister, der seinen Ärger noch nicht überwunden hatte und einen
neuen vermutete.
»Das Gespenst war er,« erwiderte Martin trocken.
»Unser Grauchen war -- das Gespenst?« schrie Severin und riß den Mund
weit wie eine Schublade auf.
»Unsern Esel habt ihr für ein Gespenst angesehen, o, ihr Bangbüxen, ihr
kleinen, törichten Hasenfüße, ihr,« rief der Meister, und sein
verärgertes Gesicht hellte sich auf; er lachte so herzlich, daß seine
Frau, der Geselle und der Lehrjunge mit einstimmten. Anne-Marte, die
ohnehin eine rechte Lachtaube war, kicherte ebenfalls, und zuletzt
lachten alle aus vollem Halse. Selbst Brigittchen lächelte ein wenig,
freilich nicht sehr, ihr war das kleine Herzchen doch recht schwer.
»Komm, ich führe dich selbst heim,« sagte die Meisterin liebevoll; sie
hatte das zarte, liebliche Kind besonders in ihr Herz geschlossen. »Ihr
Buben geht jetzt zu Bett, aber wirklich,« wandte sie sich zu Wendelin
und Severin, »und ihr Doktorkinder kommt, ich bringe euch alle
miteinander heim, damit ihr endlich zur Ruhe kommt.« Brigittchen ging
mit zaghaften Schritten auf Meister Gutgesell zu, »bitte verzeihen Sie,«
stammelte sie, und es war, als hätte dies Wort die Zungen der anderen
Kinder gelöst, bittend umdrängten sie den Meister.
»Na, laßt man,« sagte der gutmütig, »um die schönen Kuchen und das gute
Mehl ist's freilich schade, aber es soll euch verziehen sein, nur
versprecht mir, daß ihr nicht mehr auf den Gedanken kommt, bei Nacht und
Nebel auf's Schatzgraben auszugehen, das ist dummer Schnickschnack.«
Das versprachen die Kinder freilich gern, die Angst lag ihnen noch
schwer in den Gliedern und sie waren alle froh, so heil davon gekommen
zu sein. »Mit Freund Heine werde ich aber noch ein ernstes Wörtchen
reden,« murmelte Meister Gutgesell, »wehe, wenn der mir noch mal den
Kindern solche Narrenpossen vorredet, so ein abergläubisches Geschnack
kann ich meiner Seel' nicht leiden!«
Der Altgesell grinste: »Einer denkt s'ist ein Gespenst und dann ist's 'n
Esel, so geht's allemal. Schatzgraben, Unsinn, schade um unsern
Pflaumenkuchen.«
»Ja, schade drum,« meinte auch der Meister, »aber nun rasch an die
Arbeit, sonst kriegen meine Kunden morgen ob der Gespenstergeschichte
keine Semmeln zum Kaffee.«
Die Meisterin brachte die drei Kinder nach Hause; die bekamen an diesem
Abend freilich noch manches Scheltwort zu hören und sie waren alle drei
herzlich froh, als sie erst im Bett lagen. Die Doktorskinder schliefen
bald wie die Murmeltiere, Brigittchen aber lag noch lange mit offenen
Augen da, sie dachte nur immer: »Nun wird dem alten Klaus nicht
geholfen.«
Es wurde ihm aber doch geholfen, und zwar von niemand anderem als von
Brigittchens Vater.
Die Schatzgräbergeschichte blieb nicht verborgen. Der Lehrjunge, der
früh die Semmeln austrug, erzählte sie da und dort, und einer erzählte
sie dem anderen weiter, und alle Leute lachten darüber. Die fünf
Schatzgräber hatten mancherlei Neckereien zu tragen, aber dies focht sie
nicht sonderlich an, weil das Ende der Geschichte so gut wurde. Herr
Schön hörte, als er am nächsten Tage von seiner Reise zurückkam, auch
von der Sache, Brigittchen erzählte ihm selbst alles; er sagte nicht
viel dazu, aber er ging an dem Nachmittag noch selbst zu dem
Bankdirektor und erbot sich, Bürge zu sein für das verlorene Geld. Den
Schwiegersohn der Pantoffelmachersleute, den er nämlich als braven Mann
kannte, stellte er in seinem Geschäft an, das verlorene Geld sollte er
nach und nach ersetzen; Herr Schön zahlte edelmütig dem Mann etwas mehr
Gehalt, so daß es diesem möglich war, mit der Zeit die Summe zusammen zu
sparen.
