»Vater, thu ihm doch nix! Vater, hör doch!« Josefine warf sich mit der
ganzen Wucht ihrer jungen Kraft gegen die Thür und rüttelte am Schloß.
»Mach ens auf, Vater!«
Er ließ sie rufen und klopfen. »Rumtreiber, Lügner!« stöhnte er
zwischen den zusammengebissenen Zähnen. Und dann machte er einen großen
Schritt und langte den Stecken hinter dem Ofen vor und stand wieder vor
dem ganz in eine Ecke Gedrückten.
»Komm ’raus!« Eine unbarmherzige Strenge lag um des Feldwebels Mund,
nichts regte sich in seinem Gesicht. »Hose ’runter! Eins, zwei –«
Der junge Bursche starrte ihn an, als verstände er nicht. Seine Augen
waren schreckhaft weit geöffnet, er wurde totenblaß, und dann schoß ihm
auf einmal eine glühende Röte bis unter die Haarwurzeln.
»Hörst du nicht? Hose ’runter – eins – zwei – drei!«
»Laß mich!« Das war ein Schrei der Empörung. Beide Hände vorgestreckt,
stierte der junge Mensch den Vater an. »Ich laß mich nit hauen – ich
laß mich nit mehr hauen! Ich will mich nit mehr –«
»Du – du läßt dich nicht mehr hauen? Du willst nicht mehr?! Was?!«
Schon hatte der starke Arm des Feldwebels den sich verzweifelt
Sträubenden aus der Ecke gezerrt. Kein Widerstand half. Wie ein
unmündiges Kind wurde der Sohn über’s Knie gezogen – Hose herunter
– eins, zwei, drei – sausend fiel die Gerte nieder. Und wieder und
wieder.
Weiter kein Laut hörbar. Auch die draußen Lauschenden waren verstummt.
»So,« sagte jetzt der Vater kurz und schleuderte die Gerte weg. »So. Nu
kannst du gehen!«
Der Sohn richtete sich auf. Mit zitternden Händen seinen Anzug ordnend,
stand er einen Augenblick, dann wankte er zur Thür. Als er den Riegel
fortschob, warf er einen Blick in die Stube zurück, einen einzigen
kurzen Blick, scheu und von unten herauf; aber neben der Furcht, und
stärker als diese, glimmte noch etwas andres in seinen Augen.
»Adjüs!« sagte er heiser. Dann riß er die Thür auf.
An Mutter und Schwester vorbei stürzend, flüchtete er die Treppe
hinunter. Vergebens riefen sie ihm nach.
Als die Frauen bestürzt in die Stube traten, saß der Feldwebel wieder
vor seiner Zeitung, anscheinend ganz vertieft. Aber Josefine fand, der
Vater hatte eine seltsam gramvolle Miene.