Das war ein Jubeltag in dem runden Stadtturm, als Brigittchen in
Begleitung ihrer Freunde selbst die frohe Kunde überbrachte. Da gab es
wieder Lachen, Pfeifen und Singen wie sonst und es war, als hätte die
Sonne gemerkt was los war; sie schaute strahlend hell wie ein frohes
Kind in das Stübchen. »Ich erzähl' euch morgen die allerschönste
Geschichte aus meiner alten Chronik,« sagte Vater Klaus, »nur heute
nicht, heute kann ich's vor Freude nicht«.
»Ich auch nicht,« sagte Mutter Paulinchen, sie trieselte dabei ganz in
Gedanken ihr Strickzeug auf, und als sie es sah, lachte sie. Die Kinder
lachten auch und singend und lachend zogen sie dann hinaus, saßen im
warmen Sonnenschein auf der alten Stadtmauer und freuten sich, daß alles
so gut geworden war.
Gertrudis.
Eine Geschichte aus alten Zeiten.
Doktor Theobald Fröhlich stand in seinem Hause am Fenster und sah
hinaus. Draußen schneite es wieder ein bißchen und der Doktor fand
Neustadt heute noch stiller als sonst. Acht Tage war er nun schon hier,
wie lange sie ihm erschienen! Er seufzte ein wenig; eigentlich gab es
doch sehr wenig Unterhaltung in so einem kleinen Nest. Wenn nur erst
seine Schwester da wäre, damit er jemand hätte, mit dem er so recht nach
Herzenslust plaudern könnte.
»Der Herr Doktor sollte spazieren gehen,« meinte die alte Dorothee, die
sachte durch das Zimmer ging, und wohl sah, daß ihrem Herrn die Stille
nicht sonderlich behagte.
»Ja, spazieren gehen, das ist das Beste,« dachte der Doktor. Er nahm Hut
und Wettermantel und stapfte bald vergnügt durch den Schnee. Sein Ziel
sollte diesmal die alte Stadtmauer bilden. Es dauerte auch nicht lange,
da stand er vor dem alten Wartturm, der eine mächtige weiße Kappe trug
und an diesem Wintertag ein bißchen grauer und trübseliger als in
Sommerszeiten drein schaute. Das Blumenbrettlein fehlte vor dem Fenster,
auch Pantoffeln hingen nicht wie sonst heraus, nur ein kleines,
schwarzes Schild zeigte an, daß man hier Pantoffeln kaufen könnte. Auch
daß ein Museum im Turm war, las der Doktor unten am Eingangstore; das
war ihm gerade recht; kurz entschlossen öffnete er die graue,
verwitterte Pforte, und schrill schlug die kleine Türglocke an.
»Mutter Paulinchen, ich glaube, es fliegt ein weißer Spatz in den Turm,«
sagte oben Klaus Hippel.
»I nee, bei dem Wetter,« meinte die Pantoffelmacherin und lachte, als
hätte ihr Mann die spaßhafteste Sache von der Welt erzählt.
Ihr Lachen fand Widerhall, denn das Turmstübchen war voller Gäste. Mit
roten Wangen, roten Nasen und Ohren, die sie sich draußen in der Kälte
geholt hatten, saßen Brigittchen, Anne-Marte, Jörgel und die Brüder
Gutgesell auf der Ofenbank und auf Mutter Paulinchens großer Truhe.
Meister Hippel erzählte ihnen gerade wieder etwas aus seiner alten
Chronik.
»Es kommt doch wer, Paulinchen,« sagte der Pantoffelmacher, und da trat
auch schon Doktor Fröhlich in die Stube. Der Doktor vergaß vor lauter
Erstaunen ordentlich guten Tag zu sagen, denn so etwas wie dieses kleine
Turmgemach hatte er in seinem Leben noch nicht gesehen. Es sah so bunt
und lustig aus wie eine Jahrmarktsbude. Meister Hippel klebte nämlich
jedes Bild das er bekommen konnte, an die Wand, dazwischen hingen rote,
grüne und braune Tuch- und Samtpantoffeln, zwei Vogelbauer, eine alte
Landsknechtlanze und ein krummer Säbel; auf einem Brett standen bunte
Teller und Krüge, vor den Fenstern blühten trotz des Winters allerlei
Blumen; Blumen und rote Herzen waren auch auf den Schrank und auf die
Truhe gemalt. Dazu trug Frau Paulinchen noch ein blitzeblaues Kleid.
»Gelt, kunterbunt sieht's bei uns aus, Herr Doktor Fröhlich?« sagte
Klaus Hippel